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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Das Geld der Zukunft

Posted on | April 1, 2009 | 34 Comments

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Sozialisten dieser Welt nicht aufhören zu maulen, Freiheit wäre Schuld an den Krisen auf dem Finanzmarkt und den dadurch ausgelösten Krisen in der Wirtschaft und müsste daher am besten komplett abgeschafft werden.

Etwas abseits solchen nicht besonders zielführenden Gelabers machen sich unterdessen andere Menschen ernsthafte Gedanken, welche Konsequenzen und Lehren denn nun aus den augenblicklichen zumeist negativen Erfahrungen so zu ziehen sind. Eine mögliche Lehre könnte sein, dass das bisherige Geldsystem sich eventuell ändern muss. Wirklich beurteilen kann ich das auch nicht, finde eine ernsthafte Debatte darum aber durchaus lohnend.

Man muss dazu wissen, was unser Geld heute eigentlich ist. Im Prinzip handelt es sich dabei um reine Zahlen, von denen die meisten lediglich in irgendwelchen Großrechnern der Banken dieser Welt existieren und manche auf Papier gedruckt stehen oder als Münzen durch die Hände der Menschen wandern. Diese Zahlen haben natürlich keinen eigenen Wert. Das runde glitzernde Ding, welches wir einen Euro nennen, ist in Wirklichkeit nur das Versprechen, dass man dafür Waren oder Dienstleistungen im Wert von einem Euro bekommt. Der Materialwert der Münze selbst ist geringer, als das Versprechen, dass drauf steht und dieses Gefälle wird bei Geldscheinen noch einmal deutlich größer. Dieses Versprechen gibt uns letztlich der deutsche Staat mit seinem Geldmonopol. Er verspricht uns, dafür zu sorgen, dass wir für unser Stück Papier, auf dem “10 Euro” steht, auch wirklich den Gegenwert an 10 Euro bekommen können, wenn wir zum Beispiel einkaufen gehen.

Die Geldscheine, die wir alle täglich benutzen, haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Schuldscheinen. Denn Schuldscheine besitzen auch keinen eigenen materiellen Wert, sondern versprechen lediglich das Wert zu sein, was drauf steht.

Unser Geld hat auch eine Ähnlichkeit mit dem Spielgeld von Monopoly: Solange das Spiel läuft, nützt es einem was aber ist das Spiel beendet, ist es bloß noch bedrucktes Papier. Und große “Spiel”, in dem das Spielgeld Euro heißt, früher mal Deutsche Mark und davor Reichsmark wird von Zeit zu Zeit beendet, im vergangenen Jahrhundert ist das immerhin zwei Mal allein in Deutschland vorgekommen.

Es ist also irgendwo durchaus berechtigt, dieses Geldsystem kritisch zu hinterfragen. Und das geschieht auch an verschiedenen Stellen. So denkt man offenbar in Russland darüber nach, zum Goldstandard zurückzukehren und damit das reine Vertrauen sozusagen in Gold aufzuwiegen.

Und bei den Freunden der offenen Gesellschaft lesen wir, dass Ökonom Peter Bofinger es sinnvoll fände, alle Währungen mit festen Wechselkursen aneinanderzuketten – ohne dabei allerdings zum Goldstandard zurückzukehren. Mit dem Ökonomischen Für und Wider befasst sich dort Autor Euckenserbe.

Zu guter Letzt beschäftigt sich MdB Frank Schäffler mit einer Privatisierung des Geldes, die er für rechtlich möglich hält.

Alles recht spannende Gedanken, finde ich und denke, dass diese Debatten noch etwas weitergehen werden, solange die Krise anhält.

Comments

34 Responses to “Das Geld der Zukunft”

  1. Markus
    April 2nd, 2009 @ 23:15

    Ausnahmsweise waren es einmal nicht die Sozialisten (die gibt nämlich so gut wie nicht mehr; außer in den Vorstellungswelten der Kapitalisten natürlich), die für Chaos und Durcheinander in der Wirtschaft gesorgt haben, sondern “leibhaftige Kapitalisten” haben das enorme Finanzdesaster verursacht mit unabsehbaren Folgen auch für das “richtige” Leben der “normalen” Menschen.

    Aber wie “echte Kapitalisten” eben so sind, wollen sie für ihren gigantischen Freiheitsmißbrauch wie selbstverständlich keine Eigenverantwortung (die haben immer die anderen zu tragen) übernehmen, und ersinnen für die empörte Öffentlichkeit deshalb gleich irgendwelche Ablenkungsmanöver.

  2. Jan
    April 2nd, 2009 @ 23:19

    Am besten gefällt mir das Wort “Freiheitsmissbrauch”. Sehr aussagekräftig.

  3. Andreas
    April 3rd, 2009 @ 10:07

    Der Begriff ist natürlich großartig, am Rest der Argumentation ist aber natürlich schon was dran.

    Nicht umsonst sind die größten Feinde des Kapitalismus … Kapitalisten selbst, und zwar solche, die sich von einer Allianz aus Kapital und Politik Vorteile versprechen.

    Es ist sicher unzweifelhaft, daß sich etliche Banken auf Spiele eingelassen haben, die sich nicht im Detail verstanden haben (Was natürlich auch am adminstrativen Umfeld und den gegebenen Fehlanreizen liegt, aber eben nicht nur. Individuelles Fehlverhalten spielt schon eine Rolle).

    Und diejenigen, die am tiefsten die die Sanitärkeramik gegriffen haben, rufen jetzt auch am lautesten nach dem Staat als Retter.

    Der natürlich – wie sollte es auch anders sein, wenn er die Chance hat, sich auf Steuerzahlerkosten als Weltenretter zu profilieren) bereitwillig darauf eingeht und sofort die bösen Turbokapitalisten schilt und die Hoheit der Politik beschwört.

    Das dies alles natürlich das genau Gegenteil von freien Märkten/Kapitalismus ist, wird aber auch mit einer beeidruckenden Starrsinnigkeit ausgeblendet. Das will keiner hören.

  4. Michel
    April 3rd, 2009 @ 18:43

    Schön dass du das Thema aufgreifts, zudem ich gleich ein paar Empfehlungen beitragen will:
    Als Einstieg ist http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Banking gut geeingnet. Wichtige Einsichten zum Wesen des Geldes kann man aus Hayeks, Denationalisation of Money entnehmen.
    http://www.iea.org.uk/files/upld-book431pdf?.pdf
    Um zu erfahren was an den Argumenten der Geldmonopol Beführworter dran ist, sollte man Kevin Dowds, Laissez-faire Banking gelesen haben.

  5. Markus
    April 4th, 2009 @ 00:03

    @ Andreas

    Neben “gierigen Finanzhaien” und “bösen Spekulanten” gibt es im Kapitalismus natürlich auch noch ein anderes Problem:
    Freie Märkte sind nicht stabil, sondern instabil.

    Vielleicht sollte man hier und heute wieder Keynes lesen:

    http://www.murmann-verlag.de/i.....;Itemid=63
    John Maynard Keynes: On Air

  6. Andreas
    April 7th, 2009 @ 09:28

    @ Markus:

    Bevor Du hier auf irgendwelche dicken Schinken hinweist, konkretisiere doch mal bitte, welche Form von Instabilität Du meinst und was daran problematisch ist.

    Danke.

  7. Markus
    April 7th, 2009 @ 23:53

    @ Andreas

    Nun, ist es nicht problematisch, wenn etwa wegen mangelnder Nachfrage die Wirtschaft ins Schlingern kommt? Und wenn dann “Reformen” durchgeführt werden, die die Nachfrage nur weiter schwächen und eine Abwärtsspirale in Gang setzen?

    “Dicke Schinken” müssen übrigens nicht langweilig sein.

