Treffer, versenkt
Posted on | August 22, 2009 | 42 Comments
“Auch die Tatsache, dass die SED dieselbe Partei geblieben ist und lediglich den Namen zunächst in PDS geändert und nach der Fusion mit der WASG den Namen DIE LINKE. angenommen hat, reicht nicht als Begründung dafür aus, sich nicht endlich von dem Fehlverhalten der SED zu distanzieren.”
sagt Niedersachsens FDP-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl Carl-Ludwig Thiele zu einer erneuten Relativierung des ostdeutschen Unrechtsstaates durch einen hohen SEDDie-Linke-Politiker. In diesem Fall war es Lothar Bisky, also der Vize-Parteichef der Kommunisten in Deutschland, Europaparlamentarier und Vorsitzender der europäischen Kommunistischen Partei (mehr dazu hier). Gesagt soll er haben, die DDR (beziehungsweise dass in Ihr geschehene Unrecht) sei doch bitteschön im “internationalen Kontext” zu sehen…
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Interessante, wenn auch nur indirekt damit zu tun habende Information in diesem Zusammenhang: Carl-Ludwig Thiele wird übermorgen um 14 Uhr mit seinem “Thielemobil” meine kleine Stadt, genauer gesagt ihren Schlossplatz, besuchen.
Comments
42 Responses to “Treffer, versenkt”
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August 24th, 2009 @ 23:33
So ist Politik: Die einen lenken von ihrer dunklen Vergangenheit ab und die anderen malen die Zukunft in rosarot, pardon: gelb
August 25th, 2009 @ 23:23
Und ich dachte schon, daß hier behauptet werden sollte, daß es den FDP-Wahlkampfstrategen um Aufklärung des SED-Unrechts gehe. Natürlich geht es in Wahrheit um Stimmungmache gegen die Linkspartei und um Stimmenfang für die FDP. Und was ist eigentlich aus den Blockflöten-Liberalen geworden?
August 25th, 2009 @ 23:35
Es geht darum deutlich zu machen, dass eine Namensänderung eine Partei nicht ändert und dass es sich um Kommunisten handelt. Das scheint mir wichtig zu sein denn vielen Bürgern scheint kaum noch bewusst zu sein, dass die SED nach wie vor existiert.
Es freut mich, dass du dir Gedanken um das von der SED verursachte Unrecht machst. Dass die ehemalige DDR-Regierungspartei allen Läuterungsbeteuerungen zum Trotz selbst so wenig dazutut ist ja bezeichnend.
“was ist eigentlich aus den Blockflöten-Liberalen geworden?”
Keine Kommunisten, offensichtlich.
Was ist eigentlich aus dem SED-Vermögen geworden?
August 27th, 2009 @ 00:12
Die Blockflötenparteien waren Mitmacher. Eine Kleinigkeit also?
Wieviel die Linkspartei zur Aufklärung über begangenes Unrecht beiträgt, kann ich umfassend nicht beurteilen. Jedenfalls gibt es bei den Linken heute auch viele ehemalige SPDler und Leute aus den Gewerkschaften als “Westimporte”, so daß man nicht platt einfach von “den Kommunisten” sprechen kann. Und vergessen wir nicht, der frühere Bundeskanzler Kiesinger war einst Mitglied der NSDAP. Nicht jedes Mitglied der SED war auch gleich ein “böser Mensch”.
August 27th, 2009 @ 00:23
Es ist schon ein Unterschied, ob man die Verbrechen von damals relativiert und verharmlost oder sie im Nachhinein verurteilt. Letzteres begegnet mir bei Kollegen aus dem Osten oft (nur ein Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=vVQUP56vHYo), ersteres bislang kein einziges Mal. Bei den Kommunisten ist es andersrum, auch heute noch.
Die Linke begreift sich doch selbst als kommunistische Partei, will den Sozialismus einführen, den Kapitalismus abschaffen, aus der Marktwirtschaft aussteigen. Ich habe dafür keinen anderen Begriff und da diese Partei sogar den Vorsitzenden der Europäischen Kommunistischen Partei stellt, erscheint er mir auch nach deren Lesart angebracht zu sein und Kiesinger hätte ich genausowenig gewählt, wie ich auch nur irgendwas für diese Todesstreifenfans übrig habe.
