Eine Frage der Vernunft
Posted on | November 10, 2009 | 4 Comments
Mit Vernunft als philosophischem Fachbegriff wird die Fähigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhänge in der Welt zu schließen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln – insbesondere auch im Hinblick auf die eigene Lebenssituation. Die Vernunft ist das oberste Erkenntnisvermögen, das den Verstand kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschränkungen erkennt.
So definiert Wikipedia die Vernunft. Und so definieren Hamburgs Grüne Vernunft:
Ein absolutes Rauchverbot in Hamburgs Gaststätten ist für uns nach wie vor die einzig vernünftige Lösung
Für die Grünen in Hamburg ist Vernunft nichts Individuelles, sondern etwas dass vom Kollektiv zwangsverordnet wird. Was die Grünen vernünftig finden, hat der Rest der Stadt gefälligst auch als vernünftig zu akzeptieren, selbst dann, wenn es um absolute Privatangelegenheiten geht – nämlich ob er seine eigene Kneipe rauchfrei oder verräuchert haben will, ob Menschen frei wählen können, ob sie in einer Kneipe rauchen oder nicht rauchen möchten.
Die grüne “Vernunft” wird – neben dem saublöden Hinweis, dass absolute Gastronomie-Rauchverbote “in nahezu allen europäischen Ländern” bestehen, was nun wirklich kein Argument ist oder auch nur sein sollte - mit harten Daten und Fakten aus der Gesundheitsforschung untermauert, nach denen Rauchen sehr gefährlich ist.
Ich glaube das auch, ich denke auch, dass Rauchen sehr gefährlich ist. Und ich glaube auch, dass es vernünftiger ist, nicht zu rauchen.
Allerdings ticke ich nicht grün und zwinge andere dazu, meine Maßstäbe für Vernunft zu übernehmen. Denn sofern auch die GAL der Meinung ist, dass es vernünftiger ist, nicht zu rauchen, werden sie vermutlich als nächstes fordern, den Verkauf von Zigaretten zu verbieten.
Im Dienste der Vernunft, natürlich.
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4 Responses to “Eine Frage der Vernunft”
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November 10th, 2009 @ 17:55
Wer aus rein ideologisch Gründen ein Gesetz nur deswegen ablehnt weil es “ein Gesetz” ist, und “Freiheiten” dort schaffen will wo sie andere schädigen, selbst von Wirten und Rauchern mehrheitlich gewollt wird, und schon jetzt allen Ortens akzeptiert, der handelt nicht freiheitlich, nicht pragmatisch, nicht individuell, sondern zählt Erbsen, verideologisiert und macht Freiheit daran fest und abhängig das in 1% der Kneipen geraucht werden darf. Dabei zeigt FDP Saar doch wie es geht. Ideologiefrei, pragmatisch, unbürokratisch, marktgerecht.
Gesetze sind dort notwendig und nötig wo es nicht anders machbar war, ist, und wo die Gesetze keinen benachteiligen. Schädigen Gesetze insbesondere in ihrer Form mit vielen Ausnahmen deutlich, schaffen Unternehmer erster und zweiter Klasse (Wirte die das rauchen erlauben dürfen, und die, die nicht) und Millionen an Umbaukosten die Wirt sich grade in der Wirtschaftskrise ersparen möchte.
Es hindert niemand einen Raucher daran auch nach einem Gesetz optional und inviduell Vernunft walten zu lassen. Nur an öffentlichen, nicht privaten Orten gilt das eigene Persönlichkeitsrecht eben nicht für alle anderen mit, oder hebt das Recht anderer auf.
Etwas damit abzulehnen das es “woanders schon gilt” und erfolgreich ist, ist saublöd. Natürlich ist das auch ein Fakt, aber zeigt nur das es einigen garnicht um eine inhaltliche und zielführende Diskussion geht.
November 10th, 2009 @ 18:32
Ein Verbot schafft keine Freiheit, sondern Freiheit hab. Wo sich Wirt und Gäste, ja sogar Raucher selbst ohne Rauchschwaden aufhalten wollen, sind Rauchverbote sowieso überflüssig, weil doch eh keiner rauchen wird.
“Gesetze sind dort notwendig und nötig wo es nicht anders machbar war, ist, und wo die Gesetze keinen benachteiligen.”
Dazu muss man aber erstmal dieses “es”, das “gemacht” werden soll definieren. Wenn dieses “es” in der Kollektiven Aberziehung des Zigarettenkonsums besteht, dann machen staatliche Verbote natürlich Sinn. Dann soll man das aber bitte auch deutlich so sagen und nicht mit irgendwelchen Scheinargumenten kommen.
