Monatsarchiv für November 2008

Nov 30 2008

Legales Kiffen oder nicht?

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Die Schweizer dürfen sowas grade selbst entscheiden, bei uns müssen sich Bürger irgendwo parteipolitisch engagieren, um wirklich was zu bewegen. Es geht um die aus meiner Sicht ausgesprochen banale Frage, ob der Staat oder wir selbst zu entscheiden haben, ob wir Cannabisdrogen konsumieren wollen oder nicht.

Warum diese Frage für mich banal ist? Weil ich sie mit der einfachen Gegenfrage, warum wir dass denn nicht selbst entscheiden dürfen sollten, für mich abschließend zu beantworten pflege.

Meine Erfahrungen mit Cannabis sind ausgesprochen beschränkt. Ich habs mal versucht, hatte aber das Gefühl fast dran zu ersticken. Ich bin nunmal Nichtraucher und vertrage Rauch, den ich inhaliere einfach nicht. Ernsthaft versucht hab ichs danach nie wieder.

Zu keinem Zeitpunkt kam mir das Zeug auch nur ansatzweise gefährlich vor. Ja sicher, da kann man dolle Studien aus dem Hut zaubern, die diesen Eindruck widerlegen. 

Aber wieviele Alkoholiker gibt es denn und trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, Bier zu verbieten. Wäre ja auch Wahnsinn, auch wenn ich davon überzeugt wäre, dass Bier oder Alkohol insgesamt als neue Erfindung unter Umständen wirklich sofort wieder verboten würden, jedenfalls in diesem Land.

Aber deswegen muss ich solches Denken natürlich nicht für richtig halten. Immerhin ist es meine Gesundheit, die ich mir ruiniere und ich bin schon der Meinung, dass ich grundsätzlich jedes Recht habe, mich mit allem zuzudröhnen, was mir gefällt. Mit den Folgen muss ich dann natürlich auch leben aber wen außer mir geht das etwas an? Direkte Mitmenschen mal ausgeschlossen aber auch das ist ja nunmal Privatsache.

Mir ist klar, dass man mit der Begründung so ziemlich alle Drogen legalisieren müsste, die es gibt. Würde mich persönlich auch nicht weiter stören, schließlich könnte ich ja auch jetzt schon, Verbote hin oder her, alles Mögliche und Unmögliche kaufen und ausprobieren und tue es nicht. Warum sollte ich mich anders verhalten, wenn es legal wäre?

Bei dem ganzen wirklich schnell süchtig machendem Zeug sehe ich aber noch ein, dass man versucht, die Dummheit der Menschen mit extremen staatlichen Maßnahmen (denn eine solche ist nunmal jedes Verbot) auszugleichen.

Cannabis aber macht nicht sofort süchtig. Dazu kenne ich dann doch zu viele, die es mal ausprobiert haben und eben nicht zu Canabisabhängigen geworden sind. Alkoholiker dagegen kenne ich eine ganze Menge. Und Nikontinsüchtige noch viel mehr und ich habe mehr als einmal erlebt, wie schwer, ja fast unmöglich es zu sein scheint, das Rauchen aufzugeben. 

Daraus kann man natürlich auch den Schluss ziehen, eine insgesamt härtere Drogenpolitik zu fahren, wie es die Politspießer aller Parteien ja Teilweise auch gerne sehen würden. Das wäre immerhin konsequent.

Das Recht auf Colakorn zu gewähren und gleichzeitig Cannabis-”Plantagen” polizeilich vernichten zu wollen und den Handel mit dem Zeug unter Strafe zu stellen, ist es aber nicht.

Da ich mich auf so gut wie jedem Gebiet so konsequent wie möglich festzulegen versuche und auch in 10 Jahren noch in aller Öffentlichkeit ein Bier trinken dürfen will (obwohl ich davon ausgehen muss, dass ich da leider ausgesprochen optimistisch bin), kann ich überhaupt nicht anders, als ein andauerndes Verbot von Canabisdrogen sinnlos, unliberal, inkonsequent und insgesamt eben schlicht falsch zu finden.

Was ansonsten geschätzte Kollegen aus dem liberalen Lager dazu bringt, diese Ansicht nicht zu teilen, erschließt sich mir nicht.