August 27th, 2009 @ 10:53
Wenn westdeutsche Trotzkisten, Stamokapler, K-Gruppler und die Ex-Kader Stasi-geführter Organisationen wie z.B. der “Deutschen Friedensunion” in die SED eintreten, ist das der Eintritt von Kommunisten in eine kommunistische Partei.
Es gehört zu den Pflichtlügen der linken Szene, das Aussprechen der offensichtlichsten Tatsachen als “platt” oder “dumpf” zu etikettieren.
Nur ändert sich ja dadurch die Realität nicht.
Kommunisten verschiedener ehemals verfeindeter Sekten vereinigen sich wieder in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die ihren Anspruch als Alleinvertretung aller “legitimen”, sprich: marxistischen, linken Kräfte auch gleich wieder im Namen kundtut, in dem sie sich den Namen der ganzen politischen Szene gibt.
Man hätte sich genauso deutlich auch wieder Einheitspartei nennen können.
Das hätte nur ein wenig beim Lügen gehindert.
Und daß es Kommunisten inder SPD gab, ist nun wirklich keine Überraschung. Leute wie die Drohsel sind ja immer noch dort.
August 28th, 2009 @ 23:06
@ Jan
Vergangenheitsaufarbeitung ist okay, Wahlkampfgetöse aber nicht. Wie die DDR nun “wirklich” war, können wir Wessis vielleicht gar nicht recht wissen. Tatsache ist doch aber, daß Die Linke im Osten den Status einer Volkspartei hat.
Kiesinger hätte ich wohl auch nicht gewählt, aber im Prinzip sollte man eben jedem eine Chance geben. Wenn man das bei Kiesinger getan hat, gilt das auch für die Linkspartei, ob einem deren politisches Programm im einzelnen nun gefällt oder nicht.
@ califax
Wer ist schlimmer, westdeutsche Trotzkisten, Stamokapler, K-Gruppler oder Kommunistenhasser? Auf jeden Fall ist es wichtig, daß solche Spinner nicht an Einfluß gewinnen.
August 28th, 2009 @ 23:25
@Markus: Was ist schlimmer – Der Massenmord an 100 Millionen Menschen und die Versklavung ganzer Länder oder das Eintreten für Menschenrechte?
Jetzt mal deutlich nach diesem unsäglichen Revisionismus gerade: Wie verkommen und verbrecherisch muß man eigentlich drauf sein, um wie Du so eine Mörderbande zu verteidigen?
Wie maßlos arrogant und dumm muß man sein, um sich derartig mit einem Gesindel zu prostituieren, daß mehr Tote auf dem Gewissen hat als die Nazis?
Und was für ein Mensch bist Du mit welchen Moralvorstellungen, daß Du allen Ernstes solche Propaganda von Dir gibst und 100 Millionen Tote und unzählige GULAG-Opfer dermaßen zu verhöhnen und den Hinterbliebenen der Toten so ins Gesicht zu rotzen?!
Wer hat Dich dermaßen ins Gehirn geschissen, daß so ein Grünschnabel wie Du, so ein reiches, blasiertes Wessikindchen solche Sprüche abläßt?!
Mein Gott, Du solltest vielleicht tatsächlich mal einen Beuch in Nordkorea oder in einem kubanischen Knast absolvieren, um Dich und Dein blasiertes Rotfaschistengesülze wenigstens ein einziges mal im Leben mit der Wirklichkeit eurer Opfer zu konfrontieren.
August 29th, 2009 @ 17:12
Califax, das war n bisschen doll, ne? Ich finds nicht gut dermaßen über Leute zu urteilen, sofern du Markus nicht besser kennst als ich. Kritik kann man auch sachlicher und weniger persönlich äußern. Ich verstehe Markus’ Ansichten auch nicht aber wenn ich jedem unterstellen würde, jemand hätte ihm “ins Gehirn geschissen”, den ich nicht verstehe, dann dürfte ich mich nur noch mit sehr langweiligen Leuten unterhalten. Ich kann verstehen, wenn dir die Verharmlosung der Untanten der realexistierenden Sozialisten an die Nieren gehen aber ich möchte dich trotzdem bitten, sachlicher zu argumentieren und möglichst nicht persönlich.
