Okt 31 2009
Kommentar zum Koalitionsvertrag (4) – Steuerrecht
Es wird im Koalitionsvertrag eine große Steuerreform angekündigt, ebenso die Entlastung von Familien, das Ende der “Kalten Progression”, Nachbesserungen bei der letzten Unternehmenssteuerreform und der Erbschaftssteuer. Alles nicht sehr konkret aber zumindest in die richtige Richtung deutend, wenn auch weiterhin spannend bleibt, ob und wenn ja wie konsequent das liberale Steuerkonzept denn nun umgesetzt wird.
Ein anderer Aspekt, die Verdreifachung des Schonvermögens für HartzIV-Empfänger nämlich, war eine der ersten Verkündungen, noch während der Verhandlungen. Ich finde das richtig und gerecht, auch damit habe ich Wahlkampf gemacht – zurecht, wie man sieht.
Ein wichtiges Element liberaler Steuerpolitik war ausserdem das Bürgergeldkonzept. Das wird im Vertrag auch konkret genannt, wenn auch nur als prüfenswertes Konzept. Ich gehe nicht davon aus, dass es wirklich innerhalb der nächsten vier Jahre kommt aber zumindest wird man sich, laut Koalitionsvertrag, voraussichtlich immerhin auf den Weg dorthin begeben und anfangen, Sozialleistungen zusammenzulegen. Schwierig, diese Ankündigen zu bewerten.
Ab Zeile 158 enthält der Vertrag ausserdem eine Liste mit konreten Schritten, das Steuersystem zu vereinfachen. Ob die allein bereits die gefühlte und tatsächliche Ahnungslosigkeit der Steuerzahler hinreichend beseitigen können, kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach werden wir nicht umhin können, vor allem Ausnahmeregeln abzuschaffen, denn die sind es, die das deutsche Steuersystem so unfair und undurchschaubar machen. Davon habe ich aber leider gar nichts gelesen.
Ein anderer Bereich ist dagegen die Mehrwertsteuer. Die soll zwar leider nicht endlich wieder etwas zurückgefahren werden aber es dürfte sich hier trotzdem einiges zum Besseren bewegen. Zum Beispiel strebt die Regierung Gleichbehandlung an: Postdienstleister sollen künftig einheitliche Umsatzsteuern zahlen, ebenso kommunale und private Anbieter, beispielsweise bei der Abfallentsorgung.
Es soll außerdem eine Kommission eingesetzt werden, die sich mit dem Katalog der Ermäßigungen bei der Umsatzsteuer beschäftigt. Vielleicht werden also tatsächlich schon bald Maultiere und Esel gleich hoch besteuert?
Positiv ist also, dass man sich die Mehrwertsteuerregeln mal ansieht, die versteht eh kein Mensch mehr. Der Rest der Steuerreform bleibt für mich auch im Koalitionsvertrag äußerst nebulös, auch wenn gute Absichten erkennbar sind – nur die allein bringens natürlich auch nicht. Ich hoffe und erwarte, dass da dann wirklich eine große Reform kommt, irgendwann in den kommenden vier Jahren. Die muss dabei auch nichtmal dazu führen, dass jeder plötzlich nur noch halb so viel an Steuern zahlt aber dramatisch einfachere Regeln (Bierdeckel!) wären doch schonmal etwas, dass man dem Wähler als Ergebnis präsentieren könnte, ohne sich gleich in Grund und Boden schämen zu müssen. Senken kann man dann von mir aus immernoch nachholen, wenns denn gar nicht anders geht.
“Wenns denn gar nicht anders geht” schließt übrigens auch so einen komischen “Schattenhaushalt” mit ein. Der Sinn erschließt sich mir irgendwie überhaupt nicht, sofern es einen jenseits reiner Effekthascherei geben sollte. Es gibt im Haushalt nunmal – das hat die FDP jahrelang immer wieder erklärt und auch nachgewiesen – genügend Sparpotenziale, wenn man den entsprechenden Willen an den Tag legt. Den erwarte ich aber eigentlich von einer Regierung, die sich auf eine 15%-FDP-Fraktion im Bundestag stützt.

