Jan 21 2009
Digitale Zeiten
Marcel Weiss hat wieder einmal kluge Worte zum Thema “Wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)” gefunden. Der Artikel ist insgesamt sehr empfehlenswert für jeden, der sich mit dem Thema Medien und Internet im Allgemeinen auseinander setzt.
Er fasst den Artikel gegen Ende in folgender Argumentationskette zusammen:
1. Digitale Musikaufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie freie Güter sind, und unter Nichtrivalität konsumiert werden können.
2. Die unter Punkt 1 genannten Eigenschaften führen zu einem unendlichen Angebot und Grenzkosten von Null für digitale Kopien von Musikaufnahmen.
3. Punkt 2 führt wiederrum zu einem Marktpreis von Null für digitale Musikaufnahmen. Während das alte Geschäftsmodell wegbricht, werden die Musikaufnahmen gleichzeitig zur optimal distribuierbaren Werbung für die Musiker.
4. Während die Erzeugung einer Kopie keine zusätzliche Kosten verursacht, erzeugt die eigentliche Produktion der Musik Kosten, die gedeckt werden müssen. Diese Kosten müssen über eine Querfinanzierung eingespielt werden.
5. Die Einnahmen für Musiker muss aus dem Verkauf von wertvollen, knappen Gütern kommen. Beispiele: Konzerte, Merchandising, exklusive Zugänge zum Musiker
Klingt für mich irgendwie schlüssig – und dürfte letzten Endes wohl auch auf andere Inhalte, zum Beispiel Filme oder Bücher grundsätzlich übertragbar sein. So wie man ein Rock-Konzert nicht besucht, um wirklich Musik zu hören, sondern weil das ein besonderes Erlebnis ist, dass erst durch die Masse anderer Fans und der ganzen Atmosphäre entsteht. Wer ins Kino geht, möchte schon heute einen bestimmten Film eben auf einer Riesenleinwand erleben, während der eigentliche Inhalt des Films zweitrangig ist.
Und irgendwann wird man sich schließlich auch ein Buch mehr des besonderen Lesegefühls wegen kaufen, statt es wie alles andere auch auf dem Bildschirm oder irgendwelchen Lesegeräten zu lesen.
Es ist aber an der Zeit der Produzenten und der Industrie, sich auf diesen Umbruch vorzubereiten, statt ihre Kunden zu Verbrechern zu machen, bloß weil die in Sachen Technik offenbar ein ganzes Stück gewitzter und fitter sind, als die meisten Medienproduzenten.
11 Kommentare












Klingt in der Tat irgendwie schlüssig – ist aber ein gefährlicher Angriff auf den ganzen Gedanken des Urheberrechts.
Ist es nicht urliberal, das Eigentum zu schützen? Ist nicht des Künstlers Werk genauso schützenswert wie das des Maurermeisters und muss deshalb nicht auch sein Eigentum effektiv geschützt werden? Was mir nicht passt, ist nicht die Schlüssigkeit des Konzepts. Was mir nicht passt, ist der – entschuldige den Ausdruck – Chauvinismus, mit dem hier ganz selbstverständlich Künstler enteignet werden sollen. Denn ich glaube nicht, dass die die Ideen so klasse finden. Und da es ihr Eigentum ist, haben auch allein sie darüber zu disponieren.
Sehe ich nicht so.
Natürlich kann man solche Gedanken so verstehen, dass Urheberrechte am besten aufgehoben gehören. Und wenn der Vergleich zwischen einem Künstler und einem Maurer nicht dermaßen hinken würde, käme man schließlich auch gar nicht erst auf einen solchen Gedanken. Denn eine kopierte Musikdatei, beispielsweise, ist einfach nur eine Kopie. Das Original bleibt davon unberührt. Versuch das mal mit nem Haus (genau das Beispiel steht ja auch im Artikel drin). Da besteht also schon ein großer Unterschied. Das eigentliche Werk wird dadurch jedenfalls nicht geschmälert. Höchstens die Chance, damit Geld zu verdienen.
Aber das ist für mich eigentlich gar nicht der Kern der Sache. Es geht doch um klare Fakten: Es ist möglich, digitale Inhalte völlig kostenlos zu vervielfältigen. Das ist so und wird auch so bleiben. Die Industrie hat im Grunde nur die zwei Möglichkeiten, diese Tatsachen zu ignorieren und mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass nur ihre eigenen Vervielfältigungen eine Rolle spielen (und wir sehen, dass das bis heute kein bisschen funktioniert), obwohl auch die dank der digitalen Revolution inzwischen quasi zum Nulltarif anzufertigen sind (was interessanterweise überhaupt nicht an den Preisen ablesbar ist).
Oder sie ändert ihr Geschäftsmodell in der Weise, wie es der Artikel vorschlägt. Und ich hielte das für die bei weitem intelligentere Variante. Das Urheberrecht bliebe davon im Wesentlichen unberührt.
Querfinanzierung? Warum?
Nein so geht das nicht. Genauso gut könnte ich fragen warum sollte ein Autor für jedes Buch Geld bekommen? Die Grenzkosten mögen 0 sein nur wennn man nur 50 Kopien hat verteilen sich alle Kosten auf eben diese 50 Kopien, das wären ziemlich “interessante” Preise. Auch bleibt die Frage wenn die Firmen Millionen für Ihre Stars ausgeben wieviele Kopien müssen Sie da verkaufen?