Markus,
was soll dass heißen, wir könnten nicht wissen, wie die DDR war? Es gibt wunderbare Museen, die zum Beispiel den “antifaschistischen Schutzwall” sehr lebensecht rüberbringen und auch die ganzen unterdrückten Freiheitsbestrebungen. Wenn man weiss, dass DDR-Bürger einfach über den Haufen geschossen worden sind, weil sie die Frechheit besessen haben, das Land verlassen zu wollen, was außer diesen Tatsachen brauchst du, um den Sozialismus als großen Irrweg zu erkennen?
Und: Habe ich es richtig verstanden, dass du es in Ordnung findest, wenn Nazis/Exnazis oder andere Arschlöcher etwas zu sagen haben? Anders gefragt: Weil es im Prinzip schon sehr grenzwertig und aus heutiger Sicht unvorstellbar war, dass jemand mit NS-Vergangenheit Bundskanzler werden konnte, müssen wir dass also jetzt bei jedem dahergelaufenen Idioten auch ertragen?
Sorry, nicht mit mir.
August 29th, 2009 @ 23:07
@ Jan
Mir gefällt nur die heute immer noch mitschwindende Besserwisserei der “Wessis” über die DDR nicht, diese Schwarz-Weiß-Malerei, das “Reich des Guten” hier, das “Reich des Bösen” dort. Selbstgerechte Typen wie califax spielen sich dann auf und sind so intolerant Andersdenkenden gegenüber, wie es nur die “bösen Kommunisten” sein können.
Sicherlich hast du recht, wenn du Vergehen der SED-Diktatur anklagst, aber das heißt nicht, daß alle SED-Mitglieder dafür verantwortlich zu machen sind. Eine Kollektivschuld gibt es nicht. Es waren ja auch nicht alle Deutschen Nazis. Und was Kiesinger angeht, müssen wir die Zeitumstände beachten. Ein Mittäter war er aber wohl nicht. Günter Grass war zudem Mitglied der SS. Ist er deshalb grundsätzlich zu verurteilen? Woher wollen wir “Grünschnäbel” das wissen?
Und was hat das Ganze mit der Linkspartei zu tun? Wofür steht diese heute? Etwa für die Wiedererrichtung der DDR? Wenn Gysi und Lafontaine hier und heute die Politik der FDP unterstützten, würde kein Hahn nach der SED-Vergangenheit krähen. Morgen sind ja Wahlen, lassen wir die Wähler ihr Urteil sprechen!
August 29th, 2009 @ 23:17
Es sind und bleiben Kommunisten und die haben in dieser Welt wirklich genug Gräuel angerichtet, als dass sie oder ihre Ansichten auch nur den Hauch einer Chance verdient hätten. Mir ist einerlei, ob diese Herrschaften offen für die Wiedereinrichtung der DDR oder Ähnliches eintreten denn was sie politisch vor haben würde so oder so genau dorthin führen, ob dass nun geplant ist oder nicht.
Letztlich geht es aber doch darum, dass immer und immer wieder Politiker dieser Partei DDR-Unrecht verharmlosen, relativieren und entschuldigen. Sowas geht nunmal überhaupt nicht.
August 31st, 2009 @ 11:40
Wer ist hier selbstgerecht? Wer setzt einen bereuenden Aussteiger wie Grass mit bekennenden linientreuen Kommunisten gleich?
Wer ist hier der besserwissende Wessi?
Markus, ich kenne diese Schweine, die Du so anhimmelst aus der DDR. Ich kenne deren Denkweise. Das sind Menschenfresser und Du bist ein Mitläufer und Revisionist der scheinheiligsten und realitätsfremdesten Sorte.
September 1st, 2009 @ 00:15
@ califax
Ich himmel niemanden an, sondern bin nur für eine sozialere Politik als die gegenwärtige. Aber wieso die politischen Linken “Schweine” und “Menschenfresser”?
@ Jan
Die Politik, für die die Linkspartei heute eintritt, hat mit Kommunismus nichts zu tun. Über die Leichen, die der Kommunismus und der Kapitalismus im Keller haben, muß man freilich streiten.