    @ Michel

    Dich dürfte interessieren, was Jahnke (nicht nur heute) im Infoportal zu den Ursachen der Finanzkrise geschrieben hat:

    http://www.jjahnke.net/index.html
    Informationsportal Globalisierung – Standort Deutschland – Neoliberalismus – Falsche Rezepte, Joachim Jahnke

  8. Jan
    April 8th, 2009 @ 00:28

    Kannst du mal aufhören in jedem dritten Kommentar einen Link auf diesen Jahnke zu setzen? Die sind zum Diskutieren da, nicht zum spammen.

  9. Andreas
    April 8th, 2009 @ 07:54

    @ Markus

    Natürlich, dicke Schinken müssen nicht langweilig sein, aber sie tragen hier nichts zur diskussion bei. Bis ich Deinen Keynes gelesen habe, ist dieser Thread hier mausetot, insofern sind mir Argumente lieber als Verweise. Ich sage ja auch nicht: Lies Hayek (obwohl das durchaus lehrreich sein könnte).

    Mir ist Deine Argumentation immer noch zu dünn: “Wenn die Wirtschaft wegen mangelnder Nachfrage in’s Schlingern gerät…” ist jetzt doch ein wenig arg schwach.

    Warum mangelt es an Nachfrage (nach was?), was tuen die Verbraucher statt dessen (Sparen?) und warum ist das Deiner Ansicht nach schlecht?

    Und von welchen die Nachfrage weiter mindernden Reformen sprichst Du eigentlich?

    Welches stabile Wirtschaftsmodell schlägst Du statt dessen vor? Worin liegt der Vorteil der Stabilität, wodurch wird sie erreicht und was sind deren “Kosten”? Verstehe ich Kosten bitte nicht nur als eine bestimmte Summe an Geld sondern vor allem als Side-Effects wie zum Beispiel verlangsamte Strukturwandel bei sich ändernden Rahmenbedingungen.

  10. Markus
    April 9th, 2009 @ 23:59

    @ Andreas

    Keynes habe ich deshalb erwähnt, weil er heute wohl nicht nur in liberalen Kreisen nicht mehr gut gekannt wird. Aber das war mal anders (Stichwort “Freiburger Thesen”).

    Für Hayek gibt es genaugenommen ja überhaupt keine Wirtschaftskrisen, wenn sich der Staat nur zurückhält und den Markt ungestört machen läßt. Daß die doch immer wieder vorkommenden Krisen nicht nur durch Staatseingriffe entstehen können, sondern wahrscheinlich geradezu in der instabilen Natur des Marktes selbst begründet liegen, meint hingegen Keynes.

    Und zwar braucht ein funktionierender Markt ständig eine ihn im Gleichgewicht haltende ausreichende Nachfrage durch Konsum und Investitionen. Wenn es daran hapert, kommt es zu Schwierigkeiten. Die sog. Angebotstheoretiker behaupten nun, daß die Steuern zu hoch seien und die Löhne sowieso. Wenn man aber Steuern und Löhne absenkt, haben die Unternehmen zwar ihre Kosten reduziert und zunächst etwas mehr Luft zum Atmen. Aber wer soll ihre Produkte jetzt noch in ausreichender Menge kaufen, da doch auch die kaufkräftigen Löhne weniger wurden? Und da der Staat auf Steuereinnahmen zugunsten der Unternehmen verzichtet hat, sind auch ihm die finanziellen Spielräume enger geworden.

    Wäre es da nicht besser, die Nachfrage wieder anzukurbeln?

  11. Jan
    April 10th, 2009 @ 12:24

    Markus, ich bin grade etwas irritiert. Sind für dich Steuersenkungen und Lohnsenkungen irgendwie das Gleiche oder was soll dieser eigenartige Zusammenhang? Für mich bedeuten niedrigere Steuern zunächst mal höhere Löhne – nämlich mehr Netto.

  12. Markus
    April 11th, 2009 @ 23:39

    @ Jan

    Wohl “Mehr Netto vom Brutto”, oder wie? ;-)

    Diese Forderung ist hinlänglich bekannt, schwächt aber die staatliche Einnahmebasis und damit auch die Handlungsfähigkeit, was gerade in der Krise schwerwiegende Folgen hat. Wer außer dem Staat soll in der Wirtschaftskrise die Wirtschaft denn wieder effektiv ankurbeln können, wenn nicht der Staat, da die private Konsumnachfrage eher rückläufig ist?

    Außerdem versteckt sich hinter der vermeintlich arbeitnehmerfreundlichen Formel von “Mehr Netto vom Brutto” eine hierzulande seit Jahren gefahrene viel zu geringe reale Lohnsteigerungsrate. Das macht sich jetzt besonders negativ bemerkbar, da der private Konsum beim “Exportweltmeister D” (dem die Aufträge aus dem Ausland wegbrechen) schwach ist.

  13. Jan
    April 12th, 2009 @ 19:39

    Ja Markus, wenn man grundsätzlich der Ansicht ist, der Staat könnte solche Wirtschaftskrisen nicht blos aus- sondern auch mal auflösen, mag man deine Argumentation sogar schlüssig finden..Mir fehlt dazu nunmal der nötige Staatsglaube und der wird durch tagtägliche Beobachtungen auch eher kleiner als größer.

    Ich begreife nicht so ganz, wie du einen Zusammenhang zwischen geringer Lohnsteigerung und der Höhe von Steuern herstellen kannst. Das eine ist reine Verhandlungssache, auf die die Politik gar keinen Einfluss hat (zum Glück) und das Andere ist demokratisch gewollt. Ich sehe allerdings auch nicht, dass irgendwann mal spürbar Steuern gesenkt worden wären – die sind doch zumindest seit ich mich mit Politik befassen ausschließlich angehoben worden.

    Ich bin übrigens hoch gespannt, wie es dem allwissenden Staat gelingen wird, die Wirtschaft so richtig anzukurbeln. Wenn das halt doch nicht klappt liegt das für dich wahrscheinlich daran, dass wir bloß etwas mehr als die Hälfte unseres Geldes bei Herrn Steinbrück abliefern.

  14. Markus
    April 12th, 2009 @ 23:02

    (2. Versuch, da erster vielleicht nicht angekommen ist.)

    @ Jan

    Was wohl die schlimmere Kranhkeit ist, Staats- oder Marktgläubigkeit! – Aber darum geht es ja gar nicht, sondern darum, wie man die Wirtschaft wieder flott machen kann.

    Der Staat und die Politik haben wegen der Tarifautonomie zwar keinen direkten Einfluß auf die Lohnfindung. Sie können aber durch ihre betriebene Wirtschaftspolitik indirekten Einfluß nehmen und auch durch die Lohnabschlüsse im Öffentlichen Dienst selbst, Signale in die eine oder andere Richtung setzen.

    Die Politik der Haushaltskonsolidierung und die Schaffung des Niedriglohnsektors gehören in die Kategorie Nachfrageausfall.

    Also, der Herr Steinbrück ist wirklich kein gutes Beispiel. Ob Guido aber besser wäre, wage ich zu bezweifeln. ;-)

  15. Jan
    April 13th, 2009 @ 06:50

    Wenn ich mir ansehe, wohin Staatsglaube im letzten Jahrhundert teilweise so geführt hat, fällt mir die Antwort auf deine rethorische Frage übrigens nicht allzu schwer.

    Findest du es nicht ein kleines bisschen unfair gegenüber Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit tatsächlich etwas erwirtschaften, wenn sie über ihre Steuern überhöhte Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst finanzieren müssten? Nur so ein Gedanke.

    Und Haushaltskonsolidierung hat jawohl auch einen gewissen Selbstzweck. Natürlich könnte man bei den Ausmaßen, den die Staatsverschuldung mittlerweile erreicht hat auch auf den Gedanken kommen, einfach so weiter zu machen bis der unweigerliche Staatsbankrott irgendwann sowieso die Aussenstände bereinigt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass genau dass der tiefere Sinn im Handeln unserer Regierung ist aber richtig muss ich dass ja deswegen nicht finden.

