Telefonverbot für CDU-Mitglieder!
Posted on | Juni 23, 2009 | 6 Comments
Gegen Unionspolitiker muss endlich härter durchgegriffen werden! Seit Jahren scheint dort kaum noch jemand Politik zu machen, es wird nur noch die Freiheit der Menschen eingeschränkt – vornehmlich der jungen Menschen (weil die eh nicht CDU wählen).
Der jüngste Vorstoß beispielsweise nach dem man junge Straftäter vom Internet abschneiden will, schreit doch geradezu nach einer passenden Analogie. Denn auch wenn Menschen mit CDU-Mitgliedschaft sich das offenbar nicht vorstellen können, sind Internetzugänge eben nicht vornehmlich Werkzeuge für Kriminelle, sondern für viele Menschen exakt dass, was Briefpost, Telefone, gedruckte Zeitungen oder Fernsehsendungen für CDUler sind.
Wer für Internetverbote eintritt, tritt gegen Meinungs- und Pressefreiheit ein. Denn gerade junge Menschen nutzen das Internet ja oft nicht als Ergänzung althergebrachter Kommunikationsmittel, sondern ganz primär.
Mir würde ohne Internet zum Beispiel jede Kontaktmöglichkeit zu vielen Menschen, mit denen ich zwar häufig zu habe, deren Postadresse ich aber nichtmal kenne, genommen werden. Nebenbei ginge ein relevanter Teil meiner Arbeitsmaterialien und Dokumente, Terminkalender und Adressbuch verloren. Von der Möglichkeit, mal schnell Telefonnummern, Landkarten, Bahnverbindungen oder auch nur das olle Fernsehprogramm nachzuschlagen, ganz zu schweigen.
Dem kann man entgegen halten, dass Strafen ja schließlich weh tun sollen – aber wenn sie einen großen Teil des Arbeits- und Privatlebens plus etwaigem ehrenamtlichen Engagements, für das man meist auch einige Kontakte benötigt, quasi lahmlegen, dann dürfte dass jawohl ein gutes Stück übers Ziel hinaus geschossen sein.
Ich will nicht ausschließen, dass etliche CDUler beim Gedanken an solche heftigen Maßnahmen vielleicht sogar so richtig das Sabbern kriegen, trifft ja schließlich eh nur diese verrückte, nervige, verblödete Jugend.
Vermutlich macht sich die Partei der Internetausdrucker aber größtenteils einfach keine Vorstellung davon, welche wirklich nützlichen und kein bisschen bösen Möglichkeiten das Internet bietet und wie es eben gerade von Jungen Menschen halt aktiv genutzt wird. Dazu passt, dass stundenlange Internetnutzung von unserer geliebten Regierung inzwischen allen Ernstes als “Sucht” identifiziert wird.
Ist natürlich nur folgerichtig: Nach Vorstellung dieser Truppe von Hinterwäldlern sind echte Inhalte und wirklich nützliche Anwendungen eher die Ausnahme im Internet. Für sie scheint es dort geradezu zu wimmeln vor Bombenbauplänen und Terroristen. In den Augen der CDU ist der Hauptzweck des Netzes das illegale Herunterladen von Musik und Filmen oder allenfalls das Führen von “Tagebüchern mit Katzenbildern” (=Blogs), nicht zu vergessen Milliarden von Kinderpornos und gewaltverherrlichenden Medien aller Art (selbst “Killerspiele”!) und wann immer noch ein Beispiel für die absolute Sinnlosigkeit des Internet gebraucht wird, wird sofort auch noch Twitter genannt, weil sowas profanes doch kein Trend sein darf (die Diskussionen dazu erinnern mich übrigens ein wenig an das anfängliche Unverständnis der SMS gegenüber, inzwischen wird Deutschland quasi per SMS regiert, immerhin wie das geht haben einige inzwischen geschnalltauf Wunsch der Chefin schnallen müssen). Wer sich mit solchen Sinnlosigkeiten, abartigem und illegalem Zeug viele Stunden am Tag befasst, der muss ja krank sein!
Wen wunderts da, wenn dem zwangsweisen Abschneiden vom Internet heilsame Wirkungen zugetraut werden?
Mein Schluss daraus ist jedenfalls der, dass CDU-Politiker offensichtlich die Realität von Haus aus verzerrt wahrnehmen. Man sollte sie deshalb mit diesen Meldungen, die diese armen Menschen völlig verwirren und aus der Fassung bringen, verschonen. CDU-Mitglieder sollten Zeitungs- und Telefonverbot bekommen und bei der Post könnte eine Filterungsstelle für Briefe an CDU-Leute eingerichtet werden, die die gesamte Post schädliches, potenziell freiheitsfeindliche Einstellungen und Entscheidungen provozierendes Material untersucht.
Das ist zwar sehr, sehr unliberal – aber eine freie Gesellschaft, die sich nicht gegen ihre übelsten Feinde wehrt, hört irgendwann auf, frei zu sein. Und wer selbst vor Zensur nicht zurückschreckt, sollte sich sowieso nicht wundern, von den Menschen als Gegner von Bürgerrechten und Verfassung und der Freiheit des Einzelnen angesehen zu werden.
Comments
6 Responses to “Telefonverbot für CDU-Mitglieder!”
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Juni 23rd, 2009 @ 11:25
Die großen Volksparteien vergraueln ihre jungen Wähler immer mehr. Ein gutes hat es hoffentlich, dass jetzt auch jeder Jugendliche merkt das Politik wirklich uns alle betrifft! Und mit, ist mir egal betrifft mich nicht, endlich aufhört. Wenn sich diese Jungenleute erstmal aufrappeln, können sich die Staatsdiener warm anziehen! Denn es wird immer cooler sich zu angagieren, siehe Berlin und Tempelhof, so schnell ist eine Stadt fast lahm gelegt……
Jedenfalls, wird mit solchen Humbug es jedem Politiklehter leicht gemacht die Jugendlcihen zu erreichen.
Juni 23rd, 2009 @ 20:03
Super Artikel – den werd ich gleich mal twittern!
Juni 26th, 2009 @ 22:23
Wow, es ist wirklich immer toll, wie du hier ausführlich schreibst. Respekt dafür, das Lesen macht immer einen Riesenspaß!
Viele Grüße
Juni 28th, 2009 @ 11:41
Super geschrieben und vorallem sehr passend.
Juni 28th, 2009 @ 12:02
An die drei letzten hier mal ein schnelles “Vielen Dank” für das Lob und weiterverbreiten!
Und an den Lord: Ja, da haste irgendwo Recht, ich hoffe allerdings dass sich das politische Engagement nicht in linksradikal motivierten Mobs erschöpft, sondern in erster Linie mehr (gerne auch, aber natürlich und vor allem nicht nur junge) Leute anfangen, Sachen zu hinterfragen und sich endlich eine gesunde Skepsis gegenüber unseren Gesetzgebern zulegen. Ich glaube ein Mangel daran ist in Wahrheit oft des Pudels Kern.
September 7th, 2009 @ 16:40
Kann ich dir nur zustimmen Jan.