Außer der Tatsache vielleicht, dass man wählergruppenstrategisch natürlich gefahrläuft, all die vielen Spießer zu verschrecken, die die FDP eben auch wählen. Das wiederum finde ich sogar einigermaßen legitim, nur gingen bei mir schon immer Grundprinzipien weit vor strategischen Überlegungen. Da bin ich Schwein.

[via Mezkalin]

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Nov 30 2008

Jedem sein Rettungspaket

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Satire

Die “Liberäre Plattform” versorgt uns mit vorformulierten Anträgen auf Auszahlung unseres Anteils am Rettungspaket für die deutsche Wirtschaft der Bundesregierung:

“da die privaten Banken in Deutschland sich im Gegensatz zu den staatlichen Landesbanken schämen, die von ihnen selbst mitgeschnürten Rettungspakete in Anspruch zu nehmen, möchte ich als gutes Beispiel vorangehen und beantrage aus patriotischen Gründen die Auszahlung meines Anteils in Höhe von 6097,– Euro (500.000.000.000 € : 82.000.000 Bundesbürger). Bitte senden Sie einen Scheck, besser noch eine Postanweisung in bar, da mein Vertrauen in die Integrität der Bankenvorstände doch arg gelitten hat.”

Ich find sowas ja, trotz der offensichtlichen Sinnlosigkeit immer lustig, habe ja ähnliches auf kommunaler Ebene auch mal gebracht und mindestens einer meiner Vordrucke wurde damals sogar tatsächlich eingesandt.

Vielleicht hat ja auch diesmal der eine oder andere Lust, unseren Finanzminister mit sowas zu nerven. Den kompletten Antrag gibts hier.

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Nov 30 2008

Jaja, diese blöde Demokratie immer

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

“Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.”

und

“Ein bisschen Demokratie ist okay, aber wir wollen doch im Januar fünf Prozent plus X holen.”

Das erste dürfte recht bekannt sein- Es stammt von Walter Ulbricht, der als späterer DDR-Chef maßgeblich an der letzten Einführung des Sozialismus in Deutschland mitgewirkt hat.

Das zweite ist nur einen Tag alt und stammt von einem, der uns den (demokratischen, klar…) Sozialismus bisher lediglich versprochen hat. Natürlich geht es ihm um die innerparteiliche Demokratie aber was soll man von jemandem Erwarten, der nichtmal den eigenen Leuten ihre freie Meinungsäußerung zugesteht?

[via Antibürokratieteam]

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Nov 28 2008

Wie wird man Ex-Terrorist?

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Medien

Der NDR titelt

“Teile der Akte von Ex-RAF-Terrorist verschwunden”

Was ist das, ein “Ex-Terrorist”? Gibt es auch Ex-Mörder? Oder wird man automatisch Ex-Terrorist, wenn Akten verschwinden? Sehr eigentartige Formulierung.

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Nov 28 2008

“Youtubes” und Livestreams contra Fernsehen

Autor: Jan. Abgelegt unter Medien

Da unsere blöde Satellitenanlage seit einer Weile unter einem sämtlichen unter diesem Dach lebenden elektrotechnisch gebildeten Menschen (2) rätselhaftem Defekt leidet, kann ich im Moment kein Phoenix gucken. Im Fernsehen, jedenfalls

Natürlich gibt es Alternativen. Zattoo zum Beispiel oder Livestation. Darüber kann man per Stream ebenfalls Phoenix empfangen (wenn man DSL hat, was aber glücklicherweise auch in meinem Wohnort seit diesem Sommer endlich der Fall ist).

Ich habe in letzter Zeit oft Phoenix nebenbei in einem kleinen Fenster laufen. Vor allem jetzt, während der Haushaltsberatungen. Reicht eigentlich, Politiker in Großaufnahme braucht in Wirklichkeit ohnehin kein Mensch.

Wenn man normale Fernsehsender in so nem Fenster sieht, wie man alternativ ja auch Youtube-Videos oder Streams der schönsten Jugendorganisation Deutschlands verfolgen kann, dann stellt man plötzlich fest, wie unglaublich rückständig Fernsehstreams aus heutiger Sicht eigentlich sind.

