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Naht das Ende der Hortensie?

Posted on | Dezember 9, 2009 | 4 Comments

Diverse Kulturpflanzen sind in diesem Land bereits aus Gründen der Fürsorge- und Erziehungspflicht, die unser Staat für sich beansprucht, verboten – denn man kann aus ihnen Drogen herstellen. Und Drogen, darüber ist sich die Volksgemeinschaft mindestens so einig wie in praktisch allen Fragen rund um die Klimaapokalypse, sind abgrundtief böse.

Nun hat es einen krassen Fall von Beschaffungskriminalität im Süden Niedersachsen gegeben, wo im großen Stil* Hortensien gestohlen worden sind. Und die Polizei geht – laut Hamburger Abendblatt – überraschenderweise nicht davon aus, dass Pflanzenliebhaber dafür verantwortlich sind.

Sondern Drogenproduzenten, man kann Hortensienblüten nämlich rauchen:

Die getrockneten Blätter und Blüten, aber auch die Neutriebe würden vermutlich geraucht. Sie sollen eine ähnliche Wirkung erzeugen wie Haschisch und Marihuana. Fachleute warnen, die Pflanzen könnten Schwindel, Beklemmungen und zentralnervöse Störungen hervorrufen. Zudem könne Blausäure freigesetzt werden, die Vergiftungs- und Todesgefahr bedeute.

Saugefährliches Zeug also, dass man getrost in die gleiche Liga wie Cannabis, Kokain und Heroin einstufen sollte.

Im Radio – da habe ich heute nachmittag die Meldung heute Nachmittag zuerst gehört – kamen einige der Geschädigten zu Wort. Sie hätten sich doch an den Blüten immer so erfreut und überhaupt, wer würde so etwas denn nur tun usw. usf.

Ob die Gartenbesitzer sich alle im Klaren gewesen sind, dass sie da Drogen anbauen und mit ihren Drogengärten die Süchtigen dieser Welt (wir wissen ja: Drogenkonsumenten sind immer süchtig) auf diese Weise daher geradezu magnetisch angezogen haben?

Sofern unser Präventionsstaat konsequent ist, dürfte ein Hortensienanbauverbot da wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. In einem Land, in dem man den Bürgern auch sonst keine vernünftigen Entscheidungen mehr zutraut, wäre es ja auch kaum zu vermitteln, wenn gefährliche Drogen weiterhin ganz normale Gärten schmücken dürften, bloß weil manche Leute finden, dass die hübsch aussehen.

* Es wurden immerhin 14 Gärten heimgesucht. Nach drogenfahnderischen Maßstäben, nach denen normalerweise Ansammlungen von unter 10 Pflanzen bereits als “Plantage” gewertet werden, dürfte das wohl als Megaverbrechen gewertet werden.

Comments

4 Responses to “Naht das Ende der Hortensie?”

  1. Maschinist
    Dezember 10th, 2009 @ 01:24

    Für noch ein paar Hotelgutscheine nickt die FDP das sicher ab…

  2. Jan
    Dezember 10th, 2009 @ 02:02

    Man kann zu dieser Hotelsache ja stehen wie man möchte aber das stand halt so schon im Wahlprogramm, wer FDP gewählt hat hätte damit rechnen können.

    Was nicht heisst, dass es da meiner Meinung nach zwingend drin hat stehen müssen.

  3. Friedrich
    Dezember 10th, 2009 @ 06:57

    Was drin steht ist mit das Schlechteste was drin stehen konnte. Viele bunte Worte, darum wie “toll doch alles ist”, und wieviel gerechter es wird. Aber die größten Ungerechtigkeiten die Subventionen werden nicht mal erwähnt. Es ist ein Wohlfühl Blatt und jeder der das gelesen hat, müsste es als solches erkennen. Jedes Wort was in Richtung “Verzicht” ging, wurde so in Watter verpackt das man damit einer Fliege kein Haar krümmen könnte. Wir werden dieses Pamphlet auf unserem “Gabentisch” ausgebreitet und verspottet sehen zu recht, und wie immer die FDP wird der erste Verlierer von Schwarz/Geld sein. …..

  4. Jan
    Dezember 10th, 2009 @ 10:03

    Also das eine sind liberale Überzeugungen und Grundsätze, das andere ein Wahlprogramm – das ja bei der FDP immerhin nach breiter Basisdebatte beschlossen wird und nicht, wie anderswo, von irgendwelchen Kanzlerkandidaten im stillen Kämmerlein erdacht und ausgebreitet wird. So ein Programm ist eben weniger Vision als Konsens. Ein Programm, dass ich allein schreiben würde, sähe mit Sicherheit ganz anders aus.

    Auch aufgrund des Wahlprogramms ist ein irrsinnig gutes Wahlprogramm zustande gekommen, das darf man nicht vergessen. Ich habe selbst Straßenwahlkampf gemacht und es waren nunmal vielfach Leute, die sonst eher CDU oder SPD gewählt haben und aktiv zu uns an den Stand kamen und wissen wollten, was wir im Angebot haben. .

    Natürlich hätte man ein liberaleres Programm schreiben können aber in einer Situation mit einer Großen Koalition, von der die Leute massenweise enttäuscht waren und verzweifelt nach einer Alternative gesucht haben, war das zumindest strategisch absolut richtig.

    Das Problem der FDP ist vielmehr, dass sie dieses Programm in einigen wichtigen Punkten viel zu unzureichend umzusetzen droht, so dass sich möglicherweise Leute verarscht fühlen könnten.

    Die Frage wäre andererseits aber auch, was ein wunderbar liberales Programm denn großartig brächte, wenn mit dem Koalitionspartner sowieso nur ein Bruchteil davon umsetzbar ist. Ich bin sicherlich der letzte, der etwas gegen Prinzipien und das unbedingte Festhalten daran hat, nur ist ein Programm, mit dem man regieren will mehr als eine theoretische Denkschrift.

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