Was ist von einem solchen Betäubungsmittelgesetz zu halten?
Posted on | Mai 25, 2009 | 4 Comments
Ich habs zuerst für einen blöden Witz gehalten, dass man eine Cola verbietet – aber offenbar stimmt es wirklich: Red Bull Cola wird von Vater Staat als “Betäubungsmittel” eingestuft und verboten.
Da ich grundsätzlich ein experimentierfreudiger Mensch bin, habe ich diese Cola auch schon probiert. Mehrfach sogar. Nehme ich gewisse Erfahrungen mit anderen Betäubungsmitteln als Referenz, erscheint mir rein subjektiv diese Einstufung ziemlich lächerlich zu sein. Es schmeckte zwar anders, als andere Cola – eine besondere Wirkung habe ich aber nicht spüren können.
In Baden-Württemberg, wo man ansonsten mit Verkaufsverboten nicht lange fackelt, kann man im Gegensatz zu Niedersachsen und vielen anderen Ländern die Cola noch kaufen, dort sah man keinerlei Anlass, sie zu verbieten. Was ebenfalls die Frage aufwirft: Wie Böse kann das Zeug dann wohl sein?
“Ein gigantisches Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen.”
Ein ensprechender Verdacht drängt sich in der Tat auf. Die Einstufung von Cola als Betäubungsmittel fußt allein auf irgendwelchen Messwerten, bei denen – Naturprodukte sind eben so – zufällig bei einer Stichprobe mehr rausgekommen ist, als sein durfte. Spielte hier der gesunde Menschenverstand eine Rolle, bekäme Red Bull nun vielleicht die Auflage, seine Qualitätssicherung mal zu prüfen und die vorhandenen Schwachstellen auszubessern.
Desweiteren könnte man schauen, inwieweit sich der Cola-Konsum negativ ausgewirkt hätte – also wieviele Menschen nun Red-Bull-Cola-süchtig geworden wären (das dürfte wohl der Hauptgrund sein, aus dem man bestimmte Betäubungsmittel verbietet).
Stattdessen scheint zu gelten: Erst schiessen, dann Fragen - erstmal vom Markt, dass Ganze. Auch wenn die für das Verbot verantwortlichen Behörden selber sagen, die Cola sei nichtmal gesundheitsgefährdend.
Aber laut der von einem Institut festgestellten Menge an Kokain kann die Cola nun eben kein Lebensmittel mehr sein, sondern wird, simsalabimm, zum Betäubungsmittel.
Und man muss schon fragen, wieso dass dann sofort zu einem Verkaufsverbot führt, wenn es doch der Gesundheit gar nicht abträglich ist. Was taugt ein solches Betäubungsmittelgesetz, dass alles verbietet, für dass es gilt? Wieso reicht nicht erstmal ein zwar saublöder, aber nach den Grundregeln der Bürokratie doch sonst auch ausreichender Warnhinweis (“Achtung: Enthält mikroskopische Dosis Koks” oder so) oder wenigstens der Zwang, das Zeug halt nur noch in Apotheken zu verkaufen?
Und wenn dann noch mit zweierlei Maß gemessen wird, je nachdem um was für Betäubungsmittel es geht, wie der von der FAZ zitierte Experte Fritz Sörgel sagt, wundert man sich eigentlich nur noch:
“Warum Red Bull Cola verbieten, wenn man zum Beispiel den Stoff Octopamin, der auf der Verbotsliste der Dopingstoffe steht und der im Körper zu einem amphetaminartigen Stoff umgebaut wird, in Nahrungsergänzungsmitteln zulässt?”
Manche Drogen scheinen gleicher als gleich zu sein – aber das wundert ja nicht weiter in Zeiten, in denen Alkohol und Zigaretten zwar zunehmend verteufelt, aber wenigstens nicht verboten werden, während man sich bei anderen Drogen ziemlich mädchenhaft anstellt.
