E-Pass: Vorschlag zur Güte
Posted on | Juni 24, 2010 | 3 Comments
Sollte die FDP sich zwischenzeitlich in den Medien mühsam ein halbwegs positives Image als “Datenschutzpartei” erarbeitet haben, dürfte es damit nun auch wieder vorbei sein. Denn es spricht viel dafür, dass wir auch nach dem Willen der FDP künftig alle mit Pässen rumlaufen dürfenmüssen, die sämtliche enthaltenen Daten zum Fernabruf per Funk bereithalten.
Natürlich verschüsselt.
So wie dieser tolle, damals neue Reisepass, bei dessen öffentlicher Entschlüsselung ich mal auf einer Technikmesse Zeuge wurde. Das ist etwa drei Jahre her, funktionierte damals mit frei verfügbarer Software aus dem Internet und dauerte nur wenige Minuten, bis der Referent dem verdutzten Passbesitzer sein eigenes Passfoto plus sämtlicher persönlicher Daten auf der großen Leinwand präsentierte – und anschließend nach Belieben veränderte.
SicherlichHoffentlich haben die für solche genialen Schöpfungen verantwortlichen Beamten seitdem ein bisschen was dazugelernt; Dass es “absolut sicher” bei so etwas praktisch nie gibt, hat sich bei vielfältigsten Datenskandalen der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Die spannende Frage in dieser Hinsicht ist höchstens, ob die Verschlüsselung und/oder die Datensätze binnen Jahren, Monaten oder Wochen geknackt und missbraucht werden.
Es wird trotzdem Zeitgenossen geben, die dem ganzen technischen Schnickschnack, den dieser Ausweis von Haus aus mitbringt, einen praktischen Nutzen abgewinnen dürfte. Denn er lässt zum Beispiel eine elektronische Identifikation zu – und sowas braucht man heutzutage praktisch täglich. Natürlich gibt es dafür bereits dutzende sicherer Möglichkeiten, so dass das sicherste am neuen Pass ist, dass seine tollen Innovationen so wirklich niemand braucht – das ist aber in einer Marktwirtschaft natürlich kein Argument, so etwas nicht trotzdem anzubieten.
Daher mein Vorschlag zur Güte für eine liberale Position in Sachen elektronischer Personalausweis: Von mir aus Anbieten, von mir aus auch zum angedachten Preis von fast 30 Euro und meinetwegen auch die ganzen Daten auf einem hippen Funkchip speichern, falls man mal seinen Geburtstag nicht erst mühsam irgendwo eintippen will, sondern das alles schön automatisch ausgelesen werden soll.
Aber selbstverständlich muss es davon auch eine alternative Version geben – ohne den ganzen unnützen Schnickschnack, die weiterhin für maximal 8 Euro (soviel kostet die “Low-Tech”-Variante heute bereits, was ja auch nicht grade wenig ist, zumindest für manche Menschen).
Wenn der neue Ausweis wirklich einen so dramatisch höheren Mehrwert bietet, der den irre hohen Preis und die mit ihm verbundenen Sicherheitsrisiken vergessen macht, dann dürfte er sich auch trotz einer solchen Light-Variante ja ohne weiteres am Markt durchsetzen aber ohne ein solches alternativ-Angebot halte ich das Vorhaben für unzumutbar.*
–
* Für liberal schon gar nicht – aber das ist in diesem Land sowieso kein Maßstab, der in der Politik irgendeine Rolle spielt.
Kleine Ergänzung: Ein paar Tage nach diesem Artikel haben die Jungen Liberalen Harburg-Land einen Antrag beschlossen, der die Idee dieses Artikels aufgreift. Ich habe ihn in meinem kleinen Zweitblog (in dem ich Zitate, Quellen und sonstiges unkommentiertes Gedöns sammle) dokumentiert.
Comments
3 Responses to “E-Pass: Vorschlag zur Güte”
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Juni 25th, 2010 @ 02:20
“Datenschutzpartei” am Ende noch “Bürgerrechtspartei”. Deswegen habe ich in der prä-Westerwelle-Ära mal mit der FDP sympathisiert – Alternativen gab es nicht, nur Alternaive.
Aber was hilft’s? @sls_fdp ist halt nur noch die Folklore-Beauftragte der Steuersenker. Zukunftsdenkende müssen sich Alternativen schaffen und haben es getan. Die 2-3% hätte die FDP mittlerweile sehr gerne.
Juni 25th, 2010 @ 14:23
Die neuen Pässe sind sicher, jedenfalls ungefähr so (un) sicher wie die Renten…..
November 8th, 2010 @ 09:50
[...] auf diesem Blog mit einem “Vorschlag zur Güte” im Juni 2010 begann, ist seit heute nachmittag ganz offiziell Beschlusslage der Jungen [...]