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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Wann wird Bier verboten?

Posted on | Juni 25, 2010 | 12 Comments

Insgesamt haben rund 9,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren Alkoholprobleme. Das heißt, dass sie Alkohol in einer gesundheitlich riskanten Menge konsumieren. Etwa 1,3 Millionen von ihnen sind alkoholabhängig und bei rund zwei Millionen Menschen liegt Alkoholmissbrauch vor. Jedes Jahr sterben circa 74.000 Männer und Frauen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.

Es sind Horrorzahlen, die die “Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung”*anlässlich des am Wochenende zu begehenden “Weltdrogentages” da nennt. Würde es sich zum Beispiel um ein neues Lebensmittel, vorzugsweise produziert und beworben von einem großen Unternehmen, das Produkt würde schleunigst verboten werden und das Unternehmen wahrscheinlich dem Ruin nahe.

Alkohol genießt eine Sonderstellung in unserer Kultur. Ich finde das gut – aber ich bin ja ohnehin ein irrer Liberaler, der der Meinung ist, dass es dem Staat egal zu sein hat, wie ich mein Leben führe, solange ich damit sonst niemanden in seiner Freiheit einschränke. Ich würde niemandem das Trinken verbieten und bin gegen staatlich verordnete Rauchverbote.

So denkt aber der Mainstream nicht. Rauchverbote finden sogar viele Raucher gut – weil sie das angeblich zum weniger Rauchen zwingt. Rauchen stinkt und nervt natürlich schnell Menschen, die sich in der Nähe befinden – vermutlich ist es deshalb vergleichsweise leicht, Akzeptanz für entsprechende Verbote zu bekommen.

Das Haschisch verboten ist, juckt die meisten Leute auch nicht. Es war halt “gefühlt” schon immer verboten und wer es wirklich nutzen will, der tut es so oder so

Alkohol ist eine Droge, die gesellschaftlich in hohem Maß akzeptiert ist. Das dürfte ein Grund sein, vielleicht sogar der einzige, warum es bisher bei solchen eher halbherzigen Medienkampagnen wie denen der Bundeszentrale bleibt. Würde Drogenpolitik objektiv und konsequent betrieben, wäre Alkohol selbst in kleinen Mengen verboten und sein Verkauf und Besitz strafbar. Der Zoll würde vermutlich Jagd auf “Bierjunkies” machen in der Hoffnung, sie abends vor dem Fernseher beim verbotenen Feierabendbier auf frischer “Tat” zu ertappen.

Ich habe wirklich gar keine Zweifel, dass genau solche Verhältnisse augenblicklich Realität würden, würde die Akzeptanz der Droge Alkohol in der Gesellschaft unter einen gewissen kritischen Grenzwert sinken. Weil in diesem Land offenbar wichtiger ist, dass keiner aus der Reihe tanzt und sich alle in ihrem Verhalten einem gewissen Mainstream anpassen, als dass Wert darauf gelegt würde, dass jeder tun und lassen kann, was er will, also ein freier Mensch sein darf.

* Eine Art staatsfinanzierter Thinktank, der uns regelmässig ein schlechtes Gewissen einreden soll, weil wir leben, wie wir leben

Comments

12 Responses to “Wann wird Bier verboten?”

  1. Rainer Lang
    Juni 25th, 2010 @ 07:41

    Alkohol ist auch ein Genussmittel und das unterscheidet ihn grundsätzlich von den Drogen. Man muss es schon sehr lange sehr übertreiben, um süchtig zu werden und das auch nicht notwendigerweise im Gegensatz zu Opiaten u.Ä. die unheimlich schnell bei jedem Konsumenten die Sucht auslösen. Alkohol geht auch nicht auf die Psyche, wie die für fälschlicherweise harmlos gehaltene Hanfprodukte und macht auch nicht schizophren, wie LSD.

    Allerdings sitzen in Verantwortungspositionen einige Leute, die Alkohol mit dem verhassten Bürgerlichen in Verbindung bringen und ihn am liebsten zusammen mit den Bürgerlichen verbieten lassen würden, wenn man sie lassen würde. Wenn ich an meine früheren Klassenkameraden denke, die an Drogen elend krepiert sind, dann steigt in mir eine unheimliche Wut auf, wenn ich diese Idioten, die geistig in den 60ern und Entwicklungsmässig im Alter von 15 steckengeblieben sind, im Fernsehen oder sonstwo reden höre. Diese Leute sollte man verbieten.

