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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Stauffenberg

Zahllose Menschen machen sich scheinbar derzeit Gedanken, dass der gescheiterte Hitler-Attentäter Stauffenberg im Schlepptau des im Moment im Kino laufenden Hollywood-Films mit eben diesem Attentat als Story hierzulande einen Heldenstatus erlangen könnte, der ihm womöglich nicht zusteht.

Diese Aufregung ist für die Filmleute sicher wie üblich eine grandiose Werbung und sei ihnen von mir aus gegönnt. Ich halte die Befürchtungen aber für ziemlich überzogen. In der Schule und in zahllosen Fernsehdokumentationen haben wir doch alle längst gelernt, dass dieser Stauffenberg reichlich skurile Ansichten gehabt hat, die im Großen und Ganzen eben denen Adolf Hitlers viel zu ähnlich waren, als dass sein Attentäter es zu einem echten strahlenden Helden je wird bringen können – zumal in diesem in solchen Fragen tendenziell überempfindlichen Land.

Das Gute, was man über Stauffenberg sagen kann, ist dass er wirklich alles getan hat, um den Weltkrieg zu beenden. Hätte das hingehauen, dann hätten hunderttausende Menschen vielleicht nicht mehr ihr Leben lassen müssen.

Natürlich war gerade das Stauffenberg aber ziemlich egal, ihm ging es mehr um Deutschlands Ansehen – ich denke, er hat sich da ein bisschen was vorgemacht, denn um da noch irgendwas zu retten war es wohn ohnehin längst zu spät, als er seine Bombe zündete. Aber viele Leben hätte eine erfolgreiche “Operation Walküre” ja dennoch retten können, darf man jedenfalls annehmen.

Deswegen muss man ihm, der nachweislich dem Rassenwahn der Nazis gefolgt ist und dem wie gesagt das Image seiner Nation mehr am Herzen lag, als die durch Krieg, aber auch durch rassistischen Mord seit 1933 weniger werdenden Menschen, aus der sie bestand, sicher keine Denkmäler errichten. Es ist schön, dass sich auch innerhalb der Wehrmacht irgendwann Widerstand gegen die verbrecherische Führung geregt hat aber dass eine Armee meutert, wenn jeder Gefreite merkt, dass militärisch wirklich gar nichts mehr zu retten ist und nur ein Haufen Fanatiker in sicheren Bunkern weit hinter der Front in ihrem Wahn einen Sinn im Weitermorden sehen, ist meiner Meinung nach kein besonderes Wunder und vermutlich auch kein Einzelfall in der Geschichte.

Gut möglich, dass Stauffenberg selbst bei einem Erfolg seiner Pläne sogar versucht hätte, seine Ansichten zu verschleiern, vielleicht wäre er dann wirklich irgendwann zu einem rspektierten Helden geworden. Hätte dass wohl die Leistung, Hitler zu ermorden und den Krieg zu beenden so sehr geschmälert? Schwer zu sagen.

Vielleicht kann man sich irgendwie darauf einigen, dass Stauffenberg sehr wahrscheinlich der Welt den größeren Dienst geleistet hätte, wenn das Attentat geklappt hätte, er aber trotzdem ein menschenverachtendes Arschloch geblieben wäre.

Weiterhin bin ich dafür, den jetzt laufenden Film (den ich noch nicht gesehen habe) ein wenig von der historischen Figur zu trennen. Von unzähligen Amerikareisenden hört man, dass es dort viele Menschen gibt, die entweder denken, bei uns wären die Nazis noch an der Macht oder die Deutschen entweder toll oder abartig finden, weil wir mal diesen Hitler hatten. Dass es gegen den aber einen Widerstand selbst innerhalb seiner Führungsriege gegeben hat, bringt diese seltsamen Weltbilder ja vielleicht immerhin ins Wanken.

Nichtwissen mit wenig detailreichem Halbwissen zu ersetzen, ist doch schonmal ein erster Schritt in Richtung historischer Aufklärung, denke ich. Die Gefahr, dass der Rest der Welt nach diesem Film die deutschen Kriegsgräuel vergisst, besteht aber sich nicht. Es ist letztlich wirklich bloß ein Film.

Gorbatschow besucht Honecker in Hoopte: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!”

Morgen ist es also mal wieder soweit: Das Faslamswochenende stellt meinen Heimatort komplett auf den Kopf. Mindestens bis Montag wird dieses Blog wohl wahrscheinlich auch ein reines Faslamsblog bleiben.

