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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Schlechter Verlierer

Posted on | September 29, 2009 | 5 Comments

“Ich glaube es war ein Fehler der FDP, einen eigenen Direktkandidaten aufzustellen und eine massive Erststimmenkampagne zu führen. Real hatten sie doch keine Chance. Für die bürgerliche Mehrheit wäre es wünschenswert gewesen, sie hätten uns in diesem Punkt unterstützt.”

sagt der Hamburger CDU-Kandidat Wolfgang Müller-Kallweit. Dieses Zitat steht vermutlich stellvertretend für die Meinung vieler anderer Unions-Wahlkämpfer. Die FDP soll nach ihrer Meinung um Zweitstimmen werben und die Erststimmen der CDU überlassen, am liebsten noch dafür werben, “strategisch” zu wählen.

Als unser Kreisvorsitzender uns vor zwei Wochen am Wahlkampfstand besuchte und dabei so lustige “Zweitstimme: FDP”-Aufkleber für die Plakate brachte, haben wir spaßeshalber einen rüber zum CDU-Stand gebracht und scherzhaft erklärt, wenn sie die auf ihre Plakate kleben würden, würden wir es bei unseren auch tun.

Die habens sein gelassen – wir aber auch. Wir haben um beide Stimmen gekämpft, auch wenn uns klar war, dass wir allenfalls einen Achtungserfolg haben rausholen können.

Die CDU muss einsehen, dass die Chancen für liberale Abgeordnete vielleicht geringer sind, als für CDU-Kandidaten. In Winsen ist es uns aber zum Beispiel gelungen, aus dem Stand gegen gleich drei langjährige Bundestagsabegeordnete, die alle um Erststimmen geworben haben, 10 Prozent der Erststimmen mit unserer Newcomerin zu erreichen.

Es einen “Fehler der FDP” zu nennen, um Erststimmen zu wählen, ist einfach nur arrogant, es gegenüber der Presse zu tun eigentlich sogar eine Frechheit. Mit der Erststimme wählen die Bürger die Person, um nicht zu sagen die Persönlichkeit, von der sie sich die beste Vertretung ihrer Heimat im Bundestag versprechen. Die Parteizugehörigkeit spielt dabei zwar auch immer eine Rolle, allerdings vertreten ja selbst über Liste gewählte Abgeordnete in der Regel nicht nur ihr jeweiliges Programm, sondern grundsätzlich auch ihren Wahlkreis, ganz egal welcher Partei sie angehören.

Vielleicht war also der Wahlkampf von Herrn Müller-Kallweit doch nicht ganz so toll? Oder vielleicht war er das zwar schon, aber die Konkurrenz von der FDP war eben auch ganz gut, so dass Wähler eben trotz geringer Erfolgsaussichten einen nach CDU-Lesart “real chancenlosen” Kandidaten gewählt haben?

Eine “Bürgerliche Mehrheit” ist ja schön und gut, als FDP haben wir nicht zuletzt dafür gekämpft. Nicht zuletzt – aber sicher auch nicht zuerst und bestimmt nicht ausschließlich dafür. Ein schwarzgelbes Bündnis mit einer schwachen FDP wäre meines Erachtens eine absolute Katastrophe gewesen, denn ob die heutige CDU in diesem Land auch anderes als sinn- und ziellose Wirtschaftspolitik und Internetzensur kann, muss sie uns erst noch beweisen.

Die Kohljahre sind jedenfalls vorbei und die Neuauflage eines Schwarzgelben Bündnisses bedeutet nicht automatisch, dass die FDP wieder zu einer Art zweiten kleinen Schwesterpartei der Union verkommen wird. Hoffen wir, dass die gelben Verhandlungsführer auf dem Weg zum Koalitionsvertrag wenigstens den Oberschwarzen solche Flausen und Überheblichkeiten austreiben.

Dass sich immer wieder und trotz der eher geringen Erfolgsaussichten viele liberale Direktkandiaten aufstellen lassen und oft genug kämpfen wie die Löwen, ist ein Gewinn für die Demokratie. Wir bieten dem Wähler die Möglichkeit, bürgerlich zu wählen und trotzdem die in großen Teilen alles andere als freiheitliche Politik der Union abzustrafen.

Oder wie sonst soll denn der Bürger der CDU sonst beibringen, wenn sie mal wieder Scheisse gebaut hat?

Comments

5 Responses to “Schlechter Verlierer”

  1. Ilja Ewert
    September 29th, 2009 @ 14:41

    Das ist typisch CDU. Bei uns in Breisach denken die CDU’ler auch immer, dass wir (FDP) nach ihrer Pfeife tanzen müssten. Sie lernen es
    nicht. Gruß aus BW

  2. Aerar » Erstimme
    September 29th, 2009 @ 23:03

    [...] bin nicht wirklich glücklich mit der Erststimme, wie sie derzeit umgesetzt ist. Die meisten Wähler kennen ihre Direktkandidaten bestenfalls vom [...]

  3. Aerar » Erstimme
    September 29th, 2009 @ 23:04

    [...] am not happy with the Erststimme it is used now (german). Most voters know the candites no better than from the campaign posters and [...]

  4. Pereos
    Oktober 1st, 2009 @ 17:41

    Denkt an die Grünen.Da hieß es auch von Seiten der SPD,sie sollen solchen “Unfug” sein lassen.
    Ströbele hat nun zum 3 mal sein Direktmandat erungen,Özdemir war ganz nahe an der CDU dran.

  5. Friedrich
    Oktober 6th, 2009 @ 07:42

    Das ist so ätzend. Aber noch ätzende ist das die CDU mit so wenig Verlusten davongekommen ist. Es wäre wirklich besser Sie hätte mindestens auch 10- bis noch mochr Prozent verloren. CDU/SPD sind die Totengräber der ehemals marktwirtschaftlichen BRD aber statt aus den Fehlern der DDR 1.0 zu lernen bewegen wir uns mit Riesenschritten auf DDR 2.0 zu. Da ist wirklich ätzend.

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