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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Ein SPD-Ortsverband klärt auf

Posted on | März 13, 2010 | 19 Comments

Der Ortsverein Karlsruhe Mitte der SPD verkündet:

Die Sachlage ist eindeutig: „Killerspiele„, wie etwa „counter strike source“, können sowohl
kurzfristig unmittelbar nach dem Spiel, aber auch langfristig die Gewaltbereitschaft von
Spielern erhöhen. Dies kann vor allem bei bereits gewaltbereiten Menschen zu einer
weiteren Steigerung des Aggressionspotenzials beitragen. Auch die beiden Amokläufer von
Erfurt und Winnenden spielten „Killerspiele“. Das „Intel Friday Night Game“ fördert aus
kommerziellen Gründen die weitere Verbreitung solcher Spiele.

Erstaunlich, wieviel Dummheiten man in einen einzigen Absatz packen kann. Es sei den Karlsruher SPDlern zugestanden, eine bestimmte Meinung zu Computerspielen zu haben. Zweifellos gründet die sich auf jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema und reichhaltiger eigener Spielerfahrung und nicht bloß auf Vorurteilen, Spießigkeit und völliger Ignoranz der Interessen junger Menschen.

Meine Erfahrungen sind andere. Ich kenne nicht besonders viele Leute innerhalb eines bestimmten Alters, die noch nie ein entsprechendes Computerspiel gespielt haben. Die Zahl der Amokläufer in meinem Bekanntenkreis beläuft sich trotzdem seit Jahren auf Null. Gut, die Karlsruher Genossen würden mir vermutlich entgegenhalten, dass die ja alle noch durchdrehen könnten. Sie vergessen dabei, dass mich und viele andere junge Leute Pressemitteilungen wie diese aggressiver machen, als sämtliche “Killerspiele” zusammen.

Der Schuss Antikapitalismus darf natürlich neben der offen zur Schau gestellten Arroganz alter Leute, die partout nicht akzeptieren mögen, dass ihre Kinder und Enkel Interessen und Hobby haben, mit denen sie nichts anzufangen wissen auch nicht fehlen. Als könnte es irgendwelche anderen Interessen geben, Computerspiele zu verkaufen als (böse) kommerzielle.

Comments

19 Responses to “Ein SPD-Ortsverband klärt auf”

  1. Robin
    März 13th, 2010 @ 21:23

    Ich fasse die PM mal aus meiner Sicht zusammen:

    “FAIL”

  2. Rayson
    März 13th, 2010 @ 21:33

    Leider geht deine Argumentation am wichtigsten Satz der PM vorbei:

    Dies kann vor allem bei bereits gewaltbereiten Menschen zu einer
    weiteren Steigerung des Aggressionspotenzials beitragen.

    Viele Fans von gewaltverherrlichenden Computerspielen erwidern den Vorwurf, diese trügen zu realer Gewalt bei, gerne mit dem Hinweis darauf, dass die weit überwiegende Mehrheit der Spieler eben nicht gewalttätig werde. Das ist zwar richtig, widerlegt aber die falsche These.

  3. Robin
    März 13th, 2010 @ 22:35

    Ich finde ja, man sollte die Argumentation der Sportschützen übernehmen.

    Das Schießen lehrt Konzentration, Präzsion, Verantwortung im Umgang mit Menschen (auf LANs) und stärkt den Einsatz in Vereinen…

  4. Maschinist
    März 14th, 2010 @ 03:00

    Das ist Küchenpsychologie at it’s best.
    Folgt man dieser Logik müssen Autorennspiele verboten werden weil sie zu rücksichtslosem Fahren führen. Terroranschläge können mit Flugsimulatoren vorbereitet werden! Und – Oh Gott! – Wasserpistolen erst! Schon kleine Kinder empfinden das gegenseitige Abmetzeln als Spass, wie unverantwortbar!
    Sollen jetzt alle Soldaten die aus Afghanistan zurück kommen direkt in Sicherheitsverwahrung? Das wäre nur logisch und konsequent.
    Früher waren es böse Lieder und schlimme Filme, heute sind es “Killerspiele” und Paintball für die Küchenpsychologen. Über Mobbing, Ausgrenzung oder gar Hilfen spricht man nicht.

  5. Jan
    März 14th, 2010 @ 04:05

    Rayson,

    jo – ich ärgere mich grade, diesen entlarvenden Aspekt übersehen zu haben.

    Es bleibt phänomenal, wie eiskalt Menschen beschließen mögen, das andere Menschen bei der Ausübung ihrer extrem harmlosen Hobbys “Menschenwürde” oder sonst irgendwas beschädigen.

    Aber: Demokratie bedeutet, auch dummen Arschlöchern eine nennenswerte Stimme zu geben. Hoffen wir einfach, dass diese Vollidioten nie nie nie wieder Gehör finden mögen!

  6. Daniel
    März 14th, 2010 @ 13:01

    Computerspiele sind die Negermusik von heute.

  7. Daniel
    März 14th, 2010 @ 13:04

    @ Jan:

    Was meinst Du, wie man sich fühlt, wenn eine von den Grünen geladene “Expertin” in der Expertenanhörung des Bundestages behauptet, aufgrund seines Hobbys (Sportschiessen) hätte man eine “menschenverachtende Grundeinstellung”.

    Wie kann man so hart und vernichtend über Menschen urteilen, die man nicht kennt…

  8. Daniel
    März 14th, 2010 @ 13:33

    http://www.bild.de/BILD/news/2.....t-hat.html

    Der Part mit dem Computer ist interessant. Das Kind ist verhaltensauffällig, baut einen Scheiterhaufen für seine Stofftiere, fackelt dabei fast die Wohnung ab und die Mutter macht sich Gedanken über Computerspiele.

