Großkoalitionäre Planwirtschaft
Posted on | November 18, 2008 | 3 Comments
Nachdem die Rettung von Holzmann seinerzeit so grandios funktioniert hat, und man seither Zigtausende Firmenpleiten mit noch viel mehr Arbeitsplätzen ignoriert, beziehungsweise durch unverhältnismäßige Gier nach Steuer- und Abgabeneinnahmen billigend in Kauf genommen hat, schrillen zum Auftakt zum Superwahljahr 2009 in Kanzleramt und Willy-Brandt-Haus gleichermaßen alle Alarmglocken, weil der böse Ami womöglich demnächst den guten deutschen Autobauer Opel ruinieren könnte.
Es ist wie immer: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Inwieweit sich dass mit wirtschaftlicher Vernunft begründen lässt, kann ich nicht beurteilen. Es kommt mir aber zumindest eher wie blanker Populismus vor, denn natürlich ist es “einfacher” und medienwirksamer, ein Unternehmen mit mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen zu retten, als mehrere Zehntausend mit nur einigen Hunderten Arbeitsplätzen. Da kommt nämlich im Falle einer Pleite, wie Guido Westerwelle gerne sagt, höchstens noch die Lokalpresse, meistens aber doch nur der Insolvenzverwalter.
Im Fall der Opel AG, die ja nunmal eine Tochter der GM in Detroit / Michigan im fernen Obamaland ist, besteht ungeachtet des fatalen weiteren Signals, dass wir blöden Steuerzahler doch herzlich gerne jedes Managerversagen aus eigener Tasche finanzieren und sich Aktionäre und Aufsichtsräte auch weiterhin nicht allzugroße Sorgen um ihre Firmen machen müssen, wenn sie denn nur groß genug sind vor allem darin, dass die ganze Kohle, die unser lieber Staat uns zwecks seiner planwirtschaftlichen Experimente erstmal wegnimmt, letztlich drüben in Amerika landen könnten.
Jaja, die beste Bundeskanzlerin Deutschlands hat diese Gefahr erkannt und glaubt, sie gebannt zu haben. Aber selbst und vielleicht auch gerade die selbsternannten Weltretter aus der antiliberalen bis globalisierungskritischen Szene wissen doch, dass Manager immer das Böse in Person und mit allen Wassern gewaschene Abzocker sind und daher ganz sicher Mittel und Wege finden, die Amateure, die wir Bundesregierung nennen, um ehemals unser Geld zu erleichtern. Das hat schließlich bisher noch jede Lobby geschafft.
Wir merken an alledem: Der Wahlkampf kommt. Und damit geht wie immer jeder Funken Polikerverstand, mit dem es ja auch sonst leider nicht allzuweit her ist. Auch wenn das weniger an der Intelligenz Einzelner, als vielmehr am Bedürfnis Vieler, verarscht zu werden, liegt.
Nunja, wir werden wohl alle erleben, wohin uns diese Art Politik führt. Im Zweifel natürlich zu mit Steuergeld erkauften Arbeitsplätzen, statt zu wirklich wettbewerbsfähigen, was dann die nächsten Eingriffe provozieren wird. Aber wir habens ja.
Comments
3 Responses to “Großkoalitionäre Planwirtschaft”
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November 18th, 2008 @ 14:06
Wird nicht ohnehin Bedingung sein, dass das Geld bei Opel Deutschland bleibt und nicht zu GM wandert? So hab ich’s jedenfalls aufgefasst.
November 18th, 2008 @ 14:11
Ja, so ist es geplant. Ob das wirklich so hinhaut, steht auf einem anderen Blatt und da bin ich ehrlich gespannt.
November 18th, 2008 @ 18:02
eben, wie wollen die das machen? Meinen die ernsthaft, die seien schlauer als die Hasen bei GM, denen noch dazu das Wasser bis zum Hals steht? Da müsste man sich schon ordentlich Mitspracherecht einkaufen wie bei den Banken oder den ganzen Konzern erst kaufen und dann wieder verkaufen, wie das dieser “Wirtschaftswesise” vorschlägt – also verstaatlichen/peppeln, runterwirtschaften mit irrsinnigen Forderungen (Arbeitsplätze etc.) und dann mit Verlust doch pleite gehen lassen, so wie man das gewohnt ist (siehe IKB, Holzman etc.). Ich sehe da nicht so recht die Möglichkeiten, ohne richtig tief eingreifen zu müssen, mal sehen ob sich Opel/GM das gefallen lässt bzw. wer im Endeffekt den Kürzeren zieht…