Damit meine ich nicht, dass kaum ein Sender sowas selbst anbietet (nicht einmal Phoenix). Schwerer wiegt für mich, dass diese Streams eben völlig alleinstehend daherkommen, während Streams oder Videos, die über das Internet verbreitet werden, grundsätzlich mehr Informationen bereithalten.

Selbst der Stream vom Bundeskongress der Jungen Liberalen, der ziemlich schnörkellos daher kam (was ja auch völlig ausreicht) lieferte als Information immerhin mit, dass es sich eben um den Bundeskongress der JuLis gehandelt hat, den man da grade schaut.

In Livestream läuft grade irgendeine Bundestagsdebatte. Manchmal blendet der Sender zwar ein, worum es geht, manchmal sagts auch jemand an. Aber keine Überschrift sagt mir das und Videotext gibts bei Streams, soweit ich weiß, bisher auch noch nicht. Was da also läuft, dass müsste ich mir selber irgendwo raussuchen. Das ist wohl eindeutig ein struktureller Nachteil für Fernsehprogramme, egal ob sie per Fernseher oder Stream auf den Schirm kommen.

Und: Fernsehprogramme lassen sich weder verlinken noch direkt kommentieren. Auch hier haben Internetinhalte die Nase vorn, denn da ist das fast immer auf die eine oder andere Weise möglich.

Wenn man dies alles bedenkt, fragt man sich automatisch, ob nicht die völlige Ablösung des Fernsehens in seiner jetztigen Form wirklich nur noch eine Frage der Zeit, beziehungsweise der Technik ist. Wann fangen wohl die ersten großen Fernsehsender an, ihr Programm komplett und “internetmäßig” zur Abrufung zur Verfügung zu stellen?

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Nov 28 2008

Neu in der Blogroll: “MPVS” aka Lord Rillrich

Autor: Jan. Abgelegt unter Blogroll

Er ist ein guter Freund von mir, wohnt gleich gegenüber und ich kenn ihn eigentlich schon mein ganzes Leben lang – er steht aber trotzdem der SPD nahe.

Dass ihn auch darüberhinaus Dinge beschäftigen / amüsieren, bringt er seit einer Weile in einem eigenen Weblog rüber. Und nachdem ers inzwischen nach der Diskussion über die Automobilindustrie ein weiteres Mal, nämlich zum Thema Automatisierung im Allgemeinen und bei der Post im Besonderen, hinbekommen hat, mich zu wortreichen Kommentaren zu bringen, gehört er wohl doch mal in meine Blogroll.

Aus seinem richtigen Namen macht er zwar, wie so viele hier, lieber ein Geheimnis. “MPVS” steht dabei irgendwie schon für seinen echten Namen, während “Lord Rillrich” der Bösewicht aus seinem Buch ist, dass er allerdings erst noch schreiben muss (kein Witz, er ist tatsächlich dabei und es wäre nach “Dörte” auch schon das zweite, rechnet man seine enzyklopädische Sammlung von Anmachsprüchen dazu, sogar das dritte).

Seine Artikel bewegen sich derzeit hauptsächlich zwischen alltäglichen Belanglosigkeiten, Fussball und echten Aufregern. Ab und zu finden sich aber auch ernste Themen, wie dieses hier und auch die oben verlinkten Diskussionen haben ja durchaus ernste Hintergründe.

Vielleicht kommen irgendwann auch noch ein paar mehr Artikel zu Literatur und Filmen hinzukommen, für beides interessiert er sich schließlich mehr, als man bei der augenblicklichen Auswahl an Artikeln denken würde. Das aber nur als kleinen Wink mit dem Zaunpfahl meinerseits…

Wer Lust hat, kann ja mal reinschauen. Wenn das mit den Artikeln, zu denen mir eine Menge einfällt bei ihm allerdings so weitergeht, werde ich wahrscheinlich sowieso mal die eine oder andere Diskussion von drüben auch hier weiterspinnen, wie man das als Blogger eben so tut. Schaun wir mal.