  2. Muriel
    Juni 25th, 2010 @ 09:26

    Nennt mich einen Kindskopf, aber solche Begriffe wie “Weltdrogentag” zaubern immer ein ganz breites Schmunzeln in mein Gesicht.
    Ich befürworte auch eher die Legalisierung von Drogen. Mir leuchtet einfach nicht ein, wieso man Menschen für etwas bestrafen muss, das niemandem außer ihnen selbst schadet.
    Weiß eigentlich jemand, ob es eine Untersuchung zu der Frage gibt, wie sich Verbot bzw. Legalisierung von Drogen auf den Konsum und die Zahl der Abhöngigen auswirken?

  3. Muriel
    Juni 25th, 2010 @ 09:27

    Rainer Lang: Ach so, übrigens, Leute verbieten. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

  4. Daniel
    Juni 25th, 2010 @ 09:33

    Vorab: Ich weiss, dass Du hier kein Verbot forderst. Aber:
    Ich mag diese Gedankenspiele nicht wirklich. Sie haben etwas trotziges: Wenn mir was verboten wird, warum wird das andere nicht verboten? Anstatt dass man sagt “wir können mit den negativen Folgen dieser Freiheit leben, dann müssen wir es auch woanders können”. Das spiegelt die Denke in unserer Gesellschaft wider, wo man nicht das Positive von einem Modell auf das andere überträgt, sondern das Negative.
    Und zweitens denken viele Leute exakt so und argumentieren auch so, ganz ohne das als hypothetisches Gedankenspiel zu sehen. Das müssen keine fanatischen Alkoholgegner sein, die den Stoff gleich ganz verbieten wollen. Vor den Verboten kommen ja die Regulierungen und die Steuererhöhungen (z.B. Alkoholverbot in Freiburg, Alcopopsteuer).
    Und schliesslich wird das Gerede vom “bösen Alkohol” auch noch für Lobbyarbeit ausgerechnet der kleinen und mittleren Brauereien verwendet, bei der man mittels Nachtverkaufsverbot die Tankstellenbierkäufer zurück in den Getränkemarkt drängen will, wo dann die regionalen Marken einen höheren Anteil haben.

    Natürlich sehe ich die Probleme, die durch den Mißbrauch von Alkohol entstehen. Fragt mal einen Polizisten, wieviele seiner Einsätze (von Bagatelldelikten über Vandalismus bis hin zu KV und Mord) direkt dem übermäßigen Genuß von Alkohol zu verdanken sind. Aber hier sehe ich eher einen Mangel an liberaler Politik, denn wer in Deutschland im Vollrausch straffällig wird, der hat mit Strafmilderung zu rechnen, und das ist das komplette Gegenteil von Eigenverantwortung. Ich meine, für im Rausch begangene Straftaten sollte es keinen automatische Strafmilderung geben, ganz im Gegenteil, zusätzlich zur Strafe müssten Therapien verordnet werden und im Wiederholungsfalle eben ein Alkoholverbot für diese Person und nötigenfalls eine Zwangseinweisung. Das klingt hart, aber ich kann es mit meinem liberalen Gewissen vereinbaren, bei einzelnen Verantwortlichen hart durchzugreifen. Das ist kein Widerspruch zum Liberalismus sondern die logische Konsequenz daraus, dass man die Allgemeinheit oder die chemische Substanz Ethanol von der kollektiven Verantwortung befreit, die ihnen die Gegner der Eigenverantwortung aufgeladen haben.

  5. Daniel
    Juni 25th, 2010 @ 09:36

    @Rainer:
    Es geht oft um den Kampf gegen vermeintlich bürgerliche Symbole. Das spiegelt sich auch in der Haltung der Grünen zu vielen Landeshundegesetzen und zu den Schützenvereinen wieder. Von Autos ganz zu schweigen.

  6. Wilfried Rieck
    Juni 25th, 2010 @ 09:52

    @Jan
    “dass Wert darauf gelegt würde, dass jeder tun und lassen kann, was er will, also ein freier Mensch sein darf.”

    Deine konsequente liberale Haltung in allen Ehren, aber ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Dieser letzte Satz ist bestimmt ein wenig überspitzt und, in Deiner üblichen (positiv gemeint) Art, provokant gemeint, oder?

  7. Jan
    Juni 25th, 2010 @ 18:16

    @Rainer Lang

    “Alkohol ist auch ein Genussmittel und das unterscheidet ihn grundsätzlich von den Drogen. ”

    Ist Haschisch denn ausser einer Droge nicht auch ein Genussmittel? Ich verstehe da den Unterschied nicht so ganz (und finde den Gedanken, “Genuss” staatlich definieren zu müssen sowieso etwas putzig).

