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Winsen kriegt “Privatarmee”

Posted on | Februar 28, 2010 | 1 Comment

Eine “Privatarmee” hat der Fraktionsvorsitzende der FDP, Erich Lubina die neueste Errungenschaft der Stadt genannt. Für Stadtrat Tobias Müller von den Freien Winsenern sind uniformierte Bürger ohne jede besonderen Rechte aber offenbar ein Gewinn für das Sicherheitsbedürfnis der Bürger, sein Fraktionsvorsitzender Oliver Berten nennt sie im Ernst “organisierte Nachbarschaftshilfe”.

Der “Freiwillige Ordnungs- und Streifendienst” (FOSD) für Winsen ist seit letzter Woche endgültig beschlossene Sache und wird eingeführt werden. Unterschriftenaktion und alle guten Argumente gegen diesen Schwachsinn haben nichts genützt, die neue (inoffizielle) Mehrheitsgruppe aus CDU und Freien Winsenern, die zusammen ihren Haushalt beschlossen haben, haben für die ehrenamtliche Gang, die ab nächstem Sommer durch die Winsener Straßen ziehen wird fast 40.000 Euro eingeplant. Viel Geld – besonders, wenn man bedenkt, dass die geplanten Möchtegernpolizisten das, was sie in offiziellem Auftrag und in Uniform tun werden, bereits jetzt tun könnten: Nämlich die Polizei rufen, wenn sie irgendwelche Verbrechen sehen. Viel Geld auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Stadt die Steuern in diesem Jahr erhöhen muss, um ihren Haushalt in den Griff zu bekommen.

Vor so viel “Bürgersinn” kann man wohl wirklich nur den Hut ziehen. Hoffen wir, dass möglichst viele Winsenerinnen und Winsener der CDU und den Freien Winsenern im kommenden Jahr, wenn der Stadtrat neu gewählt wird in verdienter Weise an der Wahlurne für ihre grandiosen Einfälle danken werden.

Besonders interessant ist übrigens, dass sich mit diesen beiden Fraktionen ausgerechnet die zusammentun, bei denen – bisher jedenfalls – als einigermaßen gesichert galt, dass sie jeweils einen aussichtsreichen Kandidaten in das Rennen um das Bürgermeisteramt, dass ebenfalls 2011 entschieden werden soll, schicken wollten. Ob man sich nun, da man offenbar schon so etwas wie eine Koalition gebildet hat, wohl auch auf einen Kandidaten wird einigen können?

Comments

One Response to “Winsen kriegt “Privatarmee””

  1. Wilfried Rieck
    März 4th, 2010 @ 14:42

    „Ein Segen für die kommunale Demokratie“ und “Ich verspreche Ihnen, dass wir Sie in unserem Kampf für die Interessen der Winsener Familien und für mehr Bürgerdemokratie nicht enttäuschen werden!“, so erläuterte Oliver Berten 2006 den Ausgang der Kommunalwahl.

    Die Bürger haben es geglaubt, dass die Freien Winsener anders als die anderen Parteien sein würden und “auf Augenhöhe mit dem Bürger” für die Interessen der Menschen von Winsen rein nach Sachpolitik entscheiden wollten. Dafür haben sie ja auch jede Menge Stimmen bekommen.

    Nun haben sie gemeinsam mit der CDU eine Bürgerwehr aufgestellt und zur Finanzierung der “organisierten Nachbarschaftshilfe” die Grund- und Gewerbesteuern erhöht. Weiterhin stimmten sie für die Anträge der CDU, die Kinderbetreuungsgebühren zu erhöhen. Das nenne ich teuer erkaufte “gefühlte Sicherheit”.

    Die SPD kommentierte die Ratssitzung so: “Auch die sonst obligatorischen verbalen Auseinandersetzungen zwischen Freien Winsenern und CDU fanden nicht statt – der konservative Flügel der Freien Winsener scheint 19 Monate vor der Kommunal- und Bürgermeisterwahl den Kurs zu bestimmen.”.

    Der “konservative Flügel”? Bitte nicht vergessen, dass man mit Hilfe des Ratsmandates von Herrn Huber, das eigentlich der Partei “Die Linke” gehört, sich die Fraktion erweitert hat. Als Linker war er übrigens ein vehementer Gegner der Winsener Bürgerwehr und nun frage ich mich, wie die Mehrheiten im Stadtrat wohl zustande kamen.

    So hatte sich der Wähler das alles wohl nicht vorgestellt und da wundert sich noch jemand über die allgemeine Politikverdrossenheit. Die Wahlbeteiligung wird es gnadenlos zeigen.

    Man kann für Winsen nur hoffen, dass irgendwann mal jemand aus den Reihen der Freien Winsener den Laden übernimmt und die Visionen wahr macht, die der Großteil der Gründerväter der Freien Winsener mal vor Augen hatten.

    Wo sind sie hin, die Zeiten in denen die Rats- und Ausschusssitzungen vor der Flut von Anträgen aus den Reihen der Freien Winsener ächzten? Seit einem Jahr wurde ein einziger Antrag gestellt und der war auch noch gemeinsam mit der SPD und den Grünen.

    Wo sind sie hin, die oft gut besuchten aktuellen und schnell organisierten Infoveranstaltungen? Die letzte war im Juni 2008.

    Wo ist er hin, der regelmäßige Stammtisch, bei dem Bürger die Freien Winsener kennen lernen, ihre Meinung sagen und Anregungen geben konnten?

    Über 100 Mitglieder wollten die Freien Winsener bis 2010 werden, aber so wird das wohl nichts!

    Ich gehe davon aus und hoffe es, dass viele Winsenerinnen und Winsener im kommenden Jahr, wenn der Stadtrat und der Bürgermeister neu gewählt wird, dies alles nicht vergessen werden!

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