Jan 31 2009
Stauffenberg
Zahllose Menschen machen sich scheinbar derzeit Gedanken, dass der gescheiterte Hitler-Attentäter Stauffenberg im Schlepptau des im Moment im Kino laufenden Hollywood-Films mit eben diesem Attentat als Story hierzulande einen Heldenstatus erlangen könnte, der ihm womöglich nicht zusteht.
Diese Aufregung ist für die Filmleute sicher wie üblich eine grandiose Werbung und sei ihnen von mir aus gegönnt. Ich halte die Befürchtungen aber für ziemlich überzogen. In der Schule und in zahllosen Fernsehdokumentationen haben wir doch alle längst gelernt, dass dieser Stauffenberg reichlich skurile Ansichten gehabt hat, die im Großen und Ganzen eben denen Adolf Hitlers viel zu ähnlich waren, als dass sein Attentäter es zu einem echten strahlenden Helden je wird bringen können – zumal in diesem in solchen Fragen tendenziell überempfindlichen Land.
Das Gute, was man über Stauffenberg sagen kann, ist dass er wirklich alles getan hat, um den Weltkrieg zu beenden. Hätte das hingehauen, dann hätten hunderttausende Menschen vielleicht nicht mehr ihr Leben lassen müssen.
Natürlich war gerade das Stauffenberg aber ziemlich egal, ihm ging es mehr um Deutschlands Ansehen – ich denke, er hat sich da ein bisschen was vorgemacht, denn um da noch irgendwas zu retten war es wohn ohnehin längst zu spät, als er seine Bombe zündete. Aber viele Leben hätte eine erfolgreiche “Operation Walküre” ja dennoch retten können, darf man jedenfalls annehmen.
Deswegen muss man ihm, der nachweislich dem Rassenwahn der Nazis gefolgt ist und dem wie gesagt das Image seiner Nation mehr am Herzen lag, als die durch Krieg, aber auch durch rassistischen Mord seit 1933 weniger werdenden Menschen, aus der sie bestand, sicher keine Denkmäler errichten. Es ist schön, dass sich auch innerhalb der Wehrmacht irgendwann Widerstand gegen die verbrecherische Führung geregt hat aber dass eine Armee meutert, wenn jeder Gefreite merkt, dass militärisch wirklich gar nichts mehr zu retten ist und nur ein Haufen Fanatiker in sicheren Bunkern weit hinter der Front in ihrem Wahn einen Sinn im Weitermorden sehen, ist meiner Meinung nach kein besonderes Wunder und vermutlich auch kein Einzelfall in der Geschichte.
Gut möglich, dass Stauffenberg selbst bei einem Erfolg seiner Pläne sogar versucht hätte, seine Ansichten zu verschleiern, vielleicht wäre er dann wirklich irgendwann zu einem rspektierten Helden geworden. Hätte dass wohl die Leistung, Hitler zu ermorden und den Krieg zu beenden so sehr geschmälert? Schwer zu sagen.
Vielleicht kann man sich irgendwie darauf einigen, dass Stauffenberg sehr wahrscheinlich der Welt den größeren Dienst geleistet hätte, wenn das Attentat geklappt hätte, er aber trotzdem ein menschenverachtendes Arschloch geblieben wäre.
Weiterhin bin ich dafür, den jetzt laufenden Film (den ich noch nicht gesehen habe) ein wenig von der historischen Figur zu trennen. Von unzähligen Amerikareisenden hört man, dass es dort viele Menschen gibt, die entweder denken, bei uns wären die Nazis noch an der Macht oder die Deutschen entweder toll oder abartig finden, weil wir mal diesen Hitler hatten. Dass es gegen den aber einen Widerstand selbst innerhalb seiner Führungsriege gegeben hat, bringt diese seltsamen Weltbilder ja vielleicht immerhin ins Wanken.
Nichtwissen mit wenig detailreichem Halbwissen zu ersetzen, ist doch schonmal ein erster Schritt in Richtung historischer Aufklärung, denke ich. Die Gefahr, dass der Rest der Welt nach diesem Film die deutschen Kriegsgräuel vergisst, besteht aber sich nicht. Es ist letztlich wirklich bloß ein Film.
2 Kommentare












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Wenn stimmen sollte, was Frank Schirrmacher schrieb, daß “dieser Film (…) das historische Bild Deutschlands in vielen Ländern für Jahre prägen” wird, dann ist die deutsche Reeducation der Restwelt erfolgreich gewesen. Stauffenberg, “der einzige deutsche Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus”, der “Hitler ganz allein mit einer Niederlage besiegt” hat (Jürgen Kiontke), steht für die widersprüchliche Botschaft, die die Deutschen seit dem Krieg in die Welt funken: Wir waren fast alle dagegen, aber einer wäre auch genug gewesen.
http://www.classless.org/2009/.....arbarossa/