Okt 09 2009

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Demontage einer Institution

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Als im Jahr 2007 Al Gore den Friedensnobelpreis bekommen hat, habe ich das zunächst für einen ziemlich blöden Scherz gehalten. Heute morgen hatte ich ein Deja-Vu, als es hieß: Barack Obama sei in diesem Jahr mit diesem bislang recht angesehenem Preis ausgezeichnet worden.

Beides war kein Scherz, Al Gore hat den Preis quasi für das Drehen eines “Wahrheit” verkaufenden, aber auf eben nur schwer beweisbaren Theorien aufbauenden Films und der Entfesselung eines globalen Hypes, der sehr nachhaltig unvorstellbare Mengen an Geld kostet, mit dem man viel Gutes hätte bewirken können. Man mag all das gerechtfertigt und sinnvoll finden, friedlicher hat es die Welt aber bis heute trotzdem nicht gemacht.

Barack Obama erhält den Preis, wie ich im Radio gehört habe, für die Veränderung des diplomatischen Klimas, die seit seiner Wahl stattgefunden hat.

Nunja – Obamas Amtsvorgänger, da kann man über ihn sagen was man will, hatte das objektiv betrachtet auch schon hinbekommen – nur fand das Nobel-Komitee diese Änderung offenbar nicht politisch korrekt genug, um diese Leistung mit einem Preis zu belohnen. Dabei kann man, unabhängig davon, wie man zum Irakkrieg, seinen immensen Kosten (ich meine weniger die materiellen, sondern natürlich in erster Linie die Menschenleben) und sein Zustandekommen finden mag nicht bestreiten, dass Bushs Politik ein menschenverachtendes Verbrecherregime* entmachtet hat. Das ist bei allen Vorbehalten gegenüber der Bush’schen Art, Politik zu betreiben immernoch mehr, als Obama bisher vorzuweisen hat.

Zu dessen nun mit dem Nobelpreis ausgezeichner “Leistung” twitterte Julian Reydt ziemlich treffend

Wäre ich nach Bush junior US-Präsident geworden, ich hätte den Friedensnobelpreis auch bekommen. Einfach so.

- denn nach norwegischen Maßstäben scheint das ja nicht besonders schwer zu sein.

Wenn Versprechungen und Gutmenschentum allein ausreichen, um einen Nobelpreis zu bekommen, dann muss ihn mittelfristig in der Tat auch der Weihnachtsmann mal kriegen. Ich habe für mich jedenfalls beschlossen, diesen offenbar nach völlig wirren Kriterien vergebenen Preis künftig nicht mehr ernst zu nehmen.

Eigentlich schade drum. Andererseits: Was will man denn auch von einem Friedenspreis erwarten, dessen Gründer Sprengstoffe hergestellt hat?**

Nachtrag: Heute vor genau 20 Jahren hat übrigens eine friedliche Revolution stattgefunden, die in ihrer Folge für Millionen Menschen, für Deutschland, Europa und die ganze Welt große Bedeutung erlangt hat. Wären nicht die Bürger Leipzigs ein würdigerer Preisträger gewesen als ein frisch gewählter Regierungschef?

* Das die amerikanische Regierung mal mit eben diesem Regime ziemlich dicke war, ändert natürlich nichts daran, dass es sich um Verbrecher gehandelt hat. Insbesondere einen Liberalen kann die Tatsache, dass ein Staat – und sei er auch noch so demokratisch legitimiert – gemeinsame Sache mit solchen Gangstern macht, nicht großartig überraschen. Keine Regierung (inklusive der gerade entstehenden deutschen) ist schließlich so gut, wie sie selbst grundsätzlich tut oder wie wir sie uns in unserer Naivität gerne herbeiträumen.

** Das hat er übrigens als allererstes bei mir um die Ecke getan.

7 Kommentare

7 Kommentare zu “Demontage einer Institution”

  1. Roger Beathackeram 10. Oktober 2009 um 04:10 1

    Ich weiss gar nicht was Du hast:
    Obama will atomare Abruestung
    Das erhoeht die Nachfrage nach konventionellem Sprengstoff
    Dynamit ist ein konventioneller Sprengstoff
    Alfred Nobel hat das Dynamit erfunden
    Obama erhaelt den Nobelpreis

    Passt doch prima zusammen.

    ;-)

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  2. Friedricham 10. Oktober 2009 um 08:32 2

    Seh’ ich wie Du. Warum Obama das bekommen hat ist mir schleierhaft. Und ein Schlag in’s Gesicht von jedem der unter der amerikanischen Willkür zu leiden hat.

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  3. califaxam 11. Oktober 2009 um 11:13 3

    @Roger: Auch eine gute Interpretation. Den Spiegelkommentar schon gelesen? :)

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  4. Markusam 11. Oktober 2009 um 23:22 4

    Von der Demontage einer Institution kann man aber auch in einem anderen Zusammenhang sprechen, nämlich von der Demontage der Demokratie. Aber da Jan – entgegen eigener Ankündigung – nichts zu den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und FDP schreibt, sei es hier mal klar gesagt:

    Die FDP hat mit ihren populistischen Wahlversprechen von wegen massiven Steuersenkungen wider besseren Wissens ihre Wähler getäuscht. Das kann man jetzt schon sagen; was man noch nicht vorhersagen kann, ist die Reaktion der verprellten Wähler und Parteimitglieder der Westerwelle-FDP. Was dieser Wahlbetrug für das Ansehen der Demokratie hier im Lande bedeuten wird, kann man sich vielleicht aber schon ausmalen.

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  5. Janam 11. Oktober 2009 um 23:58 5

    Ich glaube nicht, dass ich angekündigt habe, mich an sinnlosen Spekulationen zu beteiligen. Ich will Ergebnisse bewerten und keine Gerüchte. Ich kann aber nachvollziehen, dass mittlerweile standardmäßig davon ausgegangen wird, dass bei Koalitionsverhandlungen nur Käse rauskommt. Spätestens seit der grandiosen “Merkelsteuer” der SPD sind wir in der Hinsicht alle an Enttäuschungen gewöhnt.

    Dass die Steuerlast sinken soll war ein Punkt der Forderung einer Steuerreform. Ein anderer, viel entscheidenderer war das ganze System wieder verständlich zu machen. Das kostet kein Geld sondern spart im Zweifel sogar welches. Ich erwarte ganz einfach, dass da etwas kommt und daran werde ich, neben einigen anderen entscheidenden Punkten, die nächste Bundesregierung und die FDP-Bundesspitze selbstverständlich messen. Aber das kann ich seriös nicht tun, bevor es Ergebnisse gibt. Das Spekulieren überlasse ich anderen.

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  6. Markusam 12. Oktober 2009 um 23:14 6

    Dein Wort in Gottes Ohr. Aber ich habe nun mal so meine Zweifel an Guidos Glaubwürdigkeit und befürchte, daß vor der Wahl bei den Anhängern und Wählern der Liberalen Erwartungen geweckt wurden, die nach der Wahl nicht erfüllt werden (können).

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  7. Janam 12. Oktober 2009 um 23:31 7

    Kann mir schon vorstellen, dass du dir das sehnlichst wünscht.

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