    Deine Klassenkameraden sind wohl eher nicht krepiert, weil sie von Bürgertumshassern gezwungen worden sind, irgendwelche andere Drogen als Schnaps zu konsumieren, oder? An letzterem kann man auch ziemlich jämmerlich zugrunde gehen. Mag sein, dass das etwas weniger schnell geht – aber soll das ein vernünftiger Maßstab sein?

    @Muriel
    Naja, bei mir hat der “Weltdrogentag” auch ein Grinsen ausgelöst. Darum hab ichs überhaupt nur erwähnt;)

    @Daniel,
    du hast ziemlich genau erfasst, was ich mit diesem Artikel bezwecken will. Es soll eine Warnung sein, dass wenn es so weitergeht, wie jetzt, eines Tages (und das kann schneller gehen, als wir vielleicht denken – vor 5 Jahren haben wir über die Idee, Rauchen in Kneipen zu verbieten nur lachen können) aus Alkohol eine illegale Droge werden kann.

    @Wilfried,
    ich kann ja nicht jedes Mal noch diverse Relativierungen an eine solche Formulierung anfügen aber selbstverständlich findet die Freiheit dort ihre Grenzen, wo die Freiheit der anderen anfängt. Idealerweise jedenfalls (und das heisst: Leider nicht in diesem Land). Aber diese Einschränkung befolgend beschreibt “jeder soll machen was er will” im Großen und Ganzen mein Bild einer freien und offenen Gesellschaft.

  8. Blog Fürst » BZgA
    Juni 26th, 2010 @ 06:31

    [...] Beschreibung der “Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung”: Eine Art staatsfinanzierter Thinktank, der uns regelmässig ein schlechtes Gewissen einreden soll, weil wir leben, wie wir leben. Artikel verlinken: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können. [...]

  9. Nino Ruschmeyer
    Juni 26th, 2010 @ 10:32

    Grundsätzlich sehe ich es auch als eine historisch gewachsene Heuchelei an, zwischen Alkohol und “anderen Drogen” zu unterscheiden.

    Aber statt den üblichen Blick auf die Historie des Alkoholkonsums zu werfen, würde ich gern auf mal mit der Geschichtsbrille richtung Herrenchiemsee gucken: Es ist immer wieder cool, wenn Leute Art. 2 des Grundgesetzes (instinktiv) so verstehen, wie er mal gemeint gewesen ist!

    Das Bundesverfassungsgericht hat dagegen schon früh (E 6, 32 (36 f.) – Elfes) entschieden, Art. 2 Abs. 1 GG gewährleiste eine „allgemeine Handlungsfreiheit“ und schütze damit selbst so banale Dinge wie „das Reiten im Walde“ (E 80, 137 (152 ff.)). Dabei stützte das Gericht seine Auslegung maßgeblich auf den Willen des Verfassungsgebers: Der Parlamentarische Rat wollte dem Grundrecht zunächst die Formulierung „Jeder kann tun und lassen was er will“ geben und wählte nur der sprachlichen Gefälligkeit wegen die heutige Fassung. Für diese Ansicht spricht auch, dass die Schranken (insbesondere die der „verfassungsmäßigen Ordnung“) weiter als bei jedem anderen Grundrecht sind, was umgekehrt auf einen ungemein weiten Schutzbereich hindeutet.

    Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/A.....gsfreiheit

  10. R.A.
    Juni 28th, 2010 @ 12:31

    > Grundsätzlich sehe ich es auch als eine historisch
    > gewachsene Heuchelei an, zwischen Alkohol und
    > “anderen Drogen” zu unterscheiden.
    Historisch gewachsen ja, Heuchelei nein.
    Es gibt nun einmal alle möglichen Sorten Drogen, mit sehr verschiedenen Vor- und Nachteilen bzw. Risiken – da ist es völlig richtig zu differenzieren.

    Im übrigen wurde das Nötige zum Thema hier gesagt:
    http://www.politplatschquatsch.....aufen.html

  11. euckenserbe
    Juni 28th, 2010 @ 15:48

    Bei uns gibt´s kein Alkoholproblem. Is´ immer welcher da.

  12. Jan
    Juni 28th, 2010 @ 17:59

    R.A.
    Differenzieren meinetwegen – aber dann bitte fair. Und das Alkohol nicht verboten ist, bleibt in meinen Augen mehr oder weniger Zufall.

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