Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Piratenjagd im Kino

Posted on | Juli 24, 2009 | 5 Comments

“Wer den neuen Harry-Potter-Film genießen will, muss offenbar damit rechnen, überwacht zu werden. Sicherheitsleute kontrollierten im Auftrag des Verleihers Zuschauer in zehn deutschen Kinos mit Nachtsichtgeräten. Das soll Filmpiraten abschrecken. Datenschützer ermitteln, ob diese Praxis legal ist.”

lesen wir in der Welt. Und ich frage mich: Warum um alles in der Welt sollte denn so etwas nicht legal sein? Jeder olle Supermarkt hat Kameras oder sogar Ladendetektive, die sozusagen die Einhaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und letztlich auch geltender Gesetze überwachen, indem sie die Kundschaft beobachten. In diesem Fall wird noch nicht einmal etwas aufgezeichnet – wo ist das datenschutzrechtliche Problem?

Ob sich Kinos, die so etwas in Kauf nehmen, um bestimmte Filme zeigen zu dürfen, einen Gefallen damit tun, ob das Ganze wirklich verhältnismäßig ist und sich Filmverleiher Warner, auf dessen Betreiben die Kino-Detektive unterwegs sind, nicht völlig zum Gespött unter Filmfans macht, wenn er meint seine wichtigste Zielgruppe mit solchen Mitteln überwachen zu müssen, steht auf einem anderen Blatt.

Verglichen mit anderen datenschutzrechtlichen Sauereien, beispielsweise jene der deutschen Bundesregierung, ist der Preis, dass ein paar Detektive checken, ob ich meinen Camcorder zuhause gelassen habe, doch ein Witz.

Aber mal was anderes: Wie sinnvoll ist eigentlich die Bezeichnung “Pirat” für Leute, die ihre Lebenszeit für das Mitfilmen im Kino verschwenden, nur damit andere sich die dann in völlig beschissener Qualität irgendwo aus dem Internet saugen können? Sind Piraten nicht normalerweise blutrünstig oder wenigstens gierig? Man sollte mal über eine treffendere Bezeichnung nachdenken. Wie wärs mit Urheberrechtsverletzer? Klingt wahrscheinlich zu harmlos.

Comments

5 Responses to “Piratenjagd im Kino”

  1. Christian S.
    Juli 24th, 2009 @ 23:12

    In diesem Fall wird noch nicht einmal etwas aufgezeichnet – wo ist das datenschutzrechtliche Problem?

    Leicht zu beantworten: man muss über Kameraüberwachung informiert werden, sie darf nicht geheim erfolgen.

  2. Jan
    Juli 24th, 2009 @ 23:40

    Aber es geht ja hier weder um Kameras, noch fehlt so eine Information in diesem Fall, denn es hat wohl Schilder gegeben.

  3. StitchJones
    Juli 25th, 2009 @ 09:26

    Das mag durchaus legal sein, unappetitlich ist es aber schon.

  4. califax
    Juli 26th, 2009 @ 02:23

    Nach deutschem Recht muß sowas gekennzeichnet werden.
    Da weiß man dann gleich, welche Kinos man in Zukunft durch DVD (oder Blue Ray) mit großem Schirm und Surround-Anlage ersetzen möchte. Die Hardwareinvestition amortisiert sich dank Globalisierung verblüffend schnell. Insbesondere, wenn der dazu eingeladene Besuch Getränke und Knabberzeuch mitbringt. Das ist sozusagen eine privatwirtschaftlich finanzierte volkspädagogische Maßnahme zur Förderung bleibender cineastischer Werte und sozialer Kontakte.
    Das kann man nur begrüßen.

  5. Jan
    Juli 26th, 2009 @ 16:31

    Ich sag ja: Im Grunde genommen schaden sich die Kinobetreiber höchstens selbst, bloß wenn halt ein Verleiher so etwas zur Bedingung macht, ist es schwierig. Auf das Zeigen eines Harry Potter zu verzichten dürfte eine ziemlich schmerzliche Alternative darstellen.

    Vor die Wahl gestellt würde ich solche Kinos wohl meiden – allerdings ist das Kino meines Vertrauens ohnehin ein ganz kleiner aber feiner Laden, so richtig old school mit Getränkeservice – und dafür halt technisch und leinwandgrößenmäßig eher moderat. Ich gehe davon aus, dass diese Detektivspielchen eher große Kinos betreffen (im Artikel war ja die Rede davon, dass einige ausgewählte so untersucht werden und das scheinen nur große zu sein), weshalb unser Kleinstadtkino wahrscheinlich verschont bleibt.

    Trotzdem bleibts dabei: Wenn drauf hingewiesen wird, dürfte so eine Aktion völlig legal sein und datenschutzrechtlich sowieso unbedenklich. Nur die Strategie, den Kunden so richtig auf die Nerven zu gehen, die wird sich meines Erachtens nicht unbedingt als gut erweisen.

Leave a Reply





Protected by WP Anti Spam
  • Löffel voller Weisheit

    Sozialismus ist ein Überfluss an Staat. Das bleibt dann der einzige Überfluss. — Roland Baader

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site