Apr 19 2010
Kleiner EUROpäischer Seufzer
Wilhelm Hankel hat versucht, den Euro per Klage vor dem Verfassungsgericht zu verhindern – im Jahr 1997. Damals hat wohl kaum jemand einen Sinn darin sehen können. Heute allerdings mehren sich die Indizien, dass der Euro nicht die grandiose Idee gewesen ist, als die sie uns damals (und seitdem) verkauft worden ist.
Hankel selbst erklärt seine Ablehnung des Euro in der “Freien Welt” heute so:
Die ehemaligen Schwachwährungsländer haben sich nach Aufnahme in den Euro-Club nicht an dessen Spielregeln gehalten. Sie haben sich hemmungslos verschuldet, nachdem sie in den Genuss billiger Zinsen kamen und keine Abwertungen mehr befürchteten. Mit dem Euro wird das Währungsrisiko sozialisiert und der Währungsmissbrauch honoriert.
Und tatsächlich: Was FDP-Finanzexperte Frank Schäffler letzte Woche über den Fall Griechenland schrieb, gibt Hankel leider in jeder Hinsicht Recht:
Nicht alle Euro-Staaten werden und können sich daran beteiligen, also muss auch der Rest ausgeglichen werden. Klar ist auch, dass der IWF – und damit seine Mitgliedsstaaten – für seine Hilfe griechische Staatsanleihen erhält. Soweit zur Klarheit.
Was nicht gesagt wird, ist, dass Griechenland bis Ende 2012 86 Milliarden Euro Altkredite refinanzieren und sein Haushaltsdefizit von kumulierten 40 Milliarden Euro ebenfalls finanzieren muss. Was ebenfalls nicht gesagt wird, ist, dass Hilfen des IWF Geldschöpfung aus dem Nichts, also Inflation bedeuten.
Doch damit nicht genug: Jeder weiss ja, dass Griechenland nur eines (und noch nichtmal das schuldenmäßig größte) von mehreren Euro-Ländern ist, dass sich übernommen hat und – sanft ausgedrückt – einer Pleite gefährlich nahe ist. Das ist schlecht für diese Länder – aber das ist auch schlecht für alle Teilnehmer am Projekt Gemeinschaftswährung, denn die Schulden aller Euro-Länder wirken sich auf den Wert der gemeinsamen Währung aus.
Denn die ist nunmal letztlich durch nichts anderes gedeckt, als durch das Versprechen, dass sie stabil und sicher ist.
Was aber ist ein solches Versprechen aus dem Mund eines Clubs, dem die meisten von uns im richtigen Leben vermutlich nichtmal einen Gebrauchtwagen abkaufen würden, wohl wert?
Das Beste, was man vor diesem Hintergrund wohl anmerken kann ist, dass es interessante Zeiten sind, in denen wir leben. So wirklich erpicht bin ich trotzdem nicht darauf, Lenins berüchtigten Ausspruch zu diesem Thema auf seine Wahrheit hin zu überprüfen. Aber eigentlich war es jawohl auch von vornherein eine seltsame Idee, Papier bunt zu bedrucken und so zu tun, als wäre es allein dadurch plötzlich etwas wert… wie falsch das ist, erklärt Thorsten Polleit zum Beispiel hier.
Die Idee einer Gemeinschaftswährung ist dabei ja gar nicht das eigentliche Problem. Aber wenn so etwas funktionieren soll, dann ist es eben nicht beste Methode, bestehende Währungen künstlich miteinander zu verwurschteln. Welche Risiken das beinhaltet, stellen wir ja gerade per Menschenversuch in ganz Europa fest.
8 Kommentare



[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jan Filter erwähnt. Jan Filter sagte: Neu im Blog: Kleiner EUROpäischer Seufzer http://bit.ly/dwVaAB [...]
Ökonomisch und politisch ungebildet habe ich das damals auch nicht, einen Sinn darin gesehen. Aber es gab doch genug Liberale, die den Euro schon vor seiner Einführung in Anwendung liberaler Prinzipien abgelehnt haben.
Kann sein, Dirk. Ich war damals 16 Jahre alt und kann darum nur wiedergeben, was die Leute darüber gedacht haben, mit denen ich mich umgeben habe. Das waren ausnahmslos entweder Leute in meinem Alter oder Erwachsene, die weder damals noch heute eine besondere Vorliebe für politischen Liberalismus haben.
