Die Sonnenhafte
Posted on | Februar 13, 2010 | 4 Comments
“Der Staat, das bin ich,” beschrieb Frankreichs Ludwig XIV. einst sein Staatsverständnis. Folgerichtig nannte er sich “Sonnenkönig” und verfolgte eine zentralistische Politik. Alle Fäden sollten bei ihm zusammenlaufen. Politische wie religiöse oder wirtschaftliche Macht sollten durch den Zentralstaat kontrolliert werden.
Der weibliche Vorname Helena bedeutet die Sonnenhafte. Vermutlich keine bewusste Anspielung auf den alten Sonnenkönig und seinen Machtinstinkt, die die Erfinder von ELENA (ein Name, der sich von Helena ableitet) im Sinn hatten aber doch irgendwie gruselig.
ELENA hat das Ziel, Arbeitnehmerdaten zentral zu speichern und für Behörden (zum Beispiel die Bundesagentur für Arbeit) bereitzustellen. Wikipedia dazu:
In dem Datensatz werden nicht nur Name, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Adresse etc. erfragt, sondern auch Fehlzeiten, Abmahnungen, mögliches „Fehlverhalten“ und nach ursprünglicher Planung auch Streikbeteiligung.
Unnötig zu erwähnen, dass die zentrale Speicherung derart sensibler Daten zum einen ein gewaltiges Missbrauchsrisiko darstellt und man sich aus liberaler Sicht schon fragen muss, was den Staat Fehlzeiten oder Abmahnungen angehen.
Auch aus gewerkschaftlicher Sicht gibt es massive Kritik an dem Vorhaben, ausserdem haben bereits gut 16.000 besorgte Bürger die Online-Petition gegen ELENA unterzeichnet (ich bin einer davon).
Das Thema ist also heiss und bringt zur Abwechslung einmal Menschen auf eine Linie, die sich sonst oft nur schwer in irgendetwas einig sind. Das war für mich Grund genug, einmal bei der der hiesigen Sektion der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft nachzufragen, sich an einen Tisch zu setzen und darüber zu diskutieren.
Der Termin steht nun: Die Jungen Liberalen Harburg-Land werden sich am
3. März um 18.00 Uhr im Hotel “Zum weissen Ross” in der Marktstraße 10, 21423 Winsen (Luhe)
mit Lutz Kokemüller vom ver.di-Bezirk-Lüneburger Heide, der zugleich auch DGB-Kreisvorsitzender ist, treffen und sich über das Thema austauschen. Interessierte ausserhalb der Jungen Liberalen (oder einer Gewerkschaft) sind herzlich eingeladen – um das Lokal und uns selbst nicht in unnötige Sitzplatzverlegenheiten zu bringen bitte ich allerdings um kurze, formlose Anmeldung (entweder über eine der hier genannten Kontaktmöglichkeiten oder einfach über den Facebook-Termin) – und freue mich ansonsten auf diese Veranstaltung.
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PS: Wer nicht teilnehmen kann oder will, dem sei trotzdem noch einmal ausdrücklich die Online-Petition ans Herz gelegt!
Comments
4 Responses to “Die Sonnenhafte”
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Februar 15th, 2010 @ 06:20
Habe auch mitunterschrieben, aber war es nicht hier wo auch auf eine Petiton zum Aufruf das die Online Petition abgeschafft wird hingewiesen wurde.
Bisher ist auch aus der Petition für das Bürgergeld > 60000 Unterzeichner nichts geworden. Also scheint das Ganze mal wieder ein “fieser” Trick zu sein.
Eigentlich wenig überraschend wenn man sich unsere System derzeit anschaut….
Februar 15th, 2010 @ 06:33
Nö, ich finde Online-Petitionen völlig okay. Ihr Nutzen ist, da gebe ich dir Recht, nicht immer riesengroß aber es kostet ja auch bloß ein paar Sekunden Zeit – und ab einer gewissen Anzahl von Petitenten erzeugen sie ja immerhin einige Aufmerksamkeit, um die dann auch Politiker kaum herum kommen (siehe die Netzsperren-Petition).
Februar 15th, 2010 @ 12:32
Ok, aber dann tun Sie wieder so als ob das Alles ihre Idee war. Und die nächste “Dummheit” wartet dann hinter der nächsten Ecke, Elena ist ja nur ein Beispiel was die “Datensammelwut” angeht. Es gibt einfach zuviele “Kleinigkeiten” die zusammengenommen eine flächendeckende Überwachung ergeben.
Bis dann
Februar 15th, 2010 @ 15:41
Sehr richtig. Es heisst eben nicht umsonst “Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.”