Okt 06 2008

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Wirtschaftliche Freiheit bedeutet auch Verluste wegstecken zu müssen

Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

“In verschiedenen europäischen Ländern übernimmt nun der Staat eine Garantie für die Spareinlagen seiner Bürger. Das heisst, dass falls die Spareinlagen der Bürger verloren gehen, der Staat diese Bürger besteuern wird, um ihnen aus diesen Steuergeldern ihre Spareinlagen zu “erstatten”,”

schreibt Christian Hoffmann. Und hat natürlich Recht. Was uns da, auch in Deutschland, als “vertrauensbildende Maßnahme” verkauft wird, wirkt auf mich irgendwie eigenartig.

Mal ganz platt gesagt: Ab einem gewissen Punkt wird die Bundesregierung einen echten worst case auch nicht mehr in den Griff bekommen können, so toll diese “Garantie” für ein paar wenige Menschen und ihr Vermögen auch erstmal klingen mag.

Der Preis dafür ist, dass auch hier wieder das Prinzip, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu vergesellschaftlichen, angewendet wurde. Ein Prinzip, dass mit Marktwirtschaft nichts zu tun hat und von vielen Menschen als unsozial empfunden wird - mich eingeschlossen.

Natürlich findet die große Masse der Menschen, dass die Lösung darüberhinaus - logisch - in Verstaatlichung kriselnder Banken liegen sollte.

Aber mal im Ernst: Eine Bank, die im Prinzip pleite ist und dann verstaatlicht wird - Leute, dass ist doch unter dem Strich dass selbe, wie einer privaten mit irgendwelchen Krediten aushelfen. Zumindest von den Kosten her. Eine verstaatliche Bank macht aber sehr wahrscheinlich über kurz oder lang schlimmstenfalls weitere Verluste, sicherlich aber zumindest weniger Gewinn als eine private macht und bringt so letztlich für die Volkswirtschaft weniger ein, als es eine Private könnte.

24 Prozent der Deutschen sind nach einer aktuellen Spiegel-Umfrage (im gedruckten allerdings) aber dafür, Pleite-Banken auch wirklich pleite gehen zu lassen. Mit 24 Prozent Zustimmung zu meiner eigenen Position kann ich als FDPler natürlich sehr zufrieden sein. Aber ich hoffe trotzdem, dass zumindest diejenigen, die Verstaatlichung nicht nur um der Verstaatlichung Willen für eine gute Idee halten, da nochmal gut drüber nachdenken, ob eine Vergesellschaftlichung hoher Verluste wirklich dass ist, was sie befürworten wollen.

Es ist ganz normaler Teil einer Marktwirtschaft, dass schlecht wirtschaftende Unternehmen untergehen. Man nennt dass die Selbstreinigung des Marktes. Wer dass, mit welchen guten oder gut gemeinten Absichten auch immer, unterbinden will, der sollte sich im Klaren sein, dass er damit Misswirtschaft fördern wird.

9 Kommentare

9 Kommentare to “Wirtschaftliche Freiheit bedeutet auch Verluste wegstecken zu müssen”

  1. Dagnyam 6. Oktober 2008 um 23:46 1

    Leider ist die Kreditkrise in einem Sektor entstanden, der eh schon massiv unter staatlicher Aufsicht stand. Von #Freiem Markt# kann keine Rede sein - das ist schon daran erkennbar, dass es ein gesetzliches, staatliches Geldmonopol gibt.

  2. Janam 7. Oktober 2008 um 10:48 2

    Ist ja richtig aber deswegen muss man sich trotzdem nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wie Regierungen dass derzeit tun. Wenn ich lese, dass Irland gerne hätte, dass europaweit alle Ersparnisse bis 100.000 Euro abgesichert werden sollen, dann frage ich mich wirklich, wie die dass im Fall eines echten worst case eigentlich machen wollen.