 Plakat

Während die meisten Themenwagen heute noch aussehen, als würden sie nie im Leben bis zum Umzug am Sonntag fertig werden (das tun sie eigentlich in jedem Jahr…) und vermutlich jeder zweite der 800 Einwohner von Hoopte besorgt den Wetterbericht im Auge behält (wir sind da wahrhaft leidgeprüft!) steigt doch so langsam allgemein die Vorfreude.

Die wichtigsten Daten auf einen Blick:

  • Morgen gibts erstmal die weltberühmte “Buddelversteigerung” und gemeinsames HSV-gucken in der Kneipe vor meiner Haustür (zumindest für die paar Leute, die bis dahin ihren Wagen fertig haben, viele werden wohl nochmal an die Arbeit gehen müssen, wie ich das sehe),
  • Samstag machen uns die Rock ‘n Roll Deputyz so richtig heiß auf den Umzug, das wird wie beim letzten Mal wohl eine Veranstaltung mit vielen hundert Besuchern aus dem ganzen Umland werden,
  • Sonntag dann schließlich der Höhepunkt: Der Hoopter Faslamsumzug, auf dem der Autor dieser Zeilen mal versuchen wird, als Michail Gorbatschow durchzugehen… und
  • Montag sehen wir dann bei der Wagenprämierung, wie unser Thema “20 Jahre Mauerfall” mit einer Honnecker-Parodie vom Feinsten, Mauer, Trabbi und Stacheldraht und so weiter so bei den Punkterichtern angekommen ist (wobei unser Künstlername “Die Pfuscher” vermutlich leider wieder mehr als reines Understatement sein wird aber was solls, wir wollen die Leute ja schließlich vor allem mit ordentlich Stimmung unterhalten).

Übersichtskarte: Alle Orte, alle Termine und die Umzugsstrecke

Für auswertige Besucher sind im Grunde nur der Samstag und der Sonntag interessant. Wer sich den Umzug ansehen möchte, sei allerdings darauf hingewiesen, dass die einzige Straße, die nach Hoopte führt vermutlich so ab halb 12 gesperrt sein wird (sie ohnehin spätestens um 12 voller Faslamswagen stehen…) und man möglichst ein bisschen eher ankommen sollte.

Wer die Begebenheiten und Umstände, die wohl entscheidend zu Heinz Strunks “Fleisch ist mein Gemüse” beigetragen haben, mal in echt erleben will, der sollte sich ruhig mal das volle Programm gönnen.

Die werte Leserschaft darf sich also auch in diesem Jahr herzlich eingeladen fühlen – und wer am Sonntag dann zufällig einen verdächtig fröhlichen Gorbatschow am Deich trifft und lieb fragt, der kriegt vielleicht sogar n Bierchen von mir – wem das Wetter für Bier zu kalt ist, kann sich aber altnativ auch von einem anderen Liberalen am Feuerwehrhaus nen Glühwein verkaufen lassen (zugunsten der Feuerwehr, nicht der FDP versteht sich).

Bund der Spießbürger

Den “Bund der Fußgänger” gibt es nach eigenen Angaben schon seit 1987 aber ich hab trotzdem bis heute noch nie was von ihm gehört.

Viele andere wohl auch nicht, weshalb sich die Burschen gedacht haben mögen, jetzt mal so einen richtigen medialen Hammer zu landen:

Schilder für Fahrräder!

Jawoll, das wurde Zeit! Jeder weiß: Alle Fahrradfahrer sind rücksichtslose Raser-Rüpel. Die bisherige polizeiliche Praxis, Radfahrer am hellichten Tag anzuhalten, weil sie z.B. keine Lampe am Fahrrad haben oder 5 Meter auf der falschen Straßenseite gefahren sind, reicht zur Disziplinierung dieser Asis einfach nicht aus.

Den Bund der Fußgänger, dieses Sinnbild typisch deutscher Vereinsmeierei, kennt jetzt wohl jeder. Mir hat er den Tag immerhin wirklich versüßt, ich habe mich prächtig über diese Clowns amüsiert.

Nächstes Projekt des Deutschen SpießbürgerFußgängerbundes könnte laut Website wohl das “H E E R   der I N L I N E S C A T E R” (schreiben die wirklich so) werden. Vielleicht kriegen die dann auch Nummern- oder wenigstens Namens- und Adressschilder.

Ich freu mich jetzt schon drauf.

Herausforderung Gutmenschentum

Von einem Schlachthofkontrolleur habe ich erfahren, dass man von vier Fünfteln der Bioschweine die Lebern und die Lungen wegwerfen muss, weil sie von Würmern zerfressen sind. Ist das tiergerecht?