  16. Markus
    April 13th, 2009 @ 23:51

    Der “entfesselte Markt” hat uns gerade eine gewaltige Wirtschaftskrise beschert. Nun mal so nebenbei erwähnt.

    Überhöhte Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst? Arbeitsplatzsicherheit ist natürlich ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Aber das ist auch wieder kein Grund, den Öffentlichen Dienst abzukoppeln von der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung, die aber selbst seit Jahren besonders in D zu wünschen übrig läßt. Und selbst mit der Arbeitsplatzsicherheit ist es im Öffentlichen Dienst nicht mehr so gut bestellt wie früher. Viele Stellen sind mittlerweile befristet oder auf Teilzeit. Außerdem werden beim “Vater Staat” viele Stellen abgebaut.

    Das Thema Staatsverschuldung ist ein heikles Thema – und ein solches, mit dem man Stimmung machen und Angst erzeugen kann. Die Verschuldung der deutschen Öffentlichen Haushalte ist im internationalen Vergleich nicht besonders hoch. Und wo ein Schuldner ist, da ist auch ein Gläubiger. Warum besteuert man diesen überaus vermögenden Personenkreis nicht auch entsprechend höher? Aber nein, Reichtumspflege ist angesagt.

  17. Jan
    April 14th, 2009 @ 05:39

    Na wenigstens schreibst du deinen entfesselten Markt in Gänsefüßchen. Ausgelöst hat diese Wirtschaftskrise eben kein Markt und schon gar nicht seine Entfesselung sondern die Kombination aus billigem Geld und (staatlich gewünschten und politisch geförderten) faulen Krediten.

    Da du nicht direkt drauf geantwortet hast interpretiere ich mal: Du findest es also fair, Menschen zu zwingen, Leuten die beim Staat arbeiten, mehr zu zahlen als der Markt normalerweise für diese Jobs her gibt? Denn Steuern sind ja irgendwo nunmal Zwangsabgaben, die jeder von uns unter Androhung von Gewalt zu leisten hat. Für mich Grund genug, höllisch aufzupassen, dass man von diesem Geld dann wenigstens nichts verplempert. Ich halte dass für eine Selbstverständlichkeit.

    Ich glaube die ziemlich bescheuerte Diskussion, ob jetzt Schuldner oder Gläubiger an der Staatsverschuldung schuld haben hatten wir bereits. Aber kein Mensch zwingt die Bundesregierung, Geld zum Fenster rauszuwerfen, statt sich auf die wirklichen Aufgaben, die ein Staat so hat, zu konzentrieren. Dafür wäre nun wirklich genug Geld da, Schulden machen müsste nicht sein. Dein schräges Menschenbild, nachdem Menschen zu allererst Melkkühe für die Finanzminister dieses Landes sind, teile ich nicht. Die Idee, Staatsanleihen mit hohen Strafsteuern zu belegen, finde ich trotzdem ausgesprochen interessant – könnte sich. theoretisch, zu einem Schuldenverbot durch die Hintertür entwickeln. Praktisch würden die Steinbrücks der Nation dann einfach noch mehr Schulden machen, fürchte ich.

  18. Andreas
    April 14th, 2009 @ 10:22

    @ Markus

    “Und wo ein Schuldner ist, da ist auch ein Gläubiger. Warum besteuert man diesen überaus vermögenden Personenkreis nicht auch entsprechend höher? ”

    Dieser überaus vermögende Personenkreis beinhaltet Leute, die in Lebens- und Rentenversicherungen, Fondssparplänen und ähnlichem turbokapitalistischen Teufelszeug wie staatlich protegierten Riester-Sparplänen versuchen, sich im Alter von der vermutlich dürftigen staatlichen Renten ein wenig unabhängiger zu machen.

    Daß Dir die finanzielle Unabhängigkeit des Bürgers vom scheinbar wohlwollenden Wohlfahrtsstaat suspekt ist, hast Du mit dieser Aussage nur nochmal bekräftigt.

  19. Markus
    April 15th, 2009 @ 11:25

    @ Andreas

    Finanzielle Unabhängigkeit, von wem? Etwa des Otto Normalverbrauchers? Man sieht ja derzeitig, wo uns der Finanzmarktkapitalismus hingeführt hat: The winner takes all (einige Manager haben sich eine “goldene Nase” erspekuliert), und der “Rest” der Bevölkerung hat das Nachsehen:

    http://www.ullsteinbuchverlage.....;pagenum=1
    Die Gier war grenzenlos, Anne T. – Econ Verlag

    Die gesetzliche Rente ist von der Politik bewußt kleinreformiert worden. Hier findet man Infos zu diesem wichtigen Thema:

    http://www.nachdenkseiten.de/
    NachDenkSeiten – Die kritische Website

    @ Jan

    Gibt man den Marktakteuren billiges Geld, machen sie faule Kredite daraus und fabrizieren eine riesige Wirtschaftskrise. Kein überzeugendes Argument für unumschränkte Marktfreiheit.

    Die Tarifabschlüse im Öffentlichen Dienst sind durch Verhandlungen entstanden und nicht per “order mufti”. Und woher willst du wissen, daß die Staatsdiener überbezahlt sind?

    Was nun die “wirklichen Aufgaben” des Staates sind, ist sicherlich umstritten. Aber ein “verarmter Minimalstaat” nutzt nur den Reichen. Und wenn die Steuern für ebendiese Reichen höher wären und wenn die auch Lohnquote höher wäre, dann brauchte es vielleicht Staatsschulden nicht zu geben.

  20. Jan
    April 15th, 2009 @ 11:57

    Gibt man den Marktakteuren billiges Geld, machen sie faule Kredite daraus und fabrizieren eine riesige Wirtschaftskrise. Kein überzeugendes Argument für unumschränkte Marktfreiheit.

    Es war ja nunmal schlicht und ergreifend das staatlicherseits angepeilte Ziel, faule Kredite zu vergeben. “Nichtfaule” Kredite sind solche, die sich für den Kreditgeber lohnen. Die faulen Immobilienkredite waren eine Sozialleistung und nicht das Ergebnis von Marktwirtschaft.

    woher willst du wissen, daß die Staatsdiener überbezahlt sind?

    Sowas hab ich doch gar nicht behauptet. Du hast gefordert, sie überzubezahlen und ich habe lediglich gesagt, dass ich das für unfair gegenüber allen halte, die ihr Geld auf normale Weise verdienen und aus diesem Verdienst dann diese Tarifabschlüsse zwangsweise zu finanzieren haben.

    Was nun die “wirklichen Aufgaben” des Staates sind, ist sicherlich umstritten. Aber ein “verarmter Minimalstaat” nutzt nur den Reichen.

    Ja, und? Keine bedeutende politische Kraft fordert sowas, ich im Übrigen auch nicht, auch wenn du mir das ständig unterstellen willst.

    Und wenn die Steuern für ebendiese Reichen höher wären

    Sie sind höher. Sie sind das auch in jedem gängigen Steuermodell, selbst bei der Flattax würden Leute mit hohen Einkommen mehr zahlen als arme Leute.

    und wenn die auch Lohnquote höher wäre, dann brauchte es vielleicht Staatsschulden nicht zu geben.

    Was macht dich da so sicher? Spätestens wenn Wahlen anstehen wird doch das Füllhorn wieder ausgeschüttet und werden irgendwelche neuen, teuren Leistungen erfunden. Die Einnahmenhöhe hat für die Ausgabenhöhe bisher immer nur in eine einzige Richtung gewirkt. Mehreinnahmen hatten immer zur Folge, dass mindestens genausoviel und oft noch viel mehr wieder ausgegeben wurde. Neuverschuldungsabbau gab es nur in Ausnahmefällen und auch nur sporadisch. Schuldenabbau sogar noch nie und ich gehe im Augenblick davon aus, dass das vermutlich auch nie geschehen wird.

