Nov 25 2008

Profilbild von Jan
Jan

Genitalverstümmelung

ist genau so brutal und unmenschlich, wie sie sich anhört. Umso begrüßenswerter, dass sich die FDP-Fraktion diesbezüglich wiederholt zu Wort meldet, wie heute anlässliches des “internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen”.

Da es sich hier um etwas handelt, dass sich viele bei uns hier überhaupt nicht vorstellen können, zitiere ich mal von der Website der Hilfsorganisation “Target”, die sich speziell um die Bekämpfung dieses unmenschliche Prozedere kümmert:

Ruth, 7 Jahre, Christin. Sie sitzt auf dem Schoß einer Tante. Die grätscht ihre Beine, hält sie wie im Schraubstock. Eine andere hält die Arme. Ruth schreit. Keine Chance. Die Rasierklinge nimmt ihr die Klitoris. Ohne Betäubung. Kurzer Prozess. Blut. Zitronensaft zur Desinfektion. Ein Lappen zur Blutstillung. Anschließend eine Feier.

Der Raub der Klitoris ist die mildeste Form der Verstümmelung.

Fatima muss die härteste Form ertragen. Sie ist 8 Jahre alt, Muslimin, lebt in der Danakilwüste, Äthiopien. Sie wird pharaonisch verstümmelt. Wie ihre Spielkameradinnen. Laila zum Beispiel, die seitdem nie wieder gesprochen hat. Stumm seit elf Wochen. Ein Drittel der Mädchen wird nie wieder sprechen. Tod durch Verbluten, schätzt die UNO.

Vier Erwachsene haben Mühe, die um ihr Leben strampelnde Fatima zu halten. Die Rasierklinge raubt die Klitoris, die Schamlippen, alles, unbarmherzig. Auch die Seele. Das Vertrauen in das Leben. Auch das Vertrauen zu den Erwachsenen, deren Hände die Schreie ersticken. Fatima ist ohnmächtig. Die Scheide wird verschlossen. Mit Akaziendornen. Wie ein Reißverschluss. Gnadenlos. Die Schenkel werden umwickelt.

Nach vier Wochen sind die Wundränder zusammengewachsen. Was Fatima bleibt, ist eine Öffnung, klein wie ein Reiskorn. Ab jetzt dauert das Urinieren eine halbe Stunde. Die Regelblutung zwei Wochen. Wenn sie Kinder haben will, wird sie aufgeschnitten. Bei der Geburt noch einmal das Messer. Dann die erneute Verschließung.

Folter lebenslänglich.

Auch mir ist schlecht geworden, als ich das erste Mal davon gehört habe. Irgendwann im Sommer hörte ich dann im Radio noch einmal eine mehrstündige Sendung darüber und auch über die Hilfsorganisation, von deren Seite ich diesen Text habe.

Die Organisation Target ist ein Projekt des bekannten Hamburger Abenteurers Rüdiger Nehberg, der ja schon durch diverse aufsehenerregende Aktionen aufgefallen ist.

Und auch mit seiner Menschenrechtsorganisation gegen besagte Genitalverstümmelung kann er beeindruckende Erfolge verzeichnen. Sein Trick ist, so vermute ich, so weit es geht nach den Regeln der Menschen zu spielen, die Betroffen sind. Da diese Verbrechen sehr viel in muslimischen Gesellschaften vorkommen, hat er beispielsweise den Großmufti Ägyptens dazu gebracht, eine entsprechende Fatwa zu formulieren – womit er einen ersten wichtigen Schritt zur Verbannung dieser abartigen Praxis gemacht haben dürfte.

Mehr zu Nehbergs Menschenrechtsorganisation gibts unter target-human-rights.com, mehr zum auch außerhalb seines menschenrechtlichen Engagements hoch interessanten Nehberg selbst, der für sein Wirken mit Target im Januar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt, steht in der Wikipedia.

10 Kommentare

10 Kommentare zu “Genitalverstümmelung”

  1. Man schlägt sich so durch...am 25. November 2008 um 19:20 1

    Vereinfachend, provokant, aber dennoch nicht ganz falsch……

    David Harnasch äußert sich zum “Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen”. Dabei nutzt er diesen Anlass zur Argumentation pro Afghanistaneinsatz. Das soll natürlich zunächst einmal die linken Gutmenschen provozieren. Weiterhin ist es schon star…

    Thumb up 0 Thumb down 0

  2. Benj@minam 25. November 2008 um 21:06 2

    Was fällt Dir ein, mit so einem eurozentralistischen Blickwinkel an diese Sache heranzugehen. Das muss man differenziert betrachten, alles andere ist Kulturimperialismus. Erst verbietet man ihnen ihre Traditionen und dann kommen McDonalds und Coca-Cola oder gleich die US Army. Bist Du etwa vom CIA gekauft? Oder bekommst Du Geld vom Mossad dafür?