September 1st, 2009 @ 11:24
califax meint vermutlich mit “politisch Linken” vor allem Leute, die von einem extremen Vertrauen in den Staat besessen sind und die haben uns in der Tat bisher regelmäßig in die Hölle gestürzt.
Natürlich ist der Begriff eigentlich etwas mehrschichtiger aber was man wohl einfach feststellen muss ist, dass sich genau diese Leute nunmal massiv in der Partei Die Linke tummeln. Ob du das nun für Kommunismus hältst oder nicht, sei mal dahingestellt. Dumpfer Staatsglaube und ausgeprägtes Missionierungsgehabe in dieser Richtung sind eine Gefahr für unsere Freiheit, Engagement dagegen Ehrensache und Ausdruck von Zivilcourage.
Was “die Leichen” des bösen kapitalistischen Westdeutschlands angeht, die es zweifellos auch gibt, würde ich nichtsdestotrotz weniger laut einen West-Ost-Vergleich verlangen. Die BRD hat die Grenzen um sich herum versucht abzubauen, während die DDR den größten Knast der Welt gebaut hat. Das ist moralisch durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen.
September 1st, 2009 @ 11:41
Markus versucht, die Sache wieder zurecht zu lügen, indem er jetzt fabuliert, ich spräche von den “politisch Linken”.
Das tue ich nicht. Ich rede von Kommunisten und Antisemiten mit schwarz-weiß-roter Fahne, von einer Partei, deren Forderungen und Inhalte inzwischen mit denen klassischer Nationalsozialisten fast identisch sind, seit man die Nibelungentreue zur KPdSU aufgeben mußte.
Es ist eines seiner üblichen Ablenkungsmanöver. Er will die Partei an der Macht sehen, die für die meisten Morde des letzten Jahrhunderts zuständig ist, Leute, die sich heute noch offen zu dieser Tradition bekennen: Tschekisten, Stalinisten, Leninisten, Marxisten, Maoisten, Trotzkisten, Nationalbolschewisten und wie sich die Sekten alle nennen.
Und da darf man natürlich keinesfalls nach seiner Verantwortung und seinen ethischen Grundsätzen fragen oder diese Faschisten als das bezeichnen, was sie sind.
Da muß fix abgelenkt werden.
Die Tricks sind alt:
Diffamierung und Verleumdung der Opfer, Leugnung der Verbrechen, Gleichsetzung von freiheitlicher Demokratie mit kommunistischem Massenmord und immer wieder der Versuch, die SED als die einzige linke Kraft darzustellen.
Früher mit dem Ziel alle nicht-kommunistischen bzw. nicht-stalinistischen Kräfte zu delegitimieren (daher “Einheitspartei”), heute mit dem Ziel, die antisemitische und unterdrückerische Agenda der Kommunisten hinter linken Demokraten zu verstecken (daher “DIE LINKE”).
September 2nd, 2009 @ 01:04
@ Jan
Wenn das kein durchschaubares Manöver ist: Wer sich für eine andere als die marktliberale Politik ausspricht, wird einfach zu einem Proto-Kommunisten abgestempelt, besonders natürlich, wenn er sich nicht pflichtgemäß von der Linkspartei abgrenzt.
Sicherlich kann man anzweifeln, ob es mit den Linken wirklich etwas ist. Aber das kann man bei der FDP auch: eine Freiheit, die sich nur dem Markt anvertraut, ist nämlich keine.
@ califax
Du erwartest doch nicht, daß ich auf deine Tiraden eingehe?
September 2nd, 2009 @ 01:21
… und immer wieder der Versuch, die SED als die einzige linke Kraft darzustellen.
Wie ein Uhrwerk. Seit Ulbricht hat man nichts dazu gelernt.
September 2nd, 2009 @ 08:02
Die einzige mir bekannte Alternative zur Marktwirtschaft heisst nunmal Sozialismus und Planwirtschaft, höchstens noch Mischformen aus beidem.
Aber wenns dich tröstet: Die NSDAP würde ich auch nicht mögen, wenns sie noch gäbe und daran wäre dann auch vor allem deren Vergangenheit Schuld – auch wenn ich dort genauso meine Zweifel hätte, ob das ewige relativiere wirklich nur Dummheit wäre.
