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Wer braucht eine solche Arbeitsagentur?

Posted on | Mai 4, 2009 | 12 Comments

Freie Unternehmen, die sich die Definition, was ein Kunde ist und was nicht, bei der staatlichen Agentur für Arbeit abschauen, dürften ganz schnell weg vom Fenster sein (beziehungsweise auf Rettungsmilliarden hoffen müssen). Das jedenfalls schließe ich aus der folgenden Geschichte, die am Wochenende in unserer Offline-Zeitung “Wochenblatt Elbe & Geest” zu lesen war:

Da hat ein Schüler, der 15 Jahre alt ist und kurz vor seinem Schulabschluss steht, an einer Beratungsveranstaltung der Bundesagentur für Arbeit an seiner Schule teilgenommen und später in der Zeitung von einer bestimmten Anzahl offener Ausbildungsplätze in einem bestimmten Beruf gelesen, die der Agentur vorlägen. Dass er diesen Beruf lernen will, wusste er bereits, weshalb er natürlich nicht auf weitere individuelle Beratung, die die Agentur nach der Veranstaltung in der Schule angeboten hatte, angewiesen war und logischerweise auch nicht daran teilnahm (und dem Amt damit unnötige Kosten ersparte). Mit der Begründung, dass er diese zusätzliche Beratung aber nicht angenommen hatte, mochte ihm die Agentur nun allenernstes die Adressen der Firmen nicht geben, weil er eben nach der gesetzlichen Definition, an die sich die Agentur zu halten hat, kein Kunde der Bundesarbeitsagentur gewesen ist.

Kunde wird man beim Staat also nicht allein dadurch, dass man eine bestimmte Leistung nachfragt. Man muss darüberhinaus schon auch noch ein bestimmtes Programm einhalten, das sich eine höhere Macht irgendwelche Leute ausgedacht haben, die offensichtlich nicht über die nötige Fantasie verfügten, sich vorzustellen, dass Menschen auch ohne staatliche Behörde in der Lage sind, herauszufinden, welchen Beruf sie gerne einmal ausüben möchten.

Dieselben Leute hatten wahrscheinlich auch nicht auf dem Zettel, dass man sich Adressen halt auch selber suchen kann, was der Junge nach verrauchen seiner Wut über diesen Unsinn auch getan hat.

Ein Amt, dessen Zweck zumindest teilweise darin besteht, Arbeitslosigkeit zu senken, indem Stellen vermittelt werden, dabei jedoch auf offensichtlich sinnlose und kontraproduktive Paragraphen pochen muss, die bei weniger engagierten jungen Leuten wie dem genannten Schüler schnell auch mal zur viel beklagten Null-Bock-Stimmung führen könnten, statt einfach zu tun, wofür es da ist, gehört gründlich reformiert – oder abgeschafft.

So jedenfalls macht Arbeitsvermittlung keinen Sinn.

Comments

12 Responses to “Wer braucht eine solche Arbeitsagentur?”

  1. Markus
    Mai 4th, 2009 @ 23:18

    Daß aus Arbeitssuchenden “Kunden” wurden, haben wir dem “Superminister” Wolfgang Clement zu verdanken und auch die Umbenennung der “Bundesanstalt für Arbeit” in “Bundesagentur für Arbeit”. Nur was hat das Ganze für die Betroffenen gebracht?

    Zur Ehrenrettung des Berufsberaters kann man aber sagen, daß ein Fünfzehnjähriger seine Berufswünsche nicht immer realistisch einschätzt und daher eine weitere Beratung sinnvoll sein kann.

  2. Jan
    Mai 5th, 2009 @ 04:32

    Nicht die Umbenennung der Bittsteller in Kunden ist das Problem, sondern dass es offensichtlich bei einer bloßen Namensänderung geblieben ist.

    Und nicht der Berufsberater hat einen Fehler gemacht, sondern die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind – vornehm ausgedrückt – beschissen.

    Der Junge wollte übrigens KFZ-Mechatroniker werden. Nicht Kernphysiker oder Rechtsanwalt. Davon abgesehen kann es aber nicht Sinn und Zweck einer Agentur sein, jemanden dazu zu zwingen, sich gefälligst beraten zu lassen, wenn er eine winzig kleine Dienstleistung, die sowohl den suchenden Firmen, als auch den suchenden Absolventen hilft, nachfragen will.

    Das kriegt jede private Arbeitsvermittlung besser hin – sowohl mit, als auch ohne Steuergeld.

  3. Markus
    Mai 5th, 2009 @ 23:18

    Ob der mit Anspruchsrechten ausgestattete “Bittsteller” von einst oder der “rechtlose” Kunde von heute besser gestellt ist, kann man in der Tat in Frage stellen. Und wenn es nur bei der Namensänderung geblieben wäre, aber weit gefehlt! Das jetzige Management der Bundesagentur wird natürlich auch so bezahlt und nicht etwa wie Bürokraten der früheren Bundesanstalt.

    Warum soll für das Berufsfeld eines KFZ-Machatronikers keine Berufsberatung nötig sein? Die private Arbeitsvermittlung “spuckt” die gemeldeten Stellen vielleicht schneller aus. Bezahlt werden will sie für diese dienstleistungslose Auskunft aber auch.

  4. Jan
    Mai 6th, 2009 @ 08:32

    Darum ja: Abschaffen oder gründlich reformieren.

    Und Berufsberatung ist im Prinzip in dem Moment überflüssig, wo der Schüler weiss, was er will. So jemandem dann einfach mal keine Firmenadressen zu geben ist Paragraphenreiterei.

  5. Markus
    Mai 6th, 2009 @ 22:41

    Naja, lieber ein mit Anspruchsrechten ausgestatteter “Bittsteller” sein als ein “rechtloser” Kunde.

    Ob heutzutage jeder Schüler weiß, was er will, ist die Frage. Und selbst wenn das so wäre, muß das ja nicht immer das Richtige sein. Bei der Berufswahl ist eine gründliche Beratung für Jugendliche gerade in heutigen Zeiten wichtiger denn je.

    Reformen sind natürlich immer gut – fast immer jedenfalls. ;-)

  6. Jan
    Mai 6th, 2009 @ 23:00

    Wie gesagt: Keine Firma hätte dem Jungen die Adressen vorenthalten, für die der Arbeitgeber schließlich bezahlt hat. Für diese Adressen zahlen beide und trotzdem wird nicht vermittelt. Das finde ich schon recht ineffizient muss ich sagen.

    Es ist verdammt nochmal nicht Sache irgendeiner Scheissbehörde zu entscheiden, ob jemand weiss, was er will. Der Junge hat gesagt was er will und der Staats hats ihm nicht geglaubt, traut ihm nicht zu diese Entscheidung zu treffen. Ich frage dich: Was sagt dass über das Menschenbild dieser Behörde, dieses Gesetzgebers und der Bürokratie dahinter aus? Es ist einfach nur albern, Leute zu Beratungen zu zwingen und ihnen ansonsten selbst rudimentärste Unterstützung zu verweigern, tut mir leid.

  7. Markus
    Mai 7th, 2009 @ 23:34

    Widersprüche gibt`s nicht nur im Umgang mit Behörden.

    Aber ich bitte dich, ein Jugendlicher ist ein Jugendlicher; und wenn die alle so schlau wären, wie du meinst, frage ich mich, warum wir die nicht gleich an die Stelle der “dummen Erwachsenen” setzen.

  8. Jan
    Mai 7th, 2009 @ 23:40

    Naja, es ist doch aber Sinn der ganzen Beraterei, dass man irgendwann mal das findet, was einem gefällt und wie soll das gehen, wenn man den Leuten nichtmal zutraut auf die Idee vielleicht auch alleine zu kommen?

    Hast du so ne Beratung schonmal mitgemacht? Ich schon. Fürn Arsch. Die sagen dir nicht, was du machen sollst, die können dir nur Berufe aufzählen, die es so gibt. Dafür brauche ich keine Behörde, dazu genügt im Zweifel auch Google.

  9. Markus
    Mai 8th, 2009 @ 23:35

    Natürlich sollte man auch jungen Leuten etwas zutrauen. Eine Beratung kann da hilfreich und nützlich sein, wenn man denn das Glück hat, einen guten Berater zu erwischen. Aber aufgeweckte Kids können ja auch Fragen an den Berufsberater stellen, bevor sie sich einen “googlen”. ;-)

  10. Jan
    Mai 9th, 2009 @ 04:12

    Du schreibst, eine Berufsberatung “kann” hilfreich sein. Ja, kann sie. Offenbar geht das Amt aber davon aus, dass sie es muss – und das ist das Problem!

  11. Markus
    Mai 9th, 2009 @ 22:05

    Im Zweifelsfall traue ich den erwachsenen Berufsberatern etwas mehr Urteilsvermögen zu als den minderjährigen Berufsanfängern.

  12. Jan
    Mai 9th, 2009 @ 22:42

    Auch wenn die einen einen Job tun und es bei den andern um ihr Leben geht? Interessant.

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