Sensibilisierung der Internetausdrucker
Posted on | August 24, 2009 | 2 Comments
Vor einigen Tagen hat es jemanden aus meinem Freundeskreis erwischt: Ein Schreiben einer Hamburger Anwaltskanzlei in dem steht, dass der Adressat illegale Downloads getätigt haben soll und dass man ihn auffordert, 1200 Euro zu zahlen und einen Vertrag zu unterschreiben, dass er weitere 5000 Euro pro künftig illegal heruntergeladener Datei zu zahlen hätte. Das Ganze scheint eine Art Shock-and-Awe-Strategie der Musik- und/oder Filmindustrie zu sein. Man will sich auf diese Weise ins Gerede bringen, zeigen, dass man – natürlich – jeden irgendwann erwischt.
Die Strategie funktioniert auch, denn dieser Fall macht die Runde – zum Beispiel auch unter besorgten Eltern, über die die DSL-Anschlüsse vieler meiner Freunde nunmal laufen und die durch diesen Fall nun verständlicherweise etwas aufgeschreckt worden sind.
Jedem juristischen Laien scheint ein solches Vorgehen erstmal wie Erpressung vorzukommen. Wenn die Sache aber doch einen positiven Aspekt hat dann den, dass sich plötzlich in meinem Bekanntenkreis viele für damit verbundene Detailfragen interessieren, die sie ohne dieses Ereignis auch in 100 Jahren nicht interessiert hätten.
Zum Beispiel wurde ich heute bei einem Grillen mit den Nachbarn gefragt, woran man denn erkennen könnte, ob man gerade etwas illegal herunterläd. “Im Grunde gar nicht,” habe ich wahrheitsgemäß geantwortet, “es steht natürlich nicht da – die Regierung und die Plattenindustrie gehen halt davon aus, dass man weiss, dass man Verbotenes tut, wenn man es tut.”
Nun wissen wir, die wir vielleicht etwas tiefer in der Materie drinstecken vielleicht wirklich ziemlich genau, welche Downloadquellen legal und welche illegal sind aber für mein Gegenüber ergab was ich gesagt hatte einfach wenig Sinn. Rapidshare oder Torrents sagen diesen Menschen ja nichts. Sie hören nur Downloads und haben ab sofort wahrscheinlich bei jedem Download ein etwas mulmiges Gefühl – steht ja eher selten daneben, dass der wirklich legal ist. Es kam dann noch zu bangen Nachfragen, ob diese oder jene Videos, die doch auf der Website dieses einen Künstlers gestanden hätten, wirklich legal gewesen wären.
Allgemenie Verunsicherung zu stiften, dass immerhin hat die Medienindustrie mit ihrer Strategie hinbekommen. Doch was ist das eigentlich für eine merkwürdige Gesetzgebung, bei der soviel Fachwissen von ganz normalen Menschen (die leider eben auch absolute Vollidioten sein können, die wirklich nichts böses im Sinn und erst Recht keine kriminelle Energie haben) quasi vorausgesetzt wird?
Es tauchte auch eine andere Frage auf: Wie kann es eigentlich sein, dass eine stinknormale Anwaltskanzlei überhaupt wissen kann, wer was wann wo im Internet gemacht hat? Sowas ist doch nur staatlichen Behörden vorbehalten?
Dass so etwas trotzdem möglich ist, schockiert nach solchen Fällen und dem Wirbel, den sie im gesamten Bekanntenkreis verursachen auf einmal auch ganz normale Menschen (oder, um es mal piratisch auszudrücken: “Internetausdrucker”).
Schade eigentlich, dass das Kind immer erst in den Brunnen fallen muss, bis die breite Masse aufwacht.
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PS: Nein, ich will damit an dieser Stelle keine Debatte über das Urheberrecht anstoßen. Es geht um Methoden, wie es durchgesetzt wird und Verstöße oder mutmaßliche Verstöße aufgedeckt und geahndet werden und in welchem Verhältnis das zum entstandenen Schaden steht.
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2 Responses to “Sensibilisierung der Internetausdrucker”
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September 1st, 2009 @ 12:22
Hi Jan,
soweit ich weis, schreiben diese Anwaltskanzleien teilweise nur auf gut glück irgendwelche Internetuser an. Vielleicht darin enthalten sogar einen namen einer Datei, die man vllt. mal runtergeladen haben könnte.
Aber wenn ich mich nicht irre und die betreffende person alle Daten und Unterlagen auf seinem Rechner vernichtet.
Wäre das nicht Beihilfe zur Beweismittelvernichtung der Kanzlei?
September 1st, 2009 @ 12:44
Teilweise mögen Kanzleien so vorgehen, sowas passiert ja auf anderen Gebieten auch. Aber natürlich kann ein Label sowas auch in Auftrag geben – eben um die Kundschaft ein bisschen zu schocken. Kostet nicht allzuviel, wirkt aber ziemlich intensiv, wie man sieht.
In welchem rechtlichen Rahmen sich “freischaffende” Abmahner bewegen, weiss ich nicht. Ist mir insgesamt ein etwas suspektes Geschäftsmodell aber vermutlich kann man seine Notwendigkeit juristisch unglaublich gut begründen…