September 2nd, 2009 @ 21:33
@Markus: Wegen der “Blockflöten” (Posts 2-4): Die meisten Ex-LDPD-/NDPD-Mitglieder haben die FDP längst verlassen. Davon abgesehen waren, wie Du richtiger Weise schreibst, “die Blockflötenparteien”, aber m.E. nicht jedes einzelne Parteimitglied ein “Mitmacher” in der DDR.
September 2nd, 2009 @ 21:37
Das erklärt jedenfalls, warum es keine FDPler gibt, die die DDR verharmlosen und SED-Verbrechen relativieren. Dergleichen findet in der Die Linke dagegen immer wieder statt, das sind nunmal die Fakten.
September 2nd, 2009 @ 23:16
@ califax
Was heißt denn wie ein Uhrwerk? Soll man sich etwa mit einem Dreschflegel unterhalten? – Du solltest mal versuchen, zur Kenntnis zu nehmen, daß die Uhren nicht stehengeblieben sind und nicht jeder, der politisch links eingestellt ist, ein verkappter SED-Mann ist. Ja, nicht einmal jedes SED-Mitglied hat Schuld auf sich geladen oder Verbrechen begangen, wie du offenbar meinst. Eine Kollektivschuld gibt es nicht und Sippenhaft für (ehemalige) Kommunisten auch nicht.
@ Jan
Mag ja vielleicht sein, daß es auch Verharmlosungen und Relativierungen bei den Linken gibt. Die Stoßrichtung liberaler Kritik geht doch aber eher in Richtung Diskreditierung von allem und jedem, was nicht Ja-und-Amen sagt zum Kapitalismus. In ihrem Absolutheitsanspruch ist die heutige FDP fast wie die SED.
September 2nd, 2009 @ 23:34
-> und immer wieder der Versuch, die SED als die einzige linke Kraft darzustellen.
Wie ein Uhrwerk.
Wieder und wieder.
September 2nd, 2009 @ 23:43
Ja sorry, Bisky zum Beispiel ist ja nicht irgendein Basismitglied! Wenn der was sagt und dafür nicht von seiner Partei umgehend seiner Ämter und seiner Mitgliedschaft enthoben wird, dann darf man wohl darauf schließen, dass ein relevanter Teil der Partei solchem Unsinn zustimmt, oder etwa nicht? Würde Westerwelle erklären, die DDR mit ihren Verbrechen sei doch lediglich im internationalen Kontext zu sehen, ich würde diese Partei umgehend verlassen.
Für mich bedeutet es übrigens einen sehr bedeutenden Unterschied ob eine Partei Leute foltert und mordet, wenn sie eine andere Meinung haben oder ob sie sie als geschichtsvergessene Menschenfeinde abstempelt.
Letzteres darf ich mir zum Beispiel ja auch regelmäßig von Linksradikalen anhören, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und die ultimativen Lösungen für alle Probleme zu kennen, daraus aber im Gegensatz zu mir dann den Anspruch ableiten, mich zu allem möglichen zwingen zu dürfen.
Zu guter letzt noch ein Gedanke: Wer zu DDR-Zeiten SED-Mitglied war, den kann ich im Einzelfall vielleicht sogar noch verstehen. In jenem Schweinesystem hatte man ohne so etwas nach allem was ich weiss nunmal Probleme, bestimmte Jobs oder so grandiose Dinge wie Autos oder Telefone zu bekommen. Ausserdem kann ich beim besten Willen nur schwer beurteilen, wie beschissen das Leben in der DDR wirklich gewesen ist und beschränke Kritik an damaligen Mitläufern denn auch auf das Nötigste.
Wer jedoch heute, nach allem was war und nach allem was wir heute über die DDR wissen immer noch Mitglied dieser Partei ist, der wird sich entsprechende Kritik einfach gefallen lassen müssen denn es gibt nun wirklich genügend Parteien ohne menschenverachtende und blutrünstige Vergangenheit – es gäbe sogar die Möglichkeit, eine neue zu gründen!
September 2nd, 2009 @ 23:57
Das ist allerdings ein wichtiger Punkt. Tatsächlich war es verdammt schwer, kein Parteimitglied zu sein.
Wer damals die Eier dazu hatte, meint heute oft, es wäre ganz einfach gewesen – um dann im Laufe des Abends kein Ende im Erwähnen der Schikanen zu finden, die man aushalten mußte.
