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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Der feine Unterschied

Posted on | Juni 26, 2010 | 11 Comments

Liberale können jede Silbe des folgenden Satzes unterschreiben:

Hamburgs Verwaltung und Wirtschaft kann nicht länger auf die Innovationskraft seiner gut ausgebildeten weiblichen Kräfte verzichten, wenn wir international mithalten wollen.

Geschrieben hat ihn ein Sozialdemokrat: Michael Neumann, Hamburger SPD-Fraktionsvorsitzender.

Allerdings ist das nur der halbe Satz. Komplett ergibt er einen völlig anderen Sinn und kann so nur von Sozialdemokraten (und Sozialisten, natürlich) guten Gewissens unterstützt werden, denn Neumann leitet die eigentlich richtige Feststellung ein mit

“Der Senat muss endlich im Bundesrat initiativ werden”

Das ist der feine Unterschied zwischen Sozialdemokraten und Liberalen. Beide mögen dieselben Probleme erkennen aber Ersteren fallen zu ihrer Lösung leider immer nur Zwangsmaßnahmen ein, während Liberale davon ausgehen, dass auch die Hamburger Wirtschaft durchaus gewillt sein dürfte, “international mithalten” zu wollen, also auf gut ausgebildete weibliche Kräfte – ganz wie Neumann es geschrieben hat – schlicht nicht verzichten kann.

Wer so mit dem Rücken zur Wand steht, wie der Fraktionsvorsitzende meiner Nachbarstadt es hier feststellt, den wird man nicht zu entsprechender Personalpolitik zwingen müssen. Er wird (Richtigkeit dieser Analyse vorausgesetzt) gewisse Dinge von sich aus ändern – oder untergehen, also Platz machen für Unternehmen, die es von vornherein besser können.

Comments

11 Responses to “Der feine Unterschied”

  1. Muriel
    Juni 26th, 2010 @ 10:52
  2. Christian S.
    Juni 26th, 2010 @ 15:28

    Beide mögen dieselben Probleme erkennen aber Ersteren fallen zu ihrer Lösung leider immer nur Zwangsmaßnahmen ein, während Liberale davon ausgehen, dass auch die Hamburger Wirtschaft durchaus gewillt sein dürfte, “international mithalten” zu wollen, also auf gut ausgebildete weibliche Kräfte – ganz wie Neumann es geschrieben hat – schlicht nicht verzichten kann.

    Richtig. Und der entscheidende Punkt ist: Sozialdemokraten haben Recht. “Die Wirtschaft” (TM) braucht Druck und Zwang, sonst handelt sie nicht so, wie es gut für die Allgemeinheit ist. Umweltschutz gibt’s auch nur durch staatliche Auflagen, deshalb braucht man auch Kartellämter.

  3. Robert Michel
    Juni 26th, 2010 @ 16:46

    Ich bezweifle das wirklich ein Problem besteht. Wenn Frauen in den gut qualifizierten Jobs unterrepräsentiert sind, muss das nicht daran liegen, dass besondere Hindernisse bestehen, es kann auch daran liegen, dass Frauen außerhalb der Wirtschaft bessere Alternativen haben. Weil sich nicht ohne weiteres sagen lässt was die eigentliche Ursache ist, ist es falsch hier auf Zwangsmaßnahmen zu setzen.

  4. Christian S.
    Juni 26th, 2010 @ 16:48

    Wenn Frauen in den gut qualifizierten Jobs unterrepräsentiert sind, muss das nicht daran liegen, dass besondere Hindernisse bestehen, es kann auch daran liegen, dass Frauen außerhalb der Wirtschaft bessere Alternativen haben.

    Alle Untersuchungen zu dem Thema besagen das Gegenteil, aber okay. ;)

  5. Rayson
    Juni 26th, 2010 @ 17:13

    “Die Wirtschaft” (TM) braucht Druck und Zwang, sonst handelt sie nicht so, wie es gut für die Allgemeinheit ist.

    Das war, unabhängig davon, für wie richtig bzw. sinnvoll man diese Art von Aussagen hält, noch nicht mal das Thema. Die Sozis finden es, und genau dafür ist das hier ein Beispiel, offensichtlich richtig, andere auch zu etwas zu zwingen, was die Sozis als deren angebliches Eigeninteresse definiert haben. Paternalistischer geht es nicht.

