Mai 16 2009

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Kulturelles

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Es gibt in den greoßen Parteien ja immer so gewisse kulturelle Besonderheiten. Dass Sozialdemokraten und Sozialisten sich mit “Genosse” anreden, hat zum Beispiel seine historischen Ursachen und das Stricken bei den Grünen ist zwar seltener geworden aber trotzdem immer noch irgendwie typisch Grün.

Ich weiss nicht, inwieweit es dazugehört, solche Eigenheiten zu übernehmen oder wenigstens gut zu finden. Mir ist aber so im Verlauf des Parteitages aufgefallen, dass mir einige dieser typischen Dinge richtig gut gefallen. 

Als gestern zum Beispiel in grünen Twitter-Kreisen ein wenig gelästert wurde, dass Westerwelle Genscher siezt, fand ich das einfach nur albern. Es ist nunmal grundsätzlich üblich, dass man sich siezt (außer unter Bloggern, wir Parteitagsblogger haben uns in Kommentaren und bei Facebook schon so oft geduzt, dass es etwas albern gewesen wäre, daran etwas zu ändern, nur weil man sich dann mal “in echt” trifft) und nur, weil man dem gleichen Verein, der gleichen Partei angehört oder das gleiche Hobby ausübt oder was auch immer für Gemeinsamkeiten hat, ist man ja nicht per du.

Bedenkt man, wieviel Wahres in der Feststellung liegt, dass “Parteifreund” eine Steigerung von Feind sei, empfinde ich es oftmals sogar als eine ziemliche Heuchelei, sich obligatorisch zu duzen und so eine Verbundenheit vorzutäuschen, die es oftmals ja gar nicht gibt.

Und darum bin ich froh, dass man bei der FDP erstmal zusammen einen Drauf macht, bevor man sich zu Duzen beginnt.

Ein weiteres Merkmal ist die Konzentration aufs Wesentliche. Die drückt sich zum Beispiel darin aus, dass um Geschlechterspezifikationen so wenig Getue gemacht wird. Das kann man zum Beispiel an der Fußnote auf der Seite 2 des Leitantrages (also der Entwurf des Deutschlandprogramms, dass hier gerade beraten und als Wahlprogramm auf diesem Parteitag beschlossen werden soll), die da lautet:

“Um den Text lesefreundlicher zu gestalten, wird nach der Präambel auf eine geschlechterspezifische Unterscheidung verzichtet; so steht bspw. der Begriff “Bürger” neutral für Angehörige beider Geschlechter.”

Natürlich ist es etwas albern, dass man solche Selbstverständlichkeiten überhaupt noch extra ausführen muss. Eine Partei, die um so etwas erst große Debatten veranstalten würde, würde mir aber jedenfalls so richtig auf den Keks gehen.

3 Kommentare

3 Kommentare zu “Kulturelles”

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  2. Robinam 18. Mai 2009 um 10:42 2

    Das “Duzen” hat Vor- und Nachteile.
    Und natürlich gib es da witzige Abstufungen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit wird das zu einem faszinierenden Instrument.
    z.B.

    Echter “Parteifreund”, vorallem im eigenen Orstverein: Nur “Du”

    Normale “Parteifreunde”: Du Vorname
    (Man kennt sich, ist entweder neutral oder freundschaftlich zueinander).

    Du Vor- und Nachname: Entweder Respektsbezeugung, weil bekannter Genosse oder Mandatsträger.
    Vor und Nachname werden als einen Namen zusammengezogen. So sagt man bei MdBs immer Vor- und Nachname, um keine Verwechslungen aufkommen zu lassen, wen man meint.

    (Das Ganze ist etwas schematisch, aber nur um das zu verdeutlichen. Funktioniert natürlich nicht überall).

    Für Neulinge ist das Duzen aber ganz schön. Viele sagen, man fühle sich schneller zuhause. (Von den Parteifreunden die eher Feinde sind, wissen sie da ja noch nichts :) )

    Oder wenn man irgendwo unterwegs ist. Ich kann zu einem 60 Jährigen Genossen aus echtem Schrot und Korn hingehen, ihm auf die Schulter klopfen und duzen. Er fühlt sich gleich anders angesprochen, als wenn ich Siezen würde.
    Und natürlich ist es genauso Tradition wie das “Genossen”. Ich würde es als einen historischen Kitt für die Partei bezeichnen. Man schafft so eine Identität. Es gibt ja auch viele in meiner Partei, die das Genossen nicht mehr so mögen. Aber gerade in den Ortsvereinen gehört das dazu. Man zeigt Flagge – “WIR sind Genossen” usw.
    Ist aber ein faszinierendes Feld. Eine Dozentin (Soziolinguistin) wollte das sogar mal untersuchen ;-)

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  3. Janam 18. Mai 2009 um 11:58 3

    So gesehen ist das Siezen, bevor man sich näher kennt, ja auch nur eine weitere Abstufung, den Rest gibts ja bei uns durchaus auch. Siezen muss halt nicht unbedingt etwas schlechtes Bedeuten, sondern drückt irgendwo ja auch einen gewissen Respekt aus.

    Ansonsten sind das ja einige recht interessante Details. Ich würde aber sagen, dass man ja diese ganzen Unterscheidungen auch erstmal lernen muss – also einfacher wirds damit jetzt auch nicht unbedingt. Ich finde es auch völlig okay, diese Tradition so fortzuführen, nur empfinde ich den ganz normalen Umgang, bei dem man eben mit dem Sie beginnt und dann irgendwann zum du übergeht, wenn einem dass für angemessen erscheint, als irgendwie etwas ehrlicher.

    Das liberale Pendant zum Genossen scheinen mir die “lieben Freundinnen und Freunde” zu sein. Ein Wir-Gefühl zu erzeugen, ist wohl für alle Parteien wichtig, die Methoden unterscheiden sich eben etwas.

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