Zivildienst retten?
Posted on | März 4, 2010 | 4 Comments
“Freiwillige Verlängerung soll Zivildienst retten” titelt Welt heute. Das jedenfalls stellen Politiker der Union sich vor; Koalitionspartner FDP in Gestalt von Florian Bernschneider, dem Jugendpolitischen Sprecher der Fraktion lehnt das ab und weist auf die Probleme dieser Pläne hin:
Die Union plant im Zuge der von ihr vorgeschlagenen “freiwilligen Verlängerung”, die Zivildienstleistenden gegenüber den Wehrdienstleistenden schlechter zu stellen. Freiwillig länger dienende Grundwehrdienstleistende bekommen einen steuerfreien Soldzuschlag von 20,45 € täglich, den Zivildienstleistende nach Unionsvorstellungen nicht erhalten sollen. Außerdem will die Union, dass der Zivildienstleistende bei Abschluss des Zivildienstvertrages bereits eine Verlängerung der Pflichtdienstzeit vereinbaren kann. Dies bedeutet, dass es möglich wäre, dass Träger des Zivildienstes nur verlängerte Verträge anbieten könnten.
Das alles wird wohl richtig sein, ich habe mit dieser Unionsidee aber noch ganz andere Schwierigkeiten.
Zum einen: Es ist jawohl so, dass jeder, der Bock hat, die allermeisten Jobs, die Zivildienstleistende so machen müssen, auch heute schon freiwillig machen kann. Es steht den Trägern von Zivildienststellen völlig frei, statt junger Leute, die zum Staatsdienst gezwungen werden auch einfach sonstwen einzustellen – und das dann selbstverständlich solange sie, beziehungsweise ihre Arbeitnehmer wollen und nicht bloß für das demnächst gesetzlich festgelegte halbe Jahr, dass der Zwangsdienst dauern soll.
Noch entscheidender ist aber, dass “Zivildienst retten” mit Sicherheit kein Ziel sein kann, dass eine Liberale Regierung haben kann und diese Regierung nennt sich ja nunmal gern “christlich-liberal”*. Politisch erklärtes Ziel eines der beiden koalierenden Fraktionen ist seit langer Zeit die ersatzlose Abschaffung dieser modernen Form der Sklaverei und das ist auch gut so. Es ist weder gerecht noch vernünftig, Menschen dazu zu zwingen, für wenig Geld Jobs zu machen, die nicht selten echte Arbeitsplätze ersetzt haben.
Ob es der FDP gelingt, die Bundesregierung dazu zu bringen, den Zivildienst eben nicht retten, sondern langfristig endlich abwickeln zu wollen, wird wohl ein weiterer wichtiger Prüfstein für diese Koalition und was sie für mehr Freiheit in diesem Land tut werden.
Drücken wir also Florian Bernschneider die Daumen, dass die Zwangsdienstpolitik dieser Regierung eher seine Handschrift als die der Union tragen mag.
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* Ob Zwangsdienste “christlich” sind, weiss ich nicht. Sofern man die Union fragt offenbar schon – aber ob das ein gültiger Maßstab ist?
Comments
4 Responses to “Zivildienst retten?”
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März 4th, 2010 @ 17:16
Herzlichen Glückwunsch! Zum x mal sind die Steigbügelhalter der Nazis an die Macht gekommen! ist subjektiv jederzeit wenn nötig beweisbar-
mfg Oss
März 4th, 2010 @ 18:01
Versteh ich nicht. Wer genau sind denn diese Nazis jetzt zum Beispiel?
März 4th, 2010 @ 22:35
Na alle, die keine Kommunisten sind. Wie immer.
März 5th, 2010 @ 10:17
Ein freiwilliger und verlängerter Zivildienst ist letztlich nichts anderes als das schon lange etablierte freiwillige soziale Jahr.
Also nicht nur ein dummer Vorschlag der Union, sondern auch völlig überflüssig.