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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Vom Recht auf schlechte Bildung

Posted on | Januar 27, 2010 | 28 Comments

Es gibt praktisch keine objektive Möglichkeit, auf einfache Weise das Ausmaß der Freiheit in einem Land zu messen. Aber es gibt Indizien, an denen man das in einzelnen Bereichen festmachen kann.

Ein eindeutiges Indiz für Unfreiheit ist mit Sicherheit die Tatsache, dass in Deutschland in letzter Konsequenz ins Gefängnis kommt, wer es wagt, seine Kinder auf andere als die staatlich genehmigte Weise schulisch zu unterrichten. Viel früher aber wird schon versucht, die Kinder allenernstes mit der Polizei zur Schule zu bringen – die Schulpflicht wird also tatsächlich gewaltsam durchgesetzt, wenn es sein muss.

Soweit lässt es zwar sicher nur eine sehr kleine Minderheit kommen aber wenn dergleichen dann passiert, drängt sich mir schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf. Kann es diese Gesellschaft denn wirklich nicht ertragen, wenn einige wenige ein bisschen aus der Reihe tanzen?

Familie Romeike hat die Hoffnung nun offenbar völlig aufgegeben, dass man in Deutschland in dieser Frage eventuell einmal Fünfe grade sein lassen wird und das Land auf Nimmerwiedersehen verlassen. Sie haben inzwischen politisches Asyl in Amerika gefunden, wo sie ihre Kinder selbst und nach ihren eigenen Vorstellungen unterrichten dürfen.

Nach allem, was ich so über den Fall gehört habe, sieht es danach aus, dass sie ihren Kindern nun einen ziemlichen Käse beibringen werden. Denn der Grund, den Vater Romeike für die Flucht der Familie angibt ist nicht etwa das Niveau deutscher Schulen oder ihre in der Tat oft verbesserungswürdige Ausstattung an Personal und Material, sondern der “ein zunehmender Verfall der christlichen Werte an deutschen Schulen” – also etwas, dass man in einem säkularen, freiheitlichen Staat eigentlich nur begrüßen kann, immerhin reden wir hier hauptsächlich von staatlichen Schulen.

Sicherlich gibt es auch andere Schulen als diese und darunter deutlich religiöser geprägtere in Deutschland. Glaube ist allerdings für viele Menschen etwas zutiefst Individuelles und dass nach Ansicht dieser Familie keine Schule da wäre, die nun ausgerechnet ihren abdeckt daher vermutlich eine zu akzeptierende Tatsache. Ich bin mir, ohne es genau nachprüfen zu können, ziemlich sicher, dass diese Kinder bei ihren Eltern gemessen an meinen Maßstäben nicht besonders gut gebildet werden. Aber genügt das als Rechtfertigung, sie davon abhalten zu wollen? Hat nicht jeder das Recht, auf eigene Art sein Leben zu meistern?

Unabhängig davon, wie man den Glauben dieser Familie, der selbstverständlich deren ureigenste Privatangelegenheit ist und sein sollte, bewerten will oder wie richtig oder falsch man ihre Entscheidung, aus Angst vor Verfolgung in die Vereinigten Staaten zu fliehen finden mag, finde ich es – und ja, auch aus der geschichtlichen Perspektive dieses Landes heraus – schon beschämend, dass sich Menschen -und seien es auch nur äußerste Randgruppen – aus religösen Gründen genötigt fühlen, Deutschland zu verlassen.

Und es ist ein schmerzhaft deutliches Indiz dafür, dass die Freiheit des Einzelnen in gewissen Fragen sehr zu wünschen übrig lässt.

Comments

28 Responses to “Vom Recht auf schlechte Bildung”

  1. R.A.
    Januar 27th, 2010 @ 10:59

    Bei der Frage Heimunterricht bin ich sehr schwankend. Das Verbot ist ein übles Nazigesetz, immer noch in Kraft, gibt es sonst nirgends in Europa, und sollte natürlich die Gleichschaltung der Kinder im Sinne des Nazi-Staats sicherstellen.
    Umgekehrt ist mir aber auch der Gedanke unangenehm, daß Fundis ihre Kinder indoktrinieren und ihnen damit Lebenschancen nehmen.

    Zunehmend ärgerlich ist aber die Schizophrenie beim staatlichen Vorgehen: Gegen christliche Fundis wie die Romeikes wird mit aller Härte der Gesetze vorgegangen, obwohl deren Lehren nur mäßig schädlich sind.
    Umgekehrt knicken die Behörden aber regelmäßig ein, wenn islamische Fundis sich gegen Sexualkunde oder Schwimmunterricht wehren, obwohl dahinter eine wirklich schädliche, frauenverachtende Weltsicht steht.

