Obama vs. McCain?
Posted on | November 6, 2008 | 12 Comments
So wurden die amerikanischen Präsidentschaftswahlen monatelang dargestellt. Zurecht natürlich, weil es letztendlich auf einen der beiden hinauslaufen musste.
Trotzdem sind insgesamt 13 Kandidaten nebst ihrer “running mates” (Vize-Kandidaten) ins Rennen um den Einzug in 1600 Pennsylvania Avenue gestartet. Die meisten davon natürlich völlig Chancenlos – und doch haben sie alle den beiden Favoriten ein paar Stimmen “geklaut” und so die Wahl irgendwo beeinflusst.
Dieses Mal allerdings nicht so maßgeblich, wie das in der Vergangenheit schon vorgekommen ist:
“Bei der Präsidentschaftswahl 2000 hatte beispielsweise der bekannte Verbraucherschutz-Aktivist Ralph Nader nahezu 100.000 Stimmen im umkämpften Florida gewonnen. Ganze 537 Stimmen lag damit der spätere Präsident George W. Bush vor seinem demokratischen Konkurrenten Al Gore, der dadurch die Gesamtwahl verlor.”
Und 2008 stimmten sogar 650.000 Amerikaner für Nader.
Und Bürgerrechtler Bob Barr, der für die “US Libertarian Party” (Wem das nix sagt: die deutsche Presse hat hier von den “Radikal-Liberalen” gesprochen, was es wohl trifft) konnte immerhin 480.000 Wähler von sich überzeugen.
Das hat, wie gesagt, am Ergebnis nichts geändert – aber rein zahlenmäßig finde ich jedenfalls diese beiden Ergebnisse recht ordentlich, wenn man davon ausgeht, dass auch in den US-Medien sich weitgehend auf Demokraten und Republikaner beschränkt haben dürften.
Ein interessantes Detail am Rande: Ron Paul, über den ich ganz zu Beginn der Vorwahlen mal einige Worte verloren hatte, weil er – obwohl Republikaner – so völlig anders rüberkam, als alle anderen aussichtsreichen Bewerber, konnte ebenfalls immerhin 20.000 Stimmen einsacken. Dabei war er nichtmal angetreten.
Wie das geht? Offenbar kann man in Amerika auf die Stimmzettel einfach so irgendwelche Namen schreiben, die dann auch wirklich als Stimme gelten. Eine interessante Idee.
Ob man sowas auch in Deutschland machen sollte? Dann heißt der Bundeskanzler womöglich wirklich irgendwann Günter Jauch.
Comments
12 Responses to “Obama vs. McCain?”
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November 6th, 2008 @ 19:10
Scheint irgendwie ein Trend zu sein. In den letzen Jahren scheinen sich einige Blöcke in dieser Hinsicht aufzulösen, hier in D sind es inzwischen fünf Parteien und auch in Frankreich gab es bei der letzten Präsidentenwahl ein erstaunliches Ergebnis für den liberalen Kandidaten François Bayrou, der eigentlich keine Chance haben sollte, die Stichwahl aber nur knapp verpasste. Ich wünsche mir zwar keine Zersplitterung der Parteienlandschaft, aber mehr als zwei Farben darf sie schon haben.
November 6th, 2008 @ 19:23
[...] Obama vs. McCain? Obama-Presseschau von Senor Daffy Filmtip: Der Hausbesitzer / The Landlord Der Zombie-Präsident [...]
November 6th, 2008 @ 19:40
Günter Jauch wäre als Kanzler vermutlich nicht schlechter als die etablierten Politiker auch (weil schlechter geht kaum noch), aber vermutlich wenigstens unterhaltsamer. Allerdings, ob ein DSDSK (“Deutschland sucht den Super-Kanzler) unbedingt erstrebenswert ist… Und auch ein “Wer wird Millionär” ost hier nicht besonders lustig, weil in Realitas werden immer die selben Millionär. Naja, vielleicht reformiert er ja wenigstens das Abitur entsprechend
November 6th, 2008 @ 20:29
Vielleicht seh ichs etwas zu naiv aber ich schätze, dass grundsätzlich jeder diesen Job hinbekommen kann, sofern er über eine zumindest durchschnittliche Intelligenz und durchschnittliche soziale Fähigkeiten verfügt. Ein idiot darf er natürlich nicht sein aber die jeweils fehlenden Eigenschaften kann man fast alle mit geschickter Mitarbeiterauswahl ausgleichen.
Ein Bundeskanzler Günter Jauch würde mutmaßlich ein paar politikverdrossene RTL-Zuschauer dazu bringen können, sich für Politik zu interessieren. So wie Rockstar Obama schließlich auch seine Wählerschaft in großen Teilen dort gefunden hat, wo man noch nie oder lange nicht gewählt hat.
November 6th, 2008 @ 20:42
[...] durch einen Artikel im Filterblog kam mir die Idee eines ganz speziellen “Stöckchens”. Dieses darf aufnehmen, wer immer will. Und [...]
November 6th, 2008 @ 22:26
” auf die Stimmzettel einfach so irgendwelche Namen schreiben, die dann auch wirklich als Stimme gelten. Eine interessante Idee.
Ob man sowas auch in Deutschland machen sollte? Dann heißt der Bundeskanzler womöglich wirklich irgendwann Günter Jauch.”
Darf ich das so verstehen, dass Du dafuer waerest den Kanzler/die Kanzlerin kuenftig direkt waeheln zu lassen? Und wi wollen wir’s mit dem Bundespraeser halten – auch direkt? Oder wollen wir unter den beiden “Kandidaten” mit den meisten Stimmen, das Los darueber entscheiden lassen, wer welchen “Job” bekommt?