In jedem Fall ist die Winsener Bloggerszene mit diesem weiteren Blog um 25 Prozent 33 Prozent auf die unglaubliche Zahl 4 gewachsen;)

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Nov 27 2008

Bundesvorstand@work

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Der Bundesvorstand der Jungen Liberalen lässt sich in seinem neuesten Video in einer Art Homestory mal bei der Arbeit über die Schulter gucken.

Und beim Mittagessen.

Aber gefällt mir ganz gut, davon kriegt man ja sonst auch nix weiter als die Ergebnisse mit.

via Oliver Olpen bei Twitter

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Nov 27 2008

Recht auf Zeitung?

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Medien

Katja Kipping, Bundestagsabgeordnete der Die Linke, hat sich heute im Bundestag dahingehend geäußert, dass im HartzIV-Regelsatz ihrer Meinung nach die Kosten für ein Zeitungsabo enthalten sein müssten, damit einerseits Arbeitslose die Chance bekommen, sich anständig zu informieren und andererseits Zeitungen eben auch für arme Leute interessante Artikel bringen.

Argumente, die nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Soweit ich weiß, wird HartzIV-Empfängern ja immerhin auch die leidige GEZ-Gebühr erlassen, so dass sie, von der Bereithaltung der Empfangsgeräte mal abgesehen, keine Kosten dafür tragen müssen.

Im Gegensatz zu Studenten übrigens, sofern diese kein Bafög bekommen – wer welches kriegt, also im Gegensatz zu Ersterem das Geld dazu hätte, kriegt es erlassen (die Logik des Sozialstaates erschließt sich mir hier einmal mehr nicht so wirklich, aber das ist ein anderes Thema).

Auch Zugänge zu Telefon und Internet sollte man arbeitslosen Menschen tunlichst ermöglichen, in welcher Form auch immer. Denn wie sollen sie denn ohne diese Hilfsmittel jemals wieder aus ihrem Dilemma herauskommen können?

Sind aber ausgerechnet gedruckte Tageszeitungen wirklich so wichtig? Ich brauche zwischen 2 und 10 Minuten am Tag, bis ich die paar wichtigen Dinge, die dort stehen, gelesen habe oder bis ich festgestellt habe, dass, wie so oft einfach gar nichts drin steht. 

Überall entstehen zudem mittlerweile Internetgestützte Alternativen zu den gedruckten Zeitungen. Wir befinden uns natürlich noch im Übergang, noch kommt man an den gedruckten Platzhirschen nicht vorbei, wenn es um lokalpolitische Belange geht. Das ist, so sehe ich das jedenfalls und das hab ich ja auch schon öfter angedeutet und ausgeführt, aber nur noch eine Frage der Zeit. 

Das macht die Frage, ob jeder HartzIV-Empfänger nun ein Papier-Abo haben können muss, nicht leichter zu beantworten, denn es geht ja um das hier und jetzt und nicht jenes Goldene Zeitalter, in dem die breite Masse sich ihre nach ihren Interessen ausgewählten Artikel auf ihre Kindles, Iphones oder was auch immer sich da sonst noch so durchsetzen wird, runterladen kann.

Andererseits, das gehört dazu, wenn man das Ganze in Bezug zum Thema “soziale Gerechtigkeit” setzt, gibt es auch finanziell arme Menschen, die eben kein HartzIV beziehen können, weil sie vielleicht Studenten sind. Oder weil sie vielleicht einen Job haben, der aber nicht soviel Gehalt einbringt, dass sie sich den eher schwachen Zusatznutzen, den viele Lokalzeitungen leider nur bringen, in keinem Verhältnis zum oft recht deftigen Preis (wegen der hohen Fixkosten bei nur kleiner Auflage) stehen sehen, leisten möchten.

Vielleicht kann man die Frage auch andersherum stellen: Liegt dass relativ schwache politische Engagement, dass man von Seiten von HartzIV-Empfängern erlebt, wirklich vor allem daran, dass sie sich Zeitungen in Form toter Bäume nicht leisten können? Zumal wer wirklich will, auch kostenlos Zeitung lesen kann. Was Lokales angeht, gibts doch inzwischen wohl Allerorten kostenlose Lokalblätter. Die kommen vielleicht nur wöchentlich, bieten aber in etwa die selben Inhalte, wie die teuren Tageszeitungen auch.