  6. Robert Michel
    Juni 26th, 2010 @ 18:05

    @Christan: Die meisten Untersuchungen stellen diese Frage noch nicht einmal oder kommen zum Ergebnis, dass es keine direkte Diskriminierung gibt.

  7. Julia
    Juni 27th, 2010 @ 14:07

    Grundsätzlich stimme ich dir zu, Jan: Zwangsmaßnahmen immer das allerletzte Mittel, und wer es eben wider besseren Wissens verschläft, der hat dann die sich daraus ergebenden Probleme auch selbst zu tragen.
    Aber was mir nicht so ganz klar ist: Ab wann merkt auch ein Liberaler, dass der Markt ein spezifisches Problem nicht mehr regelt und man deswegen doch mal was machen sollte? Man kann sich halt hinter der Floskel “Das soll der Markt regeln” sehr gut verstecken, so dass man das Problem für weitere zehn Jahre ruhen lassen kann. Dieser Verdacht drängt sich mir manchmal leider auf. Sage ich als Liberale, im Übrigen.
    Und @Robert Michel: Das Problem ist mittlerweile gut genug erforscht, um zu wissen, dass dem nicht so ist, wie du schreibst.

  8. Jan
    Juni 27th, 2010 @ 17:09

    Chistian,
    mein Punkt ist aber ja, dass wenn Neumann richtig liegen sollte und massenweise Unternehmen gerade etwas tun, dass sie sich nicht leisten können, sie entweder das ändern oder pleite gehen werden. Das Problem löst sich also auch ohne gesetzgeberisches Einschreiten auf die eine oder andere Weise selbst, sofern es wirklich so gravierend sein sollte.

    Julia,
    vermutlich liegt hier tatsächlich ein Fall vor, den der Markt bisher eben nicht von selbst geregelt bekommen hat. Ich hab nicht den Eindruck, dass das innerhalb der FDP beispielsweise grundsätzlich anders gesehen, beziehungsweise totgeschwiegen wird aber ob diese Angelegenheit wirklich ein staatliches Eingreifen nötig macht, ist dann wieder eine ganz andere Frage. Warum sollte man denn einen potenziellen Wettbewerbsvorteil “frauenfreundlicherer” Unternehmen per Gesetz abschaffen?

  9. Rayson
    Juni 28th, 2010 @ 00:22

    @Julia

    Selbstverständlich regelt der Markt nicht jedes Problem. Das kann er schon definitionsgemäß nicht, denn was die Marktteilnehmer durch ihre Präferenzen zum Ausdruck bringen, kann sich massiv von dem unterscheiden, was andere als Problem auffassen oder eben nicht. Ich halte diesen Unterschied für sehr wichtig, weil es sehr einfach ist zu sagen: “Das und das ist ein Problem, ich hätte es gerne anders.”, während es viel schwieriger ist, begrenzte Ressourcen auf Präferenzen aufzuteilen – was letztlich aber jede Problemlösung genau so erfordert, auch wenn die sie begleitende Rhetorik diesen Fakt immer geflissentlich ignoriert.

    Beispiel: Rauchverbot. Per Abstimmungen und Meinungsumfragen lässt sich eine Mehrheit finden, dass Menschen das Rauchen in allen Gaststätten verboten wird. Problem (“Mitrauchen”) erkannt, Problem gelöst. Doch die Tatsache, dass sich bisher keine Nichtrauchergaststätten durchgesetzt haben, deutet eher darauf hin, dass man als Nichtraucher zwar lieber nicht “mitrauchen” würde, diese Unannehmlichkeit aber in den Präferenzen deutlich hinter allen anderen Gründen zurücksteht, warum man einen Gasthof aufsucht. Der Test “put your money where your mouth is” hätte hier versagt. Um wieviel einfacher und beliebiger ist es daher, nur seinen Mund zum Einsatz bringen zu müssen, um ein Problem dadurch zu “lösen”, dass man ohne eigene Opportunitätskosten die Freiheit anderer einschränkt.