Nein, das ist keine Lösung
Genau meine Argumentation Jan, dieser Trend ist seit einigen Jahren zu erkennen, vor allem halt bei kleineren Labels hat sich dieses Modell bereits durchgesetzt. Gut, dass sich diese Sichtweise langsam durchzusetzen beginnt, kann nur zu unser aller Besten sein.
Wenn die Künstler entscheiden könnten gäbe es wohl heute keine Plattenfirmen etc. mehr, denn die Künstler sehen von dem Kuchen keine 1% womit das Problem der “Enteignung” wegfallen dürfte. Das heißt, dass die Mehrheit der Einnahmen niemals bei den Künstlern ankommt und um diese geht es ja.
Und die Argumentation mit dem Maurer sollte ja eigentlich die Schaffung von Werten stützen, sie tut aber das Gegenteil, indem sie vor Augen führt, wie aberwitzig genau dieser Vergleich ist, da hat Jan vollkommen Recht. Die auf Komposition und Aufnahme folgenden Konzerte sind jedoch die eigentliche Wertschöpfung im monetären Sinne, hier werden die Tantiemen eingespielt, die Vorleistungen an Kreativität und Aufnahme setze ich hier einfach mal mit Entwicklungs- und Werbekosten gleich, die jeder andere Selbstständige auch zu tragen hat.
Dabei muss das kein Angriff auf das geistige Eigentum an sich sein, aber die Taktik der hinter den Kriminalisierungstechniken steckenden Firmenimperien tut das Ihre, um solchen Entwicklungen Vorschub zu leisten.
Friedrich,
ja, die Frage könnte man in der Tat stellen. Na und? Ist ja Sache des Autors, das zu entscheiden. Die Alternative wird m.E. aber irgendwann womöglich sein, dass seine Werke niemand mehr kauft, weil andere ihr Geld eben nicht mehr direkt mit dem Schreiben und dem daraus erwachsenden Urheberrecht verdienen, sondern mit irgendwelchen sekundären Dienstleistungen wie Auftritten oder vielleicht auch Auftragsarbeiten.
Es geht doch auch nie um 50 Kopien. Etwas, dass in so kleiner Auflage erscheint, ist entweder sehr speziell oder eben nicht gut genug, um dafür wirklich Geld verlangen zu können.
Jeder meiner Artikel wird viele hundert mal gelesen. Wäre ich dumm genug, dafür Geld zu verlangen, würde das sofort dramatisch in den Keller gehen. Angebote, mit dieser Seite auf verschiedene Weise Geld zu verdienen, bekomme ich trotzdem (z.B. Auftragsarbeiten, Werbung etc.) und so in etwa kann das doch wohl anderswo auch laufen, wenn man denn will.
Wenn nicht dann halt nicht – aber Inhalte nur zu produzieren, um mit Kopien davon Geld zu verdienen, ist ein Geschäftsmodell der Vergangenheit und irgendwann wird sich das von ganz allein erledigen. Wäre es nicht sinnvoller, diese Entwicklung zu nutzen, statt sie don-quijotesk zu bekämpfen zu versuchen? Ich denke, Fortschritte sollten grundsätzlich lieber genutzt als verteufelt werden. Und dass es heute möglich ist, kostenlos zu vervielfältigen, dass birgt doch eindeutig mehr Segen als Fluch für die meisten Menschen.
Ich finde meinen Vergleich nicht verfehlt, ich habe ihn, wie Nikolaus richtig interpretiert hat, mit Bedacht so gewählt. Es ist zutiefst unliberal und auch meines Erachtens wirklich falsch, Menschen ihr Recht an ihrem geistigen Werk zu verwehren.
Mag sein, aber alles hat Seinen Preis und ich find Quersubventionen einfach schlecht…
Aber David, das tut ja niemand. Es geht gar nicht um die Veränderung geltenden Rechtes, sondern um ein prognostiziertes Umdenken seitens der Industrie – das übrigens schon angefangen hat, Stars wie Madonna haben ja nicht aus Jux von einer Plattenfirma zu einem Konzertveranstalter gewechselt. Daran wird deutlich, dass sich die Prioritäten längst verschieben.
[...] dass im Internet Musik nicht kostenlos sein muss. Vor diesem Hintergrund sollten sich die Freunde digitaler Zeiten einmal fragen, warum Musiker auch künftig ganze Alben produzieren und kostenlos ins Netz [...]
Ich denke auch, man kann das nicht mehr aufhalten. Eigentumsrechte funktionieren immer nur im Zusammenhang mit der Technik. Technik hat es ermöglicht, daß sich einige wenige Musiker auf Kosten der anderen Musiker eine goldene Nase verdient haben. Früher tingelten Straßenmusikanten durch die Städte, wer Musik haben wollte, mußte einen anmieten oder ins Konzert gehen. Mittels Konservenmusik und Marketing konnte dann ein einziger Musikant 1000 andere verdrängen. Es ist also nicht so, daß die Internettechnik jetzt plötzlich das Musikgewerbe ruiniert, sie hatte es schon damals getan. Die fortschreitende Technik zerstört jetzt nur das System, das sie früher selbst erschaffen hat. Ich denke, das Aufzeigen von alternativen Möglichkeiten, wie Musiker in Zukunft ihr Geld verdienen könnten, hilft denen mehr als Plädoyers fürs Eigentumsrecht, das so bald nicht mehr umsetzbar ist.
Siehe dazu auch die interessante Diskussion auf http://mises.org/story/3298