Gewerkschaftsmitglieder müssen diesmal selber entscheiden
Posted on | Oktober 20, 2008 | 4 Comments
DGB-Chef Sommer hat verkündet, zur kommenden Bundestagswahl mal keine Wahlempfehlung für die SPD abzugeben. Die Gewerkschafter der Republik müssen wohl zur Abwechslung mal selber gucken, was in den Wahlprogrammen so drin steht und wie jeder andere auch danach entscheiden, wem sie ihre Stimme geben.
Hätte die SPD irgendwann in den letzten zehn Jahren Mindestlöhne und eine (mindestens 50prozentige) Erbschaftssteuer eingeführt und hieße die Parteichefin und/oder Kanzlerkandidatin Nahles, könnte man sich ja vielleicht noch dazu herablassen – aber so? Mit Steinmeier und Müntefering an der Spitze? Nicht mit dem DGB.
Nee, jetzt mal ohne Scheiss: Diese “Empfehlungen” interessieren doch hoffentlich keine Sau, oder? Nur weil man Mitglied einer Gewerkschaft wird, gibt man doch nicht seinen Willen am Henriette-Herz-Platz in Berlin ab und wählt nur noch, was dort den Segen des Chefs kriegt.
Oder?
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4 Responses to “Gewerkschaftsmitglieder müssen diesmal selber entscheiden”
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Oktober 20th, 2008 @ 13:18
Ich fürchte, diese Empfehlungen interessieren doch sehr viele Menschen. Zum einen gibt es nicht nur Sozialhilfe-Dynastien, sondern auch – zumindest in bestimmenten Schichten, wo das Selbstdenken nicht so angesagt ist, den Trend das zu wählen, was man in der Familien schon immer gewählt hat. Was dann meistens auf CSU oder SPD hinausläuft. Insofern gibt es viele, die “aus Prinzip” eine bestimmte Partei wählen – und das war früher für die Gewerkschafter eben die SPD. Aber man muss es ihnen schon immer mal wieder sagen.
Einen anderer Blickwinkel habe ich durch meine eigene Kandidatur erhalten: Ich habe von vielen (die noch nie FDP gewählt haben) gehört, diesmal kennen sie ja mich als Kandidaten und daher wählen sie mich UND EMPFEHLEN DIES AUCH ALL IHREN BEKANNTEN. Wenn man also keinen Kandidaten kennt – oder keine Ahnung hat, wofür die einzelnen Parteien so stehen (und das sind leider mehr Menschen als wir Selbstdenker uns vorstellen können), hilft es jemanden zu kennen der jemanden kennt. Und sei es auch nur eine Pseudo-Interessenvertretung, die so tut als vertrete sie meine Interessen.
Oktober 20th, 2008 @ 14:12
also ich finde diese Wahlempfehlungen sehr interessant. Finde auch schade, dass nicht alle Zeitungen ihre Wahlempfehlung abgeben. Ist immer schön zu wissen, wie die Redaktion so drauf ist.
Mit Wahlfamilien kenne ich mich überhaupt nicht aus. Stammwähler gibt es Ostdeutschland nicht so viele. Wenn es mal einen Trend in der Familie gibt, dann der, dass alle nicht zur Wahl gehen.
Denke, dass dies auch der größte Effekt sein wird – es werden ein paar mehr Gewerkschaftsmitglieder einfach nicht hingehen.
Das meine Vermutungen.
Oktober 20th, 2008 @ 14:26
@ jens
“Aus Prinzip” ist aber nicht auf eine Empfehlung hin. Ich bin auch nicht sicher, ob diese “Sozialhilfe-Dynastien” nun unbedingt viel mit Gewerkschaften am Hut haben.
Das mit dem Bekannt machen ist allerdings nicht zu unterschätzen.
@ marcus
Es ist die eine Sache, ob sich eine Zeitung festlegt oder ein Verein wie der DGB. Wie Zeitungsredaktionen so drauf sind kann man natürlich auch so zwischen den Zeilen lesen, wenn man will. Vielleicht wäre es tatsächlich nur ein bisschen ehrlicher, wenn sich da öffentlich bekannt würde, statt es auf die Schleichertour zu machen.
Oktober 20th, 2008 @ 14:49
Die “Sozialhilfe-Dynastien” habe ich auch nur ins Spiel gebracht um zu verdeutlichen, dass der Mensch von seinem Umfeld geprägt bzw. sozialisiert wird.
Auch wenn ich etwas “aus Prinzip” tue, muss ich mich / muss man mich ab und zu daran erinnern. Ich sehe es genauso wie Marcus, dass beim Ausbleiben einer solchen Empfehlung viele wohl einfach der Wahl fern bleiben.