Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Es war nicht alles schlecht

Posted on | Oktober 27, 2008 | 4 Comments

Mit diesem Satz kann man letztlich wohl jede noch so schlimme Situation im Nachhinein versuchen, schönzureden. Manfred Krug zum Beispiel die DDR und man kennt ja Ähnliches auch von Ewiggestrigen, die auf diese Art die Nazi-Diktatur verklären wollen.

Ja klar, wenn man nicht grade schwul, Kommunist, Jude oder aufrechter Liberaler war, konnte man in der Nazi-Diktatur sicherlich gut leben, wenn man wollte. Vor dem Krieg jedenfalls.

Und wenn man auf Freiheit verzichten konnte, konnte man auch in der DDR ein nettes Leben haben. Ja und? Wenn man die Maßstäbe nur niedrig genug ansetzt, kann man allem etwas Positives abgewinnen.

Ein frischer Haufen Scheisse zum Beispiel ist immerhin ja noch schön warm und so. Und was soll dieses Relativieren bringen?

Im Fall Manfred Krug und seinem Anfall von Ostalgie ist es die Tatsache, dass alle Menschen sich ihr Essen und ihre Wohnung selber leisten konnten, die ihn zu der Ansicht bringt, dass jawohl nicht alles schlecht gewesen sei. Dabei kann ich einmal mehr Rayson nur Recht geben, wenn er schreibt:

“Ich behaupte einfach mal, dass sich Wohnungen und Grundnahrungsmittel auf DDR-Niveau in Qualität und Quantität auch heute problemlos von jedem bezahlen lassen. Nur würde das wohl einen Aufschrei geben, von wegen Menschenwürde und so.”

Auch in Nordkorea ist nicht alles schlecht. Wer zum Beispiel auf Führerkulte und bunte aber sinnlose Paraden steht, der wirds dort bestimmt toll finden, sofern er nicht dummerweise verhungert – alles hat eben Vor- und Nachteile.

Welchen Sinn sollen solche Dummheiten eigentlich haben, außer eben die Schwächen bestimmter Umstände klammheimlich aus den Köpfen der Menschen zu bekommen?

Comments

4 Responses to “Es war nicht alles schlecht”

  1. Kolia N. Ohmann
    Oktober 27th, 2008 @ 18:55

    Manfred Krug war doch selbst einer der “Räuber mit Schlips und Kroko-Aktentasche” in dem er für die Volksaktie der Telekom warb …
    Fraglich ist allerdings in wie weit die “Tafeln” nötig sind, oder ob sie nur als eine Zusatzleistung zu sehen sind und das ALG II für die Grundlebensmittel ausreichend bemessen ist …

  2. nik
    Oktober 27th, 2008 @ 19:25

    “Ich behaupte einfach mal, dass sich Wohnungen und Grundnahrungsmittel auf DDR-Niveau in Qualität und Quantität auch heute problemlos von jedem bezahlen lassen. Nur würde das wohl einen Aufschrei geben, von wegen Menschenwürde und so.”

    So eine dumme Aussage. Ohne ins Impressum zu schauen kann ich sagen, dass dieser Autor bestimmt nicht in der DDR aufgewachsen ist. Klar – wenn man alles auf fehlende Bananen und Ananas reuziert mag das hinhauen. Ansonsten empfehle ich mal ein Feldstudie: Einfach mal
    1/ sich in den Osten trauen
    2/ ALGII Empfänger fragen, welche Grundsicherung ihnen denn aktuell lieber wäre. Und sich mal zeigen lassen, was Mitte des Monats noch im Portemonnaie ist.

    Man darf das damalige politische System nicht schönreden. Selbiges gilt aber auch für das aktuelle Solidarsystem.

    Friede den Hütten!

  3. Rayson
    Oktober 27th, 2008 @ 21:11

    Ohne ins Impressum zu schauen kann ich sagen, dass dieser Autor bestimmt nicht in der DDR aufgewachsen ist.

    Das ist richtig. Aber er war öfters “drüben”. Wenn es denn die Güter in heutiger Qualität dort jemals gab, müssen sie gut vor mir versteckt worden sein. Und meine drei Co-Blogger aus der Zone haben mich auch nicht zurechtgewiesen.

    Einfach mal
    1/ sich in den Osten trauen
    2/ ALGII Empfänger fragen, welche Grundsicherung ihnen denn aktuell lieber wäre.

    Das ist doch gar nicht der Punkt. Sondern, dass eine “Grundsicherung” à la DDR jederzeit preiswert herstellbar ist. Ich bin auch dafür: Jemand, der die haben will, soll sie auch bekommen dürfen. Also entsprechende Wohnungen und einen typischen DDR-Warenkorb. Wenn das dein Ziel ist, nik, so hast du mich an deiner Seite.

  4. Markus
    Oktober 28th, 2008 @ 00:52

    Manfred Krug als Ewiggestrigen hinzustellen, halte ich nicht für richtig. Krug hat mit seiner kritischen Äußerung zu gewissen Zuständen im “real existierenden Kapitalismus” auch nicht Ostalgie betrieben.

    Man sollte nämlich einmal erwähnen, daß Krug ja selbst aus der DDR einst ausgewandert ist, also kann er kein Anhänger des dortigen Systems gewesen sein. Und Kritik an heutigen Zuständen wird doch nicht gleich verboten sein, wir sind doch nicht in der DDR!

Leave a Reply





Protected by WP Anti Spam
  • Löffel voller Weisheit

    Die Grünen wurden zunächst als Spaßpartei gegründet, bis man/Frau feststellte, dass niemand in der Partei wusste, wie dieses „Spaß“ geht. Seitdem setzen sich Die Grünen in erster Linie für ein Verbot von Frisuren ein und gehen mit gutem Beispiel voran. — Johnny Häusler (Spreeblick)

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site