In einem totalitären System gibt es immer nur wenige Oppositionelle und offizielle 90% Regime-Anhänger. Dafür sorgt die ganze Organisation des Alltags durch das totalitäre System.
Wer heute der SED beitritt, gibt damit ebenso klar ein Statement ab wie neue Mitglieder bei der NPD oder der NSDAP/AO.
Die PDS hatte mal Anfang der 90er ein Reformprojekt. Da ging es darum, zur Demokratie zu finden. Das ist grandios gescheitert. Reste davon kann man in der Jungle World lesen.
Wobei – “gescheitert” stimmt so nicht. Es wurde im parteiinternen Machtkampf vernichtet. Eine Allianz aus Kommunistischer Plattform, autonomer Gruppen und alter Tschekistenkader hat sich durchgesetzt.
Inzwischen wird man wieder deutlich: Systemwechsel steht auf der Agenda.
Die SED ist wieder eine kommunistische Partei alten Schlages. Interessant ist nur, daß Realsozialisten, Trotzkisten und Stalinisten für eine Zeitlang ihren Bürgerkrieg eingestellt haben. Mal schauen, wie lange noch.
September 3rd, 2009 @ 23:30
@califax
Dich als Kenner der linken politischen Szene mal gefragt: Wo gibt es in der deutschen Parteienlandschaft linke Programmatik?
@ Jan
Was bei califax ein pauschales Runtermachen Andersdenkender ist, das kommt bei dir in Form von moraliner Unterstellungen vor:
Blutrünstige Mörder und gewissenlose Verbrecher allüberall!.
September 3rd, 2009 @ 23:36
Markus,
sofern du mit “linker Programmatik” einen gewissen Hang zum Sozialismus meinst würde ich mal sagen, dass die sich ja nun in jeder derzeit im Bundestag vertretenen Partei in unterschiedlichen Ausprägungen findet.
Ansonsten kann ich auch nichts dafür, dass die DDR war wie sie war. Ihre Anführer waren und sind Schweine.
September 3rd, 2009 @ 23:59
Linke Programmatik in der deutschen Parteienszene?
Die Anarchisten in ihren verschiedenen Ausprägungen wird man kaum in Parteien finden, höchstens ihre moderaten nächsten Verwandten im libertären Rand der FDP.
Das Problem der linken Szene ist nunmal, daß sie durch die Verbreitung des Marxismus so moralisch verrottet ist.
Verschiedene linke Kernprogrammpunkte von sozialistischen Standpunkten über die Abwehrrechte des einzelnen gegen den Staat (Rechtsstaat, Bürger- und Menschenrechte) bis zum internationalen Interventionismus zur Verbesserung der Welt finden sich beispielsweise in diesen Parteien:
CDU, CSU, FDP, Grüne, SPD, Sozialliberale, ÖDP, Piraten, MLPD, Freie Wähler, BüSo.
Eine Beschränkung auf Sozialismus, Nationalismus (Protektionismus, Isolationismus und Autarkiewahn), modernen aufgehübschten Antisemitismus, Antiamerikanismus und kulturchauvinistischen Überlegenheitswahn findet man bei den folgenden Parteien: DIE LINKE und NPD.
Der Wahlzettel ist übrigens deutlich länger. Dort finden sich viele explizit linke Parteien. Leider sind es meist Variationen des sozialistischen Themas. Es gibt in Deutschland aber grundsätzlich keine einzige Partei, die ohne linke Programmatik oder starke Überschneidungen mit linker Programmatik auskommt. Die Kaiserlichen sind halt ausgestorben.
Der letzte Versuch, eine Partei ohne linken Einschlag zu gründen, waren die Republikaner. Die sollten staatskritisch und konservativ nach dem Vorbild der amerikanischen Reps werden. Nur stand Schönhuber auf verlorenem Posten gegen das Nazigesindel, das eintrat.
September 4th, 2009 @ 00:03
@Markus Und ehe ich es vergesse – Ich mache nicht pauschal Andersdenkende runter, auch wenn Du Dir das so schön zurechtlügen willst. Ich mache gezielt Irre wie Dich runter, die mit billigen Lügen die schlimmsten Verbrecher der Weltgeschichte an die Macht agitieren wollen. Andersdenkende gibt es viele. Irre wie Dich glücklicherweise eher wenige.
