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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Waffenamnestien

Posted on | Dezember 23, 2009 | 11 Comments

Was sind das eigentlich für naive Menschen, die sich “Waffenamnestien” ausdenken?

So eine Amnestie soll bewirken, dass Leute, die – woher oder wieso auch immer – Waffen (beziehungsweise dass, was der Gesetzgeber als “Waffe” spezifiziert – beides ist nicht unbedingt immer deckungsgleich, meiner Meinung nach) rumliegen haben, diese dann endgültig und sicher loswerden können, ohne eine Klage wegen illegalen Waffenbesitzes an den Hals zu kriegen. So etwas kommt offenbar tatsächlich vor und diejenigen, die in so einem Fall dann wirklich ihre Waffen bei den Behörden abliefern sind dann wahrscheinlich wirklich ganz froh, die Dinger los zu sein.

Die spannende Frage für mich lautet an dieser Stelle aber: Macht das die Welt dann sicherer?

Wäre dem so, würde das voraussetzen, dass man befürchten müsste, dass diese Waffen, falls sie nicht abgegeben worden wären, irgendwann mal eingesetzt werden würden. Das kann man natürlich nie ausschließen – die Welt ist nicht nur voller dummer Zufälle, Aggressionen und irgendwelcher Affekthandlungen, solche Waffen können ja auch mal gestohlen werden oder versehentlich ausgelöst werden – hats alles schon gegeben und wirds wohl auch immer wieder mal geben.

Nur dass der Besitzer einer illegalen Waffe, der sie zu dem Zweck besitzt, sie eben auch mal irgendwie einzusetzen, sicher nicht zu denen gehören wird, der sie dann bei solchen Aktionen abgibt, dass dürfte wohl klar sein.

Man fragt sich also, was genau Behörden sich von Waffenamnestien großartiges Versprechen. Okay: Die Waffen, die eh niemand benutzt hätte, sind dann aus der Welt, einerseits.

Andererseits sind Diejenigen, die sie benutzen wollen – mutmaßlich sind das wohl in erster Linie kriminelle Gewalttäter – nach so einer Aktion leicht im Vorteil gegenüber vorher, weil weniger potenzielle Opfer bewaffnet sind.

Nicht vergessen sollten wir, dass es durchaus denkbar ist, dass auch nach Ablauf einer Amnestie irgendwer in den Besitz einer illegalen Waffe gelangt, ohne dass zu wollen (zum Beispiel durch Erbschaft) und dann möglicherweise aus Angst vor den Behörden diese lieber versteckt als meldet, immerhin könnten die ihm ja daraus theoretisch irgendwelche Stricke drehen – und wozu sich sinnlos mehr Stress mit Vater Staat machen, als ohnehin schon besteht?

Vielleicht sollten darum besser generelle Amnestien diese zeitlich befristeten Geschichten ablösen. Vielleicht wäre es auch insgesamt besser, Waffenbesitz weniger krass zu kriminalisieren, wie das der Fall ist. Denn das trifft ja viel zu oft eben keine Kriminellen. Die betrachten Waffen nämlich logischerweise als ihr Arbeitsutensil und gehen entsprechend professionell damit um, was in diesem Zusammenhang zum Beispiel sorgfältigstes Tarnen und Verstecken bedeuten kann.

Wie scharf die Waffengesetze hierzulande sind, lässt sich schon beispielhaft an diesem NDR-Artikel zeigen, in dem es heisst:

Innenstaatsrat Stefan Schulz wies am Dienstag darauf hin, dass allein der Besitz eines Butterfly-Messers, eines Wurfsterns oder einer Steinschleuder mit Armstütze zu einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren führen kann. Es handle sich bereits um eine Straftat, derartige Waffen im Haus zu haben, auch wenn diese schon jahrelang auf dem Dachboden liegen oder in Vergessenheit geraten seien. “Niemand sollte sich wegen eines solchen Gegenstandes seine persönliche Zukunft verbauen”, sagte Schulz.

Und Recht hat er, der Hamburger Innenstaatsrat Schulz. Es grenzt schon an einen Schildbürgerstreich, dass man im Ernst drei Jahre ins Gefängnis kommen kann, wenn man dummerweise keine Ahnung hatte, dass ein bestimmtes Messer oder etwas, dass Behörden als “Wurfstern” identifizieren könnten (spannende Frage dazu am Rande: könnte nicht zum Beispiel ein Kreissägeblatt geworfen zu einem solchen Wurfstern werden?) verboten undoder irgendwo im eigenen Keller herumoxidiert – zum Beispiel vom Vormieter oder im von einem Bekannten eingelagerten Karton oder weil grade das Fenster offen war, als vor 100 Jahren mal ein Mörder auf der Flucht seine Waffe reingeworfen hat… unwahrscheinliche – aber denkbare – Fälle.

