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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Westerstede

Posted on | Februar 10, 2009 | 5 Comments

Als aktiver JuLi in einem Land wie Niedersachsen kommt man ja wirklich gut rum und auch mal in Orte, die man wohl ansonsten nie kennen gelernt hätte.

gedenktafel_ocholt

Am Wochenende war für mich Westerstede ein solcher Ort.

Das liegt im Landkreis Ammerland, der wiederum ein gutes Stück südwestlich nordwestlich von Bremen liegt. Es handelt sich um eine Stadt mit gut 20.000 Einwohnern, die neben einer Jugendherberge nebst größerem Sportzentrum außerdem über ein nettes Lokal mit günstigem, aber (wenn man nichts gegen ordentlich viel Knoblauch hat) gutem Essen und einem sehr, sehr, sehr gewöhnungsbedürftigen Spezial-Getränk verfügt, dass (angeblich) jeder unbedingt trinken muss, wenn er das erste Mal dort ist (ich habe mich gedrückt und es will was heißen, wenn ich mich vor einem Getränk drücke…).

Dort hatte sich der Landesvorstand der niedersächsischen Jungen Liberalen nach seiner mehrstündigen Vorstandssitzung in der örtlichen Jugendherberge auf Einladung der Jungen Liberalen Ammerland eingefunden, um sich auf den erst am nächsten Morgen beginnenden Liberalen Jugendtag einzustimmen.

Schwer zu erraten, dass es thematisch im Wesentlichen um Wahlkampf gehen musste. Es waren relativ viele neue Mitglieder dabei, die noch nie einen Wahlkampf aktiv mitgemacht hatten. Für genau die war diese zweitägige Veranstaltung natürlich ideal.

Los ging es allerdings mit der Präsentation eines neuen Kommunikationskonzeptes für den Landesverband. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem die Internetaktivitäten und ich würde mir sehr wünschen, dass die Botschaft des Referenten, dass so ein Internetwahlkampf vor allem davon lebt, dass viele gute Inhalte weiterverbreitet werden, wo immer es möglich ist und richtig erscheint, angekommen ist.

Zumindest ich werde alle seine Ratschläge auf jeden Fall beherzigen;)

Nach diesem “großen” Programmpunkt, der für alle Teilnehmer gedacht war, teilten die sich auf drei Arbeitskreise auf:

  1. Analyse des letztenss Amerika-Wahlkampfes
  2. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  3. Themenfindung für den Wahlkampf

Am Sonntag wurden dann zum Abschluss noch die Ergebnisse für alle vorgetragen und diskutiert. Anschließend gab es noch eine Wahlkampfschulung mit unserem Landesvorsitzenden Matthias Seestern-Pauly und Bundesvorstandsmitglied Florian Bernschneider, was für Leute wie mich, der ich damit bisher keine praktische Erfahrung gemacht habe, sicher hilfreich sein wird.

Bernschneider kann übrigens – jedenfalls bei entsprechenden Wahlerfolgen im September und auf dem Wag dorthin – in diesem Jahr Mitglied des Deutschen Bundestages werden, wofür ich ihm (nicht nur wegen des für den darauffolgenden Landeskongress versprochenen Freibiers) natürlich fest die Daumen drücke. Zusammen mit der Berlinerin Julia Hesse hatten wir auf diesem Liberalen Jugendtag damit sogar gleich zwei Mitglieder des Bundesvorstands vor Ort.

Programmatisch hat in Westerstede eher wenig stattgefunden – offiziell jedenfalls. Inoffiziell – und dass macht für mich, wie ich in der Abschlussrunde dann auch nochmal angemerkt habe, letztlich einen besonderen Reiz einer solchen Veranstaltung aus – inoffiziell wurde außerhalb der festen Termine wie immer diskutiert, was das Zeug hielt. Zum Beispiel auf der Party am Samstag – aber auch schon Freitag in dem eher kleinen Kreis aus Vorstand und den JuLis vor Ort. Besondere Schwerpunkte lagen hier übrigens beim Thema Israel/Gaza, sowie der Wirtschaftspolitik. Und zugegebenermaßen kamen auch die ungewohnten Umfrageergebnisse für die FDP ein ums andere Mal zur Sprache, bleibt halt nicht aus… Ich hatte außerdem noch eine weitere recht hitzige Debatte zum Thema Drogen, respektive Cannabis-Legalisierung, bei dem ich nach wie vor äußerst schwer damit klar komme, wie man als Liberaler ernsthafte Probleme damit haben kann – aber als Demokrat ist mans ja gewohnt, auch etwas seltsame Meinungen letztlich als gegeben hinnehmen zu müssen…

Ach, und wo wir grade beim Thema seltsame Meinungen sind: Kurioses Highlight des Wochenendes war übrigens eine kleine “Demo” sogenannter A-Faschisten, die zu dritt für einige Belustigung gesorgt haben, als sie – vermummt, versteht sich (soviel Feigheit musste wohl sein) – alberne, aber belustigende Parolen gegen Kapitalismus, Deutschland, Krieg usw. usf. gegröhlt haben und dabei rund um die Jugendherberge gezogen sind. Hat immer so 10-12 Minuten gedauert, bis sie wieder in Hörweite kamen (war halt n etwas größerer Komplex), bei der zweiten Runde hat dann irgendwer mal die Polizei gerufen, weil einige von uns, zumal gut angetrunken, natürlich auch gerne mal zurückprovozieren und man bei solchen maskierten Döspaddeln ja nie wissen kann, ob sie, wenn andere anfangen die Nationalhymne zu singen oder ihnen den Weg versperren (ist beides vorgekommen), nicht gleich anfangen Molotows zu werfen oder Autos anzuzünden. Die Tatsache, dass die Polizei binnen kürzester Zeit mit gleich drei Fahrzeugen anrückte und wohl zusätzliche Kräfte bereits auf Abruf in Bereitschaft versetzt hatte zeigt eigentlich, dass wir wohl doch nicht völlig überreagiert hatten und in der Gegend gewisse Erfahrungen mit gewaltbereiten Idioten gesammelt werden mussten.

Die meisten haben den Vorfall, denke ich, mit Humor genommen. Ich kann mich immer noch darüber amüsieren, dass drei junge Menschen echt nichts besseres mit ihrem Samstagabend anfangen können, als eine Jugendherberge im Ammerländer Nirgendwo zu umrunden. Diesen armen Menschen sollte mal geholfen werden – vielleicht wäre echtes politisches Engagement eine Alternative? Die JuLis nehmen immer noch Leute auf (von ihrer Gewaltbereitschaft müssten sich die drei natürlich dann trennen).

Das Wochenende bot, dass kann man wohl so sagen, viele politische Facetten. Folgende Phrasen und Wendungen kann ich die kommenden Wochen übrigens so irgendwie wirklich gar nicht mehr hören:

  • “Ums mal auf den Punkt zu bringen: …”
  • “Ganz kurz, …” und
  • “Definitiv”

Ich musste jedes Mal schmunzeln, wenn ich gemerkt hatte, dass diese Phrasen auf einen weiteren Teilnehmer übergegriffen hatten. Wahrscheinlich habe ich jede davon mindestens tausend Mal gehört in den zweieinhalb Tagen… 

Mitgenommen habe ich aber Lust auf Wahlkampf und viele praktische Tipps und Ideen. Der zweite Teil der konkreten jungliberalen Wahlkampfvorbereitung wird von meinem Kreisverband selber organisiert und auf dem nächsten LJT wird dann wahrscheinlich auch wieder ein bisschen mehr programmatisch auch außerhalb der üblichen Stammtischdebatten stattfinden.

Comments

5 Responses to “Westerstede”

  1. Verony
    Februar 11th, 2009 @ 10:48

    “Das Wochenende bot, dass kann man wohl so sagen, viele politische Facetten. Folgende Phrasen und Wendungen kann ich die kommenden Wochen übrigens so irgendwie wirklich gar nicht mehr hören:

    * “Ums mal auf den Punkt zu bringen: …”
    * “Ganz kurz, …” und
    * “Definitiv””

    Du hast “Entschuldige bitte, aber…” vergessen!

  2. Jan
    Februar 11th, 2009 @ 11:47

    Stimmt, richtig. Oder auch in der klassischen Kombination “Entschuldige bitte, ganz kurz…”;)

  3. David Salm
    Februar 23rd, 2009 @ 02:51

    Hey, der von Felix und mir geleitete programmtaische Arbeitskreis war der am besten besuchte und ich habe mich sehr über die rege Beteiligung aller Teilnehmer gefreut. Also nix da mit “kaum Programmatik” ;-) Achso und ganz kurz ums mal auf den Punkt zu bringen um die drei genannten Phrasen wirst Du definitiv so schnell nicht herumkommen. *g*

  4. Jan
    März 2nd, 2009 @ 10:31

    Ja okay, der Arbeitskreise hat also auch programmatisch was gemacht aber das ist ja im Gegensatz zum letzten LJT immer noch wenig. Macht ja auch nix, die anderen Dinge waren ja nunmal auch wichtig und interessant.

    Also ich selber komm meistens ganz gut ohne diese Phrasen aus aber dass ich se noch das eine oder andere Mal werde hören müssen, damit hab ich mich längst abgefunden (Seufzer).

  5. Junge Liberale Niedersachsen » LJT in Westerstede
    Juni 10th, 2009 @ 16:28

    [...] sich 40 Junge Liberale aus ganz Niedersachsen zum Liberalen Jugendtag (LJT) in Westerstede. Da Jan in seinem Blog schon sehr ausführlich darüber geschrieben hat, spare ich mir an dieser Stelle weitere [...]

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