September 5th, 2009 @ 22:39
@ Jan
Die DDR will niemand wiederhaben. Allerdings wirst du nicht leugnen können, daß die Die Linke im Osten eine Volkspartei ist. Offenbar können die Menschen dort zwischen pervertiertem SED-Sozialismus und sozialer Politikausrichtung unterscheiden.
@ califax
Wenn man nicht deiner Meinung ist, läßt du Schimpfkanonaden los. Es ist eine Leistung, so viel zu reden, ohne etwas zu sagen.
September 6th, 2009 @ 02:51
Du hältst Die Linke nicht wirklich für eine soziale Partei, oder?
Von Volksparteien halte ich generell nicht viel, sie gucken halt, dass sie möglichst große Teile der Wählerschaft abdecken, was logischerweise einen Ausverkauf jeglicher Prinzipien bedeutet. Käme ich als Mitglied dort nicht klar. Ob es eine besondere Leistung ist, Volkspartei zu werden und ob das Verbrechen der Vergangenheit entschuldigt, sei mal dahingestellt. Sozialismus ist und bleibt eine Methode, Menschen zu versklaven.
September 6th, 2009 @ 21:21
@ Jan
Na, das kommt jetzt aber überraschend. Eine Volkspartei wird als prinzipienlos verurteilt, weil sie von vielen Menschen gewählt wurde. Kann es vielleicht sein, daß du ein Problem mit unserer Demokratie hast? Da kommen die Krakeeler der Klientelpartei FDP in Umfragen gerade mal in den zweistelligen Prozentbereich und schon heben sie ab!
September 6th, 2009 @ 22:12
Es gibt halt zwei Möglichkeiten, Programme zu machen: Entweder, man orientiert sich an eigenen Überzeugungen oder man tut das nicht. Wenn man aber anstrebt, es möglichst jedem Recht zu machen, dann kann man wohl kaum auf besonders ausgeprägte Prinzipien schließen. Ist aber okay – muss und will ich ja nicht wählen. Zu einem Problem mit der Demokratie wird so etwas erst, wenn wieder begonnen wird, bestimmte Meinungen (zum Beispiel von Menschen, die zufällig ihre Freiheit schätzen) zu verbieten.
Elementare Tatsachen werden auch nicht dadurch entkräftet, dass du auf politischen Minderheiten herumhackst.
September 7th, 2009 @ 11:48
Volksparteien, die ihren Job gut machen, also dem Volk auf`s Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden, sind für eine funktionstüchtige Demokratie sehr wichtig. Die SPD und auch die CDU haben das ja lange Zeit bewiesen. Erst als man sich von den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft abkehrte und auf wirtschaftsliberalen Einheitskurs einschwenkte, ging es mit den Volksparteien bergab.
Daß manche Leute nun ausgerechnet bei der Wirtschafts-FDP ihr Heil suchen, entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Mit Der Linken gibt es aber eine Wahlalternative, die der unumschränkten und die Demokratie gefährdenden Wirtschaftsfreiheit Grenzen setzt.
September 7th, 2009 @ 12:06
Sehr richtig: Im Grenzen sichern ist die SED sicherlich die erfahrenste Partei.
Dass Wähler, die die soziale Marktwirtschaft zurückhaben wollen, die FDP entdecken ist weder tragikkomisch noch schwer zu verstehen, sondern liegt in einer Abkehr aller Parteien von der Marktwirtschaft begründet.
Wenn du der Meinung bist, hier herrschte wirschaftliche Freiheit, dann empfehle ich dir mal zu versuchen ein Unternehmen zu gründen. Die damit verbundene Bürokratie ergänzt durch die Begehrlichkeiten der Finanzbehörden, setzt schon ein merkwürdiges Verständnis des Begriffes Freiheit voraus, wenn man den hier für angebracht hält.
Übrigens habe ich gerade erst gelesen, dass angeblich 53% der Deutschen möchten, dass die FDP sich an der nächsten Bundesregierung beteiligt.