Abschließend beantworten kann ich die Frage für mich trotzdem nicht. Ich weiss aber, dass ich mir derzeit kein eigenes Tageszeitungsabo leisten würde, selbst wenn ich nicht das meiner Eltern mitnutzen würde. Und mir würde der Staat das trotz diverser politischer Ämter, die so ein Abo eigentlich unerlässlich machen, auch nicht schenken.

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Nov 26 2008

Wann werden die Deutschen eigentlich soziale Netzwerker?

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Medien

So ungefähr jeder, den ich kenne, hat sich mittlerweile bei StudiVZ angemeldet und nutzt das weit aktiver, als ich jemals Lust hätte. Ich kenne Leute, die laden dort wirklich jedes noch so unbedeutende Fotoalbum hoch. Ich hab dort ein einziges Album mit lauter schwachsinnigen Bildern und ich hab nicht vor, dass in nächster Zeit zu ändern. StudiVZ ist für mich kein Online-Bilder-Dienst, dafür gibt es wirklich bessere Alternativen.

Die Pseudo-Twitter-Status-Funktion in StudiVZ ist völlig sinnlos, weil ich mich ernsthaft jedes Mal bei StudiVZ einloggen müsste, um dort meinen Twitter-Status manuell reinzukopieren oder den Status meiner Freunde abzufragen. Wer braucht sowas??

Und dann der total innovative StudiVZ-Instant-Messenger! Den kann immerhin kann man mit sage und schreiber EINER einzigen Desktopanwendung nutzen. Selten so gelacht. 

Alternativ kann man das Teil natürlich auch, wie den ganzen anderen von der Welt abgekapselten StudiVZ-Kram auch (oh toll!) auf der Website selbst nutzen. Weil man ja nicht ohnehin 90% seiner Kontakte über echtes Instant-Messaging in ICQ & Co und damit in der Desktopanwendung seiner Wahl erreicht – unabhängig auf welcher Website man sich grade aufhält.

StudiVZ kommt mir zunehmend so vor, wie man sich ein Verzeichnis vorstellt. Es ist vielleicht eine bessere Telefonliste, Weil halt auf Bilder dabei sind und die Nutzer allen möglichen Gruppen beitreten und auch sonst allerhand Schabernack über sich verbreiten kann.

Mehr ist es denn aber auch nicht. Es ist ganz sicher nicht dass, was man ein soziales Netzwerk nennt, denn die Vernetzung findet allenfalls über Freundschaftsbeziehungen statt und ganz, ganz rudimentär vielleicht noch über die Gruppen oder die Funktion, Bilder markieren zu können.

Nach Barack Obamas Wahlsieg munkelte sich die Netzgemeinde Erwartungen und Ansprüche zurecht, inwieweit sich ein ähnlich webzwonulliger Wahlkampf denn in Deutschland veranstalten ließe. Meine Prognose: Solange der größte Teil der deutschen Internetnutzer StudiVZ für ein soziales Netzwerk und der Weisheit letzten Schluss hält, wird sich dergleichen arg in Grenzen halten. Zumal sich die möglichen alternativen Netzwerke, wie sie Blogs, bzw die Blogger selbst mit ihren völlig freien und recht offenen Vernetzung bieten könnten, ja auch nur langsam in der normalen Mediennutzerschaft durchzusetzen scheinen. 

Es ist wohl kein Zufall, dass ein Viertel meiner Facebook-Kontakte entweder mit Politik oder dem Bloggen zu tun hat. Wer sich politisch engagiert und interessiert, der hat offensichtlich ein sehr viel größeres Bedürfnis nach echter Vernetzung, als der durchschnittliche StudiVZ-Nutzer. Wer bloggt sowieso.

Was so anders, so viel besser an Facebook ist, mal davon abgesehen, dass es blau und nicht rot ist? Zumindest dieser Aspekt könnte immerhin die hohe JuLi-Dichte dort erklären… 

Aber Spaß beiseite: Wo die Möglichkeiten des StudiVZ aufhören, legt Facebook erst richtig los. Facebook kann alles, was StudiVZ auch kann – nur vieles schon von Haus aus deutlich besser und für so gut wie alles gibt es zudem noch zusätzlich installierbare Plugins.

