Aug 05 2009
Abwrackprämienbeschiss
“Bis zu 50.000 in Deutschland abgewrackte Fahrzeuge sollen demnach illegal ins Ausland verkauft worden sein – obwohl sie in Deutschland verschrottet werden sollten. “Organisierte Recycler machen hier Geschäfte”, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Wilfried Albishausen der Zeitung zufolge. “Fünf bis zehn Prozent” der bisher angeblich verschrotteten Fahrzeuge seien nach Afrika und Osteuropa transportiert worden.”
…und erleichtern dort Menschen das Leben – tja. Zur Beruhigung: Nen neuen VW hätten die sich voraussichtlich eh nicht leisten können.
Das Gesetz zur Abwrackprämie und seine Auswirkungen dokumentieren für mich, in was für einer verschwenderischen Überflussgesellschaft wir im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt leben: Was dort als willkommener und bedeutender Fortschritt gilt, sollte hier steuerlich gefördert in Schrott verwandelt werden. Wer das moralisch falsch findet sollte sich vielleicht umgehend eine Kampagne gegen der Bekleidungsindustrie schadende Altkleidersammlungen ausdenken.
Dass die Abwrackerei zudem eine ziemliche Ressourcenfrevelei ist, ist ja auch klar – mit der sonst so hochgejubelten Umweltfreundlichkeit hats jedenfalls nichts zu tun, auf Krampf Autos produzieren zu wollen, die ohne Zuschuss von 2500 Euro pro Stück kein Mensch gebraucht hätte.
Es ist natürlich illegal, wenn da getrickst und quasi doppelt Geschäft mit gemacht wird aber dass so etwas halt auch geschieht überrascht doch nicht. Letztlich handeln die Beteiligten auch nur nach ihrem gesunden Menschenverstand – der sich freilich nicht immer mit besonders abenteuerlich-absurden Gesetzen vereinbaren lässt.
Das Problem liegt damit auf der Hand: Manche Menschen ziehen in besonders haarsträubenden Fällen offenbar den Gebrauch ihres Verstandes der Unterwerfung unter ein saublödes Gesetz vor. Wie ärgerlich.
8 Kommentare



Legal, illegal, scheißegal?
Wenn die angewrackten Autos als Ganze exportiert werden ist es illegal. Wenn die Einzelteile nach erfolgtem Zerlegen exportiert werden ist es legal. In Afrika bauen sie aus den Einzelteilen wieder ganze Autos. Das Endergebnis ist gleiche. Also was soll die Aufregung. Immerhin hat es der Bund Deutscher Kriminalbeamter so mal wieder in die Schlagzeilen geschafft…
“Legal, illegal, scheißegal?
”
Ein bisschen schon. Zumindest bin ich geneigt die Verweigerungshaltung in Sachen staatlich befohlener Zerstörung als nachvollziehbaren Akt des zivilen Ungehorsams zu werten aber dass die Behörden dem trotzdem nachgehen und damit verbundene Straftaten verfolgen müssen versteht sich von selbst.
Marc: Das Endergebnis ist nicht das Gleiche, es dürfte deutlich teurer sein, ein Auto auseinander- und wieder zusammenzubauen als es gleich im Ganzen zu verkaufen.. Irrsinn bleibt das alles trotzdem.
Jan: Den Kosteneffekt durch das Auseinander- und Wiederzusammenschrauben hab ich in der Tat vernachlässigt… man könnte es ja unter staatlichgeförderter Beschäftigungstherapie ablegen.
Vorhin war der BDK-Chef im Radio und erklärte das Zustandekommen der Zahl von 50.000 Betrugsfällen: Es sind Schätzungen die auf Ergebnissen der Dunkelfeldforschung beruhen… nun ja, das BAFA nannte dagegen die Zahl von bisher unter 100! Betrugsfällen. Davon abgesehen, dass ich es verstehen würde, wenn die Schrotthändler sowas machen würden, hören sich die Zahlen des BDK für mich sehr nach “aus der Hüfte geschossen” an.
Wie dass eben so ist mit Zeitungsmeldun;)
[...] Osteuropa oder sonst wo. Aber damit will ich es jetzt auch belassen. Verweiße noch auf den Artikel Abwrackprämienbeschiss beim Filterblog und meinen Artikle zu Cash for Clunkers. Share this Diese Icons verlinken auf [...]
Was ich noch sagen wollte: Danke, für mein neues Auto!
Gerne. Dabei war das Wahlkampfgeschenk bei dir so überflüssig, wählst doch eh wieder SPD;)