Jan 23 2010

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In Winsen wird nur gefühlte Sicherheit belohnt

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Über die bemerkenswert blöde Idee, statt für mehr Polizei in Winsen zu sorgen lieber ein paar Bürger in Uniformen zu stecken und mit einer Trillerpfeife zu bewaffnen, habe ich ja schon mehrfach geschrieben und auch die Unterschriftenaktion dazu läuft nach wie vor. Das Abendblatt hat grade mal wieder einen Artikel darüber gebracht. Unter anderem wird dort eine Aufwandsentschädigung von maximal 150 Euro im Monat genannt.

Es mag Leute geben, denen ein rein subjektives Sicherheitsempfinden (ein tatsächliches wird wohl niemand durch die unbewaffneten Möchtegern-Sheriffs erwarten) ernsthaft die 30.000 Euro im Jahr wert ist, die genannt werden. Und je nach Zeitaufwand, den diese Freiwilligen tatsächlich für ihren “Polizeidienst” haben werden, könnte man auch dieses Geld als gerechten Lohn betrachten.

Ich frage mich allerdings, wie CDU und “Freie Winsener”, die als einzige im Stadtrat für diese Errungenschaft plädieren, dummerweise aber über eine Mehrheit verfügen, wenn sie wollen (was nicht oft vorkommt aber in dieser Sache eben schon), beispielsweise den vielen hundert Feuerwehrleuten der Stadt weis machen wollen, dass deren Dienst selbstverständlich weniger wichtig ist und es dafür eben keine pauschale Aufwandsentschädigung gibt. Was für ein fatales Signal ist das?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es völlig okay, Ehrenämter grundsätzlich nicht zu entlohnen und von dieser Regel allenfalls abzuweichen, wenn es eben echten Aufwand zu entschädigen gilt. Vielleicht werden diese Amateur-Polizisten ja tatsächlich einen solchen Aufwand haben, etwa, weil sie ihre Uniform mal waschen müssen oder Fahrtkosten anfallen und so weiter. Auf jeden Fall aber haben Feuerwehrmitglieder genau die selben Aufwendungen, wenn sie – so ist es bei uns im Ort – mit dem Privat-PKW zu Übungsdiensten oder Einsatzorten fahren (meistens sind glücklicherweise mehr Kameraden zur Stelle, als in die beiden Fahrzeuge passen).

Der FOSD wird in gewisser Weise in Sachen Personalwerbung der Feuerwehr Konkurrenz machen, das ist kaum zu verhindern. Ob es klug ist, ihm dort gleich noch einen “Wettbewerbsvorteil” mit auf den Weg zu geben, wird sich vermutlich leider schon im Sommer herausstellen, auch wenn die Haushaltslage der Stadt eigentlich schon den Gedanken an solche Mätzchen verbietet.

Aber das hier ein bisschen gefühlte Sicherheit finanziell vergütet wird, während tatsächlich geschaffene weitgehend mit einem feuchten Händedruck abgetan wird ist meiner Meinung nach weder intelligent noch gerecht.

2 Kommentare

2 Kommentare zu “In Winsen wird nur gefühlte Sicherheit belohnt”

  1. Ilja Ewertam 24. Januar 2010 um 07:14 1

    Da geht mir ja der Hut hoch. Ich bin selber Polizist. Beide Argumente bezüglich des Winsener FOSD sind völlig richtig. Es kann nicht sein, dass bei der Polizei immer mehr Personal abgebaut wird und gleichzeitig irgendwelche Hilfssherriffs, denen die rechtlichen Voraussetzungen fehlen, dafür einzusetzen.Und auch die Winsener FFW tut mir leid. Ich hoffe eure Unterschriftenaktion hat erfolg.

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  2. Filterblog » Die Panik-Gesellschaftam 26. Januar 2010 um 09:28 2

    [...] Steuer-Euros im Jahr, wie sie meiner Stadt für nichts weiter als ein bisschen mehr an gefühlter Sicherheit mutmaßlich in diesem Jahr wert sein werden, scheinen da sogar noch ein vergleichsweise moderater Preis zu sein. Auf die Panik-Gesellschaft [...]

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