  3. Paulam 7. Oktober 2008 um 12:18 3

    Au…ganz böses Moral Hazard. Der Staat garantiert die Einlagen dann werden Banken leichtsinnig(er). Garantieren die Banken untereinander (wie beim Einlagensicherungsfonds der privaten Banken) hat jedes Institut ein Auge auf das andere weil niemand gern für die Fehler anderer zahlen will.

    Die einzige sinnvolle Lösung ist es Banken die praktisch pleite sind unter Treuhand zu nehmen und geregelt zu liquidieren. Der Bankensektor in Deutschland gehört ohnehin konsolidiert….wäre gerade eine gute Gelegenheit ;-)

  4. [...] nichts aus der ganzen Chose. christian hoffmann - Politische Tautologien [↩]jan filter - Wirtschaftliche Freiheit bedeutet auch Verluste wegstecken zu müssen [↩] « Endziel, Sonderanstalt, konzentrierte Lager This post was written by [...]

  5. Markusam 8. Oktober 2008 um 23:25 5

    Was ist das größere Verbrechen, eine Bank auszurauben oder eine zu gründen? Derzeit scheint die Antwort eindeutig in Richtung Gründung einer Bank zu gehen.

    Aber prinzipientreue Liberale haben auch für Pleitebanken ein Patentrezept parat: die Selbstreinigungskräfte des Marktes. Nur was, wenn diese Prinzipientreue uns alle mit in den für die Pleitebanken gedachten Abgrund reißt?

    Sicherlich ist es für einen Außenstehenden sehr schwierig, richtig einzuschätzen, wann dies der Fall wäre und wann nicht. Aber bei den gegenwärtigen heftigen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten wird man wohl so “gutgläubig” sein müssen und einen “worst case” nicht ausschließen können. Daher bleibt gar nichts anderes übrig, als daß der (von manchen ungeliebte) Staat eingreift. Der springende Punk ist nur, wie?

    Ein Verstaatlichung oder auch nur Teilverstaatlichung sollte bei den zu erwägenden Handlungsoptionen nicht die schlechteste aller Möglichkeiten sein. Böte diese doch die Chance, der Allgemeinheit die verauslagten Steuergelder durch eine spätere Reprivatisierung wenigstens zum Tel wiederhereinzuholen und bis dahin eine Mitsprache des Staates zu sichern, bei dem was in den zu sanierenden Banken im einzelnen passiert.

  6. Janam 8. Oktober 2008 um 23:53 6

    “Was ist das größere Verbrechen, eine Bank auszurauben oder eine zu gründen? Derzeit scheint die Antwort eindeutig in Richtung Gründung einer Bank zu gehen.”

    Wie kommst du darauf?

    “Nur was, wenn diese Prinzipientreue uns alle mit in den für die Pleitebanken gedachten Abgrund reißt?”

    Dann böte das Ergebnis wenigstens die Chance, künftig nicht die selben Fehler wieder zu machen und sich aus der Finanzwirtschaft rauszuhalten. Da “diese Prinzipientreue” aber natürlich Meilenweit neben dem erzetatistischen Mainstream liegt, musst du dich wohl kaum davor fürchten, dass sie die Politik bestimmt.

    Und der “Worst case”? Ist doch völlig illusorisch, dass die Bundesregierung in dem Fall wirklich hält, was sie da versprochen hat. Wie soll es funktionieren, jedem seine Ersparnisse aus Steuergeld sichern zu wollen, dass genau die gleichen Leute bezahlen müssen? Was für eine Sorte Sicherheit soll denn das sein?

    Und “Reprivatisierung”? Ich lach mich tot. Was der Staat einmal in die Finger kriegt, dass gibt er doch heutzutage nicht mehr her. Oder was ist mit Volkswagen? Der Bahn, Post, Telekom? Vom Energie”markt” mal ganz zu schweigen.

