Grüne Jugend für Einführung der Marktwirtschaft
Posted on | Mai 27, 2009 | 6 Comments
Die Grüne Jugend hat die Lösung für die Lösung der Probleme der Milchbauern:
“Um faire Preise für die Bäuerinnen und Bauern garantieren zu können, brauchen wir ein flexibles, an der Nachfrage orientiertes System der Milchmengenregulierung.”
Die GJ sagt also durch die Blume: “Wir brauchen Marktwirtschaft.” – Denn die ist ja nunmal direkter an der Nachfrage orientiert, als es jede Planwirtschaft je sein könnte. Schön, dass man so etwas auch mal von unerwarteter Seite hören darf.
Die Forderung, Exportsubventionen abzuschaffen, teile ich übrigens auch. Ein Fahnenwechsel meinerseits ist trotzdem nicht zu befürchten, denn definitiv nicht teilen kann ich Unsinn wie diesen:
“Wir fordern nur noch die ökologische, nachhaltige und artgerechte Landwirtschaft zu fördern.“
Klar, wenn die Ideologie das Sagen hat, macht der Verstand pause – aber es muss doch selbst den richtig verbohrten Ökos unter den Grünen auffallen, dass es wenig sinnvoll ist, eine heute als Missstand erkannte Praxis unter bestimmten Bedingungen fortzuführen – und damit die gleichen Probleme neu aufzubauen. Die Nachfrage nach Bio- und Ökoprodukten scheint mir auch keineswegs unterentwickelt zu sein
Comments
6 Responses to “Grüne Jugend für Einführung der Marktwirtschaft”
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Mai 27th, 2009 @ 20:06
Wenn Du artgerechte Landwirtschaft als ideologisch ablehnst, zeugt das von einem ebenso ideologischen Martkradikalismus.
Mai 28th, 2009 @ 01:06
Nö, er fordert im Gegenteil sehr deutlich, die landwirtschaftliche Produktion jeweils der staatlich ermittelten Nachfrage anzupassen, damit die Preise in einem von der Regierung festzulegenden Preisrahmen bleiben. Das ist zentrale Planwirtschaft für Anfänger. Da das wegen der kombinierten Trägheit bürokratischer Prozesse (Ermittlung, Prüfung, Verordnung, Durchführungsverordnung, …) und wirtschaftlicher Investitionen (Schweinezyklus) nicht funktionieren kann, ist der nächste Schritt dann die gesetzliche Festlegung der Preise.
Mai 28th, 2009 @ 01:08
Ähem, “er”, ähem, also die Grüne Jugend. Es ist spät.
Mai 28th, 2009 @ 13:18
@ “Anonym”: Was immer “artgerechte Landwirtschaft” sein mag – ich lehne sie, vermutlich, nicht ab. Im Gegenteil: Ich finde es okay, wenn jeder seine Erbsen so pfückt, wie er Bock hat und jeder nur die Steaks kauft, deren Erzeugung er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Ich lehne allerdings Subventionen ab, weil sie genau die Probleme verursachen, mit denen wir heute überall zu kämpfen haben.
Es ist ein entscheidender Unterschied, ob man etwas mit dem Geld anderer Leute nicht fördern will oder es ablehnt!
@ califax: So magst du es sehen aber nichts reguliert die Nachfrage so effizient wie der Markt und ich gestehe auch der Grünen Jugend zu, dass zu erkennen.
Mai 29th, 2009 @ 02:05
Jan, Du kannst ja gerne so viele Zugeständnisse machen, wie Du willst, aber bei politischen Kampfaussagen stellt sich immer erstmal die Frage: WEM wird WAS versprochen?
Im vorliegenden Falle heißt das: Was verspricht die GJ “Bäuerinnen und Bauern”(1)? Wer ist das eigentlich? Wohl kaum die effizienten Großproduktionsbetriebe in Brandenburg, eher wohl die protestierenden Alpenbauern. Was versteht die angesprochene Clientel unter fairen Preisen, im Hinblick darauf, daß echte Marktpreise unterhalb der Produktionskosten vermutlich aller kleinen Milchbetriebe liegen?
Was ist Zweck, was ist Mittel im Versprechen?
Zweck ist die staatliche Garantie dessen, was politisch, und speziell von den protestierenden Bauern, als fairer Preis betrachtet wird. Mittel ist ein System der Milchmengenregulierung, bei dem der Einfluß der Nachfrage beachtet wird, also eine hochfrequent angepaßte staatlich verordnete Produktionsmenge für jeden Betrieb, die sich an staatlichen Verbrauchsstatistiken orientiert und festgelegte Wunschpreise durchsetzen soll.
Das ist Planwirtschaft. Zentrale Planwirtschaft auf EU-Ebene.
(In der Nähe dieser Forderung wird sich vermutlich noch eine schöne Verklausulierung einer Nachfrageregulierung finden. Es darf ja nicht sein, daß der Kunde böse Milch trinkt. Es muß schon gute, teure, antroposophisch und astrologisch unbedenkliche Feng-Shui-Milch sein. Das Zeitalter der Aufklärung ist vorbei. Mit den Grünen als Avantgarde marschieren wir volle Pulle zurück in den Aberglauben.)
(1) Als ob das Geschlecht bei den Bauern einen Unterschied machen würde und nicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Zwänge und Interessen. Aber Frauen sind bei den Grünen halt keine richtigen Bauern. Sonst müßte man sie nicht immer extra erwähnen. Als Kompliment: “Oh, die können manchmal auch arbeiten, jaja!”.
Mai 29th, 2009 @ 10:16
Naja, du interpretierst jetzt auch mehr rein, als da steht. Ich wollte ja mit meinem Artikel mitlesende Planwirtschaftler mit der Nase darauf stoßen, dass die GJ hier im Prinzip freien Markt fordert. Dass die vielleicht trotzdem eine andere Zielsetzung haben, ignoniere ich – und ich denke auch nicht, dass man meinen Artikel ernsthaft als Werbung für die Grüne Jugend verstehen kann. Wenn doch, dann von Leuten, denen eh nicht zu helfen ist.
Nach meiner Definition ist ein fairer Preis genau der, den der eine zu zahlen und der andere zu akzeptieren bereit ist. Das ist natürlich die marktradikale und total sozialfeindliche Variante, immerhin fehlt jeglicher Zwang auf beiden Seiten.