Gute Frage, fand ich (bei Welt-Online).

Und vor dem Hintergrund, dass selbst die ersten CDU-Leute durchdrehen und eine “Rückkehr zum Sonntagsbraten” fordern (der dann das einzige aus Fleisch in der Woche sein sollte) und Helden der Politik wie Renate Künast sowieso regelmäßig vor Fleischkonsum aus Klimaschutzgründen warnt, stelle ich fest, dass man sich wohl ähnlich wie bei der Frage nach den Laufzeiten von Atomkraftwerken, die man gegen neue Kohlekraftwerke abwägt, entscheiden muss: Klimaschutz oder Ökonahrung?

Muss schwer sein, in diesen Zeiten ein Gutmensch zu bleiben.

(gefunden beim A-Team)

Qimonda

Chipherstellung sieht zwar aus wie Raumschiff Enterprise, ist aber von seiner Anforderung an die Bildung der Mitarbeiter her unspektakulärer, als Mancher denkt. Es ist Fließbandarbeit und hergestellt wird ein Billigprodukt als Massenware. Sicher, der technische Aufwand ist hoch – aber mitnichten handelt es sich um die Zukunftsbranche oder gar eine “Schlüsselindustrie”, die uns mancher einreden will.

Arbeitsplätze, die hat Qimonda uns zweifellos gebracht. Hochsubventionierte allerdings und wer jetzt allen Ernstes mit dem Finger auf diejenigen zeigt, die diesen irren Zirkus aus noch mehr Millionen letztlich nicht mehr mitmachen mochten, weil die Firma immer mehr Geld verbrannt hat, macht sich spätestens seit dem Fall Nokia doch einfach nur noch lächerlich. 

Chipfabriken, die nicht kostendeckend arbeiten können, brauchen wir hier nicht. Es ist schlimm, dass Qimonda pleite und viele Arbeitsplätze damit in Gefahr sind.

Aber finanzielle Löcher ohne Boden, die sogenannte “Industriepolitiker” trotzdem mit dem Geld anderer Leute zu zu stopfen versuchen, haben wir mehr als genug. Statt Bergbau, Landwirtschaft, Chip- und Handyfabriken unnötig zu subventionieren, wäre eine Anhebung des Arbeitslosengeldes oder der Sozialhilfe mit Sicherheit die einfachere Lösung, strukturschwachen Regionen zu etwas mehr Wirtschaftskraft zu verhelfen.

Künstliches peppeln und Am-Leben-halten von Industrien, die schlicht und ergreifend besser in Billiglohnländern aufgehoben wären, kostet einfach nur Geld, weckt falsche Hoffnungen und verunsichert am Ende, also bei der unausweichlichen Pleite, doch nur viele Menschen unnötigerweise.

Wie gefährlich sind alte Zeitungen?

Die Frage könnte auch lauten “ab wann wird aus praktischem Geschichtsunterricht Propaganda.

An dieser Frage ist mit einem Projekt namens “Zeitungszeugen” heftiger Streit entbrannt. Dabei geht es um Nachdrucke alter Zeitungen aus der Zeit der Hitler-Diktatur. Der Zentralrat der Juden und die bayerische Staatsregierung möchten das Projekt stoppen oder zumindest die nationalsozialistischen Zeitungen nicht veröffentlicht sehen.

Und zwar offenbar deshalb, weil man fürchtet, dass die Nazipropaganda auch heute noch wirken könnte, denn einen anderen Grund hielte ich im Hinblick auf Pressefreiheit, die jawohl auch für alte Presse gelten muss, für unvertretbar.

Wenn es aber Ziel des Projektes ist, seinen Lesern nahezubringen, wie es zur fürchterlichen NS-Diktatur kommen konnte, wie soll dass dann erreicht werden, wenn bloß Zeitungen verkauft werden dürfen, die dagegen Opposition gemacht haben?

Und wäre es nicht an der Zeit, den Menschen die Wahrheit darüber zuzumuten, wie das alles seinen Anfang genommen hat?

“Wehret den Anfängen” ist ein gern gegen alles, was auch nur im Ansatz in Richtung Nazidiktatur geht, verwendeter Schlachtruf. Aber dazu müsste schon auch Aufklärung darüber gehören, wie denn solche Anfänge aussehen können.