  2. Suffragium
    Januar 27th, 2010 @ 11:36

    Ich sehe da die Gefahr, dass Kinder nicht die Bildung erhalten, die der Staat anbieten (kann oder sollte). Diese Bildung ist nun mal Grundvoraussetzung für das weitere Leben des Kindes.

    Dies sollte nicht durch die Ansichten der Eltern gefährdet werden können. Das ist eine Einschränkung der Freiheitsrechte der Eltern – ABER hier sehe ich die Startchancen der Kinder höher.

  3. iolanthe
    Januar 27th, 2010 @ 11:52

    Heimunterricht finde ich auch eine schwierige Frage. Eigentlich bin ich dafür, dass Eltern selbst entscheiden, wie ihre Kinder lernen. Allerdings hat mich bis jetzt noch kein von Eltern vorgebrachter Grund für Heimunterricht überzeugt und ich fand die Motivation dahinter bzw. die Ausführung des Unterrichts eher schädlich. Nur ist es natürlich recht irrelevant, was ich davon halte.

    Wichtig wäre auf jeden Fall, ein gutes System für Heimunterricht zu entwickeln. Der Wissensstand der Kinder müsste regelmäßig von staatlichen Einrichtungen überprüft werden. Ähnlich wie in Österreich (?).

  4. Pension Sonnenallee
    Januar 27th, 2010 @ 14:38

    Deutsche Schulanwesenheitspflicht und die Familie Romeike…

    Nun ist es also zumindest im Ausland erstmal gerichtlich anerkannt: in Deutschland wird man auch politisch verfolgt.Da ich nicht auch noch einen weiteren Blog-Beitrag zu diesem Thema verfassen will, verweise ich ganz einfach auf den äußerst gelungenen …

  5. Manuel Busch
    Januar 27th, 2010 @ 16:12

    Hallo,

    selbst wenn das Gesetz noch von den Nazis ist: ich finde es richtig. Welche Gründe führen die meisten Eltern denn an? Meistens höre ich “Die bringen unseren Kindern Dinge bei, von denen ich nicht will, dass die Kinder das wissen.” – sehr gefährlich vorallem dann, wenn christliche Fundamentalisten ihre Kinder, wie einer meiner Vorposter sagte, religiös-fanatisch indoktrinieren.

    Für mich ist da ganz klar eine Grenze erreicht – die Eltern entscheiden, welche Information ihre Kinder bekommen dürfen, und das halte ich für die Zukunft der Kinder in höchstem Maße schädlich.

    Manuel.

  6. Jan
    Januar 27th, 2010 @ 16:42

    @R.A.

    Gute Ergänzung, ist in der Tat etwas eigenartig, dass die Teilnahme an sämtlichen Schulfächern im Allgemeinen zwar Pflicht ist, in besonderen Fällen dann aber doch nicht mehr ganz so wichtig zu sein scheint.

    @Suffragium

    Es sind nicht nur die Freiheitsrechte der Eltern, sondern mehr noch die der Kinder eingeschränkt.

    @iolanthe

    Eigener, individueller Wille für sich genommen ist für dich also kein Grund, irgendwas richtig zu finden? Das wäre eine grundsätzliche Frage – die Motive, die manche haben mögen sind da meiner Meinung nach erstmal zweitrangig, zumal wir als Liberale zumindest Eltern ausschließlich im Sinne ihrer Kinder wohlmeinende Motive unterstellen sollten, denn sonst können wir ja gleich dafür plädieren, sämtliche Kinder in staatliche Kinderheime zu stecken.

    @Manuel Busch

    Ich fasse zusammen: Für gefährlich hältst du, wenn Eltern entscheiden, welche Information ihre Kinder erhalten dürfen. Völlig unkritisch siehst du hingehen, wenn der Staat das gleiche tut – habe ich das richtig verstanden?

  7. iolanthe
    Januar 27th, 2010 @ 16:54

    @Jan: das habe ich doch geschrieben, oder zumindest versucht zu schreiben ;-)
    Ich persönlich finde die Motivation hinter Heimunterricht fast immer falsch. Ich glaube auch, dass fast alle Kinder vom sozialen Umfeld in der Schule profitieren (würden), vor allem wenn die Eltern sie aus religiösen Gründen aus der Schule nehmen.