    Privatisierungen sind doch hierzulande immer nur halbherzige Börsengänge, wenn überhaupt. Klientelpolitik für diese Konzerne bleibt an der Tagesordnung - sind ja nunmal gute Einnahmequellen und helfen bei der Machtanreicherung.

  7. Markusam 10. Oktober 2008 um 01:03 7

    Selbst wenn der Staat die privatwirtschaftlichen Pferde zur Tränke des Geschäftemachens geführt haben sollte, “trinken” müssen sie selber, und das haben sie auch ausgiebig getan. Die Deutsche Bank z.B. hat Verbindlichkeiten, die 86% des deutschen Bruttoinlandsprodukts entsprechen.

    Man kann den Staat und die Politik zwar für manches verantwortlich machen, was schiefgelaufen ist, aber darf die Fehler der Wirtschaftsleute dabei nicht einfach unter den Teppich kehren.

  8. Janam 10. Oktober 2008 um 10:25 8

    Das schöne an Fehlern privater Geschäftemacher ist aber, dass sie uns nichts angehen müssen. Solange die Deutsche Bank kein Geld von mir einfordert und dazu die Staatsgewalt einspannt, ist mir weitgehend egal was die machen, solange mich das nicht tangiert.

    Wenn aber staatlicherseits gewisse Rahmenbedingungen geschaffen werden, dann geschieht dass jawohl entweder, weil man dass, was daraufhin passiert will oder weil man blöde ist und sich vertan hat.

    Oder um im Bild zu bleiben: Wer ein Pferd zur Tränke führt, der wird davon ausgehen müssen, dass es auch trinkt. Dem Pferd daraus einen Vorwurf zu machen ist genauso albern wie Hartz-IV-Empfänger zu Schmarotzern zu erklären. Angebote sind dazu da, genutzt zu werden, also muss genau damit gerechnet werden. Das gilt überall, alles andere wäre naiv.

    Wenn ich ne geladene Pistole ins Kinderzimme lege, werde ich wohl kaum dem Kind die Schuld dafür geben können, dass es damit rumspielt. Nun sind Banken weißgott keine Kinder aber der Markt seinem Wesen nach so gierig, dass naturgemäß im Wettbewerb alle Register gezogen werden.

    Und das ist ja auch gut so, nur so kann das alles ja funktionieren - aber Regierungen sollten das eben wissen und bei ihrer Politik berücksichtigen. Jeder “komische” staatliche Anreiz verzerrt doch sofort den ganzen Markt - und was jetzt geschehen ist, ist letztendlich das Ergebnis der Verzerrungen der amerikanischen Politik.

  9. Markusam 10. Oktober 2008 um 23:53 9

    Wenn eine Großbank schwere Fehler macht, kann das niemandem völlig egal sein. Die unmittelbaren Folgen für die gesamte Wirtschaft sind einfach zu gravierend.

    Und was die staatlich geschaffenen Rahmenbedingungen betrifft, stehen diese seit gut drei Jahrzehnten auf Marktöffnungskurs und Vertrauen in die segensreichen Wirkungen derselben, gewiß aber nicht auf Kontrollkurs. Wie sich nun herausgestellt, war das eine folgenschwere Fehleinschätzung. Die Verantwortung für das angerichtete Finanzdesaster ausschließlich der Politik zu geben und die Finanzmarktakteure außen vor zu lassen, greift aber entschieden zu kurz.

    Was du als “komische staatliche Anreize” und Verzerrungen der amerikanischen Politik bezeichnest, läßt sich m.E. auf die Überliquidität der Unternehmen und die Überersparnis der Begüterten zurückführen. Beides zusammen gab dem “Finanz-Casino” das nötige “Spielgeld” an die Hand und ist das Ergebnis einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

    Als “gerechte Strafe” müßte man die “spielsüchtigen Banken” eigentlich allesamt pleite gehen lassen. Aber wer kann das schon verantworten? Zumindest eine private Haftbarmachung der “gierigen Zocker” müßte aber möglich sein, wenn der politische Wille dazu besteht.

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