Ich habe jedenfalls ernste Zweifel, ob sich unsere Waffengesetze wirklich immer zielgenau gegen Kriminelle richten oder nicht doch völlig über jedes sinnvolle Ziel, äh, hinausschiessen und harmlose Bürger über alle Maßen kriminalisieren.

Dass sich mit einer automatischen Maschinenpistole gegebenenfalls deutlich mehr Schaden anrichten lässt, als mit einer Steinschleuder oder einem 10cm-langem Messer und dass man das eine praktisch nur zum Morden benutzen kann, während so ein Messer durchaus auch anders zum Einsatz kommen kann, darf sich meiner Meinung nach auch gerne darin ausdrücken, dass man das eine als gefährliche Waffe und das andere eben anders klassifiziert.

Comments

11 Responses to “Waffenamnestien”

  1. Kolia N.
    Dezember 23rd, 2009 @ 08:50

    Den einzigen tatsächliche Vorteil , ist wohl der das er vor Affekthandlungen etwas schützt …

  2. Tweets die Filterblog » Waffenamnestien erwähnt -- Topsy.com
    Dezember 23rd, 2009 @ 09:47

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jan Filter, Ilja Ewert erwähnt. Ilja Ewert sagte: RT @filterblog: ein paar Worte zum Unsinn mit den Waffenamnestien überall http://bit.ly/7tFeJ2 [...]

  3. Maschinist
    Dezember 23rd, 2009 @ 11:21

    Der Witz in Tüten ist obendrein dass Bürger schon belangt wurden weil sie die Waffen zur Polizei brachten. Begründung: Abgeben soll man sie, aber der Transport zur Polizei ist unerlaubt.
    Noch besser wird es in dem Fall bei dem die Behörden die eingesammelten Waffen nicht vernichtet sondern weiterverkauft haben.
    Eine dauerhafte Amnestie und praktischer Sachverstand täten gut bei diesem Thema.

  4. Jan
    Dezember 23rd, 2009 @ 11:31

    Waren das nicht ausrangierte Dienstwaffen der Behörden selbst? Fand ich sachlich eigentlich in Ordnung, das so zu machen – auch wenns natürlich irgendwie das Gesamtbild etwas eigenartig erscheinen lässt.

    Bei den von dir zuerst genannten Fällen schlägt die Realität dagegen schonwieder jede denkbare Satire. Irre.

  5. bibliothek
    Dezember 24th, 2009 @ 16:37

    bei uns in frankfurt taut es. ich wünsche ein schönes weihnachtsfest und ein gutes neues jahr.

  6. allesverboten.org
    Dezember 27th, 2009 @ 20:33

    In Crailsheim wurden vor ein paar Monaten mehrere Pistolen mit Munition aus dem Rathaus gestohlen, die zuvor dort abgegeben worden waren.
    Die sind jetzt garantiert in falschen Händen.

  7. Jan
    Dezember 28th, 2009 @ 08:45

    Na bestens. Ohne Amnestie wäre das nicht passiert, würde ich sagen.

  8. allesverboten.org
    Dezember 28th, 2009 @ 13:36

    Wirklich ironisch wird es dadurch, dass die Waffenbehörde damals gerade die Waffenbesitzer anschrieb und Kontrollen der Aufbewahrung ankündigte, bei der Lagerung der eingesammelten Waffen aber die Aufbewahrungsvorschriften missachtete.
    Zum Glück kann man im Internet Strafanzeige erstatten.
    http://www.hallertagblatt.de/r.....83e35ad21e

  9. Jan
    Dezember 28th, 2009 @ 14:53

    Wow, die Realität schreibt eben die besten Satiren, würde ich sagen;)

  10. allesverboten.org
    Dezember 28th, 2009 @ 16:02

    So ist es… habe dafür extra den Tag “Realsatire” bei mir.

    Noch so’n Ding, ganz frisch:
    http://www.mopo.de/2009/200912.....y_aus.html

    Nur für den Rentner wird das nicht witzig: Die Amnestie gilt wohl nur für Waffen nach dem WaffG, Granaten sind aber Kriegswaffen (KWKG).

  11. Jan
    Dezember 29th, 2009 @ 07:48

    Davon habe ich gestern im Radio gehört, ja. Wir lernen daraus: Alte Granaten und anderes Kriegsgerät lieber auf dem Dachboden liegen lassen.

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