Fazit: Es müssen Regeln her, die sich mehr an der Realität orientieren, statt an offensichtlich willkürlichen und wahrscheinlich viel zu eng gezurrten Grenzwerten. Dass die Inhaltsstoffe bei Waren, die auf Naturprodukten basieren, nunmal schwanken können, ist eigentlich eine Binsenweisheit und sollte in Zeiten, in denen man sonst überall gerne BIO draufschreibt, bitteschön auch von den Kontrollbehörden und deren Regelngebern zur Kenntnis genommen werden. Drogen sind nichts grundsätzlich Böses, solange sie nicht falsch benutzt, bzw. missbraucht werden. Letzteres ist mit Kokain vermutlich relativ leicht möglich und wer Koks konsumiert läuft – dass glaube ich jedenfalls noch aus dem Biologieunterricht zu wissen – Gefahr, relativ schnell von der Phase des reinen Konsums in eine Phase des Missbrauchs zu geraten.
Für die in Red Bull Cola gefundenen, mikroskopischen Mengen Kokain gilt das nicht. Die Grenzwerte taugen nichts, sie schaffen nur Probleme und sinnlose Kosten und haben sogar dazu geführt, dass man den Bürger vor einer wohl nur in Bürokratengehirnen existenten Gefahr meint schützen zu müssen.
Wem – außer den Analyseinstituten und ein paar Gesundheitsbeamten, die sich mit so einem Unfug ihre Brötchen verdienen können – ist damit geholfen?
Comments
4 Responses to “Was ist von einem solchen Betäubungsmittelgesetz zu halten?”
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Mai 26th, 2009 @ 00:30
Also zunächst mal kann ich verstehen, dass Dir die Maßnahme auf den ersten Blick merkwürdig vorkommt.
Nichtsdestotrotz ist Kokain eine ernst zu nehmende Gefahr für die Gesundheit und eine Droge, mit der nicht zu spaßen ist. Ich kann daher nachvollziehen, dass die Aufsichtsbehörden allergisch reagieren. Und daneben werden Grenzwerte ja nun wahrlich nicht völlig willkürlich gesetzt.
Ich finde es persönlich gut, als Konsument sicher zu sein, kein Kokain in meinen Lebensmitteln zu haben.
Mai 26th, 2009 @ 00:49
Ne also so einfach ist das nicht. Es gibt wahrscheinlich Millionen Stoffe, die in bestimmten Dosen gesundheitsschädlich oder gar tödlich sind und trotzdem nicht verboten sind. Die dort festgestellte Menge ist jedenfalls weit von beidem entfernt, deine Argumente treffen also überhaupt gar nicht zu in diesem Fall. Das lässt nur den Schluss zu, dass 1. die Grenzwerte übertrieben sind und 2. die vom Gesetz vorgesehene Konsequenz eine Überreaktion ist, die jetzt großen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht, einen Teil der Verbraucher verunsichert oder in Panik versetzt und einen anderen Teil der Verbraucher einfach nur nervt. Und das just for fun.
Gegen das sicher sein, was in dem Zeug drin ist, dass ich zu mir nehme, habe ich auch nichts. Dazu würde ein entsprechender Hinweis dann doch wohl auch genügen.
Der Grund für die festgestellten Schwankungen ist eben auch der, dass Red Bull eine besonders auf Naturprodukten basierende Cola und nicht so ein künstliches Zeug wie manch anderer Hersteller anbieten wollte. Angesichts einer ansonsten schonmal ziemlich eigenartige Blüten treibenden Bio-Hysterie kann ich solche Reaktionen der Behörden eigentlich nur für ziemlich inkonsequent halten. Bio bedeutet doch fast automatisch, dass man mit Perfektion nicht unbedingt rechnen sollte.
Mai 27th, 2009 @ 12:29
Von was für einem Grenzwert redet ihr da eigentlich? Habt ihr irgendwo Informationen (Link?) über einen Grenzwert? Soweit ich weiß, verbietet das BTM-Gesetz den Stoff. Punkt. Und wenn es eben nur ein Molekül pro Liter wäre, das man nachgewiesen hat.
Mai 27th, 2009 @ 12:34
Man darf wohl Coca verwenden, wenn man das Kokain daraus entfernt. Das geht aber offenbar nur bis zu einem bestimmten Genauigkeitsgrad, weil die Natur eben nicht perfekt ist.
Mit Grenzwert meine ich hier aber den Punkt, ab dem die Menge Einfluss auf die Gesundheit hätte.