    Da das aber meine persönliche Meinung ist und selbstverständlich die Eltern entscheiden, wie sie ihre Kinder erziehen, sollte man Heimunterricht legalisieren. Auch wenn ich nicht glaube, dass das das Beste für die Kinder ist.

    Eine regelmäßige Überprüfung der Lernfortschritte der Kinder finde ich aber schon wichtig. Das ist zwar auch ein Einschnitt in die Elternrechte – da gewichte ich aber das Recht der Kinder auf Bildung höher.

  8. rg
    Januar 27th, 2010 @ 17:15

    Wer hat ein Recht Kinder zu erziehen, wenn nicht die Eltern? Wenn man die hier zum Teil geäusserte Logik zu Ende spinnt, dann bedeutet es nichts anderes, als dass der Gemeinschaft, repektive dem Staat, die Kinder gehören. Auch Du gehörst dem Führer war da mal so ein Plakat… damals…

    Wie dem auch sei, angenommen ich möchte meine Kinder religiös indoktrinieren, dann kann ich das auch im heutigen System. Insbesondere unterstützt das heutige System “den Märtyrerstatus”, da eben Homeschooling nicht angeboten wird. Jemand, der sein Kind also indoktrinieren will, wird auch sehr darauf pochen, dass diese Gesellschaft intolerant und heuchlerisch ist, insbesondere weil er, als Minderheit, nicht so leben darf und erziehen darf, wie er will.

    Abseits davon: Die Romeikes, soweit ich das sehe, unterrichten, wie jeder Lehrer, selektiv – ihre Auswahl ist nur eine andere, als in staatlichen Schulen. Ich würde da keine solche Wertung vornehmen, solange wie “Lesen, Rechnen, Schreiben” beherrscht werden.
    Ich persönlich halte auch nicht allzu viel von religiös motiviertem Homeschooling, da man häufig davon ausgehen kann, dass bestimmte Fakten, die der Ideologie widersprechen, einfach nicht gelehrt werden, aber wo ist da schon der Unterschied zur Staatsschule? Nur die Ideologie. Nur weil wir weitestgehend die Ideologie teilen bedeutet dies nicht, dass unsere richtiger oder besser ist. Wesentlich wichtiger und ich denke, da wird jeder zustimmen ist, dass Lesen und Schreiben eigentlich wichtiger sind, als alles andere. Wer lesen kann, kann auch mal z.B. im Internet, in der Zeitung in einer Bibliothek etwas lesen, was konträr zur gelernten Ideologie ist (weshalb Meinungsfreiheit und Abwesenheit von Zensur so wichtig sind).

    “Der Wissensstand der Kinder müsste regelmäßig von staatlichen Einrichtungen überprüft werden.”
    Der Wissensstand wird regelmäßig mithilfe der Bücher, die zum Homeschooling benutzt werden selbst kontrolliert.
    Es gibt spezielle Verlage die professionelle Selbstlernbücher, insbesondere für Jüngere, anbieten. Damit unterrichten Homeschooler in der Regel. Ich denke qualitativ dürfte es da zu den durchschnittlichen Büchern in deutschen Schulen keinen Unterschied geben (man bedenke, wie alt einige Bücher doch schon sind). Wie dem auch sei, würde eine staatliche Kontrolle nichts anderem entsprechen als der Überprüfung, dass die staatliche Ideologie gelehrt wurde.

    “Für mich ist da ganz klar eine Grenze erreicht – die Eltern entscheiden, welche Information ihre Kinder bekommen dürfen, und das halte ich für die Zukunft der Kinder in höchstem Maße schädlich.”
    Für mich ist da ganz klar eine Grenze erreicht – der Staat entscheidet, welche Informationen MEINE KINDER bekommen müssen, und das halte ich für die Zukunft der Kinder in höchstem Maße schädlich.

    Man bedenke weiterhin: in den USA sind 55% der Leute sehr religiös (82% religiös). Die USA haben 308 Millionen Einwohner. Es unterrichten 2 Millionen ihre Kinder zu Hause. In den staatlichen Schulen wird Evolution gelehrt. Dennoch: 42% der Einwohner der USA glauben, dass Gott die Arten geschaffen hat. Also, Indoktrination schafft man auch trotz Staatsschule. Demnach ist es also irrelevant ob ich eine staatliche Zwangsschule habe oder nicht, Unsinn kann ich immer vermitteln.