    Noch zu deinen entgegnungen an Andreas:
    Selbstverständlich muss es wieder ein Grundprinzip der Politik werden, den Bürger finanziell unabhängig vom Staat zu machen. Selbstverständlich muss Politik zum Ziel haben, weniger Menschen mit wohlfahrtsleistungen versorgen zu müssen, also die Weichen so zu stellen, dass Arbeitsplätze auf- und nicht abgebaut werden, dass Menschen in diesem Land investieren, statt es anderswo hinzutragen. Würde der Staat so handeln hätte davon auch kein Mensch ein Nachsehen, wäre höchstens um einige Chancen reicher. Mit irgendwelchen Managern, die du scheinbar an jeder Ecke listig Grinsen siehst, hat das nichts zu tun.

    Und der staatliche Rententopf wird doch auch nicht kleiner, sondern immer größer. Inzwischen zahlt nicht mehr nur ein, wer Lohnempfänger ist – sondern auch wer Auto fährt oder einfach nur Steuern zahlt. Nur die Rente wächst nicht mit, weil das System leider großer Scheiss ist, wofür wir Herrn Blüm und anderen Verfechtern dieses junge-Leute-feindlichen Systems im Alter alle noch verfluchen werden, so wir das nicht schon jetzt mit Blick auf unsere Lohnabrechnung tun.

    Den Untertitel “kritisch” finde ich ausgerechnet bei den Nachdenkseiten bei soviel stumpfer Staatsgläubigkeit übrigens ganz schön anmaßend.

  21. Andreas
    April 16th, 2009 @ 09:04

    @ Markus:

    Deine Entgegnung geht ziemlich an der Sache vorbei. Du hast gefordert, den (Deiner Aussage nach) sehr vermögenden eignern von Staatsanleihen tiefer in die Tasche zu greifen.

    Ich habe daraufhin entgegnet, daß dies eben bei weitem nicht nur sehr vermögende Leute sind, sondern zu einem beträchtlichen Teiol auch solche, die (meist über die von mir genannten Vehikel) einfach nur einen Teil Ihres Einkommens sparen, um davon im Alter einen Tick besser leben zu können – also unabhängiger zu werden.

    Eine höhere Besteuerung der Erträge aus Anleihen würde das Erreichen dieses Ziels erschweren – gerade für die nicht ganz so betuchten – und damit genau das Problem forcieren, dessen Existenz Du jetzt so vehement kritisierst.

  22. Markus
    April 17th, 2009 @ 00:05

    @ Jan

    Du kämpfst den Kampf der “Reichen und Mächtigen”, obwohl das doch gar nicht deine “liberale Mission” sein sollte.

    Wenn man den Finanzmarktakteuren Geld anhand gibt und diese “Scheiße” daraus machen, findest du keine bessere Begründung, als die “dumme Politik” dafür verantwortlich zu machen. Verantwortungsübernahme für das eigene Tun und Denken über den eigenen ökonomischen Horizont hinaus gibt`s in dieser Sicht der Dinge offenbar nicht.

    Was soll denn das Pöbeln gegen die Staatsbediensteten?

    Die Steuerlast der Vermögenden ist im allgemeinen zwar höher als die der Normalverdiener, aber eben nur absolut und nicht relativ. So kommen etwa 65% des Gesamtsteueraufkommens aus Verbrauchssteuern, die alle bezahlen müssen, und sich bei Wohlhabenden weit weniger bemerkbar machen. Deren Einkünfte und Vermögen sind in den letzten Jahren durch die “Reformpolitik” ja immer wieder abgesenkt worden (Steuerhinterziehung nicht einmal eingerechnet). Gegen eine höhere Lohnquote wirst du aber wohl nicht sein?

    Statsschulden hin oder her, es gibt wirtschaftliche Schieflagen, in denen der Staat handeln muß, um die Nachfrage am Markt nicht einbrechen zu lassen. Dazu sind schuldenfinanzierte Konjunkturmaßnahmen nunmal erforderlich.

    Die Bürger sollte man vor den Wechselfällen der Wirtschaftsentwicklung möglichst unabhängig gemacht werden. Der skandinavische Wohlfahrtsstaat zeigt, wie es gehen kann.
    Und mach mir den “Nobbi” nicht madig. ;-) Deshalb soll er hier jetzt auch selbst zu Wort kommen:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=3813#more-3813
    NachDenkSeiten – Die kritische Website » „Die Rente ist noch immer sicher!“ von Norbert Blüm

    @ Andreas

    Von der Besteuerung von Anleihen habe ich gar nicht im einzelnen gesprochen, sondern nur von allgemeiner Steuergerechtigkeit.

  23. Jan
    April 17th, 2009 @ 12:25

    “Du kämpfst den Kampf der “Reichen und Mächtigen””

    Warum sollte ich das tun? Ich habe eher den Eindruck, dass dir die Machtkonzentration beim Staat gar nicht groß genug sein kann, was ich fatal finde.

    “obwohl das doch gar nicht deine “liberale Mission” sein sollte.”

    Was sollte meine Mission sein?

    Und genau hast du als Pöbelei gegen Staatsbedienstete aufgefasst?

    Wenn ich als Staat einigen Banken den Auftrag gebe, faule Kredite zu verteilen, vorher diese Banken sogar quasi nur zu diesem Zweck mit gegründet habe, dann ist es ganz schön heuchlerisch, hinterher mit dem Finger auf diese böse Banken zu zeigen, die schlecht gewirtschaftet haben. Sicher kann man dann anderen Banken, die genau diese Kredite auch noch gekauft haben, vorwerfen, dass sie das getan haben. Hätten sie aber nicht gekonnt, hätte ich als Staat diesen Mist gar nicht erst gemacht. Natürlich sind Pleite-Banken selber Schuld an ihren Pleiten. Auslöser bleibt für das ganze Grundübel trotzdem der Staat.

    Und angesichts derartiger staatlicher Fehlleistungen muss ich dir zumindest dahingehend zustimmen, dass offensichtlich niemand, auch nicht der Staat, in der Lage ist, über den eigenen ökonomischen Horizont hinauszublicken. Ich plädiere dafür, dass auch gar nicht erst zu versuchen und die monopolistische Macht, die ein Staat nunmal haben muss, auch nicht in solcher Weise, die – wie wir alle doch jetzt erkennen müssen – unheimlich großen Mist gebaut hat, für irgendwelche großangelegten Wirtschaftsmanipulationen zu missbrauchen.

    Statt aber auch nur mal über sowas nachzudenken, werden auch in Deutschland mal schnell 50 Milliarden(!) Euro verjuxt für ein Konjunkturprogramm. Scheint bisher Null genützt zu haben – “war eben einfach zu wenig” ist die unheimlich geistreiche Antwort der Sozialisten und also wird gleich ein neues geplant.

    Und da kommst du und willst was von ökonomischen Horizonten erzählen, na danke.

    Wieso ist es eigentlich so wichtig, dass Leute mit hohen einkommen nicht bloß erheblich mehr Steuern zahlen, sondern dass auch noch prozentual möglichst hoch wird? Ich halte das allenfalls für eine Geschmacksfrage und nichts, was jetzt irgendwie grundlegend das Land zu verändern in der Lage wäre (abgesehen von einem gewissen Druck, ab einer bestimmten Lohnhöhe zu versuchen, gar keine Steuern mehr zu zahlen).

