Juso-Vorsitzende gegen Freiheit und Demokratie?
Posted on | April 29, 2009 | 19 Comments
“Über „soziale Unruhen“ wird derzeit viel diskutiert. Die einen warnen davor, die anderen warnen jene, die davor warnen und irgendwie scheint klar zu sein, „soziale Unruhen“ sind auf jeden Fall was negatives, das zu beherrschen, zu verhindern oder was auch immer ist.”
schreibt die Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel in ihrem Blog und fragt:
“Warum eigentlich?”
Ja, was ist an Unruhen, wie wir sie seit Monaten zum Beispiel in Griechenland oder Frankreich bewundern dürfen, denn eigentlich schlecht?
Ich verrats einfach mal: Da brennen Autos und werden Scheiben eingeschmissen. Es wird also viel Schaden angerichtet, bei diesen “sozialen Unruhen” – und zwar so gut wie immer bei Leuten, die eigentlich nicht Adressat solcher Unruhen oder überhaupt irgendeines “sozialen” Protestes sein sollten.
Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte aber statt diese offensichtlichen Folgen zu sehen, leitet Franziska Drohsel sich mal eben munter herbei, dass soziale Unruhen in Wahrheit etwas Gutes sind:
“Sozial ist nach dem Duden als jenes, was der Allgemeinheit nutzt – Unruhe eine Störung. Gibt es einen Grund als linker Mensch gegen eine Störung zu sein, die der Allgemeinheit dient? Wohl kaum, ganz im Gegenteil.”
Das Menschen, die nach Drohsels Wertekompass “links” sind, sehr eigenartige Ansichten dazu haben, was denn wohl der Allgemeinheit dient und was nicht (womöglich gehören dazu neben dem Gesundheitsfonds, 19% Mehrwertsteuern und der Ablehnung von Wettbewerb auf dem Post-, Bahn- und am liebsten auch auf allen anderen Märkten tatsächlich auch brennende Autos dazu, wenigstens wenns Mercedesse sind oder “Axel-Springer-Verlag” drauf steht), führt uns aber dann zu der Frage, ob nicht zum Beispiel Angriffe militanter Kapitalisten auf öffentliche Einrichtungen aller Art und staatseigene Unternehmen nicht auch etwas Gutes wären, immerhin würden solche Leute genauso im Interesse der Allgemeinheit handeln – jedenfalls nach deren Wertekanon.
Und man könnte weiterhin die Frage in den Raum werfen, ob nach Drohsels Definition nicht auch prügelnde und zündelnde Nazis letztlich im Interesse der Allgemeinheit oder was diese eben dafür halten, handeln, weil diese Sorte Idioten es ja nunmal für unbedingt nötig hält, Ausländer loszuwerden.
Es gibt keine universelle Wahrheit darüber, was denn der Allgemeinheit dient und was nicht. So gut wie alle politischen Akteure und seien sie und ihre Thesen noch so hanebüchen, begründen ihre Ansichten letztlich damit, dass ihr Weg der beste für uns alle, für “die Allgemeinheit” wäre.
Und natürlich ist das aber völlig ausgeschlossen. Eine soziale Unruhe ist mindestens für den Steuerzahler schlecht, der das zugehörige Polizeiaufgebot finanzieren darf. Wird Gewalt angewandt, gibt es automatisch Opfer (und ja: auch bei Gewalt gegen Sachen ist das der Fall), die aber natürlich auch der Allgemeinheit angehören.
Was Drohsel also meint, ist ein Teil der Allgemeinheit und was ihr dient legt höchstens dieser Teil fest, wahrscheinlicher jedoch Drohsel selber.
In jedem Fall herrscht in diesem Land ja eigentlich auch deswegen Demokratie, damit solche Unruhen nicht sein müssen. Ein Parlament, eine Regierung, sollte im Optimalfall dem Wunsch der Allgemeinheit entsprechen, wenn der ganze Zirkus, den wir ständig darum veranstalten, überhaupt einen Sinn haben soll.
Wer Gewalttaten damit rechtfertigen will, dass sie zum Wohl der Allgemeinheit beitragen würden, so wie es die Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation tut, untergräbt letztlich die Demokratie. Es ist beim besten Willen nicht demokratisch gerechtfertigt, Unruhen anzuzetteln oder sich an ihnen zu beteiligen – was nicht heißt, dass es nicht trotzdem Rechtfertigungen geben mag, die ich zum Beispiel für mich gelten lassen würde. Aber mit Demokratie hat dass rein gar nichts zu tun. Ich fände es fair, wenn die Juso-Vorsitzende dass wenigstens auch mal deutlich erklären würde.
Am Ende ihres Artikels kommt dann der eigentliche Aufruf an die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (bei den Jusos gibts bekanntlich aus feministischen Gründen keine weiblichen Jungsozialisten):
“Wenn es jetzt breite gesellschaftliche Proteste gibt, die sich gegen den Markt als bestimmendes Element richten und für verbindliche Regeln, mehr soziale Gerechtigkeit und eine konsequente Umverteilung von oben nach unten kämpfen, ist dies zu unterstützen. Damit sich in dieser Gesellschaft endlich etwas nach links bewegt!”
Markt ist Angebot und Nachfrage, freier Markt ist, dass wir alle kaufen und verkaufen dürfen, was uns gefällt. Wie soll in einem System Freiheit existieren, wenn uns irgendjemand vorschreibt, wie wir unser Geld zu verdienen haben, mit wem wir handeln dürfen und mit wem nicht, für wen wir arbeiten und was wir dabei verdienen dürefen?
Es liegt der Verdacht nahe, dass in Drohsels Weltbild die Einführung eines Sozialismus Gewalt rechtfertigt. Die Absage an die Freiheit überrascht dabei weniger, die Absage an das ziel ihres “demokratischen Sozialismus” aber ein wenig schon.
Jedenfalls für die offizielle Jugendorganisation einer Partei, die seit über 10 Jahren regiert.
Comments
19 Responses to “Juso-Vorsitzende gegen Freiheit und Demokratie?”
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April 29th, 2009 @ 13:06
Gibt es in D. nicht den Straftatbestand der Anstiftung zu Gewalt?
April 29th, 2009 @ 13:15
Vermutlich aber die Frage ob der Artikel eigentlich strafbar ist finde ich ehrlichgesagt weniger wichtig als die Aussagen darin.
April 29th, 2009 @ 14:30
Linksextreme Tendenzen in der SPD sind nicht neues. Der Kuschelkurs zur SED kommt nicht aus dem blauen Himmel. Diktatorenverherrlichung, Verklärung terroristischer Verbrechen, Unterstützung verfassungsfeindlicher Organisationen, …
Diese Partei ist von innen durch und durch verrottet.
April 29th, 2009 @ 17:35
Habe ich noch nie so drüber nachgedacht…..
SPD das klingt ja schon fast wie NPD!
Und alle in der FDP sind schwul!LOL
So ein schwachsinn!
April 29th, 2009 @ 17:38
Solche Pauschalurteile sind natürlich schnell gefällt, ganz so schlimm ist es aber – soweit ich das anhand meines unmittelbaren Umfeldes beurteilen kann – nicht. Ich kann nur nicht nachvollziehen, wie mans mit so einer Vorsitzenden mit seinem Gewissen klar kriegt, keine normale Jugendorganisation der SPD als Konkurrenzveranstaltung zu gründen.
April 29th, 2009 @ 17:47
Mike, Nazisein ist aber schon noch einen Tick schlimmer als schwul sein, oder?
April 29th, 2009 @ 17:51
Boah, ist das heftig, was in den Kommentaren zu dem Artikel abgeht.
“Es geht um die Beseitigung des Privatbesitzes an Produktionsmitteln.”
“Natürlich sind gewaltlose Proteste vorzuziehen, aber man sollte sich nicht im Vorfeld aller Kampfmittel berauben.”
Es klingt echt so, als ob die Jusos gedanklich in der Hochphase der Industrialisierung stehen geblieben sind…
Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
April 29th, 2009 @ 18:10
Wo hat Drohsel denn von Gewalt gesprochen? An keiner Stelle! Es geht um die politische Auseinandersetzung. Es geht darum, aktiv zu sein, nicht ruhig, sonder “un”ruhig und für seine Überzeugung einzutreten.
Ich denke, alle demokratischen Parteien sollten sich einig sein dass etwas mehr politische Beteiligung gerade von jungen Leuten nur gut für alle sein kann.
April 29th, 2009 @ 18:21
Findet man meine Bewertung jetzt immer noch übertrieben? Das ist der SPD-Nachwuchs. Die Partei verrottet von innen. Und Hessen zeigt ja den Aufstieg dieser Truppe, und wie sie die Demokraten aus der Partei raussäubert.
April 29th, 2009 @ 18:32
Zettel hat mal nachgeschaut, wer dieser Gerrit Brüning genau ist.
Wie gesagt: Diese Partei verrottet von innen.
April 29th, 2009 @ 18:45
Ja, findet man califax. Ich bin mit einigen Jusos näher bekannt, die nicht im Ansatz so durchgeknallt sind, wie es im Artikel und in den Kommentaren rüberkommt. Das ist zwar noch keine Empirie, trotzdem mag ich solche Verallgemeinerungen nicht einfach so im Raum stehen lassen.
Thomas,
entschuldige aber eine Unruhe ohne Gewalt wäre eine Demonstration und eben keine Unruhe. Ich lese nirgends, dass da was von Gewaltfreiheit steht und die Kommentare sprechen, wie Matthias richtig anmerkt, auch nicht dafür, dass es so aufgefasst würde.
April 29th, 2009 @ 18:47
Bitte, Herr Praus, jetzt versuchen Sie bitte nicht, uns für dämlich zu verkaufen. Das Wort “Unruhen” hat eine klare Bedeutung, die man mit nachträglichen pseudohermeneutischen Spielchen nicht wegdiskutieren kann.
Jeder der diesen Beitrag liest, weiß sofort, daß die Drohsel da offen von brennenden Autos und Straßenschlachten träumt. Nur Sie wollen es plötzlich, wo der Beitrag aus der Kadergruppe in die Öffentlichkeit entfleucht ist, nicht mehr verstehen.
Besonders nach dem Drohsels Träume auch gleich von ihren Genossen noch konkretisiert wurden.
Geben Sie sich also bitte etwas mehr Mühe. SO ist das ja lächerlich.
April 29th, 2009 @ 18:51
Jan, ein verrottender Apfel hat auch noch seine guten Stellen. Nur zeigt Hessen eben deutlich, wohin der Zug inzwischen fährt.
Ja, sicher gibt es demokratische SPDler. Nur haben die eben immer weniger zu sagen und finden es selbst offenbar ganz kuschlig in dieser Nachbarschaft.
(Bis sie vielleicht als Abgeordnete auf die Idee kommen, sie hätten eine verfassungsgemäße Gewissensfreiheit. Das ist nicht mehr empfehlenswert.)
April 29th, 2009 @ 19:09
Magst du ja so sehen und deine allgemeinen Bedenken teile ich sogar. Deine Aussage, dass das der SPD-Nachwuchs wäre, ist trotzdem nur halb richtig und darum widerspreche ich dir da schon aus Respekt gegenüber den besagten Freunden und Bekannten unter den Jusos, die meine Meinung zu Drohsels Aussagen wahrscheinlich sogar teilen.
April 29th, 2009 @ 19:25
Ich bin ja mal gespannt, ob sich diese Jusos auch öffentlich zu Wort melden und sich von ihren revolutionären Genossen distanzieren. Und wie lange es dann dauert, bis sie aus den eigenen Reihen als korrupte Wirtschaftslobbyisten diffamiert werden.
April 29th, 2009 @ 22:47
Schon klar: Die SPD hat ja damals auch schon Hitler unterstützt und den Diktator verherrlicht. Man, was für ein saublöder Quatsch hier doch geäußert wird. Califax belegt hier deutlich, wozu übermäßiger Konsum der Bild (Blöd) “Zeitung” führen kann.
Damit Califax hier weiter schön für geistigen Dünnfiff sorgen kann folgender interessanter Vergleich: Wenn die SPD nicht mehr demokratisch ist und demnach ja bald mit den Vollhorsts der NPD verschmilzt, beten die FDPler sicherlich bald auf nem Teppich Richtung Ackermann und fahren Blödheitsanschläge, wie hier weiter oben schön nachzulesen ist, auf alle, die den freien Markt für Falsch halten.
PS: Das die Drohsel manchmal merkwürdig rüberkommt ist sicherlich nicht abzustreiten. Aber dieses Dilemma haben auch alle andere Parteien (bspw. Parteivorsitzender der Liberalen etc.)
April 30th, 2009 @ 01:29
Lieber Kommentator:
Erstens: Lesen lernen!
Zweitens: Ab zurück in die Schule, aber diesmal nüchtern. “Hitler”, “NPD” und “BILD” lallen zu können, ist kein Ersatz für zumindest grundlegende Kenntnisse der Geschichte.
Drittens als Hausaufgabe: rauskriegen, wer Lenin, Trotzki, Stalin, Thälmann, Grotewohl, Ulbricht und all die anderen “Helden” waren, und was beispielsweise Gerrit Brünings Vorschläge mit dem leninistischen Rußland und den Roten Khmer zu tun haben.
Und viertens: Vom eigenen Schulversagen nicht gleich auf den Pressekonsum der anderen schließen. Das wirkt so peinlich.
Bonusaufgaben: Sowjetrepublik, Gulag, Sozialistische Einheitspartei, Sozialistische Demokratie, Revolution, Totalitarismus – nachschlagen, lesen, DENKEN.
April 30th, 2009 @ 09:10
“…DENKEN.”
@ califax:
Nicht so schnell zu viel verlangen.
April 30th, 2009 @ 09:39
Ich muss dem Kommentator aber in einem Punkt unbedingt Recht geben: Personenkulte sind zwar eher in anderen politischen Richtungen beliebt – die meisten FDPler hätten sich mit Sicherheit aber schon gewünscht, wenn sich unsere ganzen Staatsbänker ein Beispiel an Ackermann genommen hätten, bevor sie unsere Milliarden versenkt haben.