Okt 27 2009
Ewiggestrig
Drinnen gab es Marschmusik, Erbsensuppe und Applaus für Egon Krenz. Der rechnete mit den „Herrschenden in der Bundesrepublik“ ab, mit dem Verräter Michail Gorbatschow, einem zerstreuten Günter Schabowski und rühmte – 20 Jahre nach dem Mauerfall – die Grenzoffiziere. „Hier sitzen jene, die dafür gesorgt haben, dass aus einer Fehlinformation keine Katastrophe wurde.“ Die Grenztruppen hätten dafür gesorgt, „dass Sekt fließen konnte und kein Blut“. Eine „weltpolitische Leistung“ nannte Krenz das.
Schreibt der Tagesspiegel zu einer bemerkenswerten Veranstaltung der “GRH”, was “Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung” bedeutet.
Jene “Rechtliche und humanitäre Unterstützung” gibts mutmaßlich nur für eine sehr besondere Sorte Menschen.
Ansonsten bleibt festzustellen, dass mich solche Äußerungen fassungslos machen. Ich meine, wie plemplem muss man eigentlich sein, um nicht zu erkennen, dass die ganze DDR eine einzige große Katastrophe gewesen ist? Wie krank im Kopf muss man sein, um das Totschießen von ausreisewilligen Bürgern eine “weltpolitische Leistung” zu nennen?
Ich habe für solche ewiggestrigen Vollidioten und Totalitarismus-Fanboys nichts als Verachtung übrig.
9 Kommentare



Für Verachtung hast Du aber viel Worte
Dieses ganze totalitäre Geschmeiß ob nun rechts oder links, hat tatsächlich nichts anderes als Verachtung verdient. Jedes Fitzelchen Aufmerksamkeit, das man ihnen schenkt, ist Wasser auf ihre Mühlen. Daher halte ich es für besser zu schweigen (auch wenn ich solche Ausbrüche verstehe – und mich gelegentlich selbst dabei ertappe).
Einerseits hast du Recht, normalerweise sollte man solchen Menschenverächtern nicht unnötig viel Podium bieten.
Aber andererseits sehe ich keine Alternative dazu, derartiges Verhalten offen anzuprangern, weil nur zu schweigen offenbar dazu führt, dass das DDR-Unrecht in Vergessenheit zu geraten droht.
Jan, du hast recht, das DDR-Unrecht darf nicht in Vergessenheit geraten. Aber auch nicht das Verhalten der Kohl Regierung, die von Anfang nicht mit der angemessenen Härte gegen die Verbrecher vorging. Bei Hubertus Knabe kann man nachlesen, was ich meine.
@XiongShui. An deiner Wortwahl erkenne ich, dass du die richtige Einstellung hast. Respekt!
Ja ich habe mich da letztens auch in so eine Diskussion verstricken lassen. Am Ende blieb dann nur noch die Ignoranz.
Ich finde aber auch das man dagegenhalten sollte wo man nur kann. Ansonsten wird die schweigende Mehrheit schnell von der lauten Minderheit überholt.
Deswegen werde ich auch nicht aufhören dagegen anzugehen.
Über Krenz und diese Organisation muss ich nichts sagen, sie sprechen für sich.
Allerdings habe ich des Öfteren bei Gedanken an den Mauerfall an die vielen indoktrinierten und mit Schiessbefehl versehenen Grenzer denken müssen, die sich zur Vernunft durchgerungen haben. Es hätte auch sehr leicht zu einem Blutbad kommen können.
Das ist ein schlichter Sieg der Vernunft, keine Heldentat. Aber immerhin.
Den vielen Grenzposten-Chefs gebührt für den Nicht-Befehl von Waffengewalt zumindest meine Anerkennung dafür – und nur dafür.
À propos Heldentat: Wie sieht denn nun Ihre Meinung zur Bürgerrechtspartei FDP aus? Sie hatten angekündigt, sich hier kritisch zu äussern wenn es denn etwas zu kritisieren gäbe.
Mir fällt da doch einiges ein.
Die Verträge sind gemacht, es wurde viel gelacht…
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von FreiheitMarktRecht, Stefan Lorenz erwähnt. Stefan Lorenz sagte: RT @tweetmeme Ewiggestrig http://retwt.me/1zoua [...]
Ich werde schon noch meine Meinung zum Vertrag kund tun, das Teil ist nur ein bisschen umfangreicher und meine Zeit im Augenblick begrenzt und gestern ist mir außerdem noch ein etwas wichtigeres Thema “in die Quere” gekommen, dass Vorrang hatte.
Zum Thema: Ich hab gar nichts dagegen, Grenzsoldaten dafür zu loben, wenn sie mörderische Befehle nicht umgesetzt haben. Schlimm wirds, wenn man diesen “Sieg der Vernunft” dem DDR-System zuschreiben will. Das scheint mir von dieser ominösen Organisation versucht worden zu sein.
Da haben Sie Recht. Es ist doch offensichtlich. Wer den Schiessbefehl gegeben hat, kann sich für das Nichtanwenden nicht feiern lassen.
Als Wessi in Sachsen ist mir eine solche Sicht der Dinge allerdings nie im Alltag begegnet. Da muss man schon solche Veranstaltungen aufsuchen.
Ist schon interessant, wie die “Wessis” sich bemühen, dass das DDR-Unrecht nicht in Vergessenheit gerät. Die “Ossis” haben damit wohl weniger ein Problem, wenn ich mir die Wahlerfolge der SED, sorry jetzt Die Linke, in den neuen Bundesländern ansehe. Was geht in den Leuten vor, dass ein Viertel die alten Kader wieder wählt?