Mrz 23 2010
Einheitsbrot nach Euro-Norm
Der Europäische Binnenmarkt war einmal eine Idee der Freiheit. Waren, Menschen und Geld sollten sich völlig frei in ganz Europa bewegen können. Das war mal die Vision, der die Europäische Union zugrunde liegt.
Wenn man sich ansieht, was daraus geworden ist und offenbar auch weiterhin wird, kommt jeder, dem an dieser Vision etwas liegt, schnell mal ins Grübeln. Unter der Flagge Binnenmarkt segeln längst so geistreiche Ideen, wie europaweit einheitliche Handygebühren, KFZ-Nummernschilder, Telekommunikationsüberwachung oder Fiat-Geld. Von den legendären Einheits-Gurken, die allerdings irgendwann selbst den Eurokraten zu blöde geworden und mittlerweile abgeschafft worden sind, ganz zu schweigen.
Auch Rauch- und Glühlampenverbote sind Kopfgeburten einer ohne permanente Produktion solcher kranker Ideen wohl zu schnell gelangweilten Bürokratie.
Und weil ein paar dieser überbezahlten Besserwisser aus den Brüsseler Glaspalästen den paneuropäischen Verbraucherschutz vor lauter Langeweile so sehr gleichschalten wollen, dass es weh tut, zeichnet sich jetzt eine weitere grandiose Idee ab, die in genau dieser Tradition steht:
Die Europäische Union will künftig die Inhaltsstoffe von Brot schärfer reglementieren. Das könnte zur Folge haben, dass deutsches Brot nicht mehr als „gesund“ beworben werden darf. Weil der Salz-Gehalt in Deutschland traditionell höher ist, als die EU für gut befindet.
Zackbumm, da habt ihrs, ihr doofen Deutschen! Nichtmal ordentliches Brot könnt ihr! Da muss erst die EU kommen und euch ihre Regeln aufzwingen, damit ihr merkt, was ihr für einen Scheiss esst. Nur eine Frage der Zeit, bis diese Idee zum Einheitsbrot nach Euro-Norm weiterentwickelt und dieser Teil der europäischen Einheit auch auf andere Bereiche des Lebens ausgeweitet wird. Man könnte zum Beispiel die Größe von Müslischalen oder Kaffeebechern deckeln, damit der von Natur aus doofe Durchschnittseuropäer besser in der Lage ist, die empfohlenen Höchstmengen entsprechender Lebensmittel auch einzuhalten – wär das nix? (An dieser Stelle breche ich das Herumphantasieren lieber ab, ich möchte ja niemanden auf dumme Ideen bringen. Auch wenn man in Brüssel auf meine Hilfe in solchen Angelegenheiten sicher nicht angewiesen wäre…).
Freiheit, liebe Bewohner des fernen Planeten Brüssel, bedeutet eben nicht, dass jede Stadt zwischen Kopenhagen und Athen gleich aussehen muss oder das Brot in Estland genauso aufgebaut ist wie in Portugal. Freiheit bedeutet, dass wenn der Kunde in Deutschland findet, dass ein gesundes Brot diesen oder jenen Salzgehalt aufweisen muss, dass der Bäcker sich dann nach diesem Wunsch richtet oder es eben – freiwillig – nicht tut. Was eine Regierung oder gar ein internationaler Staatenbund davon hält, ist in einer freien Gesellschaft vollkommen irrelevant. Auf dem Planeten Brüssel mag man andere Maßstäbe an das Label “gesund” anlegen als die Bewohner der 27 anderen “Welten” der EU, dass muss auch eine gefühlte Zentrale respektieren.
Realistisch betrachtet gibt es natürlich deutlich mehr solcher “Welten” in der Europäischen Union, denn jedes Mitgliedsland besteht ja aus mehreren Ländern, noch viel mehr Städten und zum Teil sogar zig Millionen Bürgern – und jedem von denen muss Brüssel zugestehen, eigene Prioritäten in Sachen “gut für mich” oder “schlecht für mich” zugestehen. Geschmäcker sind verschieden, Bedürfnisse damit automatisch auch. Diesem Grundsatz liegt zum Beispiel die Vielfalt an Waren, wie sie nur eine möglichst freie Marktwirtschaft zu erzeugen in der Lage ist, zugrunde. Insofern wundert es wiederum doch nicht, dass der kleine Club von Politikern, Kommissaren und weitere Komikern, die am liebsten in Brüssel unser aller Leben durchorganisieren wollen, so sehr auf gnadenlose Vereinheitlichung stehen: Wer Macht hat, der will sie auch einsetzen und also lieber “gestalten”, als Teufelszeug wie Freiheit und Marktwirtschaft wirken lassen. Beides birgt schließtlich die “Gefahr” solcherlei verwaltende Wasserköpfe überflüssig zu machen…
Dementsprechend sorgen nicht wenige dieser Leute dafür, dass Europa sich möglicherweise irgendwann selbst als autoritärer, paternalistischer Nannystaat überführen und damit zum genauen Gegenteil der von mir eingangs geschilderten europäischen Vision werden wird – aber eins steht fest: Wenn dieses Europa nicht schleunigst entdeckt, dass der Bürger – und sonst niemand – derjenige ist, der alle Entscheidungen seines gewöhnlichen Alltags ganz allein treffen will, kann und muss, dann wird es sich eines Tages in ein ziemlich alptraumhaftes Gebilde verwandelt haben.
