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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Bundesmülltonnenministerium

Posted on | März 1, 2010 | 8 Comments

SPON verkündet heute die frohe Botschaft, das jetzt, wo die meisten von uns allmählich gelernt haben, was in den gelben Sack/ die gelbe Tonne geschmissen gehört und was nicht, endlich mal wieder alles anders werden könnte.

Schon in fünf Jahren könnten wir uns demnach mit einer ganz neuen Tonne konfrontiert sehen, die dann aber die heutige gelbe ersetzen würde. Oder so ähnlich:

Eine solche Tonne könnte nach Einschätzung aus der Abfallbeseitigungs-Branche an die Stelle der gelben Tonne treten und neben Kunststoffen auch Metalle sowie eventuell kleine Elektrogeräte und Holz-Wertstoffe aufnehmen. Der Recycling-Anteil soll von jetzt 63 Prozent bis zum 1. Januar 2020 auf dann mindestens 65 Prozent erhöht werden. Die Landesbehörden sollen dem Bundesministerium jährlich bis zum 30. Juni eine nachprüfbare Dokumentation über das erreichte Wiederverwertungs-Volumen liefern. Mit dem Gesetz wird teilweise eine EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt, was bis Ende des Jahres erledigt sein muss.

Ich bin von dem Text, beziehungsweise dem Vorhaben momentan noch zu sehr verwirrt, um unfallfrei bewerten zu können, ob das Leben mit dieser grandiosen Neuerung nun einfacher oder komplizierter wird. Da allerdings in Deutschland offenbar so eine Art ungeschriebenes Gesetz zu gelten scheint, dass Umweltschutz grundsätzlich weh tun muss, wäre es schon verwunderlich, wenn ein Bundesumweltminister uns das Leben erleichtern würde – das widerspräche ja auch völlig dem Image seines Ministeriums.

Aber interessant ist, dass sich in Deutschland im Ernst ein Bundesminiterium um die Müllentsorgung künmert und dabei nicht nur grobe Vorgaben macht, wie “jawoll, Müll muss entsorgt werden und als ‘entsorgt’ gilt nicht, ihn einfach in den nächsten Baggersee zu kippen” – nein, das geht bis hin zu den Inhalten der Tonnen und zumindest im Ansatz sogar deren Farbe.

Das mit dieser Neuregelung eine EU-Richtlinie umgesetzt wird, macht den Wahnsinn komplett. Denn wo kämen wir auch hin, wenn Kommunen einfach ihre Abfallentsorgung so regeln würden, dass sie den Vorstellungen ihrer Bürger entsprechen – statt der allwissender Bürokraten in fernen Metropolen?

Comments

8 Responses to “Bundesmülltonnenministerium”

  1. Rayson
    März 1st, 2010 @ 21:29

    Da allerdings in Deutschland offenbar so eine Art ungeschriebenes Gesetz zu gelten scheint, dass Umweltschutz grundsätzlich weh tun muss…

    Du hast es erfasst. Die reuigen Sünder haben sich zu kasteien.

    Das mit dieser Neuregelung eine EU-Richtlinie umgesetzt wird, macht den Wahnsinn komplett.

    Willkommen in der Subsidiarität des Lissabon-Vertrages, der leider auch von Juli-Funktionären unkritisch bejubelt wurde.

  2. Zitat des Tages « The Outside of the Asylum
    März 1st, 2010 @ 21:47

    [...] (Jan Filter) [...]

  3. Maschinist
    März 1st, 2010 @ 22:21

    Ein hahnebüchener Blödfug sonder gleichen ist das. Am Ende landet alles zusammen in der selben Verbrennungsanstalt.
    Reine Symbolik die bei Teilen der Leute auch tatsächlich anzukommen scheint. Ich will gar nicht an die Diskussionen mit diversen Ex-Freundinnen zum Thema Mülltrennung denken…

  4. vivendi
    März 2nd, 2010 @ 07:41

    Aus eigener Erfahrung: In den Gemeinden einer ganzen Region Frankreichs wurden die von Privaten verwendeten (und auch bezahlten) Mülltonnen allesamt ersetzt durch neue, einheitlich gestaltete und gefärbte Mülltonnen. “Kostenlos”, da mit den Abfuhrabgaben finanziert. Damit mussten Tausende von Plastik-Mülltonnen (Fassungsvermögen jeweils rund 120 Liter) vernichtet (entsorgt) werden, obwohl die alten Tonnen, mit einzelnen Ausnahmen, systemkonform waren.

  5. buttgru
    März 2nd, 2010 @ 13:19

    Haben die denn nichts zu tun, den lieben langen Tag?
    Es gibt eine “Wertstofftonne” und die sollte reichen.
    Die Idee diese dann auch für andere Dinge (Metalle, Kleingeräte) zu öffnen finde ich allerdings gut.

  6. Christian S.
    März 2nd, 2010 @ 19:21

    “Willkommen in der Subsidiarität des Lissabon-Vertrages, der leider auch von Juli-Funktionären unkritisch bejubelt wurde.”

    Wieso soll daran der Lissabon-Vertrag schuld sein?

  7. Daniel
    März 2nd, 2010 @ 22:29

    Kleine Elektrogeräte?

    Endlich!
    Die iPod-Tonne ist da!

    Ich schlage weiß als Farbe vor.

  8. Kolia N. Ohmann
    März 6th, 2010 @ 13:56

    @ Christian S.

    zum Glück bin Ich zwar Julis aber kein Funktionär und ich halte weder etwas vom Lissabon-Vertrag noch etwas von der Sowjet-(E)Union

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