    Man bedenke auch: Wenn wir solche Minderheiten nicht schützen, wer schützt dann uns, wenn wir mal so eine Minderheit sind? Wer sagt denn, dass wir immer in der Mehrheit sein werden? Wer garantiert uns denn, dass wir in zehn, fünfzehn Jahren nicht genauso zu einer Minderheit gehören, die von der Mehrheit belächelt wird, ja geradezu von oben herab betrachtet wird, die man nur verachtet, diskreminiert, verfolgt?

  9. snowparrot
    Januar 27th, 2010 @ 18:25

    Ich muss R.A widersprechen:
    Jeder Fundesmatelist ist gefährlich, ob christlich oder islamisch.
    Ich errinere an die IRA oder die Kreuzzüge.

    Heutzutage ist aufgrund der Aufklärung die islamischen Fundematilisten in der Überzahl.

  10. Jan
    Januar 27th, 2010 @ 18:42

    Ja, snowparrot. So wie ich ihn kenne wird er das auch weniger grundsätzlich, als vielmehr in Bezug auf die herrschenden Umstände gemeint haben.

    Ich möchte dazu noch anmerken, dass es natürlich trotzdem nicht in unserem Sinn sein kann, die Gefahr, die von christlichen Fundamentalisten ausgeht, noch zu vergrößern – was ja theoretisch denkbar wäre, wenn man die Entstehung christlicher Parallelgesellschaften zulässt. Die Frage ist, zu welchen Mitteln diese Erkenntnis berechtigt und zu welchen nicht.

  11. Stefan Lorenz
    Januar 27th, 2010 @ 19:48

    Auch die Existenz weniger fundamentalistischer Strömungen ist keine Rechtfertigung für die Schulpflicht. Sie stammt aus einer Zeit in der der Staat möglichst großen Zugriff erhalten wollte.

    Um die Interessen der Kinder zu wahren und dennoch die Rechte der Eltern zu achten müsste man vielleicht “Mindestlehrpläne” erstellen und quasi eine jährliche Abschlussprüfung verlangen.
    Dann können die die Eltern die “ethische” Erziehung des Kindes umsetzen und es verliert nicht den Anschluss.

    Die Kinder kommen irgendwann zwangsläufig mit der Welt in Kontakt. Entweder emanzipieren sie sich dann selbst oder sie lassen es.

  12. Tweets die Filterblog » Vom Recht auf schlechte Bildung erwähnt -- Topsy.com
    Januar 27th, 2010 @ 22:45

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jan Filter, Oliver Fink und Oliver Fink, Kolia N. Ohmann erwähnt. Kolia N. Ohmann sagte: @filterblog Vom Recht auf schlechte Bildung http://ow.ly/1nFtCW #Nazi – #Gesetze #Schulpflicht Danke Jan, volle Zustimmung! [...]

  13. Friedrich
    Januar 28th, 2010 @ 06:39

    At iolantha:
    “Der Wissensstand der Kinder müsste regelmäßig von staatlichen Einrichtungen überprüft werden.”

    Warum? Weil die unvoreingenommen sind? Oder damit man sich schön die nächste Generation von Melkkühen heranzieht? Die Eltern werden ja wohl nicht so blöd sein, den Kindern nur etwas beizubringen was sie SPÄTER MIT SICHERHEIT NICHT BRAUCHEN werden.

    Wie wir uns blamieren können ist ja ohne Vorbild. Ein Land wie Deutschland schafft es NICHT, Kinder NICHT unter staatliche “Obhut” zu stellen. Und noch blamabler, ein Land das sich demokratisch nennt, erlaubt es sich Leute so zu drangsalieren, daß sie politisches Asyl in einem wohl kaum demokratischerem Land beantragen und gewährt bekommen. Das ist starker Tobak, aber ist ja schon egal. Auf dem Weg in DDR 2.0 sind das Opfer, die unser Politker ja willigst sind zu fordern oder anzunehmen….

    Und von wem werden unsere Kinder unterrichtet von verbeamteten “Staatsdienern”. Auch wenn ich den Lehrern gegenüber eher positive eingestimmt bin, eins ist für mich klar, “es wird wohl eher in Richtung, ja zum Staat als ja zur freien Wirtschaft gehen”, und das zieht sich von der Wiege bis zu Bahre. Lieber ducken und sich dann als Opfer gerieren als, das Risiko eingehen sich die Finger verbrennen zu können. Und so ziehen wir uns mehr und mehr “Forderende” heran, weil “sie sind ja wegen irgendwas benachteiligt” und das kann man ja wohl nicht zulassen.

