Warum Sparsamkeit sich nicht rechnet
Posted on | Mai 26, 2010 | 1 Comment
Es rechnet sich natürlich schon – finanziell. Aber politisch eben nicht. Exemplarisch für das Problem kann man eine aktuelle Stern-Online-Schlagzeile hernehmen:
stern-Umfrage: Sparen bei der Bildung? Deutsche sagen Nein
Bildung ist den Deutschen einfach zu wichtig, um ausgerechnet hier zu sparen. Der Bildungssektor in diesem ist – das weiss jeder, nicht der Beste. Pisa beweist es und an Protesten gegen dieses und jenes herrscht ja auch darüberhinaus keinerlei Mangel. Aber könnte es denn nicht sein, dass die Probleme anderer Natur sind, als einfach ein Mangel an Geld (immerhin wird in Deutschland für Bildung unter dem Strich mehr ausgegeben, als das beispielsweise im nervig oft genannten Finnland der Fall ist)?
Die Frage stellt sich in dem Zusammenhang offenbar gar nicht erst. “Sparen”, das ist in diesem Land mittlerweile ein Synonym für “Verschlechtern” geworden – allerdings wird Politik auch häufig genau so umgesetzt. Beispielsweise in der Bildung: Dort wird meistens danach gefagt, wo gestrichen werden kann und weniger, ob nicht das System an sich ineffizienter als nötig sein könnte – was ja nicht nur eine finanzielle Dimension hätte, sondern für gewöhnlich auch allen Beteiligten Lebenszeit stiehlt.
Auf diese Weise hat es die Politik (und das kann man schlicht nicht an konkreten Parteimitgliedschaften festmachen) in jahrzehntelanger “Arbeit” hinbekommen, dass Sparsamkeit in öffentlichen Haushalten verpönt bis verhasst ist. Steuersenkungen sind chronisch unbeliebt – weil scheinbar sogar vielen Bürgern die nötige Phantasie fehlt, sich vorzustellen, dass ein Staat mit weniger Geld trotzdem besser funktionieren kann.
Schuldenmachen bis zum Gehtnichtmehr ist dagegen völlig okay – solange nur mit dem Geld genug “Wohltaten” verteilt werden. Politik in Deutschland funktioniert in der Hinsicht ausgesprochen einfach – und unter dem Strich überall mehr oder weniger gleich.
Ergebnis dieser – von den Wählern regelmäßig belohnten – Politik sind irrwitzige Schuldenberge und die Kuriosität, dass beispielsweise kein Bundesminister einen Anreiz zu haben scheint, in seinem Ressort zu sparen. Täte er das, müsste er schließlich sparen, was in der öffentlichen Wahrnehmung fast automatisch wahrgenommen wird, als würde er seinen Job schlecht machen.
Viel spricht dafür, dass wir bald an die Grenzen dieses Teufelskreises geraten. Man darf gespannt sein, ob die Folgen einfacher verkraftbar sind als ob beizeiten mal ernsthaft gespart worden wäre.
Comments
One Response to “Warum Sparsamkeit sich nicht rechnet”
Leave a Reply
Mai 27th, 2010 @ 09:13
Das ist auch eine idiotische Art, Einsparungen festzustellen. Stell dir vor jemand kommt vorbei und will deine Bezüge kürzen: Willst du weniger Essen? Nein. Weniger Fernsehn? Nein. Weniger Bildung? Nein. Weniger Sport? Nein. Weniger Kleidung? Nein. Weniger Auto? Nein. Weniger Wohnung? Nein. Weniger Rente und Sozialhilfe? MÖRDER! Warum HASST du alte und arme Menschen?
Fazit: alles notwendig. Das ist ja das Problem an der Demokratie. Die Politiker werden nur gewählt wenn sie das Blaue vom Himmel herunter versprechen, und jede Erwähnung von Einsparungen ist politischer Selbstmord.