Ich halte dass für etwas, dass heute so aktuell wie eh und je ist. Die Gefahr, dass sich ein paar Nazi-Kiddies an sowas aufgeilen könnten, die besteht natürlich. Aber um das zu verhindern, müsste man das Thema wohl komplett aus Geschichtsunterrichten und Medien verbannen, was erst recht Wahnsinn wäre.

Digitale Zeiten

Marcel Weiss hat wieder einmal kluge Worte zum Thema “Wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)” gefunden. Der Artikel ist insgesamt sehr empfehlenswert für jeden, der sich mit dem Thema Medien und Internet im Allgemeinen auseinander setzt.

Er fasst den Artikel gegen Ende in folgender Argumentationskette zusammen:

 

1. Digitale Musikaufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie freie Güter sind, und unter Nichtrivalität konsumiert werden können.

2. Die unter Punkt 1 genannten Eigenschaften führen zu einem unendlichen Angebot und Grenzkosten von Null für digitale Kopien von Musikaufnahmen.

3. Punkt 2 führt wiederrum zu einem Marktpreis von Null für digitale Musikaufnahmen. Während das alte Geschäftsmodell wegbricht, werden die Musikaufnahmen gleichzeitig zur optimal distribuierbaren Werbung für die Musiker.

4. Während die Erzeugung einer Kopie keine zusätzliche Kosten verursacht, erzeugt die eigentliche Produktion der Musik Kosten, die gedeckt werden müssen. Diese Kosten müssen über eine Querfinanzierung eingespielt werden.

5. Die Einnahmen für Musiker muss aus dem Verkauf von wertvollen, knappen Gütern kommen. Beispiele: Konzerte, Merchandising, exklusive Zugänge zum Musiker

Klingt für mich irgendwie schlüssig – und dürfte letzten Endes wohl auch auf andere Inhalte, zum Beispiel Filme oder Bücher grundsätzlich übertragbar sein. So wie man ein Rock-Konzert nicht besucht, um wirklich Musik zu hören, sondern weil das ein besonderes Erlebnis ist, dass erst durch die Masse anderer Fans und der ganzen Atmosphäre entsteht. Wer ins Kino geht, möchte schon heute einen bestimmten Film eben auf einer Riesenleinwand erleben, während der eigentliche Inhalt des Films zweitrangig ist.

Und irgendwann wird man sich schließlich auch ein Buch mehr des besonderen Lesegefühls wegen kaufen, statt es wie alles andere auch auf dem Bildschirm oder irgendwelchen Lesegeräten zu lesen.

Es ist aber an der Zeit der Produzenten und der Industrie, sich auf diesen Umbruch vorzubereiten, statt ihre Kunden zu Verbrechern zu machen, bloß weil die in Sachen Technik offenbar ein ganzes Stück gewitzter und fitter sind, als die meisten Medienproduzenten.

Drei Lieder, eine Melodie

Hat eigentlich noch wer gedacht, er sitzt im falschen Film, als Aretha Franklin gestern beim Washingtoner Regierungswechsel-Zeremoniell plötzlich die britische Nationalhymne angestimmt hat?

Natürlich war es nicht die britische Nationalhymne, aber die Melodie. Und da ich denn doch nicht so Textsicher gewesen bin, habe ich erst etwas gestaunt – und erst dann angefangen mich zu fragen, in wievielen Ländern diese Melodie eigentlich noch zu staatstragenden Hymnen verarbeitet worden ist.

Was Frau Franklin da gesungen hat, war ein Lied namens “My Country ’tis of thee, Sweet land of liberty”, das so geht:

My country tis of thee,
Sweet land of liberty,
Of thee I sing.
Land where my fathers died!
Land of the Pilgrim’s pride!
From every mountain side,
Let freedom ring!

My native country, thee,
Land of the noble free,
Thy name I love.
I love thy rocks and rills,
Thy woods and templed hills;
My heart with rapture fills
Like that above.

Let music swell the breeze,
And ring from all the trees
Sweet freedom’s song.
Let mortal tongues awake;
Let all that breathe partake;
Let rocks their silence break,
The sound prolong.

Our father’s God to, Thee,
Author of liberty,
To Thee we sing.
Long may our land be bright
With freedom’s holy light;
Protect us by Thy might,
Great God, our King!