  14. Suffragium
    Januar 28th, 2010 @ 06:46

    @Jan
    >Es sind nicht nur die Freiheitsrechte der Eltern, sondern mehr
    >noch die der Kinder eingeschränkt.

    Wirklich? Ich kenne nur die diversen Artikel in der deutschen “Qualitäts”-Presse darüber. Könnte es nicht eher sein, dass die Kinder gegen ihren Willen zu Christen erzogen werden?

  15. Jan
    Januar 28th, 2010 @ 07:57

    Friedrich,

    wieso ist denn Amerika “wohl kaum demokratisch”? Mal davon abgesehen, dass das Ausmaß von Demokratie nicht unbedingt eine Gewähr für Freiheit darstellt.

    Suffragium,

    Es könnte sein, dass manche Kinder gegen ihren Willen zu Christen erzogen werden. Es ist definitiv so, dass manche Kinder ihre Schule nicht gerne besuchen und Eltern können da in vielen Fällen relativ wenig dran ändern, wenn nicht grade zufällig ein paar weitere Schulen der betreffenden Schulform in erreichbarer Nähe sind. Ich gehe davon aus, dass dieser Fall häufiger vor kommt, als Eltern, die ihre Kinder zwingen irgendwelches Fundi-Zeug zu lernen.

  16. Friedrich
    Januar 28th, 2010 @ 08:03

    Hallo Jan, ich schrieb
    “wohl kaum demokratischerem ” , das ist ein ziemlicher Unterschied.

  17. Jan
    Januar 28th, 2010 @ 09:52

    Okay sorry, da habe ich mich wohl einfach verlesen – tut mir Leid.

  18. Rayson
    Januar 28th, 2010 @ 10:03

    gegen ihren Willen zu Christen erzogen

    Wie soll das denn gehen? Man kann nicht gegen seinen eigenen Willen glauben. Vielleicht war gemeint, dass sie gegen ihren Willen zu Gemeindemitgliedern und mit den Glaubensinhalten sowie Riten vertraut gemacht werden. Aber das kann man spätestens als Erwachsener, rechtlich ja sogar ab 14 korrigieren.

    Der Einfluss von offizieller Erziehung (im Gegensatz zur inoffiziellen Prägung durch Peers und Medien) wird m.E. sowieso extrem überschätzt. Wäre er so groß, wie jetzt kolportiert, hätte die Mauer nie fallen können – ja, es hätte sogar gar keine mehr gebraucht.

  19. Jan
    Januar 28th, 2010 @ 10:51

    Ja, die Formulierung war etwas sehr verkürzt, es ging halt darum, dass das lediglich eine Vermutung ist, während die Schulpflicht beweisbarer Fakt ist und das eben auch einen Zwang darstellt.

    Ich denke übrigens auch, dass der Einfluss überschätzt wird aber das entbindet ja nicht davon, staatliche Neutralität in Glaubensfragen anzumahnen.

  20. iolanthe
    Januar 28th, 2010 @ 12:04

    @Friedrich: Damit gewährleistet ist, dass die Kinder etwas beigebracht bekommen. Und zwar genug, um später eigenständige Entscheidungen treffen zu können. Die Kinder haben ein Recht auf Bildung, das steht ja so ähnlich schon im Beitragstitel ;-)
    Im Übrigen wird auch in den meisten US-Staaten überprüft, was die Kinder lernen (entweder anhand der Lehrpläne und/oder Lehrer und/oder mithilfe von regelmäßigen Tests).

  21. Rayson
    Januar 28th, 2010 @ 12:29

    @Jan

    Um die staatliche Neutralität in Glaubensfragen ging es hier ja nicht, sondern um den Verdacht, den Kindern würden zu Hause ganz schlimme Dinge eingetrichtert. Im Gegensatz zum Besuch einer staatlichen Schule, wo nur Hehres und Wahres verkündet wird.

    Als ob wir die Meinungen unserer Lehrer und/oder Eltern übernommen hätten…

    Ich halte es im übrigen, zumindest so lange wie es einen Sozialstaat gibt, für legitim, wenn der Staat einen Rahmenlehrplan vorgibt und auch Prüfungen abnimmt. Wenn ich mich richtig erinnere, dann war das bei der jetzt im Fokus stehenden Familie auch der Fall. Deren Kinder haben an allgemeinen Tests teilgenommen und dort auch immer gut abgeschnitten.

