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Wie gefährlich sind alte Zeitungen?

Posted on | Januar 23, 2009 | 4 Comments

Die Frage könnte auch lauten “ab wann wird aus praktischem Geschichtsunterricht Propaganda.

An dieser Frage ist mit einem Projekt namens “Zeitungszeugen” heftiger Streit entbrannt. Dabei geht es um Nachdrucke alter Zeitungen aus der Zeit der Hitler-Diktatur. Der Zentralrat der Juden und die bayerische Staatsregierung möchten das Projekt stoppen oder zumindest die nationalsozialistischen Zeitungen nicht veröffentlicht sehen.

Und zwar offenbar deshalb, weil man fürchtet, dass die Nazipropaganda auch heute noch wirken könnte, denn einen anderen Grund hielte ich im Hinblick auf Pressefreiheit, die jawohl auch für alte Presse gelten muss, für unvertretbar.

Wenn es aber Ziel des Projektes ist, seinen Lesern nahezubringen, wie es zur fürchterlichen NS-Diktatur kommen konnte, wie soll dass dann erreicht werden, wenn bloß Zeitungen verkauft werden dürfen, die dagegen Opposition gemacht haben?

Und wäre es nicht an der Zeit, den Menschen die Wahrheit darüber zuzumuten, wie das alles seinen Anfang genommen hat?

“Wehret den Anfängen” ist ein gern gegen alles, was auch nur im Ansatz in Richtung Nazidiktatur geht, verwendeter Schlachtruf. Aber dazu müsste schon auch Aufklärung darüber gehören, wie denn solche Anfänge aussehen können.

Ich halte dass für etwas, dass heute so aktuell wie eh und je ist. Die Gefahr, dass sich ein paar Nazi-Kiddies an sowas aufgeilen könnten, die besteht natürlich. Aber um das zu verhindern, müsste man das Thema wohl komplett aus Geschichtsunterrichten und Medien verbannen, was erst recht Wahnsinn wäre.

Comments

4 Responses to “Wie gefährlich sind alte Zeitungen?”

  1. Andreas
    Januar 23rd, 2009 @ 14:38

    Als ich die Überschrift las, dachte ich zuerst an einen Artikel, den Vera Lengsfeld diese Woche veröffentlichte: http://www.achgut.com/dadgdx/i.....1989_2009/

    Das bayerische Finanzministerium untersagt die Veröffentlichung, weil sie ihrer Meinung nach die einzigen Nutzungsrechte daran haben. Wer weiß, vielleicht wollen die es später selber rausbringen, um den Haushalt aufzubessern ;)

    PS: “Mein Kampf” ist nicht zu gefährlich, es ist zu schlecht geschrieben, um gelesen zu werden. (Serdar Somuncus Lesung fand ich gut, wer sich einen Eindruck vom Buch machen will, sollte sich das vielleicht anhören)

  2. Dagny
    Januar 23rd, 2009 @ 14:44

    Ach, vielleicht hat die Politik nur Angst, dass die Parolen von damals den Parolen von heute in einigen Aspekten zu nahe stehen koennten oder dass der Leser die Nazi-Schriften ‘gar nicht so schlimm’ faende, angesichts heutiger Schlagzeilen?

  3. Stitch
    Januar 24th, 2009 @ 09:04

    Das Ganze ist eine ziemliche Farce. Das Urheberrecht für diese Zeitungen ist nach dem Krieg offenbar tatsächlich dem Staat Bayern übertragen worden. In Deutschand erlischt selbiges allerdings meines Wissens nach nach 70 Jahren. Nachdem nun auch noch Strafantrag gegen den Herausgeber gestellt und die zweite Ausgabe der “Zeitungszeugen” auf gerichtliche Anweisung beschlagnahmt wurde, würde es wirklich mal Zeit, diese ganze unsinnige und auch kontraproduktive Gestzeslage gerichtlich klären zu lassen. Alleine die Tatasache, dass, wie du schreibst, “die Gefahr (besteht), dass sich ein paar Nazi-Kiddies an sowas aufgeilen könnten”, rechtfertigt dieses ganze Vorgehen nämlich ganz sicher nicht.

    “Nazi-Kids” haben genügend Quellen, sich mit ihren Fetischen zu versorgen, übers Ausland wie auch in deren Kreisen “unter dem Ladentisch”. Das gilt auch für “Mein Kampf”: in meiner Familie existiert auch noch eine Ausgabe dieses Buches, das meine Großeltern seinerzeit zu ihrer Hochzeit vom Staat geschenkt bekamen. So konnte ich dieses Machwerk vor einiegn Jahren auch lesen (bzw. darin lesen, ganz lesen kann man das nicht, denn es ist tatsächlich unfassbar schlecht geschrieben) und feststellen, was für ein wahnwitziger Unsinn darin steht.

    Das Verbot davon führt letztendlich nur dazu, dass die Neo- und Altnazis die einzigen sind, die Zugriff auf diese geschichtlich nun wirklich hochinteressanten Quellen haben, und das kann es doch nun wirklich nicht sein. Ich bestreite einfach, dass auch nur ein einziger, der sich nicht einer wie auch immer aussehenden Nazi-Ideologie zugehörig fühlt, durch das Lesen einer (gerne auch kommentierten Ausgabe) von Hitlers Buch dazu wird. Und für diese Zeitungssammlungen gilt das wohl auch. Siehe auch hier.

  4. Die Gefährlichkeit alter Zeitungen | ars libertatis
    Januar 25th, 2009 @ 09:54

    [...] Link: filterblog – Wie gefährlich sind alte Zeitungen? zeitungszeugen.de [↩]junge freiheit – Streit um „Zeitungszeugen“ wird schärfer [...]

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