Die britische Hymne dagegen ist ein bisschen kriegerischer, die Worte freedom oder liberty kommen dafür selbstredend nicht ein einziges Mal vor:

God save our gracious Queen,
Long live our noble Queen,
God save the Queen!
Send her victorious,
Happy and glorious,
Long to reign over us;
God save the Queen!
The wide world over.
O Lord, our God arise,
Scatter her enemies
And make them fall;
Confound their politics,
Frustrate their knavish tricks,
On Thee our hopes we fix,
God save us all!
Thy choicest gifts in store
On her be pleased to pour;
Long may she reign;
May she defend our laws,
And ever give us cause
To sing with heart and voice,
God save the Queen!1
Not in this land alone,
But be God’s mercies known,
From shore to shore!
Lord make the nations see,
That men should brothers be,
And form one family,

 Weniger bekannt ist, dass es auch eine Deutsche Hymne mit dieser Melodie gibt. Textlich sehr an die britische angelehnt, war “Heil dir im Siegerkranz” zwischen 1871 und 1918 sowas wie die Deutsche Nationalhymne, die sich so liest:

Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||:Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :| |

Nicht Roß, nicht Reisige
Sichern die steile Höh’,
Wo Fürsten steh’n:
||:Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer.:||

Heilige Flamme, glüh’,
Glüh’ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
||:Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich!:||

Handel und Wissenschaft
Heben mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
||:Krieger- und Heldentat
Finden ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort,
An deinem Thron!:||

Dauernder stets zu blüh’n
Weh’ unsre Flagge kühn
Auf hoher See!
||:Wie so stolz und hehr
Wirft über Land und Meer
Weithin der deutsche Aar
Flammenden Blick.:||

Sei, Kaiser Wilhelm, hier
Lang’ deines Volkes Zier,
Der Menschheit Stolz!
||:Fühl’ in des Thrones Glanz,
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir!:||

Tja und gerade angesichts der letzten Strophe können wir wohl mal festhalten, dass Hymnentexte auch noch so toll formuliert sein können, aber letztlich doch nichts gegen die Realität ausrichten können. Wilhelm 2 war vielleicht maximal eine Zeitlang “Liebling des Volkes” und offensichtlich etwas (mindestens aber die Jahre zwischen 1914 und 1918) zu lange – aber sicher nicht eine “Zier” für Deutschland und wohl kaum “Der Menschheit Stolz”.

Die alte Melodie all dieser Lieder jedoch, die scheint eine insgesamt recht interessante Geschichte zu haben.

Nachtrag: Worauf mich Dagny grade hinwies: Auch der aktuelle Lieblingsfeind der deutschen Regierung, nämlich das Fürstentum Liechtenstein, hat ebenfalls eine Hymne nach dieser Melodie, womit der Titel dieses Artikels zum Dokument schlechter Recherche seines Autors geworden ist;)

Aber egal, der Text der Nationalhymne des Ministaates in den Alpen mit dem Titel “Oben am jungen Rhein” lautet der vollständigkeit halber:

Oben am jungen Rhein
Lehnet sich Liechtenstein
An Alpenhöh’n.

Dies liebe Heimatland,
Das teure Vaterland,
Hat Gottes weise Hand
Für uns erseh’n.
Vereint und frei.
Durch Bruderliebe Band

Hoch lebe Liechtenstein
Blühend am jungen Rhein,
Glücklich und treu.
Hoch leb’ der Fürst vom Land,
Hoch unser Vaterland,

PS: Die einzig wahre Hymne mit Namen “God save the Queen” ist und bleibt natürlich jene, mit einer ganz anderen Melodie;)

Juso-Schüler: Warum schon zum Start so langweilig?

Gerade haben sich die “Juso-Schüler Niedersachsen” gegründet. Also sozusagen eine Unterabteilung der Jusos, denen man angehören kann, wenn man Schüler ist.

Gut und schön, warum nicht.

Auf ihrer gerade gelaunchten Website verkünden sie unter dem Punkt “Über uns” erstmal, Die Juso-Schüler

“bekennen sich klar zur Mutterpartei SPD, im Gegensatz zur Schüler Union, die ihre klare Verbindung zur CDU nicht klarstellt.”

Aha, ganz toll. Also eine reine Jubeltruppe, oder wie soll ich mir das vorstellen? Ich meine, dass sich Jusos letztlich klar zur SPD bekennen, setze ich ohnehin voraus und auch wenn das wohl eher ein Seitenhieb auf die Schüler-Union sein soll, finde ich es etwas schade, gleich sowas an den Anfang der öffentlichen Arbeit zu stellen. Aufgabe eines solchen Verbandes sollte es doch gerade nicht sein, sich ungefragt zur Mutterpartei zu bekennen, sondern auch und vor allem deren Politik kritisch zu begleiten und auf eine Verbesserung im Sinne der eigenen Klientel hinzuwirken. Solange die natürlich in der Opposition sitzen, ist ein Bekenntnis zur Mutterpartei so ziemlich das Gleiche, weil jeder Angriff auf die Politik der Regierung hilfreich ist aber sofern der Vorwurf gegen die Schüler-Union bedeuten soll, dass es etwas Schlechtes ist, als politische Teilorganisation auch mal gegen die da oben anzugehen, dann drohen wohl diese Juso-Schüler ein ziemlich langweiliger Haufen zu werden.

