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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Öffentlich-rechtliche Onlineprogramme – ein Ärgernis für alle Beteiligten

Posted on | April 22, 2010 | 1 Comment

Die Tagesschau zitiert ihren obersten Boss angesichts der Meldung, dass bereits 100.000 Dokumente aus den Online-angeboten der ARD dank des “12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags” (Himmel, wie ich diese schwachsinnig-euphemistischen Bezeichnungen für Quasi-Gesetze liebe…) entfernt worden sind, wie folgt:

“Die von einigen Verlegern und ihren Verbänden unterstellte Expansion der ARD im Internet ist daher ein unhaltbarer Vorwurf.”

Großes Gejammer also bei der ARD – nur zum Teil wirklich gerechtfertigt, da zumindest Nachrichten sowieso nur interessant sind, solange sie aktuell sind und jene “Verläger und ihre Verbände” vor allem unter der Konkurrenz um aktuelle Meldungen zu leiden haben werden. Aus Nutzer- und Gebührenzahlersicht ist diese Löschpraxis aber natürlich nichts als ärgerlicher Unsinn.

Doch nehmen wir mal an, ARD und ZDF fänden im Internet einfach überhaupt nicht mehr statt. Wäre dann wirklich – wie Verteidigern des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems ja immer wieder schnell warnen – die Demokratie in Gefahr? Die Pressefreiheit?

“Wichtige” Fernsehbeiträge öffentlich-rechtlicher Sender finden sich so oder so auf Youtube und ähnlichen Plattformen. Größtenteils sogar ohne jeden Auftrag (und übrigens normalerweise auch ohne einen Cent Bezahlung) von Privatleuten eingestellt.

Aber selbst wenn ARD und ZDF einfach nur ihr normales Programm komplett online stellen würden, wäre das ja noch irgendwie nachvollziehbar. Das wäre ja schließlich bereits alles vom Nutzer bezahlt und damit hat er irgendwo ein Recht darauf, dass auch zu sehen zu bekommen. Private Anbieter hätten dann allerdings immer noch das Problem, es mit übermächtiger, weil finanziell praktisch unbegrenzt potenter Konkurrenz zu tun zu haben. Wer öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt befürwortet, sollte sich über diese krasse Wettbewerbsverzerrung – die ja schon im Fernsehen dazu geführt hat, dass fast alle privaten Sender eher seichtes Programm bringen – im Klaren sein.

Warum es gebührenfinanzierte schriftliche Artikel von Fernseh- oder Radiosendern geben muss, ist schwer einzusehen. Wer der Meinung ist, dass sowas einen Sinn hat, der darf mir bei Gelegenheit dann gerne erklären, warum es dann andererseits solche (beziehungsweise sogar genau diese Artikel) nicht auch noch in Form einer gedruckten öffentlich-rechtlichen Zeitung oder Zeitschrift gibt. Die dann praktischerweise jedem ungefragt zugestellt wird, denn er hat ja schließlich Gebühren bezahlt (die dann sicherlich noch ein bisschen höher wären, ist ja klar). Es hat ja immer noch nicht jeder einen Internetzugang und somit könnten die wertvollen Online-Beiträge einen Bogen um manche Menschen machen – das ist im Sinne einer wirklich ernstgenommenen Grundversorgung wohl kaum hinnehmbar und im Sinne derer, die in zwangsgebührenfinanziertem Fernsehen überhaupt etwas Gerechtes sehen mögen vermutlich auch ungerecht.

Die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft ist also insgesamt nicht sehr konsequent aufgebaut und in der derzeitigen Form zumindest im Onlinebereich eigentlich ein Ärgernis für alle Beteiligten. Es stellt sich die Frage, warum wir uns diesen Ärger überhaupt noch antun, zumal Tagesschau.de oder die Seiten der öffentlich-rechtlichen Regionalsender weder besser noch journalistisch sauberer*, weniger tendenziös oder gar seriöser sind, als die Onlineangebote der Millionen großer, kleiner oder auch winzig kleiner privaten Medien.

Zu denen neben den Online-Varianten der großen Zeitungen ja auch das zählt, was ganz normale Menschen ins Netz stellen. Private Onlinemedien sind daher zum Beispiel auch hunderttausende von Twitter-Profilen oder Facebook-Updates, Millionen Blogs, Websites wie Wikipedia, Wikileaks oder Foren. Das freie Internet hat eine Medienvielfalt geschaffen, den ein gelenktes Unternehmen allein niemals zustande gebracht hätte, egal ob durch Zwangsgebühren, Werbung oder freiwillige Beiträge finanziert.**

Die Welt von heute – und erst recht die von morgen – braucht keine öffentlich-rechtlichen Medien mehr.

* Wer da bisher noch anderer Meinung ist, dem dürfte dieser Zahn zum Beispiel mithilfe von David Harnaschs TV-Kritik auf Cicero.de recht schnell gezogen werden.

** Diese Tatsache allein widerlegt übrigens nebenbei bemerkt auch die Grundhaltung aller Staatsgläubigen, alles müsste irgendwie von oben kommen, wenn es was taugen soll. In einem freien Internet wird sozusagen im Modell vorgemacht, was in einer freien Marktwirtschaft mit der realen Welt geschehen könnte – und was der Staat stattdessen an jeder Ecke unter dem Preis von Arbeitslosigkeit mit seinem bürokratischen, fiskalischen oder sozialstaatlichen Tot-trampeln tausender Unternehmergeister zum Leidwesen der Allgemeinheit verhindert.

Comments

One Response to “Öffentlich-rechtliche Onlineprogramme – ein Ärgernis für alle Beteiligten”

  1. Tweets die Filterblog » Öffentlich-rechtliche Onlineprogramme – ein Ärgernis für alle Beteiligten erwähnt -- Topsy.com
    April 22nd, 2010 @ 10:01

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jan Filter erwähnt. Jan Filter sagte: Neu im Blog: Öffentlich-rechtliche Onlineprogramme – ein Ärgernis für alle Beteiligten http://bit.ly/dDuPHk [...]

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