    Vielleicht wäre es gar nicht schlecht gewesen, wenn der Junge sich an der Maus abreagiert hätte.

  9. Julian
    März 14th, 2010 @ 13:33

    @Daniel: Nix neues. In den 80ern waren das die bösen Horrorfilme auf Video.

    Was dieser Ortsverein da geschrieben hat ist natürlich totaler Mist.

  10. Jan
    März 14th, 2010 @ 16:31

    Und Rockmusik erst…!

  11. Udo
    März 14th, 2010 @ 17:41

    Bedauerlich, das ausgerechnet Genossen aus Jörg Tauss ehemaligen Wahlkreis derartigen Unsinn verbreiten.

  12. Jan
    März 14th, 2010 @ 19:32

    Ach, ich weiss nicht. Fände ich in jedem anderen Wahlkreis genauso bedauerlich, ehrlichgesagt.

  13. vivendi
    März 14th, 2010 @ 23:40

    Dies kann vor allem bei bereits gewaltbereiten Menschen zu einer weiteren Steigerung des Aggressionspotenzials beitragen.

    Weshalb sind diese Menschen bereits gewaltbereit? Sind viellecht Ursache und Wirkung vertauscht: ist nicht der gewaltbereite Mensch besonders an Gewalt (im Spiel oder in der Realität) interessiert?

  14. Rayson
    März 15th, 2010 @ 12:14

    Sind viellecht Ursache und Wirkung vertauscht: ist nicht der gewaltbereite Mensch besonders an Gewalt (im Spiel oder in der Realität) interessiert?

    So in der Gegend. Gewalt-Computerspiele gelten als ein Auslöser bei bereits anfälligen Persönlichkeiten.

  15. Daniel
    März 15th, 2010 @ 14:31

    Sagt wer?

  16. Rayson
    März 15th, 2010 @ 15:18

    Sagen Psychologen, die sich mit der Sache beschäftigen.

  17. Daniel
    März 21st, 2010 @ 23:17

    Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt…

  18. Jan
    März 22nd, 2010 @ 05:13

    Mir fehlt ja so ein bisschen die Phantasie, um mir vorzustellen, dass halt irgendwer “anfälliges” ne Nacht lang Battlefield spielt und anschließend Papas Schrotflinte nimmt und durch die Straßen zieht. So in der Art jedenfalls würde ich das von einem “Auslöser” erwarten.

    Davon aber abgesehen, könnte eine solche Tatsache, sofern sie denn zutrifft, ja trotzdem kaum als stichhaltiges Argument herhalten, Computerspiele für jeden verbieten zu wollen. Das wäre immerhin auch eindeutige Zensur von Medien, die laut Grundgesetz ja nicht stattfindet.

  19. Rayson
    März 22nd, 2010 @ 10:03

    @Daniel

    Ja, am besten man geht gar nicht drauf ein. Dadurch lassen sich eigene Meinungen doch viel befreiter vertreten.

    @Jan

    Ich wusste gar nicht, dass deine Fantasie so schwach ausgeprägt ist ;-) Aber wir reden hier über psychische Prozesse. Die verlaufen nicht eindimensional und auch nicht sukzessiv – einfache Input-Output-Modelle, die man den Gegnern der eigenen Position zu Recht vorwirft, werden nicht dadurch besser, dass man selbst es ist, der sie anwendet… Ein “Auslöser” wären diese Spiele auch dann, wenn die “Anfälligen” sich über längere Zeit besonders intensiv mit ihnen beschäftigen, bis sie, unter Berücksichtigung anderer inzwischen eintretender Bedingungen, vom Spiel zur vorweggenommenen Realitätssimulation werden.

    Was mich an dieser Debatte weiterhin stört, sind die fanatischen Fronten. Auf der einen Seite diejenigen, die diese Spiele für den Grund allen Übels halten und meinen, durch ihr Verbot alle Probleme (oder wenigstens einen erklecklichen Teil davon, oder auch nur nach dem Motto “Wenn nur ein Mensch….”) zu lösen. Auf der anderen Seite die Spieler, die auch nur die kleinste Mitwirkung ihrer Spielzeuge bei solchen Problematiken vehement ablehnen in der erkennbaren Angst, ihre Freizeit demnächst vielleicht mit anderen Dingen verbringen zu müssen (was für Außenstehende, nebenbei gesagt, nicht gerade zur Vertrauensbildung beiträgt).

    Ich nehme hier nur noch diejenigen ernst, die eine echte Neugier an den Tag legen. Wer Ergebnisse von Studien, die ihm in den Kram passen, unkritisch bejubelt, und andere, die weniger Erfreuliches bereithalten, von vornherein verdammt, scheidet für mich aus der Diskussion, an der ich mich im Übrigen selbst nicht beteilige, aus. Das will ich jetzt keinem hier unterstellen, aber ich habe genug ellenlange Kommentarspalten gelesen… Nur noch die Raucher-Nichtraucher-Konflikte werden ähnlich fanatisch behandelt, wobei allerdings die Befürworter des Verbots von gewaltverherrlichenden Spielen im Netz wenig überraschenderweise kaum zu finden sind.

    Zur fanatischen Debatte trägt auch bei, dass Erkenntnisse fest mit Maßnahmen verknüpft werden. Wer also, so wie ich, anhand der Aussagen von für mich jedenfalls nicht unglaubwürdigen Fachleuten (also z.B. nicht des Herrn Pfeiffer…), zu dem Schluss kommt, dass solche Spiele da schon eine Rolle spielen können, der muss den Kindern angeblich automatisch die Bauklötze wegnehmen wollen.

    Nö, muss er nicht.

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