    So machen es Länder wie die Schweiz, Australien oder Dänemark, und mir ist nicht bekannt, dass es dort deswegen zu einem Zuwachs an Fundis irgendwelcher Couleur gekommen wäre.

  22. vivendi
    Januar 28th, 2010 @ 14:58

    Echo in der englischen Presse:
    http://www.guardian.co.uk/education/homeschooling

  23. Suffragium
    Januar 29th, 2010 @ 08:54

    @Jan
    Zitat:
    Es ist definitiv so, dass manche Kinder ihre Schule nicht gerne besuchen und Eltern können da in vielen Fällen relativ wenig dran ändern, wenn nicht grade zufällig ein paar weitere Schulen der betreffenden Schulform in erreichbarer Nähe sind. Ich gehe davon aus, dass dieser Fall häufiger vor kommt, als Eltern, die ihre Kinder zwingen irgendwelches Fundi-Zeug zu lernen.

    Ja, da stimme ich dir zu.

    Was mich aber mehr umtreibt (und da bin ich wohl in einer Minderheitenmeinung hier in diesem Blog): Ich habe einfach nicht das Gefühl, dass “Hausunterricht” für Kinder positive Nebenwirkungen hat im Sinne des Kennenlernens anderer Kinder und damit anderer Perspektiven hat.
    Das kann man natürlich auch negativ sehen (wenn die wohlerzogenen Kinder der Oberschicht auf die Proll-Kinder der Unterschicht stossen – das war jetzt sarkastisch gemeint), aber wenn Kinder sich nur in der gleichen Ebene wie ihre eltern bewegen ist meiner Meinung nach die Gefahr einer noch grösseren Abgrenzung der Gesellschaftsschichten in der BRD besteht.

    Wie gesagt, das ist ein subjektives Gefühl.

  24. rg
    Januar 29th, 2010 @ 10:49

    Abseits von dem liberalen Argument, was ich oben schonmal gebracht habe, sollte man vielleicht mal anfangen sich die Fakten anzusehen und etwas über das ganze Thema nachzudenken.

    Fakt ist: Eltern können auf ihre Kinder besser und direkter eingehen als ein Lehrer, der sich um bis zu 26 Schüler gleichzeitig kümmern muss. Weiterhin sind es nur 5% von den 3000 Homeschoolern in Deutschland, die religiös motiviert dies betreiben und auch hier sind dies eher selten wirkliche “Fundis”, sondern ich persönlich würde sie auch einfach als extrem Altbacken und Konservativ bezeichnen. Es ist in der Tat im übrigen so, dass sich Homeschooler sehr häufig vernetzen (machen die Romeikes auch), somit auch andere Eindrücke zustande kommen, man auch andere Kinder kennen lernt (auch wieder Romeike: Naturtag mit anderen Homeschoolern). Die Schüler sind häufig besser gebildet, wobei ich allerdings davon ausgehe, dass dies eher damit zusammen hängt, dass es eine gebildete Schicht ist, die Homeschooling betreibt (aktuelles Beispiel, dass Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichtet haben, ältesten Sohn auf Realschule für letztes HJ damit er Abschluss macht, war der Jahrgangsbeste mit 1.1 , danach wurden Kinder vom Staat weggenommen…).

    Suffragium, was Du beschreibst sieht für mich sehr danach aus, dass Du Dich relativ wenig mit diesem Konzept und den Menschen dahinter beschäftigt hast. Was Du beschreibst, mit der Abgrenzung der gesellschaftlichen Schichten in der BRD, trifft vor allem auf Schule zu. Die Oberschicht schickt die Kinder auf exklusive Privatschulen, alle anderen Schichten werden häufig nach Wohnort zugeteilt. Jetzt nenn mir einen Wohnort, einen Stadtteil, wo allein schon Mittelschicht und Unterschicht wirklich gemeinsam wohnen und leben. Das was Du beschreibst hängt also an einem ganz anderen Punkt und kann nicht durch Schule, zumindest nicht so wie es aktuell läuft, beseitigt werden. Man bedenke im übrigen, dass die Minderheiten in einer Klasse eben auch von der Mehrheit gemobbt und unterdrückt werden, was nicht gut für das Selbstwertgefühl ist. Stell Dir die Situation eines Hartz4 Kindes in einem Jahrgang lauter Mittelschichtler vor.