Auch Facebook hat einen Messenger. Aber den kann man mit verschiedenen Programmen auch außerhalb der Seite nutzen. Der Facebook-Messenger hätte also das Zeug dazu, ICQ irgendwann mal abzulösen.

Auch über Facebook kann man Emailartige Nachrichten schreiben, die im Netzwerk selbst bleiben und darum 100% spamfrei bleiben. Das bietet StudiVZ auch. Aber während StudiVZ mir nur schreibt, dass ich eine neue Nachricht habe, liefert Facebook sie mir gleich mit – ich kann also entscheiden, ob ich sofort antworten möchte oder es noch etwas Zeit hat.

Auch Facebook hat eine Status-Funktion, über die man der Welt mitteilen kann, was man grade tut. Aber: Bei Facebook kann die auch automatisch durch Twitter gefüttert werden. Und damit nicht genug: Diese Statusmeldungen können sogar auch noch von Freunden kommentiert werden! DAS nenn ich Vernetzung. Das was StudiVZ stattdessen anbietet, ist dagegen so brauchbar wie ein Blinddarm.

In StudiVZ ist es nicht einmal möglich, funktionierende Links einzutragen. Der Nutzer wird genötigt, Adressen entweder abzutippen oder zu kopieren. Was macht Facebook? Nicht nur, dass man Links offen mit Freunden und Profilbesuchern teilen kann, nicht nur, dass Im Profil eingetragene eigene Homepages wirklich so richtig angeklickt werden können (also so wie das selbst im Web 1.0 schon ging, nur eben in StudiVZ nicht), nein, Facebook lässt auch die Integration von Newsfeeds zu, so dass zum Beispiel dieser Artikel hier automatisch auch in Facebook zu lesen ist. Vernetzung halt.

Daneben gibt es bei Facebook hunderte, womöglich tausende Anwendungen, die sich zusätzlich installieren lassen. Darunter Onlinespiele, aber auch Tools zur Integration anderer Webdienste wie dem Google-Reader, Flickr und so weiter.

Wer auf die Technik pfeift, den begeistert vielleicht, dass er sich bei der Gestaltung seines Profils nicht einer fast schon sozialistische anmutenden Gleichermacherei eines StudiVZ unterordnen muss, sondern Individuum sein und vieles selbst entscheiden darf. Nicht soviel vielleicht, wie in anderen Netzwerken aber dafür findet man sich auch ein bisschen schneller auf fremder Leute Profil zurecht – das ist ja nunmal immer so der Spagat, den Social-Network-Betreiber beachten müssen.

Das einzige, was mich an Facebook derzeit noch nervt, ist dass es kein Mensch nutzt. ich habe dort sage und schreibe 10 reine Real-Life-Kontakte, der Rest sind, wie gesagt, Blogger und Junge Liberale. Insgesamt habe ich dort derzeit gut 40 Kontakte, Viele davon sind allerdings erst in den letzten Wochen dazugekommen, was irgendwo auch Hoffnung macht.

Im StudiVZ habe ich aber dagegen knapp 160 Freunde und fast alle davon sind sogar echte Kontakte, also nicht bloß einmal kurz gesehen und halt mal so eingetragen.

Man fragt sich, wieso. Denn grade heute hat mir StudiVZ wieder angeboten, “alle meine Freunde und Kommolitonen” einzuladen. Spaßeshalber habe ich das mal angeklickt. Und was kam? Ein Formular, in dem so ein Standard-Einladungstext stand und darüber ein Feld, in dem stand: 

“Max. 20 E-Mail-Adressen bitte getrennt durch Kommata eingeben.”

Lieber nicht zuviele Nutzer auf einmal aufnehmen, wie? Und dann erwarten die doch ernsthaft, dass ich da von Hand(!) 20 Emailadressen eintrage. Ja, bin ich denn bekloppt?

Soll ich verraten, was Facebook macht? Dem muss ich nur erlauben, mal mein Emailadressbuch durchzugehen und mit seinem Datensatz zu vergleichen. Anschließend listet es sämtliche Übereinstimmungen auf – sogar, wenn das mehr als 20 sind. und wenige Mausklicks später befinden die sich alle in meiner Freundesliste (sofern sie das bestätigen, versteht sich).