“Es hindert niemand einen Raucher daran auch nach einem Gesetz optional und inviduell Vernunft walten zu lassen.”
Erkläre mir den Anteil, den die Vernunft eines Rauchers bei der Entscheidung hat, in einem Raum, in dem der Staat ihm das Rauchen verboten hat, nicht zu rauchen.
“Nur an öffentlichen, nicht privaten Orten gilt das eigene Persönlichkeitsrecht eben nicht für alle anderen mit, oder hebt das Recht anderer auf.”
Kneipen und Restaurants sind private Orte. Niemand hat ein Grundrecht darauf, sie besuchen zu dürfen (Wirte können Hausverbote aussprechen, wenn sie wollen) und niemand ist gezwungen, sie (zum Beispiel anstelle eines Nichtraucherlokals) zu besuchen – im Gegensatz von Behörden zum Beispiel.
Worum es in diesem Artikel geht ist, dass die GAL für sich beansprucht, die ultimative Wahrheit gepachtet zu haben und darum muss jeder ihrer von oben verordneten Vernunft folgen, ob er will oder nicht. Ich halte das für eine ausgesprochen zweifelhafte Geisteshaltung.
November 10th, 2009 @ 19:03
“es” in der Kollektiven Aberziehung des Zigarettenkonsums besteht, dann machen staatliche Verbote natürlich Sinn.
Nochmal, es geht nicht um den Zigarettenkonsum, denn das wäre ja das Ziel diesen zu verbieten, was erstens niemand will, und zweitens auch unnötig ist, es geht lediglich um den Schutz (der freien Entscheidung) derjenigen, die nicht rauchen wollen. Und den Schutz eben dieser Entscheidung erreicht man nicht dadurch das man dem NR verbietet sich an bestimmten Orten aufzuhalten oder Kennzeichnung klebt.
“Ein Verbot schafft keine Freiheit, sondern Freiheit hab. ”
Schafft ein Atemverbot Freiheit? Man muss das Rauchverbot ja nicht “Verbot” nennen (da springen die “Freiheitlichen” ja eh immer drauf an), sondern kann es auch Luftreinheitsgesetz nennen. Ist viel einfacher zu verstehen.
“Kneipen und Restaurants sind private Orte.”
Falsch. Es sind öffentliche zugängliche Gewerbebetriebe und Arbeitsplätze die von Privaten betrieben werden. Jeder Gewerbetreibende der eine Kneipe eröffnet muss gewisse Regeln einhalten, passt ihm dies nicht, steht es ihm frei keine Kneipe aufzumachen. Darüber hinaus, also sind zumindest die Lungen der Gäste einer Kneipe private Orte. Genauso wie sich der NR aus der Entscheidung der Zigarettenmarke des Rauchers (oder schonmal einen Nichtraucher gesehen der dem Raucher die Marke vorschreibt?) heraushält, sollte und muss sich der Raucher aus der Entscheidung des Nichtraucher der Nichtmarke heraushalten. Das gilt an der Theke genauso wie im öffentlichen Stadtgebäude.
“Niemand hat ein Grundrecht darauf, sie besuchen zu dürfen ”
Das ist richtig, aber daran ändert ja auch ein Rauchverbot nichts, genau wie das Verbot in der Küche zu rauchen, das Bier zu verdünnen oder Gammelfleisch zu verwenden etwas daran ändert.
“und niemand ist gezwungen,”
“Argument” ist bekannt. Erstens sind Kneipen allesamt auch Arbeitsplätze (jaja, ist ja auch niemand gezwungen zu arbeiten), zweitens wird ja kein Raucher nach einem Rauchverbot in die Kneipe gezwungen. Der Aufenthalt dort ist freiwillig, ergo gibts auch kein Anrecht auf eine “Raucherkneipe”, zumal ja jeder Raucher auch eine rauchfreie Kneipe ohne Probleme betreten darf.
“verordneten Vernunft folgen, ob er will oder nicht. ”
Die GAL hat lediglich einen pragmatisch, aufgrund des vorher verusachten Chaos, Prozessen und Wettbewerbsverzerrungen, Vorschlag im Sinne der Wirte und Gsäte gemacht und eine klare Festlegung getroffen. Bei der CDU gibts diese Klarheit ja nicht. Und wie die Unterstützung der “FDP-Vorschläge” bzgl. des Rauchverbotes unterstützt wird hat man ja bei der letzten Hamburg-Wahl gesehen: garnicht. Nochmal: die GAL will jedem Raucher das rauchen lassen, genauso wie ihre Haltung auch bei “illegalen” Drogen ist. Was sie will, ist lediglich das die, die nicht wollen, von der eigenverodneten Vernunft einiger weniger Raucher tangiert werden.
