Mrz 31 2010
Bankenabgabe – regiert die SPD eigentlich immernoch?
Die Finanzkrise hat ihre Spuren hinterlassen: Die Bürger stehen immer noch unter einer Art Schock, haben mehrheitlich auch nach wie vor nicht begriffen, was eigentlich passiert ist oder warum – aber dass sich so etwas nicht wiederholen können darf, darin sind sich alle einig.
Und was macht man, wenn eine ahnungslose Mehrheit irgendwas fordert? Man tut so, als würde man ihr Recht geben und “endlich etwas tun”.
So jedenfalls handeln demokratische Regierungen praktisch immer, denn man will ja von möglichst vielen Leuten gewählt werden – ob aufgrund sinnvoller Argumente oder aus irgendwelchen falschen Annahmen und Einschätzungen heraus ist für die Bewohner von Kanzlerämtern und Ministerbüros tendenziell schon immer erstmal zweit- bis drittrangig gewesen. Daran hat sich selbstverständlich auch mit dem Regierungswechsel nichts geändert.
Und darum kommt nun die “Bankenabgabe“. Diese famose Idee funktioniert ungefähr so: Die deutschen Banken (die für Deutschlands Stammtische zweifellos die Finanzkrise erzeugt haben – und zwar einfach so, bloß weil sie einfach teuflisch böse sind) zahlen alle zusammen in einen Fonds ein. Und zwar sagenhafte 1,2 Milliarden Euro im Jahr. Das klingt viel (und eigentlich ist es das auch) aber allein in der derzeitigen Krise hat die Regierung die Welt mit 500 Milliarden Euro an Bürgschaften, Beteiligungen und Garantien gerettet.*
Folglich dürfte die nächste derartige Krise erst in ein paar hundert Jahren kommen, wenn wir sicher gehen wollen, dass keine Steuergelder in Gefahr geraten sollten. Sofern die Bundesregierung ernsthaft der Meinung sein sollte, mit diesem “Instrument” irgendwas sinnvolles geleistet zu haben, besteht sie also entweder aus einem Haufen Optimisten (was grundsätzlich eher zu begrüßen wäre) oder Leuten, die nicht rechnen können (was eine Katastrophe wäre, aber leider nicht gänzlich unwahrscheinlich ist).
Ich tippe allerdings dann doch darauf, dass meine erste Idee ins Schwarze trifft und das Ganze nichts weiter als eine kleine Theateraufführung für Leute gedacht ist, die nicht besonders viel über sowas nachdenken (also zum Beispiel durchschnittliche Wähler).
Das heisst nicht, dass der Fonds gar keine Folgen hätte. Er kostet zum Beispiel zunächst mal Geld. Zur Abwechslung mal kein Steuergeld – sondern dass, der Banken. Entgegen landläufiger Meinung haben Banken aber in dem Sinn kein eigenes Geld, sondern müssen es – wie jedes andere Unternehmen auch – erstmal erwirtschaften. Über Kredite zum Beispiel oder irgendwelche anderen Geschäfte. Diese Geschäfte machen sie mit Kunden – also mit uns allen. Gut möglich also, dass wir mit unseren Gebühren für ein blödes Girokonto demnächst diese ultimative Geheimwaffe gegen die nächste platzende Blase an irgendwelchen Märkten finanzieren dürfen. Jedenfalls wenn diese Blase so klein ist, dass sie ohnehin kaum Schaden angerichtet hätte.
Weiterer Nebeneffekt: Mancher Banker könnte sich sagen: “Hurra, wir haben einen Fonds, der unsere Bank raushaut, wenn wir uns verzocken – also zocken wir noch ein bisschen riskanter.”
Bei solchen Ideen kann man sich eigentlich nur resigniert am Kopf kratzen und sich fragen, wozu wir eigentlich eine andere Regierung gewählt haben.
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* “Gerettet” heisst in diesem Fall unter Umständen auch nur, dass es eben statt jetzt etwas später richtig dick kommt. Denn viele maßgebliche Faktoren sind ja genau wie vor der Krise geblieben (z.B. politisch gewollte Anreize für künstlich billige, also potenziell blasenbildende Kredite oder ein gigantischer Sektor an staatlichen Banken, welche praktisch kein Risiko zu scheuen brauchen, weil schon qua Gesetz jederzeit der Steuerzahler einspringen muss, wenn dort Mist gebaut wird – was ja in Hülle und Fülle vorgekommen ist – sowie ein Geldsystem, dass praktisch ausschließlich auf buntes Papier und das Vertrauen der Bürger setzt,dafür jederzeit irgendwas bekommen zu können…).

