Seltsames Hilfspaket
Posted on | Oktober 30, 2008 | 1 Comment
Ist es nicht ein bisschen komisch, dass das großzügige, im worst case so oder so nicht finanzierbare Hilfspaket der Bundesregierung nicht angenommen wird?
Ja ist es, finde ich. Und findet auch ein Kommentator (“Leo Hammer”) in unserem Wochenblatt “Marsch und Heide” (leider nur offline) und gibt ein paar Mutmaßungen ab, woran das liegen könnte:
“Offenbar wollen sich die Großen noch immer nicht in die Karten gucke lassen von der neuen Finanzmarktstabilisierungsanstalt! Wollen sich die Manager nicht mit Jahresgehältern von 500.000 Euro begnügen? Oder haben sie schlicht und einfach Angst davor, dass sie von gestrigen und vorgestrigen Entscheidungen bei der Überprüfung durch die neue Anstalt eingeholt werden?”
Stimmt wahrscheinlich alles und ist doch wohl auch nicht verwunderlich. Warum sollten denn auch Firmen freiwillig hinnehmen, was zum Beispiel im Fall von HartzIV-Empfängern oder Bafög-Beantragern immer wieder kritisiert wird, nämlich dass man zum Erhalt von Hilfen eben ganz schön die Hosen vor Vater Staat runterlassen muss?
Wer irgendwie kann, der verzichtet auf HartzIV – lebt dann halt noch ein paar Monate von Ersparnissen, die bei der Beantragung sowieso flöten gehen würden. Ich selbst habe das so ähnlich gemacht, statt zum Beispiel Bafög zu nehmen.
Und die Banken machen das jetzt halt so ähnlich. Der Unterschied ist nur, dass die Politik darüber jammert, nein geradezu wutentbrannt von verantwortungslosen Bankern spricht.
Die Politik beschwert sich darüber, dass ein potenziell unfinanzierbares Hilfspaket nicht angenommen wird. Sie macht dafür die Banken verantwortlich, weil die damit offenbar gegen irgendwelche ungeschriebenen Gesetze verstoßen, die besagen, dass Hilfspakete der Regierung angenommen werden müssen, sie sind ja von der Regierung! Der Regierung!!
Mal im Ernst, da kann doch irgendwas nicht stimmen. Nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage fehlt doch hier entweder die Nachfrage (was man zumindest bei einigen Banken wohl bezweifeln muss) oder das Angebot ist ein Scheiss-Angebot. Diesen Zusammenhang müsste eigentlich jeder Idiot und auc jeder Journalist erkennen können.
Diese 500.000-Euro-Schnapsidee finde ich übrigens auch ganz famos. Denn ich denke nicht, dass hohe Bankmitarbeiter sich derartige Vertragsbrüche, die das bei den Topverdienern ja voraussetzt, mal eben gefallen lassen würden – wer würde das schon?.
Natürlich dachte die Bundesregierung, dass in Banken nur Vollpfosten arbeiten und ist darum davon ausgegangen, dass sämtliche Bankmanager bräsig genug sind, mal eben neue, womöglich schlechtere, Verträge zu verhandeln. Da hat sie sich wohl vertan – ja, schade. Trotzdem beeindruckend naiv, irgendwie.
Wie gehts weiter? Schätzungsweise wird man seitens der Regierung mal gucken, wie man irgendwelche Daumenschrauben anziehen kann. Die Parole dieser Tage lautet, dass Banken nach der Pfeife der Regierung zu tanzen haben und ich vermute, dass wird man notfalls versuchen mit aller Gewalt durchzusetzen.
Mal gucken wann Ursula von der Leyen dann die ersten säumigen Eltern ermahnt, doch endlich Kindergeld zu beantragen oder mal nachhakt, warum denn immer noch manche Väter ihre Vätermonate nicht nehmen. Aber vermutlich ist die Rettung beschissen geführter Banken doch irgendwie wichtiger als soziale Gerechtigkeit.
Comments
One Response to “Seltsames Hilfspaket”
Leave a Reply
November 1st, 2008 @ 00:10
Da hast du völlig recht, gleiches (Un-)Recht für alle zu fordern. Wenn man die “Sozialschmarotzer” fordert, darf man die “Leistungsträger” nicht auch noch fördern.
Also bitte etwas mehr staatliche “Daumenschrauben” für die Manager, damit sie den Preis für ihr Einlenken nicht weiter in die Höhe treiben, indem sie die Kredite für die Unternehmen der Realwirtschaft künstlich verknappen.