“Erkläre mir den Anteil, den die Vernunft eines Rauchers bei der Entscheidung hat, in einem Raum, in dem der Staat ihm das Rauchen verboten hat, nicht zu rauchen.”
Erkläre mir den Anteil, den die Vernunft eines Alkoholikers bei der Entscheidung hat, auf der Straße, auf der ihm der Staat das besoffene Trinken untersagt hat, zu trinken. Und das noch in seinem eigenen (!), privaten (!) Automobil. Ein Unding!
Jeder soll beim rauchen doch seine eigene Wahrheit finden, seine eigene Persönlichkeit umsetzen, und seiner eigenen Vernunft folgen, immer jedoch in den Grenzen wo die Freiheit des anderen beginnt.
Das die GAL eine klare, unbeeinflusste und sachlich fundierte Position hierzu hat, ehrt sie, das Rumgeiere und Durchreihen von Lobbypapieren kennen wir von der FDP insgesamt ja zugenüge.
November 10th, 2009 @ 20:04
Ich behaupte ja auch, dass es der Verbieterlobby letzten Endes um ein Totalverbot geht. Anders kann ich mir Vorschläge wie den der ehemaligen Chef-Verbieterin Bätzing, auch in Privatfahrzeugen grundsätzlich das Rauchen staatlich zu verbieten nämlich nicht erklären.
Das niemand das will, halte ich daher für ein Gerücht, für mich wird hier erkennbar eine Art Salamitaktik betrieben und deren Ziel dürfte ein Totalverbot sein. Los ging es mit Werbeverboten, weiter mit Erziehungssteuern, dann sinnlose Warnhinweise, irgendwann schließelich kamen Rauchverbote, dann kamen noch mehr Rauchverbote und neue Steuererhöhungen und gerade werden ja sogar Ekelbilder als Aufdruck auf Zigarettenschachteln diskutiert (spätestens hier wirkt sich dann per Gesetz die Anwesenheit eines Rauchers auch negativ auf mich aus, weil ich diese Bilder dann auch betrachten darf, obwohl ich doch – anders als der Raucher aus Sicht der Verbotsfetischisten – gar nichts verbrochen habe).
Wie kommst du auf die Idee, dass dieser Weg nicht zwangsläufig irgendwann zum totelen Verbot führt und auch führen soll? Für mich ist das eindeutig.
Du tust so, als wäre es Nichtrauchern verboten, Raucherkneipen zu betreten. Das Gegenteil ist aber der Fall, ich habe eine solche Kneipe bei mir gegenüber und bin dort gern gesehener Gast, obwohl ich nicht rauche. Nichtraucher und Raucher haben (noch) die gleichen Rechte.
Und wer will ein Atemverbot verhängen, was für ein Blödsinn ist dass?
“Man muss das Rauchverbot ja nicht “Verbot” nennen (da springen die “Freiheitlichen” ja eh immer drauf an), sondern kann es auch Luftreinheitsgesetz nennen. Ist viel einfacher zu verstehen.”
Danke. Gerechtigkeit und Freiheit schaffen mit Euphemismen, wunderbar. Das traurige ist, dass die Politik die Bevölkerung inzwischen vielleicht sogar schon ausreichend blöd gequatscht hat, dass eine relevante Mehrheit sogar drauf rein fällt.
Und ein Wirt kann sehr wohl Hausverbote aussprechen, es handelt sich sehr wohl um SEINE Kneipe und nicht die irgendeiner Regierung. Eine Kneipe ist kein öffentlicher Ort, nur weil er öffentlich zugänglich ist. Ein Krankenhaus ist ein öffentlicher Ort (zumindest, solange es keine Privatklinik ist) und ein Rathaus ist das auch.
Dass man mit den Regeln, die Gewerbetreibende als Deppen der Nation einzuhalten haben ganze Bibliotheken füllen (Tendenz steil steigend) musst du mir nicht sagen. Warum unbedingt ständig welche hinzukommen müssen wäre die interessantere Frage und der Hinweis, dass wem die Regeln nicht passen, gefälligst Arbeitslos sein, werden oder bleiben soll, ist zynisch und einfach nur bösartig. Deckt sich aber irgendwie mit der Einstellung, alle Welt habe die eigene Vernunft als die ihre anzunehmen und zu lobpreisen.
“Darüber hinaus, also sind zumindest die Lungen der Gäste einer Kneipe private Orte.”