September 9th, 2009 @ 00:16
Ob man bei der Wahl von der Linken oder der FDP mehr “Gewissensbisse” haben sollte, das ist die offene Frage:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4180#more-4180
NachDenkSeiten – Die kritische Website » Die FDP hat schon immer staatliche Leistungen missbraucht, sie war aber zugleich perfekt im Bemänteln
Die Bürokratie mag mitunter zwar ein Übel sein, die asoziale freie Marktwirtschaft ist aber bei weitem schlimmer.
September 9th, 2009 @ 12:38
Der Artikel ist eine Frechheit. 100 Jahre her, was dort steht – ich mein okay, die Hoschis, die das schreiben, sind wohl eh etwas älter aber wenn wir so anfangen, dann wollte die Union Atomwaffen und die SPD die Mauer behalten.
Das viele Sozialisten nicht nur von Natur aus ein Problem mit Freiheit haben sondern auch weil die FDP mal von der SPD zur CDU gewechselt ist, weiss ich ja. Aber Hinweise á la die FDP will natürlich nur privatisieren, weil Einzelpersonen davon profitieren sind schon äußerst abenteuerlich. Klar: Ein Sozialist kann sich wohl kam vorstellen, dass Privatwirtschaft auch rationale Gründe haben kann und wahrscheinlich würden du und deinesgleichen auch heute noch lieber einen Antrag auf Telefonanschluss bittstellen, als einen Vertrag zu machen. Nimm aber doch bitte zur Kenntnis, dass die meisten Menschen anders denken und die Nachdenkseiten als Medium für verwirrte Zeitgenossen wahrnehmen (oder gar nicht). Menschen, für die es ein Problem darstellt, dass die die FDP 15% in Umfragen hat, werde ich sowieso nicht kapieren – dass die Kommunisten in diesem Land vergleichbare Werte haben, scheint dagegen eher wenige Nachdenkseitler zu beunruhigen. Damit sind immerhin die Karten auf dem Tisch.
September 9th, 2009 @ 22:53
Okay, dieser Beitrag ist vielleicht nicht so gut wie der hier:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3947#more-3947
NachDenkSeiten – Die kritische Website » FDP: Täuschung lohnt sich
Das bloße Vorgaukeln von Freiheit sollte natürlich aufgedeckt werden. Schauen wir doch mal, wer bei dieser Diskussion eine “Bruchlandung” erleben wird, der “Fallschirmspringer” oder die “schöne Kommunistin”
http://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/35?id=229
Termine (Sahra Wagenknecht)
Meinungsfreiheit gilt in einer Demokratie übrigens für alle.
September 9th, 2009 @ 23:30
“Meinungsfreiheit gilt in einer Demokratie übrigens für alle.”
Eben. Darum werde ich auch nie aufhören dafür einzutreten dass sogar so durchgeknallte Personen wie Sarah Wagenknecht ihren Quatsch erzählen dürfen. Und dass obwohl ich jede Wette eingehen würde, dass sie mir mit Sicherheit nicht das selbe Recht einräumen würde, wenn sie dahingehend etwas mehr zu sagen hätte.
September 10th, 2009 @ 21:24
Das klingt wieder liberaler. Wenn Wagenknecht Andersdenkenden das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht einräumen würde, hätte sie in der demokratischen Linkspartei nichts zu suchen. Ich habe sie neulich auf einer Wahlkampfveranstaltung live gehört und hatte keinen schlechten Eindruck. Um Gegenteiliges beweisen zu können, müßte man sich schon als Gesinnungsschnüffler betätigen.
September 10th, 2009 @ 21:32
Das Einräumen von Meinungsfreiheit gehört halt erfahrungsgemäß nicht unbedingt zum geistigen Rüstzeug von Kommunisten. Beweisen will ich das gar nicht müssen, ehrlichgesagt. Das ginge wahrscheinlich letztendlich nur durch Machtübernahme dieser extremen Kräfte und anschließendes wegsperrenlassen meiner Wenigkeit – nö danke.
September 12th, 2009 @ 23:28
“An ihren Taten sollt ihr sie erkennen”, steht geschrieben.
Äh, wie heißt doch noch gleich der Vorgänger im FDP-Vorsitz, den Guido vor einigen Jahren aus dem Amt gemobbt hat?
September 13th, 2009 @ 03:14
Hat ja nun mit Meinungsfreiheit nichts zu tun.