Was an dem Vorwurf gegen die Schüler Union dran ist, kann ich nur schwer beurteilen. Auf der niedersächsischen Website des Schülerverbandes habe ich in der Tat nirgends einen Hinweis auf die CDU entdecken können. Wer allerdings nach einzelnen Namen aus den Vorständen googelt, wird schnell fündig. Und wer gar nach “Schüler Union” googelt, findet jedenfalls an oberster Stelle:

su

Hello, Mr. President

Da ich gestern dann doch viel lieber mit jungen politisch interessierten Menschen über die Jungen Liberalen gesprochen habe (vulgo “Mitgliederwerbung”), habe ich Teile der Obamaschen Krönungsfeierlichkeiten nur im Radio mitbekommen, einen Teil seiner Rede zum Beispiel.

Was da so gelaufen ist, fand ich allerdings teilweise wirklich fürchterlich. Ein öffentliches Gebet mit Millionen von Menschen. Millionen offenbar ziemlich gläubigen Menschen. Sei es, dass sie an den Staat mit ihrem neuen Messias an der Spitze glauben oder wirklich noch an den Lieben Gott (wobei ich mich da gefragt habe, ob der denn bei einigen der Schaulustigen noch über oder doch eher unter dem neuen Präsidenten steht).

Derartige Massengebete hätte ich bisher eher so den arabischen Kulturkreisen zugeordnet und in Zeiten von Finanzkrisen und heißer werdenden Konflikten, muss einen eine solch einige Versammlung hinter einem mächtigen Führer schon etwas nachdenklich stimmen. Präsident Barack Obama könnte sich vermutlich im Augenblick fast alles erlauben, wenn er es den Leuten nur als für den “Change” notwendig verkauft.

Die meisten Medien, so gut wie alle Vertreter der großen gesellschaftlichen Gruppen äußern sich, wenn schon, dann ausnahmslos positiv und hoffnungsvoll – und dass in einem Land, in dem durchgeknallte Gewerkschafter schon den Zeigefinger heben, wenn Fussballfans das Land deutschlandfahnenschwenkend in ein friedliches und vollkommen unpolitisches “Sommermärchen” verwandeln!

Obamas Rede, soweit ich sie verfolgt habe, kam mir ein gutes Stück heftiger vor, als die, die wir vom Präsidenten a.D. Bush gewohnt waren. Auch die ganze Symbolik, seine Anreise auf Lincoln-Art und der Schwur auf Lincolns Bibel zum Beispiel, wirken ganz schön großkotzig.

Man darf also gespannt sein, auf welche Weise dieser totale Umbrach, den Obama den Leuten (und vermutlich die halbe Welt sich von ihm) versprochen hat, ab heute die Welt verändern wird. Ob das alles wirklich friedlich über die Bühne gehen kann oder ob der Präsident seine gewaltige Macht überall in der Welt (gerade auch in Deutschland) nicht doch nutzt, um zu neuen Kreuzzügen aufzubrechen.

Am dazu nötigen religiösem Eifer jedenfalls scheints ihm nicht zu fehlen, darin steht der Neue dem Alten offenbar in Nichts nach.

Mich hats beim Verfolgen dieser Feiern da gestern ehrlich etwas gegruselt. Hoffen wir mal, dass das Nichts weiter als ein liberaler Reflex gewesen ist und der Präsident anders regiert, als man es angesichts seiner Auftritte befürchten könnte.

Ich geb ihm da natürlich gerne seine Chance – aber klar ist auch, dass der Mann ab sofort an Glanz verlieren wird. Und klar ist auch, dass Amerika von uns bei Bedarf Unterstützung für kündtige Aufgaben und Abenteuer abfordern wird.

keep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Herr Obama hat gestern “den Anfang vom Ende” der Wirtschaftskrise erklärt. Lasst uns froh sein, dass er das nicht auf einem Flugzeugträger getan hat. — Manfred Messmer auf “Arlesheim Reloaded”, 18. Februar 2009

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