Okay, das ist wahr. Die Ohren von Diskobesuchern sind es auch – Musik sollte daher dort lieber ausbleiben, meinst du nicht? Man sollte ein Gesetz machen, dass Musik in Diskotheken verbietet – im Sinne der Gäste! Findest du blödsinnig? Nunja, ich kenne einen ganzen Haufen Leute, die niemals in eine Disko gehen würden, weil es ihnen zu laut ist. Meinen Großvater zum Beispiel.
“Das gilt an der Theke genauso wie im öffentlichen Stadtgebäude.”
Ja – aber nur, weil wildgewordene Volksvertreter das so wollen. Moralisch richtig wird das darum trotzdem nicht.
Das Nichtvorhandensein des Grundrechtes auf Kneipenbesuch habe ich ja bloß erwähnt, weil dieses Beispiel zeigt, dass man auch daraus keine Richtigkeit eines Rauchverbotes ableiten kann. Wer Kneipen nicht mag, muss so oder so zuhause bleiben.
“Erstens sind Kneipen allesamt auch Arbeitsplätze (jaja, ist ja auch niemand gezwungen zu arbeiten)”
Das ist doch glatt gelogen! Ich kann dir dutzende Kneipen nennen, in denen der Eigentümer selbst oder seine Familie die Arbeit macht. Willst du denen erzählen, dass sie zu “ihrem Schutz” Raucher aus dem Laden zu schmeissen haben? Glaubst du das irgendwer, der sich entschließt eine Kneipe aufzumachen dann doch lieber HartzIV-Empfänger wird, weil er den Rauch nicht mag?
“zweitens wird ja kein Raucher nach einem Rauchverbot in die Kneipe gezwungen.”
Dir ist klar dass wenn ich dieses Argument gelten lasse, mein Argument, dass kein Nichtraucher in eine Kneipe gezwungen wird auch gilt? Und dass es damit zwangsläufig zunächst mal ein Argument gegen ein staatliches Rauchverbot in Kneipen ist.
“ergo gibts auch kein Anrecht auf eine “Raucherkneipe””
Und das ist auch gut so. Ein Recht auf Raucherkneipe hieße, der Staat müsste welche bereitstellen. Es gibt allerdings auch kein Recht auf Nichtraucherkneipen, es gibt nichtmal ein Recht darauf, nicht irgendwann in seinem ganzen Leben die Anwesenheit eines Rauchers ertragen zu müssen.
“Die GAL hat lediglich einen pragmatisch, aufgrund des vorher verusachten Chaos, Prozessen und Wettbewerbsverzerrungen, Vorschlag im Sinne der Wirte und Gsäte gemacht und eine klare Festlegung getroffen.”
Das ist deine Meinung. Einen unhaltbaren Zustand auf andere Art unhaltbar zu machen halte ich für keine positive Entwicklung.
“wie die Unterstützung der “FDP-Vorschläge” bzgl. des Rauchverbotes unterstützt wird hat man ja bei der letzten Hamburg-Wahl gesehen”
Nun gehe ich nicht davon aus, dass das der Grund für das Wahlergebnis gewesen wäre aber selbst wenn: Prinzipientreue geht vor Massenkompatiblität und verdient meinen Respekt. Raucherbote allein damit zu rechtfertigen, dass die Mehrheit sie unbedingt haben will ist Populismus und Volksparteigetue, mit dem ich sowieso nichts anfangen kann und will.
Ich wäre sehr vorsichtig mit Mutmaßungen darüber, was die GAL will. Ich bin immer wieder erstaunt, was gerade Grüne so alles an durchgeknallter Ideologie mit sich rumtragen. Es laufen dort sogar Leute rum, die Autos oder Cola am liebsten verbieten würden – einfach zu sagen, es gäbe keine Bestrebungen, das Rauchen insgesamt zu verbieten ist da ganz schön mutig. Und ziemlich naiv.
“Erkläre mir den Anteil, den die Vernunft eines Alkoholikers bei der Entscheidung hat, auf der Straße, auf der ihm der Staat das besoffene Trinken untersagt hat, zu trinken. Und das noch in seinem eigenen (!), privaten (!) Automobil. Ein Unding!”
Inwiefern ist der Vergleich eines Rauchers, der sich aus Vernunft entschließt, nicht zu rauchen und eines Alkoholikers, der sich aus Vernunft entschließt, Auto (besoffen?) zu fahren irgendwie von Belang?
“Jeder soll beim rauchen doch seine eigene Wahrheit finden, seine eigene Persönlichkeit umsetzen, und seiner eigenen Vernunft folgen, immer jedoch in den Grenzen wo die Freiheit des anderen beginnt.”
Und das ist grade _nicht_ an jedem x-beliebigen Ort der Welt, an dem sich seit Jahrzehnten Menschen treffen, die rauchen!