Verdammt, der neue Innenminister ist auch nicht besser
Posted on | Dezember 8, 2009 | 3 Comments
- nicht, dass ich so wirklich damit gerechnet hätte. Aber bisher fehlten echte Beweise dafür. Jetzt allerdings hat Thomas de Maizière das Bild von sich ein bisschen zurecht gerückt und behauptet:
“Ich bin davon überzeugt, dass auf Dauer die grundlegende Sicherheit der Kommunikation ohne staatliche Angebote nicht geht.”
Wären das bloß seine privaten Überzeugungen, die er aus der Politik raushalten könnte (und sollte – um sich nicht peinlich zu machen), wäre das verzeihlich aber er spielt damit auf das sagenhafte Projekt der “DE-Mail” an, die uns übrigens auch im Koalitionsvertrag angedroht worden ist (allerdings auch schon deutlich davor, noch unter teilweise anderer Regierung).
Um seine putzige Meinung noch zu untermauern, lässt er sich ausserdem so zitieren:
Natürlich dürfe es auch private Initiativen oder Absprachen von Bürgern untereinander geben, aber eine “sichere Kommunikation komplett privat” in der Hand einer Firma könne es nicht geben.
“Könne es nicht geben” kann man jetzt wohlwollend so verstehen, dass unser Innenminister nicht glaubt, dass es das geben könnte, also an der Technik und ihren Anwendern – also letztlich an uns – zweifelt und ein staatliches Alternativangebot schaffen will, dass man annehmen kann oder auch nicht.
Als jemand, der in solchen Dingen längst aus Erfahrung zum Pessimisten geworden ist, befürchte ich dagegen eher türkische Verhältnisse auf uns zukommen.
Immerhin erhält bei uns bisher schon jedes Neugeborene eine unverwechselbare Steuernummer – warum nicht demnächst, wie in der Türkei, ausserdem eine lebenslange staatliche EmailDE-Mailadresse?
Für deren Sicherheit dann, zwinker zwinker, das Bundesministerium des Inneren sorgt.
Weil es ja viiiiel ungefährlicher ist, wenn sich die Regierung um die Sicherheit unserer privatesten Daten kümmert als zum Beispiel Google, aka der böse Ami.
Ja klar: Letzteres birgt als größte Gefahr ein Werbebombardement, ersteres dagegen Gefängnis. Aber doch nur, wenn wir eine der Millionen kleiner und großen Regeln vergessen, uns beispelsweiwe vielleicht versehentlich per Email für das unerlaubte Ausleihen einer DVD bedanken oder so.
Tatsächlich gibt es längst ganz fabelhafte private Verschlüsselungssysteme. Die sind bisher nicht sonderlich populär, weil sie einen gewissen Mehraufwand erfordern und viele Leute schon nicht in der Lage sind, ihren Emailclient ganz normal zu konfigurieren. Was läge näher, als seitens der Regierung hier anzusetzen und uns dabei zu helfen, unabhängige Systeme wie PGP besser zu verstehen und auch zu nutzen?
Bloß würde ein unabhängiges Verschlüsselungssystem dummerweise auch den Innenminister aussperren, weshalb der lieber so tut, als gäbe es sowas gar nicht, jedenfalls nicht in sicher. Und wir stellen mal wieder fest: So schusselig manche Ministerien auch auftreten mögen – wenn sie erstmal verstanden haben, worum es geht, schießen sie sich wirklich ungern selbst ins Knie.
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3 Responses to “Verdammt, der neue Innenminister ist auch nicht besser”
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Dezember 8th, 2009 @ 14:52
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jan Filter und Thomas, Manuel Busch erwähnt. Manuel Busch sagte: RT @filterblog: Verdammt, der neue Innenminister ist auch nicht besser http://bit.ly/6XxtXH [...]
Dezember 8th, 2009 @ 15:14
Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Dezember 10th, 2009 @ 12:52
Die “DE-Mail” ist derart lächerlich, da fehlen einem die Worte. Wer Verschlüsselung braucht oder zu brauchen glaubt, der soll PGP nutzen, und gut ist. Bessere Verschlüsselung gibt’s eh nicht.