Arbeite das doch mal etwas genauer aus, wenn Du Zeit findest …
November 6th, 2008 @ 22:43
Hm also für oder gegen sowas aussprechen wollte ich mich gar nicht, weil wir natürlich insgesamt ein völlig anderes Wahlsystem haben.
Aber Parlament und Regierung getrennt wählen halte ich schon für einen überlegenswerten Gedanken. Würde allerdings die politische Landschaft & Kultur hierzulande allerdings ziemlich durcheinanderwirbeln.
November 7th, 2008 @ 00:56
Jan: “Vielleicht seh ichs etwas zu naiv aber ich schätze, dass grundsätzlich jeder diesen Job hinbekommen kann, sofern er über eine zumindest durchschnittliche Intelligenz und durchschnittliche soziale Fähigkeiten verfügt. Ein idiot darf er natürlich nicht sein aber die jeweils fehlenden Eigenschaften kann man fast alle mit geschickter Mitarbeiterauswahl ausgleichen”
Um Intelligenz wie sie in einem IQ-Test gemessen wird, geht es wohl tatsächlich nur nachrangig (wobei diese als Beigabe immer hilfreich ist). Trotzdem gehört denke ich einiges dazu, ein Kabinett aus Menschen mit jeweils riesigem Ego und Massen mit Löffeln gefressener Weisheit beisammen zu halten und seine richtigen Entscheidungen, die nicht immer die populärsten sein müssen, öffentlich zu verkaufen und Kritik aus den eigenen Reihen zu verhindern.
Ein Bundeskanzler muss virtuos mit Zuckerbrot und Peitsche umgehen können und immer ganz genau wissen, wer persönlich loyal ist, wer nur an das eigene Vorankommen denkt und wer zum Königmörder taugt. (Auch letzterer kann -richtig eingesetzt im Sinne Sunzis- hilfreich sein.) Ich tippe auf 1 von 75, was diese Fähigkeiten in ausreichendem Maße angeht, was bei 60 Millionen erwachsenen Bundesbürgern aber immer noch 800.000 potentielle Bundeskanzler machen würde.
Gruß
November 7th, 2008 @ 10:35
Zunächst möchte ich vorneweg nochmal betonen, dass wir in US keine “eintönig-zweitönige” Politiklandschaft haben. Politik ist vollkommen personalisiert und es ist dort wichtig sich zu profilieren (Stichwort “Maverick”) und schlecht, nur Parteimitläufer zu sein. In D ist es andersrum. Hier bestimmen vielleicht 5 Leute alles. Immer. Relativ egal wie die Wahlen ausgehen. Denn Partei”rebellen” werden sofort aus dem Parteikörper ausgestoßen (s. v. a. SPD, aber auch andere). ALSO: Politik ist wesentlich vielfältiger dort und jeder Politiker arbeitet regelmäßig “gegen” seine Partei, was eigentlich nur heißt gegen deren Mehrheitsmeinung. Fraktionszwang ist seltener als hier.
Die Direktwahl der Exekutive ist etwas wofür ich schon lange werbe: Fragt mal mittel-gebildete, wer Chef der Legislative sei! Antwort wird viel zu oft “der Kanzler” sein. Das Parlament ist bei uns kein, bzw. ein viel zu schwaches Kontrollorgan für die Exekutive geworden. Genau das was die GG-Väter verhindern wollten! Aus einer Schieflage der Kräftebalance (“Notstandsgesetze”, etc.) haben sie eine andere gemacht, die zu starke Stellung des Parlaments (Wenig eigenständige Befugnisse von Kanzler und Präsident, Wahl derselben durchs Parlament/bzw. Legislative). Somit hat die Legislative die Exekutive geschluckt; wer die Mehrheit in den Parlamenten im Griff hat, hat Deutschland im Griff.
Ich plädiere dafür, ein Auge auf die Auswahlverfahren für die höchsten Posten der Judikative (BVerfG,BGH) zu werfen…
Alles in allem also: Die Demokratie der USA hat in einigen Umsetzungen Probleme (Wahlmaschinen, etc.), aber in der Theorie ist sie eine der besten der Welt! In diesem Sinne: Günther Jauch for president! Wenn er sich in fairen Vorwahlen gegen alle anderen durchsetzen kann
.
November 7th, 2008 @ 11:50
Das würde meiner Meinung nach auch in D-Land funktionieren bzw. denke ich, dass das zum Teil doch sogar auch bei uns gültig ist (bei Bürgermeister- und Landtagswahlen habe ich davon schonmal gehört), wenn die Kandidaten es schaffen, über das Netz Wähler zu finden, wie Obama es recht professionell vorgemacht hat und eine ähnliche Strategie wie er fahren (siehe auch http://www.welt.de/politik/art.....bama.html) . Dann könnte es irgendwann auch in der Politik so kommen, wie in der Musik, dass allein das Netz irgendwann selbstständig Superstars hervorbringt ohne die Unterstützung der großen Medien.
November 8th, 2008 @ 23:01
…Wie man in Wahlautomaten “einfach so irgendwelche Namen eintragen” kann ist mir zwar scheleierhaft, aber auch nebensächlich. Was ich eigentlich bemerkenswert finde, ist das Stimmergebnis für Bob Barr – der von den angetretenen Kandidaten meiner Meinung nach der liberalste und damit schon quasi zwangsläufig beste ist
November 9th, 2008 @ 00:25
@ Christian
War es schonmal anders, war denn das Parlament jemals wirklich Kontrollorgan für die Regierung?
@ David
“Wie man in Wahlautomaten “einfach so irgendwelche Namen eintragen” kann ist mir zwar scheleierhaft”
Für derartige Dinge haben kluge Menschen ein Ding namens Tastatur erfunden;)