Was mich jedenfalls darauf schließen lässt, dass der Ottonormal-Geldnutzer von damals sich von den Pro-Euro-Argumenten hat überzeugen lassen. Es ist ja auch jetzt nicht wirklich so, dass der Euro mehrheitlich in Frage gestellt wird – es fragt sich halt nur, ob und wenn ja wie lange das so bleibt.
Wemmdie Mehrheit illiberalist, besteht keine große Wahrscheinlichkeit für ein In-Frage-stellen des Euros. Ich war ein paar Jahre älter und die öffentliche Diskussion etwa in Anlagemagazinen war lebhaft. Die Argumente von Starbatty und Hankel wurden vorgetragen und begutachtet. Nur wenige wussten sie zu schätzen. Ich auch nicht.
Hier werden zwei völlig verschiedene Aspekte vermischt. Zum Einen die Frage, ob Papiergeld (“fiat money”) grundsätzlich gut ist oder nicht. Und die Andere ist, wie damit umgegangen wird, wenn einzelne Staaten sich überschulden.
Einen direkten Zusammenhang zwischen diesen beiden Frage gibt es erst einmal nicht!
Wenn Griechenland pleite geht, kann das dem Euro völlig egal sein. Das Problem haben – wie bei jeder Pleite – nur die Leute, die griechische Anleihen gekauft haben. Es ist dabei völlig egal, ob diese Anleihen in Dollar oder Euro lauten.
Einen Zusammenhang kann es nur dort geben, wo der überschuldete Staat seine Schulden in seiner eigenen nationalen Währung begeben hat, und die Kontrolle über die Notenbank so hat, daß er frisches Geld drucken kann, um diese Schulden zu bedienen (und dabei natürlich heftigst Inflation verursacht).
Und genau diese Gefahr ist im Euro-Raum nicht mehr gegeben – selbst wenn alle Euro-Staaten pleite gingen. Die “Stabilitätskriterien” waren ein rein politische Maßnahme, um Akzeptanz zu schaffen – für die Währungsstabilität braucht man sie nicht, und deswegen waren die griechischen Mogeleien in dieser Frage auch nicht wirklich relevant.
Ich habe ehrlichgesagt meine Zweifel, ob der Euro es überleben könnte, wenn mehrere Mitgliedsstaaten pleite gehen würden. Zum einen weil deren Anleihen – so wie sieht es derzeit jedenfalls aus – dann zu großen Teilen anderen Euro-Mitgliedsstaaten gehören werden, zum anderen weil Vertrauen das einzige ist, dass den Wert dieser Währung ausmacht und genau dass würde in solchen Fällen wohl massiv leiden.
Ausserdem gehe ich jede Wette ein, dass mit steigender Überschuldungslast irgendwann so oder so die Notenpresse anlaufen wird. Entweder, weil die EZB das “freiwillig” entscheidet – oder weil die unter Druck geratenen Regierungen mal schnell die Spielregeln ändern.
Die Geldmenge wurde ja bereits massiv ausgedehnt, und spätestens wenn durch die Insolvenz von Staaten wieder “systemrelevante” Banken in Mitleidenschaft gezogen werden, wird man nach dem Motto “viel hilft viel” noch eine Schippe draufpacken. Währenddessen ist an der nächsten Lampe schon die nächste Asset-Blase für uns frei.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich jetzt noch mit sinnvollen Sachwerten einzudecken, die über mehrere Jahre hinweg Nutzen stiften, also z.B. selbstgenutztes Wohneigentum, einen neuen Pkw, gute Schuhe, Uhren, Schmuck…
@Jan:
> Ich habe ehrlichgesagt meine Zweifel, ob der
> Euro es überleben könnte, wenn mehrere
> Mitgliedsstaaten pleite gehen würden.
Ich würde mal so sagen: Ich kann mir viele politische Fehler vorstellen die solchen Pleiten folgen könnten. Und die können dann auch den Euro gefährden.
Aber einen direkten Zusammenhang gibt es nicht.
Wenn es z. B. im DM-Raum einige massive Pleiten gegeben hätte (z. B. einige große DAX-Unternehmen), dann hätten wir eine Wirtschaftskrise bekommen und allgemeines Heulen – aber die DM wäre deswegen direkt nicht geschädigt worden.
> Zum einen weil deren Anleihen – … – dann zu
> großen Teilen anderen Euro-Mitgliedsstaaten
> gehören werden, …
Nur wenn man auf dem Irrweg der Griecheland-Subventionierung weitermacht.
Der Gag ist: Nicht der griechische Bankrott wäre die eigentliche Gefahr bzw. die Gefährdung des Euro, sondern die politischen Maßnahmen, diesen Bankrott zu verschieben.