Dass die Idee, sogar etwas so profanes wie Brot nach irgendwelchen bürokratischen Regeln zu bewerten, ernsthaft diskutiert wird, stimmt einen da nicht grade positiv.
11 Kommentare



Es ist absurd. Britische Pappe und andere Weißbrotverbrechen gelten dann wohl als “gesund”, aber das Vollkornbrot hat zu viel Salz.
Das fängt ja schon mit den Bezeichnungen an. Schon gemerkt, dass es keine Erdbeermarmelade mehr gibt, auf der Erdbeermarmelade draufsteht? Obwohl das Zeug schon immer so heisst und jedes Kind weiss, was es ist? Naja, die Engländer haben protestiert und dann hat die EU beschlossen, dass “Marmalade” aus Zitrusfrüchten bestehen muss, inklusive “Marmelade”.
Manche mögen das als Lappalie sehen, aber mich bringt es echt auf die Palme. Es steht stellvertretend für den Schwachsinn des Regulierungswahns.
Was will man von Politikern und Bürokraten anderes erwarten als eine ungezügelte Regelungswut?
Bürokratie wächst mit jedem neuen Gesetz und man darf sich ja wohl derartig unproduktive “Arbeitsplätze” nicht durch die Lappen gehen lassen.
Und so passiert es: Es gibt immer mehr Unproduktive, die wie Vampire über jeden Produktiven herfallen.
Was das Ganze noch fatalter macht, wir haben schon in Deutschland alleine mehr als genug “Schmarotzer” aber nun wird darüber noch eine Schicht von Schmarotzersn auf Schmarotzern geschichtet. Sicherlich recht annehmend von uns bezahlt, Nutzen für uns = 0….
http://www.narragonien.de/?p=2864
“After press reports pretending that German bread might be under attack by “Brussels”, we would like to clarify:
The Commission is not prohibiting any bread and has no intention to regulate the salt level in bread. Neither in Germany nor elsewhere in the EU”
Die Frage ist, wieviel Bürokratie und Regelungswut ein System aushält, bevor es in sich zusammenbricht. So wie ich die EU kenne, dürfte die Grenze wohl schon bald erreicht sein
@dein_föhn. “wir wollen keine Mauer bauen….”
@Mini-Europa. Wäre wünschenswert aber ich befürchte da wird noch viel Böses geschehen bevor es soweit ist.
Hinter den Regulierungen der EU stecken oftmals ganz einfach wirtschaftliche Interessen. So wurde bspw. der Krümmungsgrad der Gurke seinerzeit auf Drängen einzelnen Unternehmen eingeführt, damit sie optimal in die vorhandenen Kisten passen.
Ich denke, dass viele andere Regelungen auch durch Lobbyeinfluss herbeigeführt werden.
Das ist zweifellos der Fall – aber nun wirklich eine saublöde Entschuldigung.
[...] Die Frage, ob es eigentlich Aufgabe der EU-Kommission ist, exakt solche Pläne stumpf nochmal zu präsentieren, die auf nationaler Ebene mancher Staaten bereits mit wehenden Fahnen untergegangen, um nicht zu sagen abgewählt worden sind, ist für mich mittlerweile eine, die mich am Sinn der Europäischen Union insgesamt zweifeln lässt. Die Schaffung einer internationalen Freihandelszone, in der gleichzeitig nichts höher bewertet wird, als individuelle Freiheit inklusive der Bürgerrechte, scheint jedenfalls schon lange nicht mehr das zu sein, wozu wir uns den gigantischen EU-Apparat halt…. [...]
Warum schreibt den keiner was über die geile Rosen Norm?
Wenn ne Rose kurzer als glaub 30 cm is darf sie nicht mehr als 5 Blätter haben, achso und die Dornen müssen auch weg, nicht das sich der dumme Europäer noch dran verletzt.
Ich kanns nicht mehr sehen. Wo bleibt der wütende Mob der die ganzen geisteskranken Bürokraten ausm Land jagt?!
(Das ist kein Aufruf zur Gewalt, das bringt eh nix, die schicken einfach ihren Lissabonschlägertrupp, der alles niederballert)
Es ist zum verzweifeln -.-
Na weil ich darüber wohl noch nie was gelesen habe. Das zeigt aber übrigens, dass die berühmte Gurkennorm vielleicht zurückgenommen wurde – aber wohl eher aus symbolischen Gründen. Dass so etwas einfach nicht Aufgabe einer “Regierung”/Behörde/als was immer die sich auch begreifen sein kann, ist damit offensichtlich trotzdem noch lange nicht in den Eurokratenhirnen angekommen.
Ich schätze, man müsste diese Leute schon im großen Stil abwählen, um sie loszuwerden. Das ist aber aufgrund der Masse gar nicht so einfach…