    Das wäre das eine. Das andere wäre die Frage, wen welches Problem überhaupt etwas angeht. Wenn, wie im gegebenen Fall eine zu geringe Anzahl von Frauen in Leitungsgremien sich nachteilig für Unternehmen auswirken würde, müsste man schon eine kollektive Bewusstseinsstörung unter allen nicht nur derzeit aktiv am Markt Handelnden, sondern auch allen potenziellen Konkurrenten diagnostizieren. Es ist ein Ding, ob ich dem Markt “Versagen” in Hinblick auf gesamtwirtschaftliche Ziele unterstelle, aber wenn ich anfange, den einzelnen Marktteilnehmern schon bei individualwirtschaftlichen Dingen vorschreiben zu wollen, was besser für sie ist, dann wäre das eine viel eklatantere Anmaßung von Wissen als die, die sich ein Hayek je hätte erträumen lassen.

    Kommen wir damit zum gesamtwirtschaftlichen Nutzen. Hier sind tatsächlich Fälle vorstellbar, in denen ein Markt der Theorie nach nicht zu bestmöglichen (ich sage bewusst nicht: “optimalen”) Ergebnissen führt. Die Finanzwissenschaft hat schon vor sehr langer Zeit die “Theorie der öffentlichen Güter” entwickelt, wonach z.B. Umweltschutz ohne Rahmensetzung von außen nicht im gesamtwirtschaftlich angemessenen Rahmen praktiziert werden würde. Hier geht es aber um systematische Probleme, die aufgrund z.B. fehlender Eigentumsrechte den Marktmechanismus nicht richtig wirken lassen.

    Dasselbe wäre übrigens auch über die Finanzkrise zu sagen, die nicht nur eine Ursache hat, aber eine davon ist sicher ein notorisches Umgehen von Haftung für das eigene Handeln.

    Was aber eher unwahrscheinlich ist, um es vorsichtig auszudrücken, ist, dass Politiker für aus ihrer Sicht unzureichend gelöste Probleme mit hinreichender Fundierung Marktversagen diagnostizieren können. Das ist in der Regel nur ein leichtfertiges Urteil darüber, dass die Welt da draußen nicht so will, wie man selbst es sich wünscht, und bei Sozis entwickelt sich daraus immer ein unbedingter Wille, Zwang auszuüben.

    Damit komme ich zum letzten Punkt: Selbst wenn wir alle uns furchtbar einig sind, dass irgendwo ein Marktversagen vorliegt, und dass dieses Problem dadurch zu lösen wäre, dass von außen die richtigen Inputs geliefert werden, müsste man sich immer noch fragen, wer denn den Handelnden “von außen” (also dem Staat) genug Kompetenz und Motivation besitzt, auch die richtigen Inputs zu finden und nicht etwa solche, die entweder das vorhandene Problem noch verschlimmern oder woanders erhebliche neue Probleme schaffen.

    Und deswegen ist der Liberale notorisch kritisch: Hayek hat uns gezeigt, dass die Kompetenz einzelner Handelnder bezweifelt werden muss, und Buchanan, dass auch ihre Motivation nicht die eines gutmeinenden Diktators ist.

    Die Logik daraus ist: Es gibt einen kleinen Anteil wirtschaftlicher Probleme, bei denen der Markt Probleme hat, sie adäquat zu lösen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat diese Probleme besser löst, ist aber auch nicht besonders hoch. Daher macht man so gut wie nie einen Fehler, wenn man diskretionäres staatliches Eingreifen ablehnt (“diskretionär” im Gegensatz zur Rahmensetzung, die für die Sicherung und Etablierung von Eigentumsrechten und Haftung erforderlich ist).

  10. Muriel
    Juni 28th, 2010 @ 00:42

    @Rayson: Yeah! Genau das wollte ich auch sagen. Nur viel kürzer und nicht so schön…

  11. R.A.
    Juni 28th, 2010 @ 12:28

    Schon interessant.

    Fakt ist, daß in deutschen Vorständen deutlich mehr Männer als Frauen sitzen.
    Daraus schließen die Linken dann direkt, daß nur irgendeine Gemeinheit der Grund sein kann. Das dieses Verhältnis die natürliche Folge von legitimen Präferenzen und Entscheidungen sein kann, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.
    Also soll der Gesetzgeber die Quote per Zwang “korrigieren”.

    Fakt ist auch, daß in deutschen Gefängnissen deutlich mehr Männer als Frauen sitzen.
    Dies kann ja nach linker Logik auch nicht die Folge von legitimen Präferenzen und Entscheidungen sein – hier muß irgendeine Gemeinheit zu Grunde liegen.

    Wir warten also darauf, daß Neumann nun Maßnahmen fordert, daß mehr Frauen in den Knast kommen …

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