Abrechnung oder sachgemäße Kritik?
Posted on | Dezember 8, 2008 | 1 Comment
Eine unserer Lokalzeitungen hat dem Schriftführer meines FDP-Ortsverbands, Wilfried Rieck, beziehungsweise seinem Blog, einen (für Wochenblatt-Verhältnisse) gar nicht mal so kleinen Seite-3-Artikel gewidmet.
An sich schön, wenn sich Vertreter der alten Medien Neuem gegenüber so offen zeigen aber in diesem Fall regt sich der Autor in erster Linie darüber auf, das Rieck seinerseits in seinem Blog wenig zimperlich mit dem Verein “Freie Winsener” umgeht, deren zweiter Vorsitzender er mal war, bevor er die Nase voll von der dort bisweilen um sich greifenden populistischen Beliebigkeit hatte, die Freien Winsener verließ und nach reiflicher Überlegung und einem persönlichen Gespräch mit der FDP-Fraktion und meiner Wenigkeit seine Mitgliedschaft bei der FDP beantragte.
Dass er kurze Zeit später bereits in den Vorstand gewählt wurde, würde ich mal eine Mischung aus Zufall und glücklicher Fügung nennen, denn kurz nachdem Rieck Mitglied der freien Demokraten wurde, zeichnete sich ab, dass einige Mitglieder des alten Vorstandes aus verschiedenen Gründen (der bisherige Schriftführer beispielsweise zieht derzeit in eine andere Stadt, was nunmal für gewöhnlich mit einem Wechsel des Ortsvebands einhergeht) ihren Posten räumen wollten. Mit Herrn Rieck hatten wir einen aktiven neuen Mitstreiter gefunden, der bereit war, diesen ja nun nicht unbedingt heißgeliebten Job zu übernehmen, worüber ich als zeitgleich ins Amt gekommener neuer Vorsitzender nach wie vor froh bin. Kleine Städte wie Winsen strotzen schließlich nicht gerade vor Menschen, die bereit sind, sich politisch zu betätigen.
Nun fragt unser “Wochenblatt”, ob Wilfried Rieck denn “für die Liberalen überhaupt noch tragbar ist”, wo er doch in seinem Weblog “Abrechnung im Internet” (so die Überschrift des Artikels) betreibe.
Ich denke, ich kann diese Frage als Vorsitzender, wie auch als politisch interessierte Privatperson uneingeschränkt mit ja beantworten, denn selbstverständlich darf und soll sich jeder freie Demokrat so äußern dürfen, wie er es für richtig hält. Selbstredend lese ich auch alles, was in Riecks Blog so steht und eine gewisse Häufung von Artikeln zum Thema Freie Winsener lässt sich da wirklich nicht leugnen.
Wenn man das nun eine Abrerchnung nennen mag, bitte. Unfair geworden ist er aber dabei meines Erachtens nie, es handelt sich durchaus um sachliche, inhaltliche Kritik oder kritische Beleuchtung einzelner Personalfragen, wie zum Beispiel nach dem Weggang der beiden jüngsten Fraktionsmitglieder, für die nun jeweils Menschen nachgerückt sind, die wohl die wenigsten Wähler kennen oder wirklich in den Rat gewählt hätten.
Es sind einige Dinge dabei, die die Öffentlichkeit sicherlich interessieren dürften. Dinge, von denen ich mir manchmal einige Artikel mehr im Wochenblatt oder anderen Zeitungen wünschen würde. Rieck schreibt keine Zeitung darüber, sondern hat sich für eine wesentlich mutigere Form entschieden – was seine meist lieber anonym bleibenden Kritiker nur zu gerne immer wieder ausnutzen.
Wer sich meine eigenen Artikel zur Winsener Lokalpolitik ansieht, der wird feststellen, dass ich mit Kritik an den Freien Winsenern auch nie gespart habe und überproportional viel an ihnen herummäkele, während die Kollegen der SPD, Union und Grünen aus meiner Sicht offenbar weniger falsch machen.
Man kann Herrn Rieck zwar unterstellen, dass ihn persönliche Differenzen zu seiner harschen Kritik antreiben. Dann muss man aber auch erklären, warum sich die bei mir beispielsweise ebenso findet, obwohl ich nun wirklich abgesehen von den fünf mir persönlich näher bekannten Ratsmitgliedern völlig unvoreingenommen jeder Fraktion und ihrer Politik gegenüber stehe (die FDP einmal ausgenommen, mit der werden logischerweise viele Fragen im Ortsverband besprochen). Die Freien Winsener haben mir persönlich wirklich nichts getan, ich empfinde nur ihre Art Politik zu betreiben als merkwürdig, rein populistisch und viel zu oft unsachlich. Wer dergleichen auf Bundes- oder Landesebene fabriziert, wird von mir seit jeher dafür kritisiert und das gilt logischerweise auch für die kommunale Ebene.