    Dass das deutsche Steuersystem große Scheisse ist, habe ich unzählige Male ausgeführt. Ich bin auch kein ausgewiesener Freund von Verbrauchssteuern (die hat dafür ausgerechnet die SPD um 3% erhöht und sich damit nach ihrem Anti-”Merkelsteuer”-Wahlkampf so richtig lächerlich gemacht) und wenn du diese Schieflage ansprichst, hast du mich auch voll auf deiner Seite – nur möchte ich sie nicht durch neue und höhere Steuern beseitigen, sondern durch Steuersenkungen, vorzugsweise unten und in der Mitte, versteht sich. Ich finde, der Staat sollte sparen und viele Ausgaben, vor allem aber die Mentalität einiger Abgeordneter, ständig irgendwelche Privatprojekte zu starten und mit Steuergeld zu finanzieren (Griefahns Jazzmusik ist und bleibt da einfach der Gipfel) müssen dringend mal ernsthaft hinterfragt werden.

    “Gegen eine höhere Lohnquote wirst du aber wohl nicht sein?”

    Für meinen Geschmack können Löhne gar nicht hoch genug, und der gesamtgesellschaftliche Wohlstand gar nicht groß genug sein. Darum ärgern mich hohe Steuern, sie Senken nämlich Löhne – auch indirekt, eben zum Beispiel über Verbrauchssteuern. Nur: Senk mal die Mehrwertsteuer auf, sagen wir, 5%, vorher am besten Tabaksteuer und den ganzen anderen erzieherischen Mist ganz abschaffen. Mit deiner Methode, die Milliarden, die dann fehlen, halt einfach aus irgendwelchen Reichen Leuten rauszupressen, an den Ausgaben am besten gar nichts ändern und wenn dann wenigstens nach oben, wird das zu Steuersätzen führen, die für reichlich Bewegung in Millionärskreisen sorgen – nämlich möglichst weit weg von hier. Wäre das so zielführend?

    Zum Sparen gibt es keine Alternative, aber dafür viele tausend Möglichkeiten, von denen keine an den Grundfesten der sozialen Marktwirtschaft rühren muss. Man müsste halt nur diesen ganzen Besitzstandswahrern auf die Eier gehen – und dass ist für Volksparteien natürlich tödlich, weshalb wir seit Ewigkeiten immer so weiter wurschteln und alles nur irgendwie noch schlimmer wird.

    “Statsschulden hin oder her, es gibt wirtschaftliche Schieflagen, in denen der Staat handeln muß, um die Nachfrage am Markt nicht einbrechen zu lassen.”

    Wir sehen doch, dass trotz der Riesenmenge Geld, die da im Spiel ist (700 Milliarden Euro werden allein für Deutschland genannt – zum Vergleich: Der Marshallplan, mit dem die Amis Europa nach einem verheerenden Krieg von einem Nullpunkt wieder auf die Beine geholfen haben hat gerade mal 14 Milliarden Dollar gekostet, was selbst auf heutigen Wert umgerechnet gerade einmal 100 Milliarden Dollar entspräche) überhaupt gar nichts passiert, sondern sich trotzdem nur die Pleiten häufen. Und zum Beispiel auf dem Automarkt, wo derzeit die Nachfrage künstlich hochgehalten wird, wird diese doch trotzdem einbrechen, das ist doch absehbar. Es passiert halt später und wird die Unternehmen absehbar auch härter treffen. Und du meinst, sowas “muss” der Staat tun? Ich behaupte: Sowas müssen Wahlkämpfer tun, die sonst nichts vorzuweisen haben.

    “Die Bürger sollte man vor den Wechselfällen der Wirtschaftsentwicklung möglichst unabhängig gemacht werden”

    Wenn also zum Beispiel Milch oder Autos aufgrund eines Überangebotes sehr billig sind, so wie jetzt, dann sollte der Staat einspringen und das Zeug wieder teurer machen, oder wie? Wer entscheidet, wann etwas “zu billig” oder “zu teuer” geworden ist und Steuergeld fließen muss?

    Norbert Blüm ist ein Arschloch, jedes seiner Worte ein Schlag ins Gesicht junger Menschen, denen seine tollen Rentenbeiträge die Möglichkeit nehmen, für die eigene Zukunft vorzusorgen. Vielen von uns wird dank ihm Altersarmut drohen, wenn da nicht schleunigst etwas passiert.

  24. Markus
    April 18th, 2009 @ 00:53

    Die gesetzliche Rente ist nicht durch Norbert Blüm kaputtreformiert worden, sondern durch die Parteigänger der Banken- und Versicherungsbranche, die in der kapitalgedeckten Privatrente ihr großes Geschäft wittern.

    Die Soziale Marktwirtschaft ist ja selbst das beste Beispiel für eine staatlich regulierte Marktwirtschaft. Und ohne Konjunkturprogramme würde die Wirtschaft in Krisenzeiten schlicht und einfach “absaufen”. Mit verschärfter Sparpolitik und Lohnkürzungen wird alles nur noch schlimmer, weil der Massenkonsum und die Investitionen dann noch mehr zurückgehen. Da bei uns aber die Arbeitseinkommen seit Jahren nicht mehr angemessen steigen, hat D mehr Schwierigkeiten als Länder mit weniger Verteilungsungleichheiten.

    Natürlich sollte man nicht nur den Banken das Geld hinterherwerfen, sondern auch der Bevölkerung damit helfen. Aber wenn man es allzu lange für richtig befunden hat, die Reichen mit den diversen Steuerentlastungen noch reicher zu machen, soll man sich nicht wundern, daß so viel Spekulationskapital in der virtuellen Welt des Finanzmarktkapitalismus unnützerweise herumschwirrt und riesige Blasen erzeugt:

    Eine Wirtschaft, die viele arm, aber nur wenige reich macht.

  25. Jan
    April 18th, 2009 @ 11:27

    Die gesetzliche Rente basiert darauf, dass die Jungen die Alten zu finanzieren haben, ungeachtet dessen, wieviele es jeweils von der einen oder anderen Gruppe gibt. Mein Vater – der sein Geld bis zum vorvergangenen Jahr interessanterweise mit dem Verkauf von PRIVATEN Versicherungen verdient hat – findet das verständlicherweise ganz toll so und darf sich demnächst auf eine ansehnliche Rente freuen. Nichts von dem, was er dann bekommen wird, hat er jemals eingezahlt, es gibt kein Konto, kein Depot, dass er im Berufsleben mit Geld gefüllt hat für diesen Zweck. Seine Altersversorgung hängt einzig davon ab, dass irgendwer heute dafür blecht. Ich finde, dass das eine ziemlich auf Sand gebaute Geschichte ist. Man muss sich auf das Wohlwollen der Gesellschaft und das Funktionieren des Staates verlassen, darf nicht einmal eine sicherere Alternative (zum Beispiel ein simples Konto oder vielleicht ein Goldbarren oder so) aussuchen. Und mittlerweile lernen wir, dass die Brauchbarkeit eines solchen System auch sehr stark davon abhängt, wieviele Menschen gerade einzahlen und wieviele gerade etwas ausgezahlt bekommen sollen. Eine Binsenweisheit – eigentlich. Außer für Menschen wie Norbert Blüm, der aber offensichtlich sowieso auf seinem eigenen Planeten lebt.

    Was du “kaputtreformieren” nennst, heisst demographischer Wandel. Es sind einfach nicht genügend Menschen da, als dass dieses System zufriedenstellend arbeiten kann. Ein System, dass dermaßen auf Sand gebaut ist, braucht man nicht kaputtreformieren – und was da bisher unter Reform firmiert hat, waren Ergänzungen – von denen, na klar, Versicherungsunternehmen profitiert haben. Aber eine Rentenversicherung ist eine Rentenversicherung und bleibt eine Rentenversicherung, egal, wie sie organisiert ist. Und diese hochriskante Umlagegeschichte wird jawohl auch von einem Versicherer getragen – auch wenn der eine Behörde ist. Aber jedenfalls ziehen auch dort Menschen ihren Profit daraus, dass Menschen eine Altersversorgung brauchen.