    Suffragium, Du sagst, dass Du einfach nicht das Gefühl hast, dass Homeschooling positive Nebenwirkungen für die Kinder hat. Nun, so allein gesehen, doch schon, siehe oben. Bezüglich Kennenlernen anderer Kinder, anderer Perspektiven, hat diesen positiven Nebeneffekt die Schule an sich auch nicht notwendigerweise. Schau Dir Dorfschulen an, da brauch ich die Schule nicht um diese Kinder und deren Ansichten kennen zu lernen, da muss ich nur Nachmittags rausgehen. In der Stadt bekomme ich viel besser mehr Menschen und Ansichten ausserhalb der Schule zu Gesicht, da Schule, wie schon beschrieben bezüglich Wohnort, wenig Diversität zeigt, die gesamte Stadt, oder auch nur der Stadtteil, zeigen dagegen sehr viel (Rentner, Arbeitslose, Arbeitende, andere Kinder), insbesondere aus anderen gesellschaftlichen Schichten.
    Aber wie dem auch sei: Sollte ein Bauchgefühl ausschlaggebend für Polizeigewalt und Kindesentziehung sein? Ich denke eher nicht.

    Wenn wir mal realpolitisch an die ganze Sache herangehen wollten, dann würde es reichen, wenn nur ein einziges Bundesland Homeschooling anbietet. Doch einige Parteien wollen ja, dass Bildung Bundessache wird…
    Hier gibt es viele Modelle, die das ganze mit echtem Interessenausgleich erreichen würden.

  25. Suffragium
    Januar 29th, 2010 @ 11:40

    @rg
    Zitat:
    Aber wie dem auch sei: Sollte ein Bauchgefühl ausschlaggebend für Polizeigewalt und Kindesentziehung sein? Ich denke eher nicht.

    Mein Bauchgefühl ist nur für eines maßgebend und zwar für meine persönliche Meinung. ;)
    Mag sein, dass die derzeitige MINDERHEIT der Heimschüler so sind wie du es sagst, aber das überzeugt mich nicht so sehr, denn ob dies auch so ist, wenn die Mehrheit der Kinder nicht mehr in öffentlichen Schulen unterrichtet werden würde, ist eine andere Frage.

    Allerdings hast du recht, dass sich leider die gesellschaftlichen Schichten mehr und mehr auch in den Schulen manifestieren – also im Grunde das Gleiche wie aktuell das “Homeschooling” (warum eigentlich denglisch?).

  26. rg
    Januar 29th, 2010 @ 16:26

    Suffragium, ich wollte auch schreiben, dass ich denke, dass viele mit mir übereinstimmen, aber so ganz auf mein Bauchgefühl verlassen wollte ich mich dann doch nicht. ;)

    Naja, selbst der Fall, den Du suggerierst ist unwahrscheinlich. Du sagst, kurzum: Abschaffung staatlicher Schulen führt dazu, dass die Mehrheit der Schüler fundamentalistisch indoktriniert wird. Ich denke nicht. Die Mehrheit der Schüler würde dann auf eine Schule gehen, bei denen die Berufsfähigkeit im Vordergrund steht. Wenn die Eltern statt Berufsvorbereitung Indoktrination wollen würden, dann müsste man diesen Eltern ja jetzt schon ihre Kinder wegnehmen. Ich gehe schon davon aus, dass 99% aller Eltern für ihre Kinder immernoch ein schönes Leben wollen, auch und insbesondere die Unterschicht. Mit religiösen Fanatikern ist heute schon nicht zu reden, so auch (egal wie diese aussieht) in Zukunft nicht. Aber schau doch einfach mal auf die realistischeren Varianten, nämlich einfach in andere Länder, da sind die Zahlen nicht wesentlich anders von dem, was ich genannt habe. Warum werden hier also Vorurteile geschürt und Mutmaßungen angestellt, die doch zum einen unbelegt sind und zum anderen doch nichtmal Ansatzweise der Realität entsprechen?

    Wir haben natürlich leider gesamtgesellschaftliche Probleme, die auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zu lösen sind. Ich denke allein schon die Diskussion und das Nachdenken über Homeschooling (einfach so ein schönes Wort) würden der gesamten Gesellschaft helfen. Eltern würden vielleicht mehr Anreiz haben über die Bildung ihrer Kinder und den entsprechenden Möglichkeiten nachzudenken. Eltern würden vielleicht auf alternative Schulkonzepte aufmerksam werden und sich damit befassen und eine besser Schule für ihre Kinder auswählen. Ja, ich projeziere hier viel positives rein, aber ich halte das für wahrscheinlicher, als dass sich mit einem mal 10 Millionen fundamentale Christen in Deutschland finden, die das befürworten und nur auf den richtigen Moment gewartet haben.

