Okt 12 2008
Der Baader-Meinhof-Komplex
Wie erwähnt, habe ich gestern den “Baader-Meinhof-Komplex” im Kino gesehen.
Ich fand den Film gut. Besonders die Anfangszenen, wo die Straßenschlacht beim Schah-Besuch ziemlich ergreifend dargestellt wurde und auch andere Szenen, die uns so viel später geborenen nachvollziehen lassen, wie dass entstanden ist, was wir heute vielleicht zu oft so negativ “die 68er” nennen. Denn wenn man eins aus diesem Film mitnehmen kann, dann das, dass damals selbstverständlich vieles nicht in Ordnung gewesen ist in diesem Land. Im Film sieht man z.B. Szenen, in denen berittene Polizei den apokalyptischen Reitern gleich knüppelschwingend durch wehrlose Demonstranten reiten, nachdem sich ihre Kollegen lieber auf die Seite der vom Schah mitgebrachten “Jubelperser” geschlagen hatten, als auf die der Demonstranten, die von diesen mit Dachlatten angegriffen wurden. Derartige Szenen sind heute undenkbar.
Das sind Szenen, bei denen ich die Wut der jungen Leute damals nachfühlen konnte. Wer würde schon in so einem Land leben wollen, noch dazu mit dem Wissen, was knapp 30 Jahre vorher dort geschehen ist?
Dass sich daraus dann eben auch die RAF entwickelt hat, kann natürlich kein Mensch nachvollziehen. Diese Leute wahren Wahnsinnige, verrückt geworden vielleicht durch die Umstände der Zeit aber letztlich nichts weiter als Verbrecher, die sich immer mehr in ihren Wahn reingesteigert haben.
Ich denke, der Film eignet sich gut, um sich einen Überblick über die Zustände in der damaligen Bundesrepublick zu verschaffen. Natürlich beruhen Teile des Films auf der Fantasie seiner Macher, schon weil viele Details eben nach wie vor spekulativ sind. Die Rahmenhandlung aber stimmt ja und mir kam da nichts übertrieben, geschönt oder was auch immer man an Kritik von der einen oder anderen Seite lesen konnte, vor.
9 Kommentare



[...] Der Baader-Meinhof-Komplex [...]
Beim G8 Gipfel in Deutschland wurde ein Wasserwerfer in die friedliche Menge der Abschlusskundgebung einer Demo gefahren. Bei dem gleichen Gipfel werden friedliche Blockaden mit Schlagstockeinsätzen gelöst. Bei einer Anti-Nazi Demo in Minden wurden 2007 friedliche Demonstranten von Polizisten mit Pfefferspray und Schlagstöckern gejagt. Bei Gegendemos zum Kölner Anti-Islamkongres 2008 schlagen sich Polizisten mit Fäusten durch einige Blockaden. Das sind nur die Sachen die ich persönlich miterlebt habe.
Noch schlimmer ist es beim G8-Gipfel 2001 in Italien wo Polizisten auf einen schwer verletzten, am Boden liegenden Demonstranten einschlagen, der daraufhin stirbt. Aber die verantwortlichen Polizisten werden natürlich frei gesprochen. Und mir kann niemand erzählen das so was in Deutschland nie passieren könnte.
Das einzige was sich geändert hat ist das die Leute heute nicht mehr auf die Straße gehen um etwas zu verändern!
Ganz zu schweigen von der Verhältnislosigkeit dieser Art: http://video.google.de/videopl.....2606192748
PS: 2 Minuten Video reichen…
Naja, Genua liegt zumindest nicht in Deutschland, außerdem sehe ich schon noch einen Unterschied zwischen Blockaden und der Sorte Demonstration, die im Film zu sehen ist. Eine Blockade ist ja schon keine friedliche Demonstration mehr, sondern zielt darauf ab, irgendwas gewaltsam zu ver- oder behindern.
Inwieweit irgendwelche Reaktionen der Polizei da nun ungerechtfertigt waren (will ich auch überhaupt nicht ausschließen), ist immer ein bisschen schwierig zu beurteilen aber was ich so den Medien gerade zu dieser Sache da in Köln entnehmen konnte, ließ nicht grade darauf schließen, dass die Polizei nun besonders auf Seiten der Kongressveranstalter gestanden hätte. Auch dass meiner Meinung nach ein deutlicher Unterschied zu damals, wo ja die Staatsmacht ganz offen Partei ergriffen hatte und nicht etwa die Angegriffenen von den Angreifern versucht hat zu trennen, sondern einfach mitgemacht hat.
Deshalb rede ich ja von Verhältnislosigkeit. Ein Polizist ist schwer bewaffnet und muß eine Situation deswegen objektiv beurteilen, Gewalttäter klar von Opfern der Situation unterscheiden können und nicht in einen Blutrausch geraten.
Fand den Film teilweise sehr oberflächlich. Meine größte Befürchtung ist, dass zu viele Menschen nach dem Film der Illusion erliegen, zu wissen, wie es war.
Das Buch von Aust ist großartig und ohne Einschränkung zu empfehlen. Wir beim Medium Film bleiben will, sollte allerdings lieber den Fernseh-Zweiteiler von Heinrich Breloer (Todesspiel) schauen. Dort wird die Sache aus verschiedenen Perspektiven erzählt.
In dem Buch von Stefan Aust wird nicht darüber berichtet, dass Ulrike Meinhof bei ihrer Festnahme weinte, obwohl es in den Akten steht.
Die NS-Vergangenheit der Familie Meinhof wird von Aust unterschlagen.
Ich habe hier ein gutes Interview mit Stefan Aust, Arnulf Baring, Nadja Uhl und Gabriela Sperl gefunden: Das Historische Quartett