    Den Unsinn, den eine umlagefinanzierte Rente nun einmal bedeutet, mit einem “ja äh, wollten die bösen Versicherungskonzerne so!!!!!” zu kommentieren, ist zynisch und hochgradig unsozial. Die Rentenbeiträge sind es, die die jungen Leute aktiv daran hindern, eine echte, brauchbare und krisensichere Altersversorgung aufzubauen – und dass ist gesellschaftlicher Sprengstoff, den (Un-)Menschen wie Blüm immer weiter verschärfen, indem sie uns mit ihren idiotischen Verschwörungstheorien argumentativ ins Gesicht schlagen. Dass der feine Herr Blüm sich über seine Scheissrente keine Gedanken macht, dass stellt der doofe Steuersklave ja auch hinreichend sicher.

    Und die selben Leute, die immer wieder erklären, wie sicher die Rente ist, arbeiten massiv daran, diesen Staat bankrott zu machen. Nicht sehr vertrauenserweckend! Ich möchte nicht, dass solche Pappnasen sich um meine Altersversorgung kümmern. Sie können es nicht – jedenfalls nicht so gut, wie ich es selber könnte.

    Und übrigens: Wenn die Umlagerente kein Beschiss, sondern etwas total cooles wäre, dann könnte man ja mal den Markt für Konkurrenz öffnen und schauen, wie sich das Abzockersystem des Staates so schlägt gegen, sagen wir mal, Goldbarren oder meinetwegen auch eine Firma für Solarautos – oder auch beides.

    “Die Soziale Marktwirtschaft ist ja selbst das beste Beispiel für eine staatlich regulierte Marktwirtschaft.”

    Ja, ach! Und nichts anderes verfolgt zum Beispiel die FDP, die ja nun wirklich noch nie eine libertäre Partei gewesen ist. Man muss halt nur darauf achten, es mit der Regulierung nicht so sehr zu übertreiben, dass der begriff Marktwirtschaft zur Farce wird. Diesen Teil des Konzeptes ignorieren leider zunehmend alle Parteien – sogar meine eigene, wenn auch weit weniger schlimm als andere.

    “ohne Konjunkturprogramme würde die Wirtschaft in Krisenzeiten schlicht und einfach “absaufen”. ”

    Ab wann zählt eine Krise als “abgesoffen” für dich? Rein zahlenmäßig würde ich sagen, dass dieser Fall längst eingetreten ist und daran konnten nicht einmal 700 Milliarden Euro (rechne die mal auf jeden Bürger um..) an an Hilfen etwas ändern können. Ich finde es bemerkenswert, dass du das einfach so ausblenden kannst.

    Für mich ist Sparpolitik untrennbar mit Steuersenkungen verbunden, wie ich schon beim letzten Mal erklärt habe. Davon, dass das am oberen Ende der Lohnskala geschieht, ist ja nicht die Rede. Es ist vor allem die Mitte, die derzeit – auch unter der Krise – zu leiden hat. Aber was für ein krummes Weltbild hast du, wenn du davon ausgehst, dass reiche Leute per se doof sind und ihr Geld schlecht anlegen? Und ganz verrückt wirds, wenn du ausgerechnet dass als schlagendes Argument für möglichst hohe Steuern (ich stehe auf dem zugegebenermaßen ziemlich reiche-Leute-freundlichen Standpunkt, dass gute 50% eigentlich mehr als genug sein sollten) anführst. Die Blasen erzeugen doch maßgeblich die Zentralbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik – die du ja grade indirekt lobst, weils ja der Wirtschaft auf die Beine helfen soll. Medaillen haben aber leider zwei Seiten.

  26. Markus
    April 19th, 2009 @ 00:55

    Es wäre bestimmt interessant, wenn du den verlinkten Beitrag von Norbert Blüm einmal lesen würdest, anstatt ihn ständig mit wüsten Beschimpfungen zu verunglimpfen. Daß die Altersversorgung für Politiker als komfortabel zu bezeichnen ist, mag stimmen, aber ich habe noch nicht gehört, daß die “FDP-Pappnasen” daran etwas ändern wollen.

    Dein Vater ist aber zu beglückwünschen, denn er bekommt eine gesetzliche Rente, von der er noch leben kann. Für nachfolgende Generationen sieht es da schon wesentlich schlechter aus.

    Was hat der (politisch instrumentalisierte) demographische
    Wandel aber mit der vermeintlich notwendigen Umstellung vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung zu tun? Die arbeitende Generation muß i m m m e r für die nicht- bzw. nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Menschen deren Alterssicherungen erst einmal erwirtschaften. Sowohl erworbene Ansprüche aus der gesetzlichen Rente als auch aus der privaten Rente sind einzulösende Versprechen auf die Zukunft.

    Allerdings frage ich mich schon, ob ich meine Altersvorsorge unbedingt an den Börsen aufs Spiel setzen soll oder doch lieber nicht. Und daß die Privatrente höhere Kosten für den einzelnen mit sich bringt, dürfte gerade dir ja klar sein. Warum müßte der Staat denn sonst auch so massiv subventionieren?

    Trotzdem kann man sich ja privat zusatzversichern. Freilich, wenn die Arbeitslosigkeit in all ihren Formen und der politisch gewollte Niedriglohnsektor nicht wären, hätten wir die Sozialkassen gut gefüllt.

    Übrigens, die Staatsquote liegt in Schweden bei 56,3 % und die Abgabenquote bei 51,1 %. Von einem Massenexodus der Mittelschichten und einer Flucht der Millionäre hat man aber noch nichts gehört. Wie gut, daß wir dort nicht leben müssen!

  27. Jan
    April 19th, 2009 @ 18:17

    Solange Blüm sich entblödet von einer sicheren, weil staatlich organisierten Rente zu reden, ist ignorieren so ziemlich das Großzügigste, was dieser Unmensch von mir zu erwarten hat. Er ist ein Sozialist, er will mich – und alle anderen Menschen – dazu zwingen, ein offensichtlich gescheitertes System zu finanzieren. Es ist traurig genug, dass solche Leute immer wieder gewählt werden, dass ich das ertrage muss dann auch mal an Toleranz genügen. Wie gesagt: Wenn seine Kackrente so geil wäre, könnte man es den Menschen ja freistellen, das “Angebot” zu nutzen. Dass wir gezwungen sind, diesen Mist mitzumachen ist doch Beweis genug, dass das Angebot nichts als Abzocke ist.

    Ich finde es eigenartig, dass du mir was von Börsen erzählst. Als wären Aktien die einzig denkbare Geldanlage! Aber – nur mal angenommen – mein Vater hätte alles, was er in die staatliche “Rentenkasse” “eingezahlt” (faktisch ist es ja weder eine Kasse, noch zahlt irgendwer irgendwas ein) zum Beispiel in einen DAX-abbildenden Fonds gesteckt, dann wäre seine Rendite heute immer noch höher, als sie es wird, sobald er sie bekommt. Dabei gehört er sogar zu der Generation, die noch eine halbwegs akzeptable Rente bekommt! Wie du richtig sagst, wird unsereiner erheblich mehr zahlen, als er jemals bekommt – weil dein tolles System sich eben auf Demographie stützt, statt auf den Markt.

    “Was hat der (politisch instrumentalisierte) demographische
    Wandel aber mit der vermeintlich notwendigen Umstellung vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung zu tun?”