    Und, mal drauf geschissen: Wozu gibts denn Religionsfreiheit, wenn ich meine eigenen Kinder nicht in meiner Religion unterrichten darf? Wozu gibt es denn Meinungsfreiheit wenn ich meinem eigenen Kind nichtmal sagen darf, dass alle anderen Menschen unwürdig sind und nur wir die wahren Streiter für das Gute? Jeder Versuch natürlich andere Meinungen und Religionen von meinem Kind fern zu halten schafft man nur darüber, dass man das Kind einsperrt, denn Religion (respektive Ideologie) und Meinungen findet man schon direkt vor der Tür. Dies kann also nicht funktionieren, solange das Kind nicht weggesperrt wird… Wenn ich garstig wäre, würde ich sagen: das geht ja heute auch schon.

  27. Siegfried
    Januar 30th, 2010 @ 10:09

    Ein interessanter Gedankengang. Insbesondere von Jemandem, der das ausschließlich vom Standpunkt der Demokratie und Freiheit sieht.

    Ein paar Dinge sind vielleicht nicht so gut geraten. Der “Verfall der christlichen Werte” ist für einen säkularen Staat weder von Vorteil noch von Nachteil, sondern hat diesen säkularen Staat Nichts anzugehen. Jedenfalls gesetzt den Fall, dass Staat und Kirche Nichts miteinander zu tun haben und sauber getrennt bleiben müssen. Für mich als Christ ergibt sich da alelrdings die Frage, von welchen “christlichen Werten” hier wie dort eigentlich gesprochen wird. Ich vermute mal, dass die Familie Romeike von ganz anderen Werten spricht aols die Kommentatoren hier. Es ist allerdings auch möglich, dass diese christlichen Werte Andere sind, als das, was ich dafür halte. Im alten Rom haben die nicht-christlichen Römer unter christlichen Werten das Opfern und essen der eigenen Kinder verstanden. Und diese christlichen Werte haben sie abgelehnt. Wer also christliche Werte verteufelt, sollte erst mal definieren, welche Werte er meint.

    In einem anderen Punkt ist der Artikel wieder sehr gut. Es wird gezeigt, dass das, was die Kinder in der Schule zu lernen haben, mit geradezu religiös-fanatischem Eifer durchgesetzt wird. Ein aufgeklärter demokratischer Staat sollte Sowas nicht nötig haben. stattdessen soltle es selbstverständlich sein, verschiedene Philosophien, Religionen, Denkmodelle e.t.c. wertungsfrei nebeneinander zu stellen. Auch und gerade im Unterricht für die Kinder. Denn schließlich soll den Kindern nicht mit Nazi-Methoden eine einzige genehmigte Gedankenwelt aufgezwungen werden, sondern die Kinder sollten selber denken lernen.

    Gerade der Nazi-Staat und die Nazi-ideologie waren massiv durchsetzt mit mysthisch-religiösen Elementen. Kein Wunder, dass dieses Gesetz aus dieser Zeit stammt.

    Es stimmt, Fanatiker sind gefährlich. Aber nicht nur christliche oder islamische Fundis, auch die Fundies aus dem staatlich genehmigten Lager, die sind genauso gefährlich. Diese Art von Fundamentalismus, die Andersgläubige mit Gewalt zur Übername der eigenen Religion zwingt, lehne ich ab!

    Ich weiss nicht, was für “christliche Werte” Familie Romeike verfallen sieht. Moralinsaure Selbstbeweihräucherung mag ich auch nicht. Kann ja sein, dass das hier der Fall ist. Vielleicht aber auch nicht. Bevor wir uns über die Familie Romeike ein Urteil erlauben, sollten wir erheblich mehr wissen. Aber die gewaltsame Durchsetzung der “Staatsreligion” (ich nenne das absichtlich so) ist nun wirklich nicht angemessen und eines aufgeklärten demokratischen Staates unwürdig. Und ebenso ist es den Bürgern eines solchen staates unfürdig, Andersgläubige ohne nachzudenken zu verurteilen, beschimpfen und diskreditieren. Jeder, der seine Ansichten selbst gefunden hat, verdient Respekt. Und Jedem, der nur nachplappert, gehören ein paar Schläge auf den Hinterkopf. Die erhöhen ja bekanntlich das Denkvermögen.

  28. uberVU - social comments
    Februar 1st, 2010 @ 09:35

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