Rieck lasse, laut Wochenblatt-Bericht, “keine Gelegenheit aus, in seinem Blog Berten und die Freien Winsener zu kritisieren und ins schlechte Licht zu rücken.” Für die Häufigkeit dieser Gelegenheiten kann Wilfried Rieck aber nichts und auch wenn sich die übrigen Fraktionen im Stadtrat selten einig sind, müsste auch der Lokalpresse aufgegangen sein, dass nicht bloß die FDP vieles, was Oliver Bertens Verein als Politik verkauft, ausgesprochen kritisch aufnimmt.
Das Wochenblatt fragt am Ende seines Artikels vom Wochenende
“Ist das Politik, wie die FDP sie sich vorstellt?”
und bevor ich die beantworte, möchte ich aus Wilfried Riecks Stellungnahme zu genanntem Artikel zitieren:
“Seit März 2008 sind hier ca. 66 Artikel von mir und Gästen geschrieben worden. Diese Artikel befassen sich mit allgemeinen gesellschaftlichen Themen (23), mit allgemeinen politischen Themen (31) und mit den freien Winsenern direkt (12).”
Es geht also um 12 von 66 Artikeln. Ja liebes Wochenblatt, ich denke, das kann man in der Zusammensetzung durchaus ruhigen Gewissens noch Politik nennen.
Aber selbst wenn nicht, würde die FDP ihren Mitgliedern auf keinen Fall einen Maulkorb verpassen. Wir, die FDP, nennen uns nicht bloß freie Demokraten, wir sind es auch. Uneingeschränkte Meinungsfreiheit gehört dazu und es steht jedem frei, es Rieck gleich zu tun und im Internet seine Meinung zu verbreiten.
Oder in lokalen Zeitungen.
Abschließend möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich beim Wochenblatt für die prominent platzierte, unverhoffte Werbung eines Weblogs zu bedanken. Da bisher bis auf eine Ausnahme sämtliche mir bekannten (und es sollte mich wundern, wenn es da welche gäbe, die ich noch nicht kenne) Winsener Blogger Mitglied der FDP sind, habe ich eine gewisse Hoffnung, dass sich nun vielleicht auch ein paar weitere Kommunalpolitiker den Schritt ins Internet trauen. Es ist ja scheinbar nicht schwer, damit in die Zeitung zu kommen. Dem Ansehen der Politik könnte ein wenig mehr Offenheit sicherlich nicht schaden.
Vielleicht wäre sowas auch eine Möglichkeit für die Freien Winsener, sich vom nunmal im Raum stehenden Vorwurf, blanken, unsachlichen Populismus zu betreiben, reinzuwaschen.
Comments
One Response to “Abrechnung oder sachgemäße Kritik?”
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Dezember 11th, 2008 @ 17:34
Hallo, wurde von einem Winsener Stadtratsmitglied auf einen Blog, von Herrn Rieck, aufmerksam gemacht der sich negativ mit der Arbeit der Freien Wählergemeinschaft Winsen beschäftigt.
Sie schreiben, 12 von 66 Artikeln beschäftigen sich mit den Freien Winsenern, dass stimmt so leider nicht, ich habe mir die Zeit genommen und alle Artikel aus dem Archiv des blogs “quergelesen” und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: 34 Artikel befassen sich mehr oder weniger Harsch mit den Freien Winsenern. Sicherlich ist es das gute Recht von Herrn Rieck sich öffentlich zu äußern und Kritik zu üben, jede Form von Kritik sind, sofern sie sachlich richtig ist, willkommen, gibt sie doch eine Chance Sachverhalte zu überdenken und gegebenfalls zu ändern. Doch eins sollte auch Herr Rieck (der übrigens als 2. Vorsitzender der Freien Winsener meine vollste Hochachtung genoss) bedenken: Die Wählerliste hat er als 2. Vorsitzender voll mitgetragen, sich jetzt darüber negativ zu äußern halte ich für Bedenklich.
In der Hoffnung, dass die Atmosphäre nicht zu sehr “vergiftet” wird und weiterhin Politik zum Wohle der Bürger ( im Kleinem wie im Großen) gemacht werden kann, wünsche ich Ihnen alles Gute
Mit freundlichen Grüßen
Ingo Lühr
(wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten)
Mitglied der Freien Winsener