Diese Liebe zum StudiVZ der Deutschen kann ich mir ganz im Ernst nur durch Unwissenheit und Desinteresse erklären. Rationale Gründe dafür gibt es jedenfalls nicht.

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Nov 25 2008

Genitalverstümmelung

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Persönlichkeiten

ist genau so brutal und unmenschlich, wie sie sich anhört. Umso begrüßenswerter, dass sich die FDP-Fraktion diesbezüglich wiederholt zu Wort meldet, wie heute anlässliches des “internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen”.

Da es sich hier um etwas handelt, dass sich viele bei uns hier überhaupt nicht vorstellen können, zitiere ich mal von der Website der Hilfsorganisation “Target”, die sich speziell um die Bekämpfung dieses unmenschliche Prozedere kümmert:

Ruth, 7 Jahre, Christin. Sie sitzt auf dem Schoß einer Tante. Die grätscht ihre Beine, hält sie wie im Schraubstock. Eine andere hält die Arme. Ruth schreit. Keine Chance. Die Rasierklinge nimmt ihr die Klitoris. Ohne Betäubung. Kurzer Prozess. Blut. Zitronensaft zur Desinfektion. Ein Lappen zur Blutstillung. Anschließend eine Feier.

Der Raub der Klitoris ist die mildeste Form der Verstümmelung.

Fatima muss die härteste Form ertragen. Sie ist 8 Jahre alt, Muslimin, lebt in der Danakilwüste, Äthiopien. Sie wird pharaonisch verstümmelt. Wie ihre Spielkameradinnen. Laila zum Beispiel, die seitdem nie wieder gesprochen hat. Stumm seit elf Wochen. Ein Drittel der Mädchen wird nie wieder sprechen. Tod durch Verbluten, schätzt die UNO.

Vier Erwachsene haben Mühe, die um ihr Leben strampelnde Fatima zu halten. Die Rasierklinge raubt die Klitoris, die Schamlippen, alles, unbarmherzig. Auch die Seele. Das Vertrauen in das Leben. Auch das Vertrauen zu den Erwachsenen, deren Hände die Schreie ersticken. Fatima ist ohnmächtig. Die Scheide wird verschlossen. Mit Akaziendornen. Wie ein Reißverschluss. Gnadenlos. Die Schenkel werden umwickelt.

Nach vier Wochen sind die Wundränder zusammengewachsen. Was Fatima bleibt, ist eine Öffnung, klein wie ein Reiskorn. Ab jetzt dauert das Urinieren eine halbe Stunde. Die Regelblutung zwei Wochen. Wenn sie Kinder haben will, wird sie aufgeschnitten. Bei der Geburt noch einmal das Messer. Dann die erneute Verschließung.

Folter lebenslänglich.

Auch mir ist schlecht geworden, als ich das erste Mal davon gehört habe. Irgendwann im Sommer hörte ich dann im Radio noch einmal eine mehrstündige Sendung darüber und auch über die Hilfsorganisation, von deren Seite ich diesen Text habe.

Die Organisation Target ist ein Projekt des bekannten Hamburger Abenteurers Rüdiger Nehberg, der ja schon durch diverse aufsehenerregende Aktionen aufgefallen ist.

Und auch mit seiner Menschenrechtsorganisation gegen besagte Genitalverstümmelung kann er beeindruckende Erfolge verzeichnen. Sein Trick ist, so vermute ich, so weit es geht nach den Regeln der Menschen zu spielen, die Betroffen sind. Da diese Verbrechen sehr viel in muslimischen Gesellschaften vorkommen, hat er beispielsweise den Großmufti Ägyptens dazu gebracht, eine entsprechende Fatwa zu formulieren – womit er einen ersten wichtigen Schritt zur Verbannung dieser abartigen Praxis gemacht haben dürfte.

Mehr zu Nehbergs Menschenrechtsorganisation gibts unter target-human-rights.com, mehr zum auch außerhalb seines menschenrechtlichen Engagements hoch interessanten Nehberg selbst, der für sein Wirken mit Target im Januar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt, steht in der Wikipedia.

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