    Und jetzt mal ohne böse Ironie:
    1. Ich bin kein Christ, bezweifle aber, das der Anteil an christlichen Opfern dieser menschenverachtenden Praktiken tatsächlich eine relevante Größe ist. Alle Länder, die auf der verlinkten Seite von TARGET genannt werden, sind muslimisch. Das erste Beispiel des Textes ist daher m.E. einer kontraproduktiven political correctness geschuldet.
    2. Mit Gerede und Appellen kommt man da nicht weiter. Man muss Vertretern dieser Staaten ins Gesicht sagen, dass ihre Traditionen scheiße und menschenverachtend sind und dass sie gefälligst die Steinzeit verlassen sollen, wenn sie international ernst genommen werden wollen. Und man sollte ihnen bei jeder Gelegenheit zeigen, dass man sie NICHT ernst nimmt.

    Thumb up 0 Thumb down 0

  3. Janam 25. November 2008 um 21:28 3

    Tja, wenn man auf diese Weise an ein Gehalt vom CIA oder dem Mossad kommen könnte, würde ich es vielleicht sogar gerne nehmen…

    Du hast Recht: Wäre die Zahl der christlichen Opfer eine relevante Größe, so hätte Nehberg mit Target wohl eher auf eine Bulle (heißt das noch so?) des Papstes hingearbeitet, als auf eine Fatwa. Das erste Beispiel mag darum wenig repräsentativ sein, ich habe es allerdings nicht als Ausdruck einer besonderen political correctness wahrgenommen (vielleicht, weil ich Nehbergs Wesen nicht unbedingt damit in Verbindung gebracht habe), sondern eherals kleinen Hinweis an die Leute, die meinen, sie müssten sich darum nicht kümmern, weil das eine rein islamische Angelegenheit sei. Wenn man denen zeigt, dass es eben auch Christen betrifft, gewinnt man eventuell mehr Unterstützer, als wenn man es als rein religiöses Problem darstellt.

    Und auch nach meinem Empfinden haben solche Praktiken mit Religion recht wenig zu tun, auch wenn sie damit begründet werden mögen. Mir ist herzlich egal, aufgrund welcher Hirngespinste Menschen auf solche Ideen kommen, sowas darf einfach nicht sein.

    Ich kann dir nur empfehlen, dich mit der Organisation und Nehbergs Treiben etwas näher zu beschäftigen. Er tut eben deutlich mehr als nur zu Reden. In der genannten Radiosendung kam das ziemlich gut rüber, leider weiß ich nicht mehr, welcher Sender das war aber jedenfalls geht Nehberg auch direkt in die Dörfer und klärt die Leute dort auf und zumindest nach seiner Darstellung hat er da schon einige Mädchen vor ihrem Schicksal bewahren können.

    Es sind, so habe ich das verstanden, ja leider nicht einfach nur die Vertreter von Staaten, die man umstimmen müsste, sondern auch ganz direkt die Menschen vor Ort. Beides tun die Leute von Target.

    Das Problem ist auch nicht immer nur ein mörderischer Traditionalismus, sondern auch schlichtes Unwissen und Ignorieren dessen, was man den Mädchen eigentlich antut. Dass diese Tradition großer Scheiss ist, wird ihren Anhängern aber eben auch und vor allem durch Organisationen wie Target gesagt.

    Für die internationale Ächtung von Genitalverstümmelung setzt sich dann eben auf der politischen Ebene zum Beispiel die FDP ein.

    Thumb up 0 Thumb down 0

  4. Benj@minam 25. November 2008 um 22:39 4

    Wer bei uns keine Empathie mit den Opfern aufbringt, weil sie Moslems sind und das Ganze damit eine “innerislamische” Sache ist, ist m.E. allgemein nicht empathiefähig, sondern ein Zyniker. Und ich denke schon, dass es auch mit dem Islam als Religion zu tun hat. Islam bedeutet Unterwerfung unter Regeln ohne teleologische Begründung und zwar in allen Lebensbereichen. Auch wenn die Beschneidung von Mädchen weder im Koran noch in den Hadithen vorgeschrieben ist, kann man es als typisch islamisch bezeichnen, traditionelle Ge- und Verbote fraglos zu akzeptieren.

    Dass wiederum Sir Vival Nehberg für den Text auf der Homepage persönlich zuständig ist, glaube ich nicht. Wie Du schon andeutest würde PC auch nicht zu ihm passen. (Das schließe ich aus den Inhalten seiner interessanten Bücher, die seit vielen Jahren in meinem Bücherregal stehen.)

    Was TARGET macht ist eine klasse Sache und sollte unterstützt werden. Jedes Mädchen, dem dieses grausame Schicksal erspart bleibt, ist ein kleiner Erfolg. Trotzdem halte ich es auch immer für angebracht, die Repräsentanten eines Staates unmittelbar für die Verhältnisse in seiner Heimat verantwortlich zu machen. Wahrscheinlich wäre ich ein schlechter Diplomat.

    Das mit der Unwissenheit kann ich nicht akzeptieren. Ich glaube, dass alle, die diese Beschneidungen durchführen, ganz genau wissen, wie hoch die Infektionsgefahr ist und welche unglaublichen Schmerzen sie verursachen, schließlich haben sie es zumeist selbst am eigenen Leib erlebt. Wie schon gesagt, es geht um “Unterwerfung” als islamisches Grundprinzip. Und wenn das Mädchen an einer Infektion stirbt, dann war das Allahs Wille.

    Thumb up 0 Thumb down 0

  5. [...] Schreie von achtjährigen Mädchen. TARGET – Weibliche Genitalverstümmelung / via jan filter [↩] « Obama will ein bisschen, wenigstens ein bisschen Zwangsarbeit This post was [...]

    Thumb up 0 Thumb down 0

  6. Kolia N. Ohmannam 26. November 2008 um 14:03 6

    Ich frage mich hierbei nach dem Sinn, und ich habe es auch richtig gelesen das Frauen hier Opfer wie auch Täter sind !? Also ein Teufelskreis welchen man schwer durch brechen kann …

    Thumb up 0 Thumb down 0

  7. Markusam 27. November 2008 um 15:21 7

    Auch er ist übrigens dagegen:

    http://www.linksfraktion.de/md.....ezuege.php
    Fraktion DIE LINKE. im Bundestag – MdB Oskar Lafontaine

    Thumb up 0 Thumb down 0

  8. Janam 27. November 2008 um 18:31 8

    @ Kolia

    Vieles, was bloß Religion oder Tradition ist, hat ja nunmal keinen weiteren Sinn. Diese fürchterlichen Bräuche sind eben irgendwie so tief in bestimmten Gesellschaften verwurzelt, dass sie gar nicht groß hinterfragt werden. Genau dass ist aber der Ansatzpunkt der genannten Menschenrechtsorganisation.

    @ Markus

    Das ist löblich. Vielleicht verkneift er sich wenigsten da so doofe Sprüche wie unlängst in Bezug auf HIV-Infizierte, für die angeblich Pressefreiheit sekundär wäre. Als müsste man sich da irgendwie entscheiden.

    Thumb up 0 Thumb down 0

  9. Kolia N. Ohmannam 27. November 2008 um 18:48 9

    Scheinbar liegt es hauptsächlich an Unwissenheit :
    “Im alten Ägypten glaubte man an Doppelgeschlechtigkeit (Hermaphroditismus). So war die Vorhaut des Mannes ein Überbleibsel der Frau und die Klitoris ein Überrest des Mannes. Um diese Überreste abzustreifen und voll als Mann oder Frau zu gelten, wurden die Menschen beider Geschlechter im Rahmen einer Zeremonie an ihren Genitalien beschnitten.”

    andere glauben daran es es medizinisch notwendig ist, das Gegenteil ist aber der Fall : http://www.thelancet.de/artikel/842594.

    zum anderen aber an Religösen Fanatismus im dem man der Frau die Lust am Sex nimmt, ist es wahrscheinlicher das diese jungfreulich in die Ehe geht.

    Thumb up 0 Thumb down 0

  10. [...] Schreie von achtjährigen Mädchen. TARGET – Weibliche Genitalverstümmelung / via jan filter [↩] « Obama will ein bisschen, wenigstens ein bisschen ZwangsarbeitAnarchismus ist die [...]

    Thumb up 0 Thumb down 0

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben