Polit-Masochismus
Posted on | Mai 7, 2009 | 1 Comment
Ja, man kann sich – wie die Bundesregierung – auf den Standpunkt stellen, dass das gegenseitige Beschießen mit Laserstraßen, Plastik- oder Farbkügelchen verboten gehört, weil solche Spielchen unser aller Untergang bedeuten könnten. Ich halte die These, dass so etwas irgendwelche Auswirkungen auf den Rest der Menschheit hätte, für extrem abwegig halte jeden, der sie ernsthaft vertritt, schlimmstenfalls für einen bemitleidenswerten Idioten und bestenfalls für jemanden, der nicht weiss, wovon er redet.
Zunächst ist es schonmal sehr gewagt, “Laserdome”-Spiele, bei denen tatsächlich aufeinander geschossen wird, mit Paintball zu vergleichen. Beim Laserdome geht es darum, andere zu “erschießen”, bei Paintball gibt es dagegen eher selten gezielte Abschüsse, dort spielt man nämlich im Team und versucht sein Ziel über geschicktes Sperrfeuer zu erreichen. Die Farbkugeln haben dabei also eine ähnliche Funktion wie beim Völkerball aus der Schule: Da wird niemand erschossen, sondern er scheidet aus dem Spiel aus. Paintball-Parcours sind keine Rambo-Simulationen, sondern taktische Spielfelder. Die Behauptung, damit würde “Töten simuliert” ist also ziemlich absurd und man fragt sich, wann dann wohl Wasserbomben verboten werden, mit denen zweifellos auch das Töten in ähnlicher Weise simuliert wird, man wirft sie ja gezielt auf Menschen und “der Tod” wird eben durchs Nasswerden simuliert.
Ich kann weder nachvollziehen, wie man sich die Realität so grotesk zurechtbiegen kann, noch warum es mich oder sonst jemanden interessieren sollte, wenn Menschen so etwas tun und daran Freude haben, geschweigedenn was es eine Bundesregierung angeht.
Zumindest letzteres spricht natürlich auch klar gegen Verbote von Laserschießereien und dagegen, überhaupt simuliertes Töten zu reglementieren – solange alle Beteiligten da freiwillig mitmachen, versteht sich.
Man fragt sich: Ist es für die Bundestagswahlen so wichtig, nach dem Amoklauf von Winenden noch irgendwelche Zeichen zu setzen? Mehr können solche Verbote nicht sein, sie machen niemanden wieder lebendig und der Täter hat, soweit ich weiss, weder Paintball noch Laserdome gespielt.
Aber was mich bei dieser Sache und auch bei vielen anderen schlechten, nein eigentlich schlicht und ergreifend falschen Gesetzen dieser Regierung, seien es Internetzensur oder Vorratsdatenspeicherung, “Killerspiel”-Verbote, die jawohl bei erfolgreicher Umsetzung dieses Vorhabens nur der nächste logische Schritt sein dürften (Stichwort: “simuliertes Töten” eben – wenn Farbe tötet, tun Pixel das für die Wirrköpfer im Kabinett sicher auch) ziemlich irritiert ist, dass Angehörige der Jugendorganisationen von CDU und SPD diesen ganzen Mist zwar zum großen Teil genauso ablehnen wie ich, sie ihren munter in unser aller Freiheit herumwurschtelnden Häuptlingen dass aber scheinbar einfach nicht beigebracht kriegen. Vielleicht liegt das daran, dass es dort zu wenige junge, kritische Leute gibt – aber dann wundert mich, wie man so einen Laden jetzt im Wahlkampf auch noch unterstützen kann.
Ich glaube, ich könnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, mich für Parteiobere ins Zeug zu legen, die so massiv gegen meine ureigensten Interessen handeln. Erhält man beim Beitritt in einige Parteien eine Art Gehirnwäsche oder wie hält man nur soviel Unsinn aus und wie verliert man dabei nicht endgültig die Lust, neben dem Teil der Politik, die man unterstützt, eben auch all diesen kranken Blödsinn zu unterstützen?
Comments
One Response to “Polit-Masochismus”
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Mai 11th, 2009 @ 09:24
Völkerball ist ein gutes Stichwort. Ich fordere in Verbot von Völkerball! Hat mir schon in der Schule nie gefallen.