    Will ich dir gerne sagen. Umlage war noch nie eine gute, allenfalls eine Notlösung. Seit Menschengedenken versuchen wir alle, für das Alter vorzusorgen. Zu dem Zweck legt man Geld zurück, beziehungsweise an. Das ist die natürlichste Sache der Welt und jedenfalls nichts, dass du irgendwie verurteilen solltest. Jeder Idiot kann doch sehen, welche Rendite die staatliche Rente abwirft und jeder halbwegs gebildete Mensch kann sich ausrechnen, warum sie negativ ausfällt. Wenn man sagt, dass die, die heute arbeiten die, die es nicht mehr tun, zu finanzieren haben, dann ist zwangsläufig die Größe beider Personenkreise der springende Punkt, der Aspekt von dem alles abhängt. Es können also entweder die heute Arbeitenden abgezockt werden – oder man stellt das System endlich auf die Füße und gestattet den Leuten, erstmal für sich selber zu sorgen.

    Der dritte Weg – und dass ist der, den wir meines Erachtens gerade beschreiten – ist natürlich der Staatsbankrott. Dann erledigen sich solche Fragen irgendwann von selbst aber solche “Lösungen” sind eigentlich nicht, was ich unter Politik verstehe.

    ” Die arbeitende Generation muß i m m m e r für die nicht- bzw. nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Menschen deren Alterssicherungen erst einmal erwirtschaften.”

    Das ist doch überhaupt nicht wahr. Wenn ich mir zum Beispiel ein Haus kaufe und dass zur Altersvorsorge benutze, dann habe ich ganz alleine meine Alterssicherung erwirtschaftet. Es gibt Millionen Möglichkeiten, Werte zu bewahren. Die Gesetzliche Rente tut aber nichts dergleichen, da wird null und nichts zurückgelegt oder eingezahlt. Es ist doch offensichtlich, wie verwundbar so ein System schon alleine deswegen ist.

    “Allerdings frage ich mich schon, ob ich meine Altersvorsorge unbedingt an den Börsen aufs Spiel setzen soll oder doch lieber nicht”

    Und deine Antwort darauf ist dann, dass du es unheimlich toll findest, dass der Staat dir diese Entscheidung zwangsweise abnimmt? Ich bitte dich. Das Hauptproblem ist doch, dass uns der Staat gar keine Alternativen gestattet! Wäre dem so, bräuchte ich mich weder über Blüm noch seine ganzen Kollegen so aufzuregen, dann könnte sich ja von mir aus gerne per Umlage versichern, wer davon halt überzeugt ist, ich hätte aber wenigstens die Chance zu sagen, dass das dann bitte ohne mich stattfindet.

    “Trotzdem kann man sich ja privat zusatzversichern. Freilich, wenn die Arbeitslosigkeit in all ihren Formen und der politisch gewollte Niedriglohnsektor nicht wären, hätten wir die Sozialkassen gut gefüllt.”

    Also hohe Löhne gut zu finden, weil dann die Sozialkassen davon profitieren finde ich ja auch mal eine interessante Einstellung aber irgendwie typisch. Löhne erwirtschaften wir deiner Meinung nach also in erster Linie für den Staat und wenn der sich genommen hat, was er braucht, können wir mal gucken ob noch was für so Nebensächlichkeiten wie private Rente übrig bleibt, oder wie?

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Politik hat dafür zu sorgen, dass möglichst viele und am besten alle Menschen möglichst hohe Löhne erhalten. Der Schlüssel dazu heißt natürlich Bildung und da sollten meiner Meinung nach besser zum Beispiel jene Milliarden hinfließen, die im Augenblick für Verschrottung alter Autos aus dem Fenster geworfen werden. Da fasst man sich doch an den Kopf und fragt sich, was für perverse Prioritäten diese putzige Regierung da eigentlich setzt!

    Die Abgabenquote in Deutschland lag doch auch so bei etwa 53%, was bitte ist also an Schweden dermaßen revolutionär? Und auch wenn ich keine Ahnung habe, wie gerne Schweden ihre Steuern bezahlen ist es jedenfalls so, dass viele Deutsche mit Geld ziemlich viel anstellen, um Steuern zu sparen – das geht ja bis hin zur Hinterziehung. Mal abgesehen davon, was man von dem Verhalten an sich halten mag sind das für mich ziemlich starke Indizien, dass die Höhe der Steuern nicht gerade gesellschaftlicher Konsenz zu sein scheint.

  28. Markus
    April 20th, 2009 @ 12:17

    Das Tolle an Schweden und Skandinavien ist, daß dort selbst konservative Regierungen mehr oder minder eine sozialdemokratische Politik betreiben. Die Nordlichter haben eben eine andere Mentalität als wir Deutschen. Von “Gleichmacherei” und “Neidsteuern” wird nicht geredet. Aber “Leistung lohnt sich” auch und gerade für Aufsteiger aus der Mittelschicht und der Arbeitsschaft mehr als anderswo. Offenbar geht der Staat dort ganz gut mit den eingenommenen Steuergeldern der Bürger um, denn auch die Armut ist geringer, die Arbeitslosigkeit niedriger und das Wirtschaftswachstum höher. Kein Paradies auf Erden, aber für die Massen besser.

    Wie kommst du aber auf die Idee, daß höhere Löhne nur für die Staatskassen gut seien? Die Funktionsfähigkeit der geschätzten Sozialen Marktwirtschaft basiert darauf und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Die allgemeine Akzeptanz ist sogar so groß, daß selbst neoliberale Systemveränderer kaum darumherumkommen, sich selbst als Anhänger der Sozialen Marktwirtschaft zu bezeichnen, obwohl sie das in Wirklichkeit gar nicht sind (z.B. die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft).

    Bei der gesetzlichen Rente ist man eben näher an den realen wirtschaftlichen Verhältnissen daran: Es wird genau das “umgelegt”, was die jeweilige Wirtschaftsentwicklung hergibt, nicht aber teure “Luftschlösser” aufgebaut, wie das die kapitalgedeckte Privatrente tut. Meines Wissens haben sich die Leute aber auch zu Zeiten der gesetzlichen Rente schon Häuser oder ETWs gekauft. Vielleicht sogar mehr als in der entsolidarisierten “Privatrentenwelt” der Zukunft. Dazu gehören übrigens auch die Pensionsfonds, die rabiat auf Renditejagd gehen und dadurch viele Unternehmen gefährden. Was hier an Altersgeldern reingeholt wird, wird an Arbeitsplätzen wieder aufs Spiel gesetzt. Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz!

    Jedenfallls hat der “Unmensch” Norbert Blüm Abitur, du aber nicht. Ziemlich unfair, so zu reden. Aber das tust du ja auch.

  29. Jan
    April 20th, 2009 @ 13:22

    Markus, wenn deutsche Regierungen mit Geld vernünftiger umgehen würden, wäre ich mit Sicherheit weniger empfindlich, was dumpfe Parolen in Richtung noch höherer Steuern angeht. Ist aber nicht so und wenn das in Skandinavien anders ist haben die diesbezüglich meinen Neid, allerdings entspricht dass ja ziemlich genau dem, was ich immer sage: Dass das viele Geld endlich vernünftig eingesetzt werden muss, statt für hunderte schwachsinniger Projekte verschleudert zu werden, auf die es wirklich nicht ankommt.

    Neoliberalismus ist doch das selbe wie soziale Marktwirtschaft. Beides setzt auf den Staat und eben nicht auf reinen Kapitalismus.

    “Wie kommst du aber auf die Idee, daß höhere Löhne nur für die Staatskassen gut seien?”

    Naja, weil du den Eindruck vermittelst, das für dich Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne vor allem deshalb ein Problem wären, weil die Sozialkassen darunter leiden. Dass Marktwirtschaft maßgeblich vom Streben nach mehr abhängt, musst du mir nicht erklären. Schließlich ist es ja genau dieser Impuls, der die Marktwirtschaft zur menschlichsten denkbaren Wirtschaftsform macht.

    “Bei der gesetzlichen Rente ist man eben näher an den realen wirtschaftlichen Verhältnissen daran: Es wird genau das “umgelegt”, was die jeweilige Wirtschaftsentwicklung hergibt”

    Genau! Und bei wem dann halt weniger rauskommt, der hat mal eben Pech gehabt, ne? Super Lösung… ne tut mir leid, an dem Punkt trete ich dann doch lieber entschieden für Gerechtigkeit ein.

    Und was soll bitte am derzeitigen Rentensystem solidarisch sein? Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass die Leute das so empfinden. Eher im Gegenteil: Wer zahlen muss, findets zu teuer, wer Rentner ist, sieht sich meist auch unfair behandelt. Ich kenne so gut wie niemanden, der mit der Rentenpolitik zufrieden wäre. Solidarität sieht anders aus.

    So wirklich konsistent ist deine Argumentation auch nicht. Eineseits lobst du Profitstreben als Basis der Marktwirtschaft, andererseits beklagst du Jobabbau, der daraus entsteht, dass Wettbewerb herrscht. Passt für mich nicht so richtig zusammen, du solltest dich schon entscheiden, ob du es gut oder schlecht findest, dass Menschen eben stets versuchen, das Beste aus ihrem Leben und ihrer Arbeit herauszuholen (=Gewinnstreben) oder ihnen das nach Kräften erschweren willst.

    Und zuletzt: Natürlich sind Abiturienten die besseren Menschen, nie würde ich etwas Anderes behaupten.

  30. Markus
    April 22nd, 2009 @ 00:22

    Wer behauptet denn, daß Leute mit Abi immer selber denken? ;-)

    Die “kapitalistische Katze” beißt sich eben selber in den Schwanz, wenn sie auf der einen Seite gibt und auf der anderen Seite wieder nimmt. Muß wohl ein Systemfehler sein, der nur durch politische Eingriffe geheilt werden kann. Leider ist die Sache aber so, daß die “herrschende” Politik von des “Wirtschafts Gnaden” die Marktwirtschaft erst aus den Fugen hat geraten lassen. Der Neoliberalismus ist nicht mit der Sozialen Marktwirtschaft einfach gleichzusetzen.

    Das derzeitige Rentensystem ist nicht mehr solidarisch, perfekt war es vielleicht nie, aber vor Riester, Rürup & Co. immerhin besser. Und wenn du für Gerechtigkeit im Rentensystem bist, dann verstehe ich deinen Einwand gegen das auf realwirtschaftliche Leistungsfähigkeit setzende Umlageverfahren nicht. Wo auf Börsenluftnummern gesetzt wird, kann es aber nicht viel zu verteilen geben.

    Wo Staatskritik angebracht ist, soll sie durch “mündige Bürger” auch klipp und klar formuliert werden. Aber deshalb muß man nicht übers Ziel hinausschließen: Reform statt Revolution.

  31. Jan
    April 22nd, 2009 @ 01:09

    Ein Rentensystem, bei dem die, die arbeiten eine steigende Zahl von Rentnern finanzieren müssen, ist doch immer nur so gerecht wie das Mengenverhältnis von beidem wenigstens annäherungsweise gleich bleibt. Das ist schon lange nicht mehr so, schon lange muss das System mit Steuergeld gestützt werden, was doch eigentlich beweist, dass es so nicht geht.

    Nun kannst du erzählen, dass alles besser wäre, wenn denn jeder seinen Beitrag leisten müsste und vielleicht stimmt das sogar. Nur bleibt das Grundprinzip der Wahlfreiheit dabei ja auch wieder auf der Strecke und man bleibt weiterhin abhängig von Faktoren, auf die man keinen Einfluss hat (eigentlich – faktisch erleben wir ja, wie Frau von der Leyen verzweifelt versucht die Deutschen zum Kinderkriegen zu bringen – was jawohl aber nun auch nicht die Lösung sein kann).

    Was ist so schlimm daran, den Menschen selbst zu überlassen, wie sie ihre Vorsorge organisieren? Gibts dafür auch sachliche Gründe oder ist es einfach die Grundeinstellung, dass Menschen im Vergleich zum Staat einfach doof sind? (Weil du schonwieder unterstellst, sie würden auf “Börsenluftnummern” setzen, wenn der Staat ihnen nicht jede Möglichkeit dazu nimmt).

    Staatskritik ist nicht das Gleiche wie für mehr Freiheit was die eigene Altersversorgung angeht einzufordern. Ich persönlich habe keinen Bock darauf, dermaßen vom Staat abhängig zu sein.

  32. Markus
    April 22nd, 2009 @ 23:27

    Bei einem funktionsfähigen Renten- und Sozialsystem kommt es nicht nur auf das reine Zahlenverhältnis “Jung zu Alt” an. Denn dann müßten die Entwicklungsländer mit ihren meist jungen oder sogar sehr jungen Bevölkerungen ja blendend dastehen. Es kommt eben auch auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft an. Und m.W. ist der jährliche Produktivitätsanstieg hochentwickelter Industrieländer beträchtlich. Eine ungünstiger werdende Relation “Jung zu Alt” wurde schon in der Vergangenheit durch die immer leistungsfähigere Wirtschaft aufgefangen. Freilich will sich die ratlose Politik nicht an das Ziel der Vollbeschäftigung wagen, weil man dann den “Bossen” auf die Füße treten müßte.

    Wahlfreiheit und Selbstbestimmung, schön und gut, aber der Staat, also die Steuerzahler, hat dann später die schlimmsten Formen der Altersarmut für die “Gescheiterten” abzufedern. Die Alterssicherung ist ein komplexes Thema, so daß auch aus diesem Grund staatlich organisierte Lösungen privatwirtschaftlichen Spielwiesen vorzuziehen sind. Nebenbei bemerkt, privat vorsorgen heißt auch, daß sich die Arbeitgeber “elegant” aus der Affäre ziehen können.

  33. Jan
    April 22nd, 2009 @ 23:46

    Ne also wenns angeblich nicht möglich sein soll, Sozialstaat mit Wahlfreiheit für Nicht-Sozialfälle zu vereinbaren, dann hat das mit Marktwirtschaftlicher Grundordnung auch nix mehr zu tun. Und Staat hat für mich eben auch die primäre Aufgabe. die individuelle Freiheit seiner Bürger zu garantieren, nicht sie einzuschränken und sich selbst an diese Stelle zu setzen.

    Dass Politik Wirtschaft verhindert sehe ich ja auch so, nur woran erkennst du, dass irgendwer Hemmungen hätte, “Bossen” das Bosssein zu vermiesen? Oder hast du dabei bloß die quasi-staatlichen DAX-Unternehmen im Kopf? Das würde allerdings einiges erklären.

    “Nebenbei bemerkt, privat vorsorgen heißt auch, daß sich die Arbeitgeber “elegant” aus der Affäre ziehen können.”

    Äh…? Nö. Ob der Arbeitgeberanteil der Rentenversicherung nun als Lohn ausgezahlt wird oder vom Staat eingesackt wird, ist in der Summe jawohl egal und im Zweifel hat der Arbeitnehmer mehr davon, wenn er selbst entscheiden kann, ob ers in das deiner Ansicht nach unschlagbare staatliche Rentensystem gibt oder sich davon Gold kauft.

  34. Markus
    April 23rd, 2009 @ 23:25

    Deine “marktwirtschaftliche Grundordnung” ist eine fundamentalistische, aber keine soziale. “Freiheit” wird wie eine Monstranz vor sich hergetragen, ist aber für viele unerreichbar.

    Für die in Altersarmut gebrachten Minirenten-Rentner darf dann wie selbstverständlich natürlich der “Vater Staat” aufkommen. Oder meinst du etwa , daß die “lieben Bosse” der Banken und Versicherungskonzerne für dieses Klientel auch nur einen müden Cent herausrücken werden? Und bevor der Arbeitgeberanteil der
    Rentenversicherung als Lohn ausbezahlt wird, wird erst einmal am Lohn gekürzt. Vollbeschäftigung ist